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Eine Fußball-Legende wird 100 – Nicht nur philatelistische Erinnerungen an Fritz Walter (aktualisiert)

Von Klaus-Jürgen Alde

Für den Historiker Joachim Fest  gab es drei Gründungsväter der Bundesrepublik Deutschland: politisch war es Konrad Adenauer, wirtschaftlich war es Ludwig Erhard und mental Fritz Walter. Eigentlich sei der 4. Juli 1954, der Tag des Fußball-WM-Endspiels in Bern, das Gründungsdatum der Bundesrepublik Deutschland gewesen.

Am 31.Oktober 2020 würde das Fußball-Idol aus Kaiserslautern 100 Jahre alt. Grund genug, ihn endlich auch einmal in Deutschland offiziell philatelistisch zu würdigen. Am 1.Oktober gab die Deutsche Post eine Sonderbriefmarke nebst Ersttagsstempeln und einem FDC heraus. Das Markenbild, vom Bonner Grafiker Prof. Heribert Birnbach geschaffen, zeigt Fritz Walter auf einem Foto mit dem WM-Pokal 1954.

Die Sonderbriefmarke wurde am 1. Oktober 2020 im Beisein von Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Innenminister Roger Lewentz, DFB-Präsident Fritz Keller, ´54er Legende Horst Eckel und den FCK-Gremiumsmitgliedern Wolfgang Erfurt, Dr. Markus Merk und Rainer Keller in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz vorgestellt.

Das „Erlebnis Briefmarken“-Team Hamburg der Post war am 1.Oktober im Rathaus von Kaiserslautern vor Ort, um u.a. auch einen Stempel mit Post-Eigenwerbung abschlagen. Zusätzlich für diese Veranstaltung wurde ein EB-Brief zum Verkauf angeboten.

Am Erstausgabetag der Marke am 1. Oktober hatte die Deutsche Post im Casimirschloss am Kaiserslauterer Rathaus eine Sonderpostfiliale eingerichtet. Bereits anderthalb Stunden vor der offiziellen Öffnung der Postfiliale um 10 Uhr versammelten sich die ersten Briefmarkenfreunde vor dem Casimirschloss, um den von der Post eigens für diesen Tag kreierten Sonderstempel zu bekommen. Und die ersten Kunden bekamen nicht nur einen besonderen Stempel, sondern erlebten auch einen besonderen Post-Mitarbeiter. Oberbürgermeister Klaus Weichel persönlich saß in den ersten 45 Minuten am Stempeltisch und stempelte bei einem kleinen Plausch mit der Kundschaft fröhlich die Marken ab.  Fotos: Stadt Kaiserslautern
Am Erstausgabetag der Marke am 1. Oktober hatte die Deutsche Post im Casimirschloss am Kaiserslauterer Rathaus eine Sonderpostfiliale eingerichtet. Bereits anderthalb Stunden vor der offiziellen Öffnung der Postfiliale um 10 Uhr versammelten sich die ersten Briefmarkenfreunde vor dem Casimirschloss, um den von der Post eigens für diesen Tag kreierten Sonderstempel zu bekommen. Und die ersten Kunden bekamen nicht nur einen besonderen Stempel, sondern erlebten auch einen besonderen Post-Mitarbeiter. Oberbürgermeister Klaus Weichel persönlich saß in den ersten 45 Minuten am Stempeltisch und stempelte bei einem kleinen Plausch mit der Kundschaft fröhlich die Marken ab.
Fotos: Stadt Kaiserslautern

Für den deutschen Ehrenspielführer ist es nicht die erste philatelistische Würdigung. Anlässlich seiner Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports und der Benennung als Legende des deutschen Sports wurde diese  “Briefmarke Individuell“ herausgebracht. Darüber hinaus gab es für ihn noch viele philatelistische Würdigungen in anderen Ländern. Hier nur einige Beispiele:

Dieser Ersttagsbrief „Fritz Walter und Juan Schiaffino“ wurde von der Postverwaltung in Uruguay verausgabt. Der Ersttagsbrief ist mit einem Briefmarkenblock frankiert. Der Briefmarkenblock zu 12 $ zeigt den ehemaligen deutschen Nationalspieler Fritz Walter und den ehemaligen uruguayisch-italienischen Nationalspieler Juan Schiaffino. Abgestempelt wurde der Ersttagsbrief am 01.07.2004, 50 Jahre nach der Weltmeisterschaft in der Schweiz.

Der Lebensweg von Fritz Walter dürfte vielen bekannt sein. Deshalb hier an dieser Stelle nur ein kurzer Abriss:

Friedrich „Fritz“ Walter wurde am 31. Oktober 1920 in Kaiserslautern als ältestes von fünf Kindern geboren. Sein Vater arbeitete als Wirt in der Vereinsgaststätte des 1. FC Kaiserslautern (FCK), in dessen Schülermannschaft Fritz 1928 eintrat.Er spielte zunächst als rechter Verteidiger, später als offensiver Mittelfeldspieler. Nach dem Schulabschluss begann er eine Ausbildung zum Bankkaufmann und 1940 erhielt der 19-Jährige seine Berufung in die deutsche Nationalmannschaft. 24 Länderspiele folgten bis 1942. Ende des Jahres wurde Fritz Walter als Infanterie-Rekrut nach Frankreich eingezogen, doch dank Nationaltrainer Sepp Herberger konnte er seine Militärzeit vorrangig als Angehöriger verschiedener Fußballteams absolvieren. Nach dem Krieg wirkte Fritz Walter als Spielertrainer und bereits 1948 gelangte der FCK zum ersten Mal in ein Endspiel. Er war als Mittelfeldregisseur die zentrale Figur bei der Kaiserslauterer Mannschaft, die das Pfälzer Publikum wegen ihrer Spielkultur nur die Walter-Elf nannte. Bis 1957 wurde seine Mannschaft zehnmal Meister der Oberliga Südwest und zweimal deutscher Meister (1951 und 1953). 1951 kehrte Fritz Walter zur Nationalmannschaft zurück, in der ihn Sepp Herberger mit der Kapitänsbinde bedachte.

1954 führte er die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes als Regisseur zur Weltmeisterschaft in der Schweiz. Im Finale am 4. Juli im Berner Wankdorfstadion wurde Deutschland bei strömendem Regen („Fritz-Walter-Wetter“) nach dem 3:2-Sieg über Ungarn Weltmeister. 1958 bestritt Fritz Walter das letzte seiner 61 Länderspiele. 33 Tore hat er dabei erzielt; 30-mal war er Kapitän. 1959 beendet er nach 384 Spielen und 327 Toren seine sportliche Laufbahn beim FCK, den er als Spieler nie verlassen hat! 

Vor dem Stadion in Kaiserslautern erinnert ein Denkmal an die fünf FCK-Spieler, die als „Helden von Bern“ in die Fußball-Geschichte eingegangen sind: Werner Liebrich, Fritz Walter, Werner Kohlmeyer, Horst Eckel und Ottmar Walter (v.l.).

Spitzen-Angebote von Athletico Madrid, Inter Mailand, dem FC Nancy und Racing Paris lehnte der bodenständige Pfälzer immer wieder ab. Hierzu schrieb er später einmal in einer Zeitungs-Kolumne: „‚Schätzche, was mache mer?‘ hab ich meine Frau Italia gefragt. ‚Brauchst du mich doch gar nicht erst zu fragen‘ hat sie mir geantwortet, ‚da oben dein Betzenberg, der Chef, dein FCK, die Nationalmannschaft…“.

Mit dem Ende seiner Spielerkarriere wirkte Fritz Walter als Trainer beim VfL Neustadt/Coburg und dem SV Alsenborn. Er wandte sich der Werbung zu, kommentierte beim Rundfunk, war Wäscherei- und Kinoinhaber sowie Repräsentant der Sepp-Herberger-Stiftung. Anlässlich seines 65. Geburtstages im Jahr 1985 wurde das Kaiserslauterer Betzenberg-Stadion in Fritz-Walter-Stadion umbenannt. Am 17. Juni 2002 starb Fritz Walter in seinem Haus in Enkenbach-Alsenborn; die Beisetzung erfolgte auf dem städtischen Hauptfriedhof in einem Ehrengrab.

Warum Fritz Walter zu einem Sportidol geworden ist, hat viele Gründe.

Nach dem zweiten Weltkrieg hatte das Ansehen Deutschlands in der Welt stark nachgelassen. Das Hitlerregime und seine Verbrechen hatten starke Folgen hinterlassen. Das „Wunder von Bern“ spielte für das Selbstbewusstsein der deutschen Bevölkerung eine große Rolle. „Wir sind wieder wer“, war das Motto. Zudem waren Fritz Walter und seine Teamkollegen Amateure oder Halbamateure. Sie waren keine gekauften Profifußballer, die auf Weltniveau spielten, sondern verkörperten das Bild der „Männer von nebenan“. Fritz Walter und sein Bruder Ottmar spielten zu einem Zeitpunkt „an dem es galt, das Selbstvertrauen ihrer Mitbürger zu stärken“. Da Fritz Walter als Person bescheiden und zurückhaltend war, wirkte er auf die Menschen noch näher. Er galt als „introvertierter, selbstzweiflerischer Spielmacher, ein genialer Architekt des Spiels, aber auch ein feinnerviges Sensibelchen“. Er war ein genialer Fußballer und liebenswerter Mensch, der auch in der DDR viele Freunde und Anhänger hatte.

Das „Jahrhundert-Tor“ – und ich war mit dabei!

Fritz Walter spielte in meiner  Kindheit in unserer sportbegeisterten Leipziger Familie schon immer eine gewisse Rolle. Mein Vater, ebenfalls Jahrgang 1920, war nur vier Tage jünger als das Fußballidol. Von Walters Leistungen wurde deshalb immer mal wieder geschwärmt, vor allem nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1954. So war es logisch, als im Herbst 1956 die berühmte Walter-Mannschaft des 1.FC Kaiserslautern mit ihren fünf deutschen Weltmeistern eines ihrer zahlreichen Freundschaftsspiele auch in Leipzig austragen durfte, dass sich mein Vater um eine Eintrittskarte im gerade neuerbauten „Stadion der Hunderttausend“ bemühte und auch das Glück hatte, eine zu ergattern. Natürlich nahm er mich als damals Siebenjährigen mit zum Spiel – als „Schoß-Kind“!  Am 6.Oktober war es soweit.

Die Roten Teufel hatten als erste westdeutsche Mannschaft ein Freundschaftsspiel in der DDR „genehmigt“ bekommen. Gegner war der amtierende DDR-Meister Wismut Aue – damals vorübergehend aus politischen Gründen in Wismut Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) umbenannt. Gespielt wurde jedoch weder in Aue noch in Karl-Marx-Stadt, sondern in Leipzig.

Das Zentralstadion (hier auf einem DDR-Olympia-Block von 1976 abgebildet) wurde zwischen April 1955 und Juli 1956 von 180tausend freiwilligen Helfern aus gut einem Drittel des Leipziger Kriegs-Trümmerschuttes nach den Plänen des Architekten Karl Souradny erbaut. Am 4.August 1956 wurde das Stadion der Hunderttausend mit einem Fußballspiel zwischen dem DDR-Meister SC Wismut Karl-Marx-Stadt und dem ungarischen Meister Honved Budapest offiziell eröffnet.

Sage und schreibe 110.000 Zuschauer – inoffiziell waren es wohl sogar über 120.000, denn viele saßen noch gedrängt in den Treppenaufgängen – waren ins Zentralstadion geströmt, um Fritz Walter und Co. zu sehen. In seinem Buch „Mythos Fritz Walter“ erinnert sich der damalige FCK-Spieler Gerhard Ahrens: „300.000 Kartenanfragen lagen vor und hätten verkauft werden können.

Es herrschten gesamtdeutsche freudige Erwartungen über dem Spiel und kein Klassenkampf, wie wir anfangs befürchteten. (…) Sowohl die Mannschaft von Wismut Aue als auch unsere Mannschaft wurde triumphal gefeiert und es war damals schon spürbar, dass unser Land nicht auf Dauer teilbar war.“

Die Stimmung im Zentralstadion war hervorragend und auch sportlich war einiges geboten. Für die Wismut-Akteure war es so etwas wie das Spiel ihres Lebens, dementsprechend gingen sie zur Sache. Doch auch der FCK nahm die Partie ernst und ging mit 4:1 in Führung, ehe die Gastgeber nochmals auf 4:3 verkürzen konnten.

Am Ende gewann die Waltermannschaft mit 5:3, doch nach dem Abpfiff unterhielten sich die Zuschauer nur noch über DAS Tor – Fritz Walters Jahrhunderttor. Eine Flanke von außen konnte Walter nur schwer erreichen, so dass er einen besonderen Trick anwandte. Mit einer Art Hechtsprung legte er sich horizontal in die Luft, die Arme bereit, um den Fall auf den Boden abzustützen und die Beine in die Luft gestreckt. Mit der Hacke erreichte er tatsächlich den Ball, der daraufhin im hohen Bogen im Tor von Wismut-Schlussmann Steinbach einschlug.

Meine Erinnerung an dieses Spiel ist immer noch geprägt von den vielen Zuschauern und dem Aufschrei der Massen, als dieses Tor fiel und alle plötzlich aufsprangen – auch wenn mir damals die Bedeutung des Ganzen natürlich noch nicht bewusst war.

Zentralbild-Telefoto Bey-Krz. II. Deutsches Turn- und Sportfest in Leipzig Festlicher Aufmarsch und Sportschau der demokratischen Sportbewegung Im erstmals vollbesetzten, neuerbauten Zentralstadion in Leipzig fand am Sonnabend, dem 4.8.1956, vor 100 000 Zuschauern der festliche Aufmarsch und die Sportschau der demokratischen Sportbewegung statt. UBz: Blick vom Glockenturm während der Sportschau.

So war Fritz Walter spätestens jetzt auch in der DDR das, was er in Westdeutschland längst war – ein echter Star, Jahre bevor dieser Begriff überhaupt nach Deutschland kam. „120.000 sprangen von den Sitzen“, titelte eine Leipziger Zeitung, und schrieb weiter: „Wir hatten uns alle viel vom 1. FC Kaiserslautern versprochen. Aber das, was vor unserer aller Augen dann abrollte, übertraf die Erwartungen um ein Vielfaches.“

Schon vor dem Spiel hatten die Menschenmassen das Leipziger Hotel Astoria „belagert“,  in dem die Walter Elf gastierte. Um rechtzeitig ins Stadion zu kommen, mussten Fritz Walter und Co. den Hinterausgang des Hotels benutzen. Diese Euphorie wurde im Zentralstadion fortgesetzt, wo das Publikum immer wieder die Namen der fünf Lautrer Weltmeister skandierte (Ahrens: „Die Stimmung war wie bei uns auf dem Betzenberg“), und auch nach dem Spiel war der FCK-Bus von tausenden Fußballfans umringt: „Kommt bald wieder!“ Dieses Gastspiel des 1. FC Kaiserslautern ist bis heute unvergessen, nicht nur wegen Fritz Walters Jahrhunderttor. Noch immer gilt die Zuschauermasse als Rekord für ein Fußballspiel in Deutschland!

Zu den historischen Aufnahmen von damals gehört auch ein Foto, dass meinen späteren Rundfunk-Sportreporter-Kollegen Wolfgang Hempel beim Interview mit Fritz Walter zeigt. Hempel  hatte in seiner Reportage als Erster vom „Tor des Jahrhunderts“ gesprochen. Schade, dass es keine bewegten Bilder von diesem Tor am 6.Oktober 1956 in Leipzig gibt. So wäre dieses sicher auch von den ARD-Fernsehzuschauern  später zum „Tor des Jahrhunderts“ gewählt worden. So genießt diesen Ruhm statt Fritz Walter nun der damalige Schalker Nationalspieler Klaus Fischer mit seinem Fallrückzieher-Tor 1977 beim 4:1-Länderspiel-Sieg Deutschlands  gegen die Schweiz.

Autogramm-Reise mit Fritz Walter

Olympia-und Sportphilatelist Dieter Germann, 15 Jahre lang bis 2007 1.Vorsitzender und heutiger Ehrenvorsitzender der IMOS kann sich ebenfalls noch sehr gut an Fritz Walter erinnern. Vor 33 Jahren konnte er als  Produktmanager bei der Firma Richard Borek die deutsche Sport-Legende für eine Fußballmünzen-Kollektion unter Vertrag nehmen. „Wir machten damals eine Autogramm-Reise nach Braunschweig, Hannover und Essen. Ich traute  meinen Augen nicht, wie beliebt Fritz Walter war. Schlangen über Schlangen wollten sein Autogramm. Er signierte alles, Bücher, Karten, Bälle, Trikots…“

Für Dieter Germann war dies damals eine unvergessliche Woche.

„Fritz Walter war sehr sympathisch und hat den Sammlern alle Wünsche erfüllt und Fragen beantwortet. Fußball war natürlich sein Thema, aber auch über Kunst konnte man sich gut mit ihm unterhalten. Neben seinen Namen schrieb er immer die Jahreszahl“. Fritz Walter selbst war kein Briefmarken-Sammler, aber ein großer Kunstfreund. „Wenn er Briefmarken geschenkt bekam, hat er sie zu Lebzeiten an seinen Trainer Sepp Herberger weitergegeben. Münzen hat er behalten. Alle seine Erinnerungsstücke  wurden vor einigen Jahren versteigert“, weiß Dieter Germann zu berichten.

Sepp Herberger war dagegen ein begeisterter Briefmarkenfreund. „Seine Sammlungen sind, soweit mir bekannt ist, beim DFB in Frankfurt.“, erinnert sich Dieter Germann, dessen eigene einstige Spitzensammlung über „Die Olympischen Spiele in Deutschland 1936“ national und  international viel beachtet und hochdekoriert worden ist.

Fritz Walter ist bereits die dritte große Persönlichkeit des deutschen Fußballs, zu dessen 100.Geburtstag eine offizielle Sondermarke herausgebracht worden ist. Zuvor hatte die Post schon die beiden Ex-Nationaltrainer Sepp Herberger 1997 und Helmut Schön 2015 gewürdigt. 

„Hätte Fritz Walter seinen 100. Geburtstag noch erlebt, er hätte mit seinen Gratulanten garantiert ein  Schlückchen Sekt getrunken“, so Dieter Germann. Denn ein Schlückchen in Ehren, kann niemand verwehren: Angeblich soll Trainer Sepp Herberger seinem Stürmer erlaubt haben, vor einem Spiel oder in der Halbzeit ein Schlückchen zu trinken – gegen die Aufregung. Später gab es natürlich dann nur noch den „Fritz-Walter-Sekt!

WM-Helden zu Ehren

Bei der Recherche für diesen Beitrag, habe ich im Archiv der Zeitung „DIE RHEINPFALZ“ vom 2.Juli 2018 einen aufschlussreichen Artikel gefunden, der die Geschichte eines Lauterer Fußballfreundes erzählt, der über Fritz Walter auch Interesse an der Philatelie bekommen hat.:

„Der große Sohn Kaiserslauterns ist ja wahrlich weltbekannt. Wenn’s denn überhaupt noch eines Beweises bedurft hätte, hält ihn Rolf Conrad nun in Händen. Dem Sammler von Fußball-Devotionalien ist ein Glücksgriff gelungen. Läppische drei Euro hat ihn die Briefmarke von den Malediven gekostet, die Fritz Walter zeigt und von deren Existenz er nichts geahnt hat. Viel mehr Wert als auf Erinnerungsstücke legt Conrad allerdings darauf, Walters Andenken vor Ort lebendig zu halten. So organisiert er am Mittwoch wieder eine „Weltmeister-Führung“ über den Lauterer Hauptfriedhof.

Mag die kleine Briefmarke auch von geringem materiellen Wert sein: Für den leidenschaftlichen FCK-Fan, der sich auch der Tradition der Vereins-Historie verschrieben hat, ist die Marke schon etwas Besonderes. Das Motiv ist bekannt: Der Kapitän der „Helden von Bern“ wird auf Schultern übers Feld des Wankdorf-Stadions getragen.

Dass dieses Bild aber sogar eine Briefmarke aus dem fernen Inselstaat ziert? Da staunt der Laie, und FCK-Geschichts-Kenner Conrad wundert sich. „In Sachen Briefmarken habe ich keine Ahnung“, räumt er gerne ein. Aber jetzt reizt es ihn, mehr über die Marke herauszufinden.

Entdeckt hat er sie bei einem Treff von Sammlern, deren Leidenschaft sich auf Ansichtskarten von Fußballstadien konzentriert. Dem bundesweiten Verein gehört der 73-Jährige an. Beim Treffen auf dem Erbsenberg hat er die Malediven-Marke entdeckt. Die bereichert nun Conrads private Sammlung, die weit überwiegend aus Fußball-Emblemen besteht. Tausende von kleinen Anstecknadeln hat der Lauterer zusammengetragen.

Mit der Sammel-Leidenschaft angesteckt hat ihn sein Onkel Albert Conrad, der in den 1930er Jahren das Trikot des FCK trug. „Ich habe seine Kollektion bewundert. Er wusste zu jedem Emblem interessante Geschichten zu erzählen. Er hat zwar öfter geflunkert, aber ich fand’s faszinierend.“ Nicht wenige von Conrads Devotionalien zieren das FCK-Museum im Fritz-Walter-Stadion. Dort fungiert der 73-Jährige auch als Museumsführer. Aber nicht nur dort: Einen Namen gemacht hat er sich mit seinen geführten Touren über den Hauptfriedhof. Dort sucht Conrad die Gräber verstorbener Fußballgrößen auf und weiß zu jeder Ruhestätte Interessantes zu berichten…“.