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Die „Achtundsechziger“ – Olympische Erinnerungen an Grenoble und Mexiko

Im Mittelpunkt des OSPC-Treffs am 5. Mai stand diesmal ein vor allem sporthistorischer Rückblick auf die Olympischen Spiele vor 50 Jahren. Olympia-Experte Volker Kluge überraschte in seinem zweistündigen Vortrag die OSPC-Mitglieder und ihre Gäste im Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf immer wieder mit hochinteressanten sportpolitischen Fakten, kaum bekannten Dokumenten und vielen persönlichen Erlebnissen.

FDC Grenoble 1968

So zum Beispiel damit, das der IOC-Beschluss von 1965, der für die 68iger Spiele erstmals zwei getrennte deutsche Olympia-Mannschaften mit gemeinsamer Fahne und Hymne zuließ, nur für jene Spiele gelten und dass für München 1972 neu verhandelt werden sollte. Am 1.11.1968 wurde das DDR-NOK mit allen Rechten voll anerkannt. Der Weg für eine eigenständige Mannschaft in München war damit frei.

Oder, dass Stasi-Unterlagen durchaus belegen, dass der sogenannte „Kufenskandal“ von Grenoble, bei dem die drei DDR-Rennrodlerinnen um Ihre Medaillen gebracht wurden, nicht nur von bundesdeutscher Seite vorangetrieben worden war, sondern, dass auch Polen, Österreich und Italien ihre „Aktien“ daran hatten.

FDC Einschreiben 1968 Mexiko

Oder , dass wegen der militärischen Niederschlagung des Prager Frühlings durch die Armeen des Warschauer Paktes ein Olympia-Boykott der Sommerspiele in Mexiko drohte, dessen erste Vorzeichen die Europäischen Jugendspiele der Leichtathleten vom 23.-25. August 1968 in Leipzig zu spüren bekamen. 12 westeuropäische Länder, darunter auch die BRD, zogen ihre Mannschaften kurzfristig aus Leipzig ab.

 

OSPC-Mitglied Volker Kluge hatte sich aber noch einen Gast mitgebracht, der unserer Veranstaltung olympischen Glanz gab. Mit Klaus Beer (links im Bild mit V. Kluge) war der Olympia-Zweite im Weitsprung von Mexiko 1968 zu uns gekommen.

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Seine eindrucksvollen Schilderungen vom historischen 18. Oktober 1968 werden wir wohl nicht mehr so schnell vergessen. Um 15:43 Uhr Ortszeit sprang der US-Amerikaner Bob Beamon 8,90 m weit. „Ich habe den Sprung nur von hinten gesehen, da ich schon beim Ausziehen war. Danach begann es zu regnen. Der Wettkampf war 20 Minuten unterbrochen, weil man soviel Zeit zum Messen des Sprunges benötigte“, erinnerte sich der heute 75jährige Berliner, der sich damals in Mexiko nicht vom „Jahrhundertsprung“ beeindrucken ließ. Als Einziger des Wettkampfes verbesserte er sich noch auf 8,19 m und gewann damit Silber.

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Über die Ursachen des Beamon-Sprunges wird noch heute gerätselt. Jedoch gibt es durchaus Fakten, die diese Super-Leistung erklären können, wie Volker Kluge und Klaus Beer erläuterten.

Bob Beamon 18.07.2013 Spiegel online

Da waren einmal die Höhenbedingungen von Mexiko-City mit 2.248 Metern und einem gerade noch zulässigen Rückenwind von 2,00 m/s.

Beamons Anlaufgeschwindigkeit betrug 10,7 sec.. Der Absprungwinkel mit 24 Grad und das Last/Kraftverhältnis waren optimal. „Und er hatte die Beine weit genug vorn“, erinnerte sich Klaus Beer. Ob auch schon Doping mit im Spiel war? Der Berliner Olympiazweite kann es sich nicht vorstellen. „Zu dieser Zeit hatten Springer und Sprinter noch viel zu viel Angst vor Anabolika, weil sie wegen des zu großen Muskelzuwachses Schnellkraft-Nachteile befürchteten“.

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Dass Bob Beamon 1987 auf Einladung der DDR-Zeitung „Junge Welt“ zur Sportlerauszeichnung in Berlin war, auch daran erinnerte Volker Kluge, der den Afro-Amerikaner und seine Frau als sehr freundliche und bescheidene Menschen erlebt hatte. Klaus Beer und Bob Beamon mussten  damals viele Autogramme geben. „Das hätte den ganzen Tag so weiter gehen können – aber wir mussten irgendwann weg – zum Kegeln!“, weiß Klaus Beer noch zu berichten.

Autogramme musste er übrigens dann auch noch bei uns geben. OSPC-Mitglied Christian Kunz aktualisierte seine umfangreiche „Achtundsechziger“-Sammlung und stellte freundlicherweise diese Fotos zur Verfügung.

1968.Boston.Beamon.Beer.

 

(Autor: KJA)

 

 

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Glänzender Auftritt des deutschen Olympia-Teams in Pyeongchang

Olympische Spiele sind schon etwas ganz besonderes, nicht nur für die Sportlerinnen und Sportler, sondern auch für uns Zuschauer und Olympiaphilatelisten.

Das große Interesse in Deutschland an den Winterspielen in Pyeongchang war natürlich vor allem auch auf das zuvor kaum erwartete sehr gute Abschneiden des eigenen Teams zurückzuführen. Mit 14 mal Gold, 10 mal Silber und siebenmal Bronze wurde die deutsche Olympiamannschaft in der Medaillenwertung hinter Norwegen und vor Kanada Zweiter.

Noch nie zuvor hatten deutsche Wintersportler bei Olympia so häufig gewonnen. 1998 in Nagano und 2002 in Salt Lake waren je zwölf Goldmedaillen das Maximum. Und sicher wird auch diesmal die Sporthilfe-Philatelie den Olympiasiegern wieder ein individuelles postalisches Denkmal setzten.

Pünktlich zum Beginn der Winterspiele in Pyeongchang brachte die südkoreanische Post am 9. Februar diesen Bogen heraus.

 

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Die 14 Briefmarken zeigen zwei markante Motive: Einen Medaillensatz sowie die Olympische Fackel.

Beide Markenmotive waren die richtige Einstimmung für das 14-tägige Spektakel in Südkorea. Die Eröffnungsveranstaltung gehörte zu den stimmungsvollsten in der Geschichte der Winterspiele – eine tolle, farbenprächtige Verbindung zwischen koreanischer Historie und Gegenwart mit modernster digitaler Technik und viel Feuerwerk in Szene gesetzt.

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Südkoreas Staatspräsident Moon Jae-In erklärte die Wettkämpfe mit der traditionellen Begrüßungsformel auf Koreanisch für eröffnet. Danach entzündete Kim Yuna, Südkoreas Eiskunstlauf-Olympiasiegerin von 2010 in Vancouver und Zweite von Sotschi 2014, das Olympische Feuer.

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Kim Yuna auf einer koreanischen Briefmarke 2010 nach ihrem Olympiasieg. Die Post hatte damals alle südkoreanischen Medaillengewinner von Vancouver auf einem Block gewürdigt.

 

Vom Fahnenträger zum Olympiasieger

Zuvor waren Athleten aus Nord- und Südkorea gemeinsam ins Olympiastadion einmarschiert. Das hatte es zuletzt bei Winterspielen 2006 in Turin gegeben. An der Spitze der deutschen Mannschaft trug Kombinierer Eric Frenzel die Fahne. Insgesamt 153 deutsche Sportler nehmen an den Spielen in Südkorea teil.

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Eric Frenzel beim Einmarsch  sowie  danach beim Jubeln über seine drei Medaillen. 

 

Deutschlands Fahnenträger Eric Frenzel war von der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang regelrecht ergriffen. “Das war ein tolles Erlebnis. Daran werde ich mich mein Leben lang erinnern”, sagte der Oberwiesenthaler Kombinierer, der vor vier Jahren in Sotschi Olympiasieger von der Normalschanze und im 10 km Sprint geworden war. Und das ihm dieses „Kunststück“ nach einer recht durchwachsenen Saison in Pyeongchang noch einmal gelingt – auch das wird er wohl niemals vergessen, wie das weiteren Gold mit dem Team und die Bronzemedaille beim deutschen Dreifach-Erfolg im Kombiwettbewerb von der Großschanze. (s.u.)

Diese Briefmarke Individuell und die Coincard erinnern uns auf einmalige Weise an die Winterspiele 2014 und sind dem Goldmedaillengewinner  Eric Frenzel gewidmet. Die Coincard enthält die französische 2 Euro-Gedenkmünze, die den Gründer des Internationalen Olympischen Komitees, Baron Pierre de Coubertin, zeigt.

Olympischer Friede auf Dauer???

Die Eröffnungsfeier der 23.Olympischen Winterspiele stand ganz im Zeichen politischer Entspannung – im Stadion und auf der Tribüne. Zwei täuschend echt aussehende Doubles von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un waren die heimlichen Stars der Party im Olympiastadion. Die beiden verbrüderten sich auf der Tribüne, winkten den einlaufenden Sportlern einträchtig zu – und konnten sich vor Selfie-Anfragen und Schulterklopfern kaum retten.

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Zur Zeit noch ein großer Fake, vielleicht bald aber schon Realität? Die beiden Doubles posierten im Stadion von Pyeongchang. Und auf eine Fake-Briefmarke haben es sogar schon die „echten“ Trump- und Kim geschafft. © AFP PHOTO / Brendan Smialowski

Das weltpolitisch wichtigere Treffen fand aber auf der Ehrentribüne statt. Kim Jong Uns Schwester Kim Yo Jong, die die nordkoreanische Delegation anführte, schüttelte Südkoreas Präsident Moon Jae-in nicht nur die Hand, sondern überbrachte auch eine Einladung ihres Bruders zu einem Besuch des südkoreanischen Präsidenten in Nordkoreas Hauptstadt. Ob dieser  olympische Frieden und die politische Annäherung zwischen den verfeindeten koreanischen Staaten von Dauer sein kann, wird die Zeit nach den Spielen beweisen müssen.

Südkoreas Präsident Moon Jae-in (links) auf einer Briefmarke anlässlich seiner Amtseinführung als 19. Präsident des Landes am 10.Mai 2017. Die koreanische Post gab zusätzlich noch zwei Gedenk-Blöcke heraus. Auf der rechten nordkoreanischen Marke vom 1.9.2017 ist Führer Kim Jong Un zu sehen, wie er im Kreise von Militärs den erfolgreichen Test der Hwasong – 14-Rakete feiert, die auch Atomsprengköpfe tragen kann. Diese Marke stammt von einem der unzähligen Blöcke, die 2017 von der nordkoreanischen Post zu den die ganze Welt provozierenden Raketenstarts und zur Huldigung von Kim veröffentlicht hat.

Team D wie Dahlmeier

Biathletin Laura Dahlmeier gewann nicht nur die erste Goldmedaille für das deutsche Team, sondern ist auch die erste Doppel-Olympiasiegerin von Pyeongchang. Die 24- Jährige aus Partenkirchen siegte zunächst im Sprint und tags darauf auch in der Verfolgung. Bei den Spielen in Vancouver 2010 hatte Magdalena Neuner in Verfolgung und Massenstart triumphiert. Nach Kati Wilhelm 2002 in Salt Lake City ist Dahlmeier erst die zweite deutsche Olympiasiegerin im Sprint. Hinzu kam für sie in Pyeongchang bislang noch eine Bronzemedaille im Einzelwettkampf über 15 Kilometer.

Während Wilhelm und Neuner längst schon ihre philatelistische Ehrung als Olympiasiegerinnen erfahren haben, wird diese für Laura Dahlmeier nun auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Als Weltmeisterin hatte sie ja schon die Ehre.

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Peiffer nur mit zwei „f“

Nach Laura Dahlmeier überraschte auch Biathlet Arnd Peiffer mit Gold in der Sprintentscheidung der Männer.

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Der 30jährige Niedersachse hatte 2011 den WM-Titel im Sprint gewonnen und war zudem bereits dreimal mit den Staffeln Weltmeister. Für den Harzer, der 2014 in Sotschi mit der Staffel Olympia-Silber geholt hatte, war es erst der neunte Sieg seiner Karriere. Nun wird er auch auf einer Einzelmarke der Deutschen Sporthilfe verewigt werden. Bisher hatte er es „nur“ ins Markenheftchen geschafft.

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Sporthilfe-Individualmarkenheftchen, Biathlon-WM 2017 Hochfilzen, postfrisch

Dieses Markenheftchen erinnert mit einer Marke an das große Jubiläum „50 Jahre Deutsche Sporthilfe“ und ehrt mit fünf weiteren Selbstklebemarken zu 45 Cent  unsere Goldmedaillengewinner bei der WM in Hochfilzen: Vanessa Hinz, Laura Dahlmeier, Arnd Peiffer, Simon Schempp (Olympiazweiter in Pyeongchang im Massenstart), Maren Hammerschmidt, Franziska Hildebrand und Benedikt Doll. Peiffer hatte mit Hinz, Dahlmeier und Schempp Gold in der Mixed-Staffel gewonnen.

 

Sprünge aufs Podest

Für einen deutschen Olympiasieg sorgte überraschend auch Skisprung-Vizeweltmeister Andreas Wellinger. Er gewann das erste Einzelgold eines deutschen Skispringers seit Jens Weißflog 1994. Der Ruhpoldinger verbesserte sich  im zweiten Durchgang von der kleinen Schanze mit dem eingestellten Schanzenrekord von 113,5 Metern von Platz fünf auf Platz eins. Von der großen Schanze hätte es fast wieder zum Sieg gereicht. Am Ende konnte sich Wellinger hinter dem Polen Stoch über Silber freuen.

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Auch für Andreas Wellinger wird es nun sicher eine Einzel-Briefmarke geben. Nach Sotschi 2014 wurde er immerhin mit dem siegreichen Team auf dieser Marke abgebildet. In Pyeongchang gab es für das Team mit  Wellinger , Freitag, Geiger und Leyhe hinter Norwegen die Silbermedaille.

 

Wo es bergab geht sind sie Spitze!

Als absolut Top erwies sich wiederum Rodlerin Natalie Geisenberger. Die Miesbacherin hatte schon vor vier Jahren im Einsitzer-Wettbewerb in Sotschi Olympia-Gold gewonnen. In Pyeongchang krönte sie ihre Laufbahn mit ihrem zweiten Einzel-Olympiasieg vor Mannschaftskameradin Dajana Eitberger. Für Fortsetzung der „Geisenberger-Briefmarken-Serie“ ist also gesorgt, zumal mit der deutschen Teamstaffel noch eine weitere Goldmedaille hinzu kam.

Nach Einzel-Bronze 2010 in Vancouver sowie je zweimal Gold im Einzel und der neu eingeführten Teamstaffel 2014 in Sotschi und 2018 in Pyeongchang  ist Geisenberger nun die erfolgreichste Rodlerin der Olympia-Geschichte.

Die Rennrodlerin macht aber auch außerhalb ihrer Sportart eine gute Figur. So am 21. Mai 2016 als sie beim DFB-Pokalfinale mit der Trophäe in den Armen die beiden Finalisten Bayern München und Borussia Dortmund ins Berliner Olympiastadion führen  durfte.

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14 Millionen Zuschauer verfolgten außerhalb der Arena das Geschehen am Fernsehgerät.  München gewann übrigens 4 zu 3 nach Elfmeterschießen. Sehr zur Freude der gebürtigen Münchnerin Natalie Geisenberger.

Die Siegesserie bei den deutschen Rodlern ging aber weiter. Tobias Wendl und Tobias Arlt konnten ebenso wie zuvor Natalie Geisenberger und der Nordische Kombinierer Eric Fernzel ihre Erfolge von Sotschi wiederholen.

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Und dann  gewannen  Wendl/Arlt gemeinsam mit Natalie Geisenberger und Johannes Ludwig auch noch Gold  mit der Teamstaffel.

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Damit konnten neben Natalie Geisenberger auch die beiden Berchtesgadener Wendl und Arlt mit insgesamt vier Goldmedaillen den dreimaligen Olympiasieger Georg Hackl als bislang erfolgreichsten Olympia-Rodler ablösen.

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Diese Marke Individuell wurde anlässlich des Gewinns der Goldmedaille 2014 mit der  Teamstaffel verausgabt. Gold holten in Sotschi Natalie Geisenberger, Felix Loch, Tobias Wendl und Tobias Arlt. Die Marke Individuell hat einen Nennwert zu 25 Cent und zeigt ein Foto der Sieger.

IMG_2631Felix Loch, der  in Pyeongchang im Einzel patzte und damit verabredungsgemäß dem Besseren, Johannes Ludwig den Platz in der Staffel überlassen musste, blieb diesmal medaillenlos. Der 32jährige Oberhofes  Ludwig krönte mit Staffel-Gold und Einzel-Bronze seine  Rodler-Karriere. Auf eine Briefmarke hatte er es aber auch schon mal geschafft. 2017 gehörte er der erfolgreichen Weltmeister-Staffel an, die von der Sporthilfe-Philatelie in einem Markenheftchen gewürdigt wurde.

Freudentränen nicht nur auf dem Eis

 

Auch wenn wir sie noch nicht auf einer Briefmarke vereint vorfinden, Aljona Savchenko und Bruno Massot müssen hier unbedingt erwähnt werden. Eine eingebürgerte Ukrainerin und ein eingebürgerter Franzose  sorgten nach 66 Jahren endlich wieder einmal für deutsches Paarlauf-Gold bei Olympischen Spielen. Fast schon aussichtslos auf Rang Vier nach dem Kurzprogramm, liefen sie die Kür ihres Lebens – nahezu perfekt. Athleten und Zuschauer waren zu Tränen gerührt. Nur die ganz alten Leser werden sich noch an Ria und Paul Falk erinnern, die 1952 in Oslo für die BRD triumphierten. Eine Briefmarke blieb ihnen versagt. Die bekam offiziell von der Deutschen Post  bislang nur eine Eiskunstläuferin. Und zwar Anna Hübler, die gemeinsam mit Heinrich Burger 1908 in London  Gold gewann, als erstmals im Rahmen der Olympischen Sommerspiele vier Wettbewerbe im Eiskunstlauf ausgetragen wurden – 16 Jahre vor den ersten Winterspielen in Chamonix.  Anna Hübler ist damit die erste deutsche Olympiasiegerin.

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 Anna Hübler und Heinrich Burger bei den Olympischen Spiele 1908 in London. Die 1996 erschienene Briefmarke aus der Serie „Für den Sport“ zeigt Anna Hübler-Horn auf einem historischen Foto.

„Totes Rennen“ beim Zweier-Bob 

Der siebenmalige Weltmeister Francesco Friedrich hat die medaillenlose Pleite der deutschen Bobpiloten von Sotschi vergessen gemacht und und nicht nur im Zweier sondern auch im Viererbob Olympia-Gold gewonnen. Bemerkenswert: Der 27-Jährige aus Oberbärenburg war mit seinem Anschieber Thorsten Margis in Pyeongchang nach vier Läufen im Zweierbob zeitgleich mit Gesamtweltcupsieger Justin Kripps aus Kanada.

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Bereits 1998 hatte es in Nagano zwei zeitgleiche Olympiasieger im Zweier gegeben. Der Kanadier Pierre Lueders und der Italiener Günther Huber holten damals Gold.

Vor vier Jahren waren die deutschen Bobpiloten erstmals seit 1964 ohne Olympiamedaille geblieben.

Wer die beiden Deutschen auf einer Briefmarke individuell jetzt schon sammeln will, sollte sich noch das Sporthilfe Markenheftchen von der Bob-WM 2017 in Königssee sichern.

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Francesco Friedrich hatte es schon einmal 2013 als Weltmeister mit seinem damaligen Anschieben Jannis Bäcker auf eine Briefmarke geschafft.

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Berlinerinnen holen Zweierbob-Gold

Als B-Team gestartet und plötzlich Gold gewonnen. Zweierbob-Pilotin Mariama Jamanka und Anschieberin Lisa-Marie Buckwitz sind bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang zum Überraschungs-Olympiasieg gefahren. Jamanka ist die erste deutsche Olympiasiegerin im Zweierbob seit dem Erfolg von Sandra Kiriasis 2006 in Turin. In Vancouver und Sotschi waren die deutschen Frauen leer ausgegangen. Die ehemalige Hammerwerferin war erst 2013 zum Bobsport gekommen. Die gebürtige Berlinerin, Tochter eines Gambiers und einer Deutschen, zog dafür aus der Metropole in die thüringische Provinz nach Oberhof. Da sie keine Vergangenheit im Rodelbereich hatte wie viele andere Pilotinnen, musste sie sich das Bahngefühl und die Linien schwer erarbeiten. „Manchmal bin ich verzweifelt und konnte nicht immer alles zeigen“, sagte sie rückblickend.

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Das Olympiasieger-Paar war erst kurz vor den Winterspielen auf Geheiß von Cheftrainer René Spies zusammengekommen. Er hatte Annika Drazek aus dem Jamanka-Bob in den Schlitten von Stephanie Schneider beordert, um so die aus seiner Sicht beste Pilotin mit der besten Anschieberin fahren zu lassen und die Aussichten auf eine Medaille zu verbessern. Buckwitz, die bis dahin mit Schneider in einem Bob saß, kam zu Jamanka. Und mit ihr feierte die für den SC Potsdam startende Berlinerin, ihren größten Triumph. Eine Sporthilfe-Briefmarke Individuell ist beiden nun gewiss.

Deutsche Dreifach-Kombination

Vierfach-Weltmeister Johannes Rydzek hat bei den Winterspielen in Pyeonchang Gold im Wettbewerb der Nordischen Kominierer von der Großschanze Gold gewonnen. Unknown

Beim zweiten deutschen Dreifach-Triumph der Olympia-Geschichte setzte sich der Oberstdorfer vom der großen Schanze nach einem Sprung und dem 10-km-Langlauf vor Fabian Rießle  und 3040202749.jpgNormalschanzen-Olympiasieger Eric Frenzel  durch.

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Drei deutsche Kombinierer auf einem olympischen Podest hatte es zuvor nur 1976 in Innsbruck durch Ulrich Wehling (DDR), Urban Hettich (BRD) und Konrad Winkler (DDR) gegeben.

Und die Erfolgsstory der Deutschen ging noch weiter. Nach den Einzelerfolgen von Eric Frenzel und Johannes Rydzek konnten sie erstmals nach 30 Jahren wieder den Team-Wettbewerb gewinnen  und damit für einen deutschen Goldrekord bei Olympischen Winterspielen sorgen.

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Frenzel, Rydzek, Fabian Rießle und Vinzenz Geiger setzten sich nach jeweils einem Sprung von der Großschanze sowie 4×5 Kilometer in der Loipe vor Norwegen und Österreich durch. 

Mit seiner insgesamt dritten Goldmedaille ist Eric Frenzel   der zweiterfolgreichste Kombinierer der Olympia-Geschichte. Mit 3 Gold sowie zweimal Silber und einmal Bronze wird der Oberwiesenthaler nur noch vom Finnen Samppa Lajunen (3-2-2) übertroffen.

(Autor: KJA)

 

 

Auf Sand und Schnee – eine gute Sportler-Wahl 2017

 

sportler-des-jahres-laura-dahlmeier-rydzek-und-volleyball-duoDie Sportler des Jahres 2017: Kira Walkenhorst, Laura Ludwig, Johannes Rydzek und Laura Dahlmeier. (Bild: dpa)

„Ich glaube einfach, wenn’s läuft, dann läuft’s“, sagte Laura Dahlmeier mit Blick auf ihren Märchen-Winter. „Irgendwie war das bei mir im letzten Winter so, da ist alles aufgegangen.“ Bei der WM in Hochfilzen hatte die Bayerin fünfmal Gold und einmal Silber gewonnen. Zudem sicherte sie sich den Gesamtweltcup.

Johannes Rydzek war der überragende Nordische Kombinierer der vergangenen Saison. Der vierfache Weltmeister von Lahti (siehe Beiträge auf dieser Webseite vom 6.3.17 und 25.9.17) ist nach Georg Thoma (1960), Franz Keller (1968) und Ronny Ackermann (2005) in der langen Historie der Gala erst der vierte Kombinierer, der zum „Sportler des Jahres“ gewählt wurde. In PyeongChang soll in wenigen Wochen, wie für Laura Dahlmeier, endlich die erste olympische Goldmedaille folgen.

Während Dahlmeier und Rydzek erstmals ausgezeichnet wurden, erhielten die Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst nach ihrem Olympiasieg 2016 in Rio und dem Gewinn des WM-Titels in diesem Jahr in Wien von Deutschlands Sportjournalisten nun schon zum zweiten Mal nacheinander den Zuspruch als Mannschaft des Jahres. Die nach wie vor verletzte Walkenhorst kam auf Krücken zur 71. Auflage der Gala ins Kurhaus von Baden Baden. 700 Gäste waren dabei, zuvor hatten 1300 Sportjournalisten abgestimmt.

Sportphilatelistisch wurden alle vier Athleten bereits auf Briefmarken Individuell der Deutschen Post gewürdigt, die von der Stiftung Deutsche Sporthilfe aufgelegt wurden  und über die Sporthilfe-Philatelie auch zu beziehen sind. Sicher wird es bald weitere „Motive“ von den diesjährigen Sportlern des Jahres geben.

Dahlmeier tritt übrigens die Nachfolge von Angelique Kerber an, der ehemaligen Nummer eins der Tennis-Weltrangliste. Rydzek folgt auf Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen. Und die Golden Girls des Beach-Volleyballs sind die ersten seit dem Deutschland-Achter 1989, die zum zweiten Mal nacheinander als „Mannschaft des Jahres“ ausgezeichnet wurden. (Nachzulesen auf unserer Webseite im Beitrag vom 20.12.2016)

 

(Autor: KJA)

Vom Schwimmer zum Kino-Helden – Philatelistische Ehrung für Bud Spencer

Haudrauf-Filme haben ihn weltberühmt gemacht. Vor genau einem Jahr, am 27. Juni 2016 war Carlo Pedersoli alias Bud Spencer im Alter von 86 Jahren gestorben. Für viele war der italienische Schauspieler ein Held ihrer Kindheit. Streifen wie „Sie nannten ihn Plattfuß“ oder „Vier Fäuste gegen Rio“ mit seinem langjährigen Film-Partner Terence Hill werden noch immer weltweit von vielen Menschen gern gesehen. Zu Ehren von Bud Spencer hat die BILD in Kooperation mit Post Individuell und der Familie Pedersoli am ersten Todestag des Kino-Helden die ersten Bud Spencer Briefmarken in Deutschland herausgegeben. Streng limitiert, auf 10 000 Bögen mit zehn verschiedenen Motiven – von Kultfotos bis zu unveröffentlichten Bildern.

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Leider ist diese Aktion von BILD nicht so uneigennützig, wie sie auf dem ersten Blick erscheint. Nur wer Bild plus abonniert hat, kann einen Bogen online kaufen. Mit „Spe..ncer“ fängt man Mäuse! Wer bei dieser Abonnenten-Aktion nicht mitmachen will, kann sich ja mit anderen Bud-Spencer-Briefmarken trösten.$_57Denn im Gegensatz zur vollmundigen BILD-Ankündigung , es sei die erste und stärkste Spencer- Briefmarke der Welt, hat es im vorigen Jahr aus Anlass seines Todes schon einige Ausgaben gegeben.

Am 7.12.2016 erschien in Österreich diese personalisierte Trauermarke.

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Die Postverwaltungen von Mocambique und den Solomon Inseln würdigten den Schauspieler ebenfalls schon 2016 mit offiziellen Ausgaben.

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Bemerkenswert für uns Sportphilatelisten ist in diesem Zusammenhang die linke obere Marke des Vierer-Blocks.  $_12 2 Sie zeigt den Schwimmer Carlo Pedersoli und späteren Schauspieler Bud Spencer auf einem Markenbild und wird mit ihrer Inschrift auch zu einer Sportbriefmarke.

Und damit beginnt hier die Geschichte für uns eigentlich erst so richtig interessant zu werden. Wer kennt schon den bewundernswerten sportlichen Lebenslauf des italienischen Tausendsassas.

„Ich bin immer meinen eigenen Weg gegangen“. So beschreibt Carlo Pedersoli auf seiner offiziellen Webseite seine schwimmerische Laufbahn. „Ich bin am 31. Oktober 1929 in Neapel geboren. Nur ein Jahr nach meiner Einschulung 1936 mache ich meine ersten Schwimmversuche und trete einem Schwimmverein bei. Im Jahr 1940 zieht meine Familie, zu der seit 1934 auch meine Schwester Vera gehört, nach Rom, da die von meinem Großvater im 19. Jahrhundert gegründete Fabrik bei einem Bombenangriff zerstört wird.

Ich besuche dort die Schule und beende diese 1946 mit einem überdurchschnittlichen Abschluss. Mit der Rugby-Mannschaft meiner Schule werde ich nationaler Meister und im Schwimmen bin ich zu dieser Zeit schon ein Champion, da ich im Alter von 15 Jahren schon schneller bin als meine älteren Konkurrenten. 1946 bestehe ich die Aufnahmeprüfung an der Universität von Rom und beginne als einer der jüngsten Studenten Italiens Chemie zu studieren. Die Nachkriegszeit ist eine harte Zeit und daher zieht meine Familie erneut um, dieses Mal nach Brasilien. Ich lerne Portugiesisch und arbeite unter anderem als Fließbandarbeiter in Rio de Janeiro. 1948 kehre ich nach Italien zurück. Ich breche mein Chemiestudium ab und studiere stattdessen nun Jura. Dies soll mir mehr Zeit für das Training und das Schwimmen ermöglichen. Neben dem Schwimmen boxe ich in dieser Zeit auch ein wenig im Schwergewicht und gewinne dabei alle meine Kämpfe. Im Schwimmen stelle ich schnell ein paar wichtige Rekorde auf. 1949 werde ich Italienischer Meister im Freistil und ein Jahr später bin ich der erste Italiener, der die 100 Meter Freistil unter einer Minute bewältigt (59,50 Sekunden am 19. September 1950)“ , so Carlo Pedersoli alias Bud Spencer.

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Als erster Schwimmer der Welt hatte übrigens der spätere Tarzan-Darsteller Johnny Weissmüller aus den USA Johnny-Weissmueller-Briefmarke-300x231  (im Bild auf der Briefmarke der Isle of Man 2004) im Sommer 1922 in 58,6 Sekunden die Minutengrenze über 100 Meter Freistil geknackt.

 

 

 

1951 nahm Carlo Pedersoli an den Mittelmeerspielen  teil und gewann die Silbermedaille über 100 m Freistil. 1952 startete er bei den Olympischen Spielen in Helsinki.  Über 100 m Freistil wurde er in seinem Vorlauf Fünfter. Vier Jahre später nahm er an den Olympischen Spielen in Melbourne teil und erreichte über 100 Meter Freistil den 11. Platz. Zwischen 1947 und 1957 gewann er zehn italienische Meistertitel in Folge: dreimal im Brustschwimmen und siebenmal über 100 m Freistil. In dieser Zeit spielte er auch in der italienischen Wasserball-Nationalmannschaft.

1957 beendete er mit 27 Jahren seine Schwimmkarriere und kehrte nach Südamerika zurück. Er sagte damals selbst: „Denn kommt der Ruhm zu schnell, steigt er einem leicht zu Kopf. Bei mir war es kurz davor.“

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Dieses Unikat dürfte den Neid der Autogrammsammler wecken: Bud Spencer signierte eine Collage, die ihn als Profischwimmer in den 50er-Jahren zeigt und die auch sein original Panini-Sammelbild aus dieser Zeit enthält, mit seinem bürgerlichen Namen: Carlo Pedersoli.

„Das machte er nur ganz selten“, freute sich Werbegrafiker Lars Giesen aus Bislich 2015 in Berlin, als er an der Vorstellung der Bud Spencer Biografie des Verlages Schwarzkopf und Schwarzkopf neben seinem Idol teilnehmen durfte. „Offenbar hat ihn die Mühe, die ich mir gemacht habe, ein klein bisschen beeindruckt“, verriet Lars Giesen, der für das Buch viele Fotos aus seiner Filmsammlung zur Verfügung gestellt hatte

Aber auch in Deutschland hat der Schwimmer Carlo Pedersoli seine Spuren hinterlassen. In Schwäbisch Gmünd wurde 2011 sogar das Freibad „Schießtalsee“ in „Bud-Spencer-Bad“ umbenannt. Schließlich hatte er dort am 7./8. Juli 1951 seinen großen Auftritt. Nachzulesen in der Gmünder Tagespost vom 30.11.2011:  „Das neue Freibad „Schießtalsee“ war proppenvoll an diesem heißen Sommertag, als es mit einem Länderkampf Deutschland gegen Italien offiziell seiner Bestimmung übergeben wurde. 5 000 Zuschauer sorgten für ein damals noch völlig unbekanntes Verkehrschaos auf den Straßen rund um das Bad. Selbst in den Bäumen saßen Fans, die einen Blick auf das deutsche Team mit Herbert Klein aus München erhaschen wollten, der vier Wochen zuvor in 2:27,3 Minuten einen Weltrekord über 200m Brust aufgestellt hatte. Allerdings nicht im heute üblichen Schwimmstil, sondern mit Schmetterlingsarmzügen. Zu den Stars der „Squadra Azzuri“ gehörte ein Mann Namens Carlo Pedersoli.

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 Der drahtige Jüngling, der mit 59,8 Sekunden als einziger Starter über die 100m Freistil die damals noch viel mehr begehrte Minutengrenze knackte, eroberte sich schnell die Herzen der vor allem weiblichen Zuschauer, die dem Charme des „Stiers von Rom“ erlagen.

Für eine junge Gmünder Bäckerstochter soll es tatsächlich ein Techtelmechtel mit dem späteren Olympiateilnehmer aus Italien gegeben haben…“ Den Länderkampf gewann übrigens das deutsche Team mit 88 zu 59 Punkten!

Noch einmal kehrte Pedersoli nach Gmünd zurück. Drei Jahre nach dem Länderkampf im Freibad „Schießtalsee“ gab es im alten Hallenbad einen Klubkampf zwischen dem SVG und Lazio Rom. Der Renommierklub aus der italienischen Hauptstadt hatte keinen Geringeren als Carlo Pedersoli in seinen Reihen, der aber nur in den Staffeln und bei einem Wasserballspiel zum Einsatz kam.

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Gefragter Mann: Bud Spencer wird 1975 in einem Schwimmstadion in München von jungen Fans umlagert.

1994 und 2009 war Carlo Pedersoli vielumjubelter Ehrengast bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Rom. Philatelistisch spielte er dort leider noch keine Rolle!

Jetzt aber gehören die aktuellen Bud Spencer Briefmarken, die nach seinem Tod herausgegeben worden sind sowie seine leistungssportliche Geschichte wohl in jede Schwimm-Motiv-Sammlung eines Sportphilatelisten.

(Autor: KJA)

SPORTBRIEFMARKEN – die sportlich engagierte Welt der Philatelie


Sport- und Olympiamarken – eine faszinierende Welt.

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Sports and Olympic philately- a fascinating world.