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Die „Achtundsechziger“ – Olympische Erinnerungen an Grenoble und Mexiko

Im Mittelpunkt des OSPC-Treffs am 5. Mai stand diesmal ein vor allem sporthistorischer Rückblick auf die Olympischen Spiele vor 50 Jahren. Olympia-Experte Volker Kluge überraschte in seinem zweistündigen Vortrag die OSPC-Mitglieder und ihre Gäste im Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf immer wieder mit hochinteressanten sportpolitischen Fakten, kaum bekannten Dokumenten und vielen persönlichen Erlebnissen.

FDC Grenoble 1968

So zum Beispiel damit, das der IOC-Beschluss von 1965, der für die 68iger Spiele erstmals zwei getrennte deutsche Olympia-Mannschaften mit gemeinsamer Fahne und Hymne zuließ, nur für jene Spiele gelten und dass für München 1972 neu verhandelt werden sollte. Am 1.11.1968 wurde das DDR-NOK mit allen Rechten voll anerkannt. Der Weg für eine eigenständige Mannschaft in München war damit frei.

Oder, dass Stasi-Unterlagen durchaus belegen, dass der sogenannte „Kufenskandal“ von Grenoble, bei dem die drei DDR-Rennrodlerinnen um Ihre Medaillen gebracht wurden, nicht nur von bundesdeutscher Seite vorangetrieben worden war, sondern, dass auch Polen, Österreich und Italien ihre „Aktien“ daran hatten.

FDC Einschreiben 1968 Mexiko

Oder , dass wegen der militärischen Niederschlagung des Prager Frühlings durch die Armeen des Warschauer Paktes ein Olympia-Boykott der Sommerspiele in Mexiko drohte, dessen erste Vorzeichen die Europäischen Jugendspiele der Leichtathleten vom 23.-25. August 1968 in Leipzig zu spüren bekamen. 12 westeuropäische Länder, darunter auch die BRD, zogen ihre Mannschaften kurzfristig aus Leipzig ab.

 

OSPC-Mitglied Volker Kluge hatte sich aber noch einen Gast mitgebracht, der unserer Veranstaltung olympischen Glanz gab. Mit Klaus Beer (links im Bild mit V. Kluge) war der Olympia-Zweite im Weitsprung von Mexiko 1968 zu uns gekommen.

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Seine eindrucksvollen Schilderungen vom historischen 18. Oktober 1968 werden wir wohl nicht mehr so schnell vergessen. Um 15:43 Uhr Ortszeit sprang der US-Amerikaner Bob Beamon 8,90 m weit. „Ich habe den Sprung nur von hinten gesehen, da ich schon beim Ausziehen war. Danach begann es zu regnen. Der Wettkampf war 20 Minuten unterbrochen, weil man soviel Zeit zum Messen des Sprunges benötigte“, erinnerte sich der heute 75jährige Berliner, der sich damals in Mexiko nicht vom „Jahrhundertsprung“ beeindrucken ließ. Als Einziger des Wettkampfes verbesserte er sich noch auf 8,19 m und gewann damit Silber.

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Über die Ursachen des Beamon-Sprunges wird noch heute gerätselt. Jedoch gibt es durchaus Fakten, die diese Super-Leistung erklären können, wie Volker Kluge und Klaus Beer erläuterten.

Bob Beamon 18.07.2013 Spiegel online

Da waren einmal die Höhenbedingungen von Mexiko-City mit 2.248 Metern und einem gerade noch zulässigen Rückenwind von 2,00 m/s.

Beamons Anlaufgeschwindigkeit betrug 10,7 sec.. Der Absprungwinkel mit 24 Grad und das Last/Kraftverhältnis waren optimal. „Und er hatte die Beine weit genug vorn“, erinnerte sich Klaus Beer. Ob auch schon Doping mit im Spiel war? Der Berliner Olympiazweite kann es sich nicht vorstellen. „Zu dieser Zeit hatten Springer und Sprinter noch viel zu viel Angst vor Anabolika, weil sie wegen des zu großen Muskelzuwachses Schnellkraft-Nachteile befürchteten“.

1968.Bob_Beamon.USA

Dass Bob Beamon 1987 auf Einladung der DDR-Zeitung „Junge Welt“ zur Sportlerauszeichnung in Berlin war, auch daran erinnerte Volker Kluge, der den Afro-Amerikaner und seine Frau als sehr freundliche und bescheidene Menschen erlebt hatte. Klaus Beer und Bob Beamon mussten  damals viele Autogramme geben. „Das hätte den ganzen Tag so weiter gehen können – aber wir mussten irgendwann weg – zum Kegeln!“, weiß Klaus Beer noch zu berichten.

Autogramme musste er übrigens dann auch noch bei uns geben. OSPC-Mitglied Christian Kunz aktualisierte seine umfangreiche „Achtundsechziger“-Sammlung und stellte freundlicherweise diese Fotos zur Verfügung.

1968.Boston.Beamon.Beer.

 

(Autor: KJA)

 

 

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Zwischen Seoul 1988 und Pyeongchang 2018

 

so der Titel unseres OSPC- Treffs  mit Beiträgen von Volker Kluge, Klaus-Jürgen Alde und Thomas Lippert, der am Freitag, dem 1. September um 10:30 Uhr im Koreanischen Kulturzentrum am Leipziger Platz in Berlin stattfand.

 

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Das Kulturzentrum ist schon jetzt voll auf die Olympischen und Paralympischen Winterspiele von Pyeongchang 2018 eingestellt: Im Erdgeschoss werden die Besucher von den Maskottchen Soohorang und Bandabi begrüßt und über wesentliche Fakten zu den Winterspielen informiert.

OSPC-Treff Korea

Für die angereisten Mitglieder des OSPC und interessierte Gäste gab es drei Referate mit sporthistorischem und aktuellem Korea-Bezug.

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Klaus-Jürgen Aldes Vortrag „Dank Olympia – Wie sich Südkorea zwischen 1985 und 1988 der Welt öffnete“ war ein auch weitgehend persönlicher Erlebnisbericht aus einer Zeit, als gerade zwei Olympia-Boykotte die olympische Bewegung erschüttert hatten und die Olympischen Spiele 1988 in einem Land staffinden sollten, zu dem der Ostblock keine Beziehungen hatte. Er war derjenige Sportreporter, der erstmals im DDR-Rundfunk live aus  Südkorea anlässlich der Judo-WM 1985 berichtete. Auch die DDR tat sich schwer, die Beziehungen zu normalisieren, was sich auch auf den Post-und Fernmeldeverkehr (nicht nur der Olympiaphilatelisten) auswirkte. Erst in jenem Jahr gab es den ersten offiziellen Brief-und Kartenaustausch zwischen beiden Ländern.

Volker Kluge referierte über ein besonderes Kapitel der koreanischen Sportgeschichte: Unter dem Namen  Kitei Son steht der koreanische Marathonläufer als Mitglied der japanischen Olympiamannschaft in den Siegerlisten von Berlin 1936, eine Tatsache, die im Korea nach dem II. Weltkrieg natürlich auf wenig Gegenliebe stieß.

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Der Wanderpreis für den Marathonsieger von 1936, ein antiker korinthischer Helm als  Stiftung aus Griechenland, spielte in dieser Geschichte dann auch noch eine besondere Rolle, wie Volker Kluge ausführlich darlegte.

Abschließend folgte ein Ausblick auf die kommenden Winterspiele im Februar 2018 durch Thomas Lippert. In seinem sportlich-philatelistischen Reisebericht gab er einen aktuellen Einblick über den Stand der Vorbereitungen in den Olympiastädten Pyeongchang und Gangneung und die Philatelie der Winterspiele 2018.

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Auch fehlte nicht ein Blick auf die koreanische Nationalsportart Taekwondo und den eSport, der auch in Korea zunehmend populärer wird. Eindrücke aus dem gepflegten  Olympiapark von 1988 in Seoul rundeten den Vortrag ab.

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Eine besondere Attraktion für die Besucher des Kulturzentrums: Ein Fotoapparat vor einer Pyeongchang-2018-Schautafel. Ein gelungener Schnappschuss auch für die drei Referenten des „koreanischen OSPC-Tages“ in Berlin.

 

(Autoren: TL und KJA)