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„Briefmarken-Schwemme“ dank japanischer Medaillenbilanz

Damit wird auch die japanische Post nicht gerechnet haben. 58 Medaillen holte der Gastgeber der Olympischen Spiele 2020(21) in Tokio. Platz Drei im Medaillenspiegel mit 27 Gold-, 14 Silber- und 17 Bronzemedaillen hinter den USA und China. So erfolgreich waren die Japaner noch nie bei Olympia! Das vorher festgelegte Ziel von lediglich 30 Medaillen war vom Nationalen Olympischen Komitee des Landes wegen der Corona-Pandemie kurz vor den Wettbewerben zurückgezogen worden. Umso erfreulicher die aktuellen Resultate. Die Post stand dennoch zu ihrer Aussage, für jeden japanischen Medaillengewinner unmittelbar nach den Spielen einen Extrabogen mit je fünf Briefmarken herauszugeben. 

Am 13. August 2021 kam nun ein Set mit 58 Bögen auf den Markt. Gesamtpreis 87.000 Yen – umgerechnet stolze 676.-Euro. Der einzelne Bogen kostet am Postschalter 1500 Yen (rund 12.-Euro). Viele Olympiaphilatelisten werden da wohl „abwinken“. Obwohl, die Anschaffung von einigen wenigen Bögen könnte schon reichen, um nicht nur den grandiosen Erfolg der Japaner bei den erstmals in der olympischen Geschichte um ein Jahr verschobenen Spielen zu dokumentieren, sondern auch, um besonders interessante Geschichten zu erzählen.

Geschwister-Gold 

Da wären z.B. die Judo-Geschwister Uta und Hifumi Abe, die Japan olympisches Doppel-Gold beschert haben (s.Titelfoto). Nicht ohne Grund ist deshalb die 21jährige Uta auf dem Titelumschlag des Sets abgebildet worden. Denn zum ersten Mal holten zwei Geschwister am selben Tag in einer Einzelsportart eine olympische Goldmedaille. Uta Abe bezwang im Halbleichtgewicht bis 52 Kilogramm die Französin Amandine Buchard in der Verlängerung durch Ippon (voller Punkt). 

Nur 31 Minuten später triumphierte ihr zwei Jahre älterer Bruder Hifumi im Halbleichtgewicht der Männer bis 66 Kilogramm gegen den Georgier Wascha Margwelaschwili durch Waza-ari (halber Punkt).

Die Abe-Geschwister gehörten damit zu den Stars in Japans Mannschaft. Schon bei den Weltmeisterschaften 2018 in Baku hatten beide am selben Tag den Titel gewonnen. „Ich hätte es nicht ohne meinen älteren Bruder bis hierherschaffen können. Ich weiß ja nicht mal, ob ich ohne ihn überhaupt Judo erlernt hätte“, so Uta Abe in einem Interview vor den Sommerspielen. Nun zieren beide Abes je einen Briefmarkenbogen. 

Sie sind aber nicht die einzigen Judoka. Insgesamt 12 Frauen und Männer holten für das Mutterland des Judosports neunmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze. Auch das war ein neuer olympischer Rekord. 

Skateboarden – ein Gewinn für Olympia

Auf das Set-Titelbild schaffte es neben Uta Abe auch Yuto Horigome, der ebenfalls olympische Geschichte geschrieben hat. Er wurde erster Olympiasieger im Skatboard Street der Männer, einer ganz neuen olympischen Sportart, mit der vor allem die jüngere Generation für Olympia begeistert werden soll. Horigome, der nur wenige Kilometer vom Austragungsort der Wettkämpfe entfernt geboren worden war, überzeugte vor allem mit spektakulären Einzeltricks über die Treppengeländer. 

Für seinen Backside 270 Railslide, den er zuvor nie in einem Finale probiert hatte, erhielt er 9,5 von 10 möglichen Punkten. Das reichte dem 22jährigen amtierenden Weltmeister zum Sieg.

Stolz auf Erfolge

Zu den Ausnahmeathleten zählt auch Yui Ohashi, die als erste japanische Schwimmerin zweifache Olympiasiegerin im selben Jahr wurde. 

Sie gewann in Tokio sowohl die 200 als auch die 400 Meter Lagen und wurde damit zum neuen Schwimmstar des Landes. Nach ihren Erfolgen fühlte sie sich „inspiriert und glücklich, etwas zur japanischen Medaillenflut beigetragen zu haben“, wie sie der Zeitung „Japan Times“ in einem Interview verriet.

Beißfreudiger Bürgermeister sorgt für Eklat

Dass die Freude über eine Goldmedaille auch schnell dahin sein kann, bekam die 20jährige Miu Goto aus dem siegreichen japanischen Softball-Team zu spüren. 

Dass Olympiasieger manchmal auf das eigene Edelmetall beißen, ist bekanntermaßen Tradition. Auch der Bürgermeister von Nagoya, Takashi Kawamura, wollte bei diesem Ritual mitmachen – und sorgte damit für einen handfesten Eklat.

Das sorgte in ganz Japan für einen Sturm der Entrüstung. Ironischerweise stand der Bürgermeister vor einem Hinweisschild, das auf die Corona-Regeln im Rathaus hinweist. Bei der Stadtverwaltung gingen mehr als 7000 Beschwerden ein – auch, weil der 72-Jährige sexistische Bemerkungen zu Miu Goto gemacht haben soll. Inzwischen hat sich der Bürgermeister öffentlich entschuldigt.

„Ich gebe zu, dass ich die Goldmedaille der Athletin beschmutzt habe, an der sie seit Jahren gearbeitet hat. Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen, dass sie und andere sich wegen mir unwohl gefühlt haben und dass ich für Ärger gesorgt habe“.  

Tage später bot Takashi Kawamura an, eine neue Medaille aus eigener Tasche zu bezahlen. Das Organisationskomitee der Olympischen Spiele in Tokio verkündete aber, die „angebissene“ Medaille von Miu Goto ersetzen zu lassen. 

(Autor: KJA)