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HOME gegen ROME – Origineller EM-Ballwechsel zwischen britischer und italienischer Post

Die wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschobenen Fußball-Europameisterschaft ist mittlerweile Geschichte. In Italien wird aber immer noch über den Titelgewinn gejubelt. Denn mit ihrem 4:3-Erfolg nach Elfmeterschießen am 11. Juli 2021 vor 60.000 Fans im Londoner Wembley-Stadion gegen England feierten die Italiener ihren zweiten Triumph nach 1968 bei einer Europameisterschaft.

Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung hatte es im Finale 1 zu 1 gestanden. Beim Schießen vom Strafstoßpunkt sah es zunächst so aus, als könnten die Engländer ihren Elfmeterfluch besiegen: Harry Kane und Harry Maguire hatten sicher verwandelt, Andrea Belotti hatte für Italien verschossen. Doch dann versagten nacheinander Marcus Rashford, Jadon Sancho und Bukayo Saka. Die Engländer gingen geschlagen vom Platz. Dabei wollten sie doch den Fußball nach Hause holen – „Football it´s coming home!“ war erneut ihr Motto.

Der Spruch stammt übrigens aus dem größten englischen Fußball-Lied: „Three Lions“ war die offizielle Hymne der englischen Nationalmannschaft für die Fußball-Europameisterschaft 1996 im eigenen Land. Der Refrain des Liedes lautet „It’s coming home, it’s coming home, it’s coming, football’s coming home” (auf Deutsch: „Es kommt nach Hause, es kommt nach Hause, es kommt, Fußball kommt nach Hause“). Als das Lied 1996 rauskam, lag der letzte Triumph der Engländer bei einem Fußball-Turnier 30 Jahre zurück – 1966 war England bei der WM im eigenen Land Weltmeister geworden. Jedenfalls handelt das Lied der Gruppe „Lightning Seeds“ davon, dass für England seit 1966 jedes Turnier als große Enttäuschung endete. Bei der EM 1996 sollte der Fußball endlich wieder ins eigene Land zurückkehren und die Mannschaft sollte – so träumten die „Lightning Seeds“ – den EM-Titel holen. England spielte tatsächlich ein bärenstarkes Turnier. Dann kam im Halbfinale Deutschland und kickte die Mannschaft – ausgerechnet im Wembley-Stadion! – aus dem Turnier. Beim erneuten EM-Anlauf in diesem Jahr waren nun die Italiener die lachenden Sieger. England läuft seinem „Fußball-Erfolg“ also weiter hinterher.

Aber nicht nur auf dem Rasen gab es in diesem Jahr ein packendes Duell zwischen den Engländern und Italienern. Die englische Post war sich so sicher, dass „ihre“ Fußballer Europameister werden würden, dass sie am 9. Juli, also drei Tage vor dem Finale, auf Facebook eine nette Kampagne mit folgendem Bild veröffentlichte:

Die Royal Mail hatte einen Ball komplett eingewickelt und mit dem Slogan „HOME“ versehen. Die Frankierung mit zwei Queen-Elizabeth-Marken“ sollte wohl auf einen 2 zu 0 Endspielsieg gegen Italien hinweisen.

Die Italienische Post, einer der Hauptsponsoren der Squadra Azzurra, wollte diese postalische Herausforderung nach dem Triumph „ihrer“ Elf natürlich nicht auf sich sitzen lassen und konterte am 12. Juli, einen Tag nach dem Finale, ebenfalls auf Facebook mit folgendem Foto:

Auch Posteitaliane hatte einen Ball verpackt und mit der offiziellen italienischen EM-Briefmarke versehen. Beim Slogan „HOME“ war das H durchgestrichen und durch den Buchstaben „R“ ersetzt worden. Der Ball war endgültig nach Hause gekommen – aber nach Rom, in die neue Hauptstadt des europäischen Fußballs!

Dass die Engländer aber auch faire Verlierer sein können, bewies die Royal Mail, die angeblich schon zwei Sonderbriefmarken zum englischen EM-Sieg vorbereitet hatte, kurz darauf mit diesem Facebook-Konter.

Mit diesem „Ballwechsel“ endete ein Spaß zweier europäischer Postverwaltungen, den es in dieser Form wohl noch nie gegeben hat.

Sicher werden die Italiener noch mit einer Extra-Briefmarke zum Titelgewinn glänzen. Aber die Briten haben diesmal trotz der Niederlage philatelistisch die Nase vorn gehabt. Die Post der Isle of Man hat zur Erinnerung an die UEFA EURO 2020 (2021) einen nummerierten Gedenkumschlag mit der im EM-Vorfeld erschienenen Wembley-Stadion-Briefmarke und einem Sonderstempel mit dem Finaldatum 11. Juli 2021 herausgebracht.

Die Wembley-Stadion-Briefmarke ist Teil eines Kleinbogens mit insgesamt acht EM-Stadion-Abbildungen, der vor der Europameisterschaft auf der Isle of Man an die Postschalter kam.

(Autor: KJA)

Eine Fußball-Legende wird 100 – Nicht nur philatelistische Erinnerungen an Fritz Walter (aktualisiert)

Von Klaus-Jürgen Alde

Für den Historiker Joachim Fest  gab es drei Gründungsväter der Bundesrepublik Deutschland: politisch war es Konrad Adenauer, wirtschaftlich war es Ludwig Erhard und mental Fritz Walter. Eigentlich sei der 4. Juli 1954, der Tag des Fußball-WM-Endspiels in Bern, das Gründungsdatum der Bundesrepublik Deutschland gewesen.

Am 31.Oktober 2020 würde das Fußball-Idol aus Kaiserslautern 100 Jahre alt. Grund genug, ihn endlich auch einmal in Deutschland offiziell philatelistisch zu würdigen. Am 1.Oktober gab die Deutsche Post eine Sonderbriefmarke nebst Ersttagsstempeln und einem FDC heraus. Das Markenbild, vom Bonner Grafiker Prof. Heribert Birnbach geschaffen, zeigt Fritz Walter auf einem Foto mit dem WM-Pokal 1954.

Die Sonderbriefmarke wurde am 1. Oktober 2020 im Beisein von Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Innenminister Roger Lewentz, DFB-Präsident Fritz Keller, ´54er Legende Horst Eckel und den FCK-Gremiumsmitgliedern Wolfgang Erfurt, Dr. Markus Merk und Rainer Keller in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz vorgestellt.

Das „Erlebnis Briefmarken“-Team Hamburg der Post war am 1.Oktober im Rathaus von Kaiserslautern vor Ort, um u.a. auch einen Stempel mit Post-Eigenwerbung abschlagen. Zusätzlich für diese Veranstaltung wurde ein EB-Brief zum Verkauf angeboten.

Am Erstausgabetag der Marke am 1. Oktober hatte die Deutsche Post im Casimirschloss am Kaiserslauterer Rathaus eine Sonderpostfiliale eingerichtet. Bereits anderthalb Stunden vor der offiziellen Öffnung der Postfiliale um 10 Uhr versammelten sich die ersten Briefmarkenfreunde vor dem Casimirschloss, um den von der Post eigens für diesen Tag kreierten Sonderstempel zu bekommen. Und die ersten Kunden bekamen nicht nur einen besonderen Stempel, sondern erlebten auch einen besonderen Post-Mitarbeiter. Oberbürgermeister Klaus Weichel persönlich saß in den ersten 45 Minuten am Stempeltisch und stempelte bei einem kleinen Plausch mit der Kundschaft fröhlich die Marken ab.  Fotos: Stadt Kaiserslautern
Am Erstausgabetag der Marke am 1. Oktober hatte die Deutsche Post im Casimirschloss am Kaiserslauterer Rathaus eine Sonderpostfiliale eingerichtet. Bereits anderthalb Stunden vor der offiziellen Öffnung der Postfiliale um 10 Uhr versammelten sich die ersten Briefmarkenfreunde vor dem Casimirschloss, um den von der Post eigens für diesen Tag kreierten Sonderstempel zu bekommen. Und die ersten Kunden bekamen nicht nur einen besonderen Stempel, sondern erlebten auch einen besonderen Post-Mitarbeiter. Oberbürgermeister Klaus Weichel persönlich saß in den ersten 45 Minuten am Stempeltisch und stempelte bei einem kleinen Plausch mit der Kundschaft fröhlich die Marken ab.
Fotos: Stadt Kaiserslautern

Für den deutschen Ehrenspielführer ist es nicht die erste philatelistische Würdigung. Anlässlich seiner Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports und der Benennung als Legende des deutschen Sports wurde diese  “Briefmarke Individuell“ herausgebracht. Darüber hinaus gab es für ihn noch viele philatelistische Würdigungen in anderen Ländern. Hier nur einige Beispiele:

Dieser Ersttagsbrief „Fritz Walter und Juan Schiaffino“ wurde von der Postverwaltung in Uruguay verausgabt. Der Ersttagsbrief ist mit einem Briefmarkenblock frankiert. Der Briefmarkenblock zu 12 $ zeigt den ehemaligen deutschen Nationalspieler Fritz Walter und den ehemaligen uruguayisch-italienischen Nationalspieler Juan Schiaffino. Abgestempelt wurde der Ersttagsbrief am 01.07.2004, 50 Jahre nach der Weltmeisterschaft in der Schweiz.

Der Lebensweg von Fritz Walter dürfte vielen bekannt sein. Deshalb hier an dieser Stelle nur ein kurzer Abriss:

Friedrich „Fritz“ Walter wurde am 31. Oktober 1920 in Kaiserslautern als ältestes von fünf Kindern geboren. Sein Vater arbeitete als Wirt in der Vereinsgaststätte des 1. FC Kaiserslautern (FCK), in dessen Schülermannschaft Fritz 1928 eintrat.Er spielte zunächst als rechter Verteidiger, später als offensiver Mittelfeldspieler. Nach dem Schulabschluss begann er eine Ausbildung zum Bankkaufmann und 1940 erhielt der 19-Jährige seine Berufung in die deutsche Nationalmannschaft. 24 Länderspiele folgten bis 1942. Ende des Jahres wurde Fritz Walter als Infanterie-Rekrut nach Frankreich eingezogen, doch dank Nationaltrainer Sepp Herberger konnte er seine Militärzeit vorrangig als Angehöriger verschiedener Fußballteams absolvieren. Nach dem Krieg wirkte Fritz Walter als Spielertrainer und bereits 1948 gelangte der FCK zum ersten Mal in ein Endspiel. Er war als Mittelfeldregisseur die zentrale Figur bei der Kaiserslauterer Mannschaft, die das Pfälzer Publikum wegen ihrer Spielkultur nur die Walter-Elf nannte. Bis 1957 wurde seine Mannschaft zehnmal Meister der Oberliga Südwest und zweimal deutscher Meister (1951 und 1953). 1951 kehrte Fritz Walter zur Nationalmannschaft zurück, in der ihn Sepp Herberger mit der Kapitänsbinde bedachte.

1954 führte er die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes als Regisseur zur Weltmeisterschaft in der Schweiz. Im Finale am 4. Juli im Berner Wankdorfstadion wurde Deutschland bei strömendem Regen („Fritz-Walter-Wetter“) nach dem 3:2-Sieg über Ungarn Weltmeister. 1958 bestritt Fritz Walter das letzte seiner 61 Länderspiele. 33 Tore hat er dabei erzielt; 30-mal war er Kapitän. 1959 beendet er nach 384 Spielen und 327 Toren seine sportliche Laufbahn beim FCK, den er als Spieler nie verlassen hat! 

Vor dem Stadion in Kaiserslautern erinnert ein Denkmal an die fünf FCK-Spieler, die als „Helden von Bern“ in die Fußball-Geschichte eingegangen sind: Werner Liebrich, Fritz Walter, Werner Kohlmeyer, Horst Eckel und Ottmar Walter (v.l.).

Spitzen-Angebote von Athletico Madrid, Inter Mailand, dem FC Nancy und Racing Paris lehnte der bodenständige Pfälzer immer wieder ab. Hierzu schrieb er später einmal in einer Zeitungs-Kolumne: „‚Schätzche, was mache mer?‘ hab ich meine Frau Italia gefragt. ‚Brauchst du mich doch gar nicht erst zu fragen‘ hat sie mir geantwortet, ‚da oben dein Betzenberg, der Chef, dein FCK, die Nationalmannschaft…“.

Mit dem Ende seiner Spielerkarriere wirkte Fritz Walter als Trainer beim VfL Neustadt/Coburg und dem SV Alsenborn. Er wandte sich der Werbung zu, kommentierte beim Rundfunk, war Wäscherei- und Kinoinhaber sowie Repräsentant der Sepp-Herberger-Stiftung. Anlässlich seines 65. Geburtstages im Jahr 1985 wurde das Kaiserslauterer Betzenberg-Stadion in Fritz-Walter-Stadion umbenannt. Am 17. Juni 2002 starb Fritz Walter in seinem Haus in Enkenbach-Alsenborn; die Beisetzung erfolgte auf dem städtischen Hauptfriedhof in einem Ehrengrab.

Warum Fritz Walter zu einem Sportidol geworden ist, hat viele Gründe.

Nach dem zweiten Weltkrieg hatte das Ansehen Deutschlands in der Welt stark nachgelassen. Das Hitlerregime und seine Verbrechen hatten starke Folgen hinterlassen. Das „Wunder von Bern“ spielte für das Selbstbewusstsein der deutschen Bevölkerung eine große Rolle. „Wir sind wieder wer“, war das Motto. Zudem waren Fritz Walter und seine Teamkollegen Amateure oder Halbamateure. Sie waren keine gekauften Profifußballer, die auf Weltniveau spielten, sondern verkörperten das Bild der „Männer von nebenan“. Fritz Walter und sein Bruder Ottmar spielten zu einem Zeitpunkt „an dem es galt, das Selbstvertrauen ihrer Mitbürger zu stärken“. Da Fritz Walter als Person bescheiden und zurückhaltend war, wirkte er auf die Menschen noch näher. Er galt als „introvertierter, selbstzweiflerischer Spielmacher, ein genialer Architekt des Spiels, aber auch ein feinnerviges Sensibelchen“. Er war ein genialer Fußballer und liebenswerter Mensch, der auch in der DDR viele Freunde und Anhänger hatte.

Das „Jahrhundert-Tor“ – und ich war mit dabei!

Fritz Walter spielte in meiner  Kindheit in unserer sportbegeisterten Leipziger Familie schon immer eine gewisse Rolle. Mein Vater, ebenfalls Jahrgang 1920, war nur vier Tage jünger als das Fußballidol. Von Walters Leistungen wurde deshalb immer mal wieder geschwärmt, vor allem nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1954. So war es logisch, als im Herbst 1956 die berühmte Walter-Mannschaft des 1.FC Kaiserslautern mit ihren fünf deutschen Weltmeistern eines ihrer zahlreichen Freundschaftsspiele auch in Leipzig austragen durfte, dass sich mein Vater um eine Eintrittskarte im gerade neuerbauten „Stadion der Hunderttausend“ bemühte und auch das Glück hatte, eine zu ergattern. Natürlich nahm er mich als damals Siebenjährigen mit zum Spiel – als „Schoß-Kind“!  Am 6.Oktober war es soweit.

Die Roten Teufel hatten als erste westdeutsche Mannschaft ein Freundschaftsspiel in der DDR „genehmigt“ bekommen. Gegner war der amtierende DDR-Meister Wismut Aue – damals vorübergehend aus politischen Gründen in Wismut Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) umbenannt. Gespielt wurde jedoch weder in Aue noch in Karl-Marx-Stadt, sondern in Leipzig.

Das Zentralstadion (hier auf einem DDR-Olympia-Block von 1976 abgebildet) wurde zwischen April 1955 und Juli 1956 von 180tausend freiwilligen Helfern aus gut einem Drittel des Leipziger Kriegs-Trümmerschuttes nach den Plänen des Architekten Karl Souradny erbaut. Am 4.August 1956 wurde das Stadion der Hunderttausend mit einem Fußballspiel zwischen dem DDR-Meister SC Wismut Karl-Marx-Stadt und dem ungarischen Meister Honved Budapest offiziell eröffnet.

Sage und schreibe 110.000 Zuschauer – inoffiziell waren es wohl sogar über 120.000, denn viele saßen noch gedrängt in den Treppenaufgängen – waren ins Zentralstadion geströmt, um Fritz Walter und Co. zu sehen. In seinem Buch „Mythos Fritz Walter“ erinnert sich der damalige FCK-Spieler Gerhard Ahrens: „300.000 Kartenanfragen lagen vor und hätten verkauft werden können.

Es herrschten gesamtdeutsche freudige Erwartungen über dem Spiel und kein Klassenkampf, wie wir anfangs befürchteten. (…) Sowohl die Mannschaft von Wismut Aue als auch unsere Mannschaft wurde triumphal gefeiert und es war damals schon spürbar, dass unser Land nicht auf Dauer teilbar war.“

Die Stimmung im Zentralstadion war hervorragend und auch sportlich war einiges geboten. Für die Wismut-Akteure war es so etwas wie das Spiel ihres Lebens, dementsprechend gingen sie zur Sache. Doch auch der FCK nahm die Partie ernst und ging mit 4:1 in Führung, ehe die Gastgeber nochmals auf 4:3 verkürzen konnten.

Am Ende gewann die Waltermannschaft mit 5:3, doch nach dem Abpfiff unterhielten sich die Zuschauer nur noch über DAS Tor – Fritz Walters Jahrhunderttor. Eine Flanke von außen konnte Walter nur schwer erreichen, so dass er einen besonderen Trick anwandte. Mit einer Art Hechtsprung legte er sich horizontal in die Luft, die Arme bereit, um den Fall auf den Boden abzustützen und die Beine in die Luft gestreckt. Mit der Hacke erreichte er tatsächlich den Ball, der daraufhin im hohen Bogen im Tor von Wismut-Schlussmann Steinbach einschlug.

Meine Erinnerung an dieses Spiel ist immer noch geprägt von den vielen Zuschauern und dem Aufschrei der Massen, als dieses Tor fiel und alle plötzlich aufsprangen – auch wenn mir damals die Bedeutung des Ganzen natürlich noch nicht bewusst war.

Zentralbild-Telefoto Bey-Krz. II. Deutsches Turn- und Sportfest in Leipzig Festlicher Aufmarsch und Sportschau der demokratischen Sportbewegung Im erstmals vollbesetzten, neuerbauten Zentralstadion in Leipzig fand am Sonnabend, dem 4.8.1956, vor 100 000 Zuschauern der festliche Aufmarsch und die Sportschau der demokratischen Sportbewegung statt. UBz: Blick vom Glockenturm während der Sportschau.

So war Fritz Walter spätestens jetzt auch in der DDR das, was er in Westdeutschland längst war – ein echter Star, Jahre bevor dieser Begriff überhaupt nach Deutschland kam. „120.000 sprangen von den Sitzen“, titelte eine Leipziger Zeitung, und schrieb weiter: „Wir hatten uns alle viel vom 1. FC Kaiserslautern versprochen. Aber das, was vor unserer aller Augen dann abrollte, übertraf die Erwartungen um ein Vielfaches.“

Schon vor dem Spiel hatten die Menschenmassen das Leipziger Hotel Astoria „belagert“,  in dem die Walter Elf gastierte. Um rechtzeitig ins Stadion zu kommen, mussten Fritz Walter und Co. den Hinterausgang des Hotels benutzen. Diese Euphorie wurde im Zentralstadion fortgesetzt, wo das Publikum immer wieder die Namen der fünf Lautrer Weltmeister skandierte (Ahrens: „Die Stimmung war wie bei uns auf dem Betzenberg“), und auch nach dem Spiel war der FCK-Bus von tausenden Fußballfans umringt: „Kommt bald wieder!“ Dieses Gastspiel des 1. FC Kaiserslautern ist bis heute unvergessen, nicht nur wegen Fritz Walters Jahrhunderttor. Noch immer gilt die Zuschauermasse als Rekord für ein Fußballspiel in Deutschland!

Zu den historischen Aufnahmen von damals gehört auch ein Foto, dass meinen späteren Rundfunk-Sportreporter-Kollegen Wolfgang Hempel beim Interview mit Fritz Walter zeigt. Hempel  hatte in seiner Reportage als Erster vom „Tor des Jahrhunderts“ gesprochen. Schade, dass es keine bewegten Bilder von diesem Tor am 6.Oktober 1956 in Leipzig gibt. So wäre dieses sicher auch von den ARD-Fernsehzuschauern  später zum „Tor des Jahrhunderts“ gewählt worden. So genießt diesen Ruhm statt Fritz Walter nun der damalige Schalker Nationalspieler Klaus Fischer mit seinem Fallrückzieher-Tor 1977 beim 4:1-Länderspiel-Sieg Deutschlands  gegen die Schweiz.

Autogramm-Reise mit Fritz Walter

Olympia-und Sportphilatelist Dieter Germann, 15 Jahre lang bis 2007 1.Vorsitzender und heutiger Ehrenvorsitzender der IMOS kann sich ebenfalls noch sehr gut an Fritz Walter erinnern. Vor 33 Jahren konnte er als  Produktmanager bei der Firma Richard Borek die deutsche Sport-Legende für eine Fußballmünzen-Kollektion unter Vertrag nehmen. „Wir machten damals eine Autogramm-Reise nach Braunschweig, Hannover und Essen. Ich traute  meinen Augen nicht, wie beliebt Fritz Walter war. Schlangen über Schlangen wollten sein Autogramm. Er signierte alles, Bücher, Karten, Bälle, Trikots…“

Für Dieter Germann war dies damals eine unvergessliche Woche.

„Fritz Walter war sehr sympathisch und hat den Sammlern alle Wünsche erfüllt und Fragen beantwortet. Fußball war natürlich sein Thema, aber auch über Kunst konnte man sich gut mit ihm unterhalten. Neben seinen Namen schrieb er immer die Jahreszahl“. Fritz Walter selbst war kein Briefmarken-Sammler, aber ein großer Kunstfreund. „Wenn er Briefmarken geschenkt bekam, hat er sie zu Lebzeiten an seinen Trainer Sepp Herberger weitergegeben. Münzen hat er behalten. Alle seine Erinnerungsstücke  wurden vor einigen Jahren versteigert“, weiß Dieter Germann zu berichten.

Sepp Herberger war dagegen ein begeisterter Briefmarkenfreund. „Seine Sammlungen sind, soweit mir bekannt ist, beim DFB in Frankfurt.“, erinnert sich Dieter Germann, dessen eigene einstige Spitzensammlung über „Die Olympischen Spiele in Deutschland 1936“ national und  international viel beachtet und hochdekoriert worden ist.

Fritz Walter ist bereits die dritte große Persönlichkeit des deutschen Fußballs, zu dessen 100.Geburtstag eine offizielle Sondermarke herausgebracht worden ist. Zuvor hatte die Post schon die beiden Ex-Nationaltrainer Sepp Herberger 1997 und Helmut Schön 2015 gewürdigt. 

„Hätte Fritz Walter seinen 100. Geburtstag noch erlebt, er hätte mit seinen Gratulanten garantiert ein  Schlückchen Sekt getrunken“, so Dieter Germann. Denn ein Schlückchen in Ehren, kann niemand verwehren: Angeblich soll Trainer Sepp Herberger seinem Stürmer erlaubt haben, vor einem Spiel oder in der Halbzeit ein Schlückchen zu trinken – gegen die Aufregung. Später gab es natürlich dann nur noch den „Fritz-Walter-Sekt!

WM-Helden zu Ehren

Bei der Recherche für diesen Beitrag, habe ich im Archiv der Zeitung „DIE RHEINPFALZ“ vom 2.Juli 2018 einen aufschlussreichen Artikel gefunden, der die Geschichte eines Lauterer Fußballfreundes erzählt, der über Fritz Walter auch Interesse an der Philatelie bekommen hat.:

„Der große Sohn Kaiserslauterns ist ja wahrlich weltbekannt. Wenn’s denn überhaupt noch eines Beweises bedurft hätte, hält ihn Rolf Conrad nun in Händen. Dem Sammler von Fußball-Devotionalien ist ein Glücksgriff gelungen. Läppische drei Euro hat ihn die Briefmarke von den Malediven gekostet, die Fritz Walter zeigt und von deren Existenz er nichts geahnt hat. Viel mehr Wert als auf Erinnerungsstücke legt Conrad allerdings darauf, Walters Andenken vor Ort lebendig zu halten. So organisiert er am Mittwoch wieder eine „Weltmeister-Führung“ über den Lauterer Hauptfriedhof.

Mag die kleine Briefmarke auch von geringem materiellen Wert sein: Für den leidenschaftlichen FCK-Fan, der sich auch der Tradition der Vereins-Historie verschrieben hat, ist die Marke schon etwas Besonderes. Das Motiv ist bekannt: Der Kapitän der „Helden von Bern“ wird auf Schultern übers Feld des Wankdorf-Stadions getragen.

Dass dieses Bild aber sogar eine Briefmarke aus dem fernen Inselstaat ziert? Da staunt der Laie, und FCK-Geschichts-Kenner Conrad wundert sich. „In Sachen Briefmarken habe ich keine Ahnung“, räumt er gerne ein. Aber jetzt reizt es ihn, mehr über die Marke herauszufinden.

Entdeckt hat er sie bei einem Treff von Sammlern, deren Leidenschaft sich auf Ansichtskarten von Fußballstadien konzentriert. Dem bundesweiten Verein gehört der 73-Jährige an. Beim Treffen auf dem Erbsenberg hat er die Malediven-Marke entdeckt. Die bereichert nun Conrads private Sammlung, die weit überwiegend aus Fußball-Emblemen besteht. Tausende von kleinen Anstecknadeln hat der Lauterer zusammengetragen.

Mit der Sammel-Leidenschaft angesteckt hat ihn sein Onkel Albert Conrad, der in den 1930er Jahren das Trikot des FCK trug. „Ich habe seine Kollektion bewundert. Er wusste zu jedem Emblem interessante Geschichten zu erzählen. Er hat zwar öfter geflunkert, aber ich fand’s faszinierend.“ Nicht wenige von Conrads Devotionalien zieren das FCK-Museum im Fritz-Walter-Stadion. Dort fungiert der 73-Jährige auch als Museumsführer. Aber nicht nur dort: Einen Namen gemacht hat er sich mit seinen geführten Touren über den Hauptfriedhof. Dort sucht Conrad die Gräber verstorbener Fußballgrößen auf und weiß zu jeder Ruhestätte Interessantes zu berichten…“.

Philatelistische WM-Nachlese mit Trikottausch und Traineranalyse

Der September-Treff des OSPC Berlin lockte diesmal 30 Mitglieder, Sammlerfreunde und interessierte Sportanhänger ins Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf. Gemeinsam mit dem Bezirkssportbund waren wir Gastgeber für eine sportphilatelistische Plauderei nach der Fußball-WM in Russland. Das wir bei der ursprünglichen Planung natürlich von einem erfolgreichen Abschneiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ausgegangen waren, ist kein Geheimnis. Das frühe Ausscheiden der Löw-Elf, die lange Denkpause des Bundestrainers danach und die mehr oder weniger befriedigenden Erklärungen zur deutschen WM-Pleite bis hin zur akzeptablen Nullnummer gegen Weltmeister Frankreich zum „Neuanfang“ in der Nations League brachten ständig Bewegung in die inhaltliche Ausrichtung unseres diesmal wieder öffentlichen Treffs.

Dank der vorgesehenen Gäste Peter Leinemann und Heinz Werner war dies aber kein Problem. Und so wurde der 8.9.2018 ein sehr interessanter Samstagvormittag, der nach 120 Minuten „Spielzeit“ mit kleinen Trink- und Essenspausen dazwischen, am Ende mit freundlichem Beifall belohnt wurde.

Bereits vor Anpfiff des Geschehens stand diesmal ein Trikottausch der besonderen Art auf dem Programm. Bundesliga-und FIFA-Schiedsrichter Bastian Dankert aus Rostock hatte uns gebeten, dem Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf eines seiner WM-Trikots für die Sammlung zu überreichen. Dankert, hauptberuflich Geschäftsführer des Fußball-Verbandes Mecklenburg-Vorpommern, war einer von 13 Videoassistenten bei der WM in Russland.

OSPC-Vorsitzender Thomas Lippert überreichte das Trikot an Jan Lehmann, den Vorsitzenden des Sportbundes Marzahn/Hellersdorf, der sich über diese Überraschung sehr freute und dafür Schiedsrichter Bastian Dankert herzlich dankte.

Die erste Halbzeit, dieser von OSPC-Mitglied Klaus-Jürgen Alde moderierten Veranstaltung, gestaltete Peter Leinemann. Der gebürtige Hannoveraner, der seit Jahren schon in Leipzig lebt und arbeitet, ist als Mitglied der Internationalen Motivgruppen Olympiaden und Sport e.V. (IMOS) ein ausgewiesener Fachmann in Sachen Fußball-Philatelie und war als Fan im Sommer bei der WM in Russland.

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Mit seinem lebendigen Reisebericht begeisterte er nicht nur die anwesenden Philatelisten, sondern auch unsere Gäste. Auf den Punkt gebracht, war es für ihn die erstmalige Reise in ein großes interessantes Land, das auch dank der Gastfreundschaft seiner Menschen und einer guten Organisation für eine friedliche und entspannte WM gesorgt hatte – manchen Unkenrufen hierzulande zum Trotz!

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Peter Leinemann, Klaus-Jürgen Alde und Heinz Werner (v.l.), die „spielgestaltenden“ Akteure der OSPC-Veranstaltung im Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf.

Für die fußballfachliche Einschätzung der WM sorgte nach der „Halbzeitpause“ Heinz Werner. Der vitale 82jährige hatte einst bei Lok Stendal selbst in der DDR-Oberliga gespielt. Danach war er u.a. verantwortlicher Trainer in Rostock, bei Union Berlin, in Brandenburg und Karl-Marx-Stadt. 1989 wurde Heinz Werner für kurze Zeit Co-Trainer der DDR-Nationalmannschaft, die sich aber nicht mehr für die WM 1990 qualifizieren konnte. Nach der Wende war er als Fußball-Lehrer im Auftrag der FIFA in rund 50 Ländern der Welt ein gern gesehener und geschätzter Gast.

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In einer fundierten PowerPoint-Präsentation analysierte er das WM-Geschehen und die Leistungen der deutschen Elf.

PHOTO-2018-09-08-18-24-50Als Ursachen für das frühe Ausscheiden sah der erfahrene Trainer vor allem die Überheblichkeit und Arroganz der Mannschaftsleitung und einiger Spieler in der Vorrunde, welche man mit einem auf die Spitze getriebenen Dominanz-Fußball einfach so überstehen wollte. Noch sieht Heinz Werner, trotz einiger guter Ansätze im Spiel gegen Weltmeister Frankreich keinen Umbruch. Aber wenn es Bundestrainer Löw gelingen sollte, wieder den Leistungsgedanken durch Konkurrenz in den Vordergrund zu stellen und der Einbau junger talentierter Spieler erfolgt , dann sollte uns um den deutschen Fußball bei den kommenden Europa-und Weltmeisterschaften  keine Bange sein!

 

(Autor: KJA,  Fotos: HJO)

Furioses Fußball-Finale in Russland – Frankreich holt WM-Trophäe (aktualisiert)

Frankreich feiert den zweiten Erfolg bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. Die Equipe Tricolore gewann am Sonntag (15.7.2018) das Finale in Moskau gegen Kroatien mit 4:2.

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Die Tore für die Franzosen erzielten der Kroate Mandzukic mit einem Eigentor sowie Griezman per Elfmeter, Pogba und Mbappé. Perisic und Mandzukic waren für die Kroaten erfolgreich.

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Für den französischen Trainer Deschamps war es der zweite Titelgewinn. Er war beim ersten Erfolg der Franzosen vor 20 Jahren als Spieler dabei. Schon damals hatte ein Duell der Franzosen gegen Kroatien für Aufsehen gesorgt. Im Halbfinale standen sich beide Mannschaften gegenüber, Kroatien verlor 1:2, besiegte aber danach im Spiel um Platz Drei die Niederlande mit 2:1. Auch wenn es für die tapferen Kroaten diesmal wieder nicht gereicht hat, den Rivalen aus Frankreich zu besiegen – als Vizeweltmeister haben sie sich in die Herzen vieler Fußballfans gespielt und können sich mit Stolz überall präsentieren.

Der zweite Platz ist der bislang größte fußballerische Erfolg des Balkan-Landes. Bei den Europameisterschaften 1996 in England und 2008 in Österreich und der Schweiz hatte die Elf jeweils das Viertelfinale erreicht. Vor zwanzig Jahren feierte die kroatische Post den WM-Dritten mit einem Extra-Block. Vermutlich wird nach dieser WM eine ähnliche Ausgabe folgen.

Bronze 1998 in Frankreich

Philatelistisch gesehen waren die Kroaten  diesmal der „wahre“ Fußball-Weltmeister“. Im Gegensatz zum Finalgegner Frankreich hatte die kroatische Post die WM in Russland und die eigene Nationalmannschaft bereits im Vorfeld entsprechend gewürdigt. Am 14. Juni 2018 war in einer Auflage von 100tausend Stück ein Kleinbogen mit neun Briefmarken und einem Zierfeld ohne Werteindruck erschienen, auf denen ein Fußballer im rot-weißen kroatischen Schachbrettmuster-Trikot zu sehen ist. Dazu gab es noch einen gestempelten Ersttagsbrief.

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resize.aspxZur Vorstellung der WM-Marke schrieb Sportjournalist Miro Rede fast schon prophetisch auf der Web-Seite der kroatischen Post:

„Die Hauptfrage für Kroatien lautet: Was kann unser Team bei dieser WM erreichen? Antwort: Es ist ihre Zeit, eine sehr wichtige Rolle zu spielen und nach 20 Jahren wieder auf das Siegerpodest zu klettern, genau wie im Prinzenpark 1998.

Unser Team hat eine schwierige Qualifikatione durchgemacht, einschließlich des Trainerwechsels. Zlatko Dalić ersetzte Ante Čačić und der schaffte es nach dem Playoff-Sieg gegen Griechenland erneut in die WM-Endrunde – auch Dank der Generation der erfahrenen Spitzenspieler wie Luka Modrić, Vedran Čorluka , Marijo Mandžukić, Ivan Rakitić, Ivan Perišić und Domagoj Vida , die sich in der besten Form ihres Lebens befinden.

Dies ist genau der richtige Zeitpunkt, um etwas Großes zu erreichen. Kroatien wird auf dem Weg nach oben mit einigen Hindernissen konfrontiert sein, beginnend mit seiner Gruppe, wo es gegen das ehrgeizige Nigeria, Messis Argentinien und das bekannte Island (das größte Wunder des zeitgenössischen Fußballs) spielen wird. Die WM-Favoriten sind aber Titelverteidiger Deutschland, die potenten und verspielten Franzosen, die Könige der Kombinationen, die Spanier und die unberechenbaren Brasilianer…“

Die französische Post zog  nach dem WM-Gewinn des Landes philatelistisch ganz schnell nach und würdigte wenige Tage nach dem Titelgewinn den neuen Fußball-Weltmeister  mit einem Extra-Block  unter dem Motto „Merci Les Bleus“.

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Numismatisch war diese Würdigung zuvor bereits vorausschauend erfolgt. 872889 Neben einer 10 Euro Silbermünze hatte Frankreich im Vorfeld der WM in Russland auch eine 5 Euro Goldmünze in der Qualität Polierte Platte geprägt. Die geringe Auflage von nur 5000 Exemplaren wird diese Münze nun zu einem äußerst begehrten Stück machen.

Kroatien dürfte nach dem  WM- Auftritt seiner Fußballnationalmannschaft in Russland als Zweiter wohl jedem klar gemacht haben, wo sein Platz auf der Weltkarte ist. Auch den Österreichern. Dort konnte kurz vor der WM in letzter Minute ein philatelistischer Fauxpas gerade noch verhindert werden. Anlässlich der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft in diesem Jahr hatte die Post das Erscheinen einer Sonder-Briefmarke als ein „Highlight“ des Sommers angekündigt. „Alle 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sind in ihren Umrissen abgebildet“, hieß es in der Beschreibung.

Dann stellten aufmerksame Betrachter fest, dass nicht alle 28 EU-Staaten auf der Marke berücksichtigt worden sind. Ausgerechnet Kroatien hatte es getroffen – das historisch mit Österreich verbundene, beliebte Urlaubsdomizil und bei der Fußball-WM auftrumpfende jüngste EU-Mitglied. Im Philatelie-Magazin der Post war eine Abbildung der Marke abgedruckt, auf der Kroatien und seine markante dalmatinische Küste tatsächlich nicht zu sehen waren.

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Die beiden Versionen der Sonderbriefmarke: Links ohne und rechts mit Kroatien.

Jedoch rasch konnte via „Kleine Zeitung“Entwarnung gegeben werden: Es handle sich nur um einen Entwurf der Designerin aus St. Pölten, die Marke ohne Kroatien sei nie bei der niederländischen Spezialdruckerei in Druck gegangen, ließ die Post verlauten.

Eine potenzielle diplomatische Krise war damit erst einmal abgesagt.

Dennoch werden Fotos von der Briefmarke – auch mit Kroatien – noch immer in sozialen Netzwerken geteilt, und das liegt weniger an der Goldfolien-Veredelung der EU-Sterne, die laut österreichischer Post „einen ganz besonderen Effekt“ erzeuge. Vielmehr wird kommentiert, dass durch die besondere  Schriftsetzung die Wörter „EU“ und „RATS“ hervorgehoben werden, während das Wort „Präsidentschaft“ auf den ersten Blick nur als Kleingedrucktes wahrzunehmen ist. Dadurch ergebe sich beim schnellen Hinsehen das Wort „EU RATS“ – englisch für: „EU-Ratten“

„Bei Sondermarken handelt es sich um Kunst im Kleinformat, die der gestalterischen Freiheit unterliegt“, heißt es vonseiten der Österreichischen Post. Dass der Vorsitz im Rat der Europäischen Union unter dem Begriff „EU-Ratspräsidentschaft“ zusammengefasst wird, limitiere den Gestalter aber in seinen grafischen Möglichkeiten. „In der Grafik werden Sonderzeichen abgelehnt, diese werden oftmals durch Absätze ersetzt – wie auch in diesem Fall. Zudem steht für uns schlussendlich das Gesamtdesign im Vordergrund. Typografie und Inhalt müssen ausgewogen sein“, sagte ein Post-Sprecher zum KURIER.

Vielleicht wird die Marke mit einer Auflagenhöhe von derzeit 240.000 Stück – einen wertvollen Fehldruck ohne Kroatien gibt es ja nicht –  auch bei schwarzhumorigen Briten zum begehrten Sammlerstück.

 

(Autor: KJA)

 

 

 

 

Warum wir Island lieben, auch wenn es nicht Fußball-Weltmeister wird

Das Fußball-Märchen geht weiter. Nach dem sensationellen Durchmarsch bis ins EM-Viertelfinale 2016 ist das kleine Island nun auch in diesem Jahr erstmals bei der Weltmeisterschaft in Russland mit dabei.

Damit ist das Land nun offiziell kein Fußballzwerg mehr. Trotzdem sticht die Insel aus allen Fußball-Nationen heraus. Das Team und die Fans haben mit ihren etwas „anderen“ Auftritten längst weltweit die Herzen erobert. Das betrifft nun auch ganz aktuell die Sportphilatelie. Schon oft wurden Fußballspieler auf Briefmarken abgebildet. Aber noch nie hat ein Team eine Briefmarke mitgestaltet, so wie dies erstmalig die isländische Nationalelf getan hat.

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Die Marke gilt für isländische Inlandsbriefe bis 50 Gramm. Verausgabt wurde sie neben einem Zehnerbogen, Ersttagsbrief und Stempel am 26. April.

Während eines Trainingslagers in Katar am Persischen Golf beteiligten sich sämtliche Nationalspieler an einem ungewöhnlichen Kunstprojekt des Grafikers Örn Smári Gíslason. Jeder Kicker bekam ein von Gíslason entworfenes und vorgefertigtes Bild, das er auf transparentes Papier übertragen sollte. Anschließend sammelte Gíslason sämtliche Skizzen ein, scannte sie digital, fügte sie zu einer Illustration zusammen und formte das Bild einer Briefmarke. Herausgekommen ist ein eigenwilliges und mehrdeutiges Motiv.

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Zu sehen ist ein Paar klatschender Hände, das gleichzeitig zwei Gesichter begeisterter Anhänger abbildet. Sie skandieren das bekannte isländische Anfeuerungsritual „Húh“. Über den beiden Händen steht der Zusatz „Strákarnir okkar á HM í Rússlandi 2018“, der etwa mit „Unsere Jungs bei der WM 2018 in Russland“ übersetzt werden kann. In der oberen linken Briefmarkenecke wird das Logo des isländischen Fußballverbandes KSÍ abgebildet und unten ist der Hashtag „# FYRIR ÍSLAND“ (Für Island) zu lesen.

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Der Künstler Gíslason lebt in Reykjavík, 1995 machte er sein Examen als Grafikdesigner an der Isländischen Akademie der Künste. Heute leitet er eine eigene Werbeagentur, mehrmals designte er schon Briefmarken für die isländische Post.

Auch Alfred Finnbogason vom FC Augsburg und Rúrik Gíslason vom SV Sandhausen, zwei in Deutschland spielende Isländer aus dem WM-Kader, waren beteiligt. Sie haben durch den Abdruck ihrer Hände am Markenmotiv mitgewirkt. „Die Aktion hat Spaß gemacht“, erklärte Finnbogason. „Ich hoffe, dass viele Fans diese Briefmarke nutzen, um ihren Freunden von einer erfolgreichen WM unserer Mannschaft zu berichten.“

Die Isländer schafften es bei der EM 2016 vor allem dank ihrer Fans in die Herzen aller Fußball-Anhänger. Zehn Prozent aller Isländer sollen sich damals in Frankreich aufgehalten haben, um ihr Team anzufeuern. Ihr Schlachtgesang, das gemeinsame Klatschen mit den langgezogenen „Huh“-Rufen, hat es inzwischen nicht nur auf eine Briefmarke geschafft, sondern ist mittlerweile weltbekannt und soll sogar auf dem Münchner Oktoberfest Einzug gehalten haben.

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Für Island-Jubel sorgte während der EM auch ein Fernsehreporter. Gudmundur Benediktsson machte sich mit seiner äußerst emotionalen Reportage unsterblich. Sein Kommentator zu Islands Siegtor im letzten EM-Gruppenspiel gegen Österreich wurde zum weltweiten Hit. Übersetzt hörte sich das in etwa so an: „Meine Stimme ist weg, aber das ist egal. Wir sind durch. Arnor Ingvi Traustason hat getroffen. Island 2, Österreich 1. Wer hätte das gedacht! Wer hätte das gedacht! Der Schlusspfiff ist da! Ich habe mich noch nie, nie so gut gefühlt.“

Ähnlich emotional ging es bei ihm zu, als Island das Achtelfinale gegen England drehte. Mittlerweile ist Benediktsson eine echte Berühmtheit – wie auch Heimir Hallgrimsson. Dieser ist seit der EM alleiniger Nationaltrainer, zuvor führte er die Mannschaft gemeinsam und gleichberechtigt mit dem Schweden Lars Lagerbäck.  Das hatte zur Folge, dass Hallgrimmsson seinen eigentlichen Beruf aufgeben musste. Denn bis dato arbeitete der 49-Jährige immer noch auf den Westmännerinseln als Zahnarzt.

Torhüter Thor Halldorsson ließ bei der EM vor zwei Jahren Superstar Cristiano Ronaldo ebenso verzweifeln wie die englischen Angreifer. Und das, obwohl er bis 2005 noch Hobby-Kicker war. Elf Jahre später stand er dann endlich bei einem großen Turnier im Tor. Auch im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen das Kosovo am 9. Oktober 2017 hielt er seinen Kasten sauber (2:0).

Thor Halldorsson hält Island hinten zusammen © Getty Images

Doch auch Torwart Halldorsson (Foto: Getty images) hat eigentlich einen anderen Beruf. Im „richtigen Leben“ ist er Filmregisseur. Unter anderem produzierte er 2012 das Musikvideo für den isländischen Beitrag zum Eurovision Song Contest.

Trainer Hallgrimsson muss seine Spieler zu den einzelnen Partien jeweils aus ganz Europa einsammeln. Die elf Akteure aus der Startelf gegen Kosovo sind in sieben verschiedenen Ländern aktiv gewesen. Die Mehrheit spielt in England, am bekanntesten ist der Ex-Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson vom FC Everton. Der beste isländische Fußballer aller Zeiten ist der inzwischen zurückgetretene Eidur Gudjohnsen. Er schaffte es sogar zum FC Barcelona. Fußball-Geschichte schrieb er aber durch einen ganz anderen Fakt. Bei seinem Länderspiel-Debüt gegen Estland am 24. April 1996 wurde der damals 17-Jährige für seinen Vater Arnor ins Spiel gebracht. Dass ein Sohn für seinen Vater in einem Länderspiel eingewechselt wurde, ist bislang einmalig!

Mit ihrer WM-Premiere in diesem Jahr sorgen die Isländer für einen weiteren Rekord. Sie sind das kleinste Land, das sich jemals für eine WM-Endrunde qualifizieren konnte. 346.000 Einwohner leben auf der Insel im Nordatlantik. Bislang hielt den Rekord Trinidad und Tobago, das sich 2006 mit 1,3 Millionen Einwohnern qualifiziert hatte.

Island feiert WM-Quali -Getty Images

Rund 100 aktive Profikicker gibt es mittlerweile auf Island, die meisten von ihnen wurden in ausländischen Klubs ausgebildet. Der Erfolg bei der EM 2016 brachte den Aufschwung. Auf die Frage, wie sich die inzwischen beachtlichen Erfolge erklären lassen, äußerte Nationaltrainer Heimir Hallgrímsson in einem Zeitungsinterview anerkennend, es sei viel in die Infrastruktur investiert worden: „Früher hatten wir nur ein paar Fußballfelder, die meist in schlechtem Zustand und im Winter – und der ist lang hier – unbespielbar waren. Jetzt gibt es überall überdachte Spielhallen, die es erlauben, das ganze Jahr über zu trainieren.“ Zudem betreibt der isländische Fußballverband eine vorbildliche und nachhaltige Jugendarbeit. Selbst im entlegensten Dorf gibt es heute „professionelle Fußballhallen und Trainer“, lobte Hallgrímsson.

Die britische Zeitung „The Guardian“ hat die WM-Mannschaften nach ihrer Spielstärke aufgelistet und Island immerhin auf Platz 12 gesetzt, noch vor solchen Fußballnationen wie England und Kolumbien.

Bei der WM spielt Island in Vorrunden-Gruppe D gegen Argentinien, Kroatien und Nigeria. Falls die Nordländer als Erster oder Zweiter der Gruppe weiterkommen, würden sie im Achtelfinale auf einen der beiden ersten Zwei der C-Gruppe treffen. Und dies könnten Frankreich, Australien, Dänemark oder Peru sein.

Vielleicht gibt es ein weiteres isländisches Fußball-Märchen.  Huh! – Klatschen Smiley

(Autor: KJA)

DFB-Pokalfinale 2018 in Berlin mit besonderen philatelistischen Momenten

Dass Sportphilatelisten, speziell die Fußballmotiv-Sammler beim jährlichen Pokalfinale des DFB in Berlin immer auf ihre Kosten kommen, ist ja bekannt. In diesem Jahr gab es zur Partie der Münchner Bayern gegen die Frankfurter Eintracht  aber noch einen weiteren Höhepunkt, der wegen der langwierigen Regierungsbildung vorher nicht termingemäß stattfinden konnte.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz stellte nämlich erst in der Halbzeitpause des DFB-Pokalfinales am 19. Mai offiziell die Briefmarken-Serie „Für den Sport 2018“ vor. (Wir haben über diese Marken, die es seit dem 3. Mai an den Postschaltern gibt,  in unserem Blog schon ausführlich berichtet!)

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundesinnenminister Horst Seehofer, DFB-Präsident Reinhard Grindel, Sporthilfe-Aufsichtsrats-Vorsitzender Werner E. Klatten und Bundestrainer Joachim Löw nahmen die ersten Andrucke „Legendäre WM-Finals“ entgegen.

Für den Sport 2018

„Knapp 1,1 Mio. Euro konnten wir im Vorjahr durch Sport-Briefmarken zur Förderung unserer Talente in 50 Sportarten einsetzen”, sagte Michael Ilgner, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Sporthilfe. „Dankbar sind wir der Deutschen Post, dass sie zusätzlich ein Motiv zum WM-Finale 2014 in ein Markenset aufgenommen hat. Wir sehen die Marken als Ansporn für Joachim Löw und die Nationalmannschaft bei der WM in Russland und hoffen auf gute Verkäufe.“

Seit 50 Jahren werden Briefmarken zugunsten der Deutschen Sporthilfe aufgelegt, erstmals im Jahr 1968 zur Finanzierung der Olympischen Sommerspiele in München. Seit 1998 ist der Bundesminister der Finanzen der Herausgeber der Marken. Über 130 Millionen Euro an Fördermitteln sind dem Spitzensport aus den Erlösen der Sportbriefmarken zugeflossen. Die Deutsche Sporthilfe fördert jährlich rund 4.000 Athleten mit etwa 15 Millionen Euro.

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Auch Mario Götze, WM-Siegtorschütze 2014, hat sich mit den neuen Sportmarken  ablichten lassen. Schade, dass „Mach ihn“ diesmal nicht den Sprung ins WM-Aufgebot für Russland geschafft hat.

(Foto: obs/Stiftung Deutsche Sporthilfe/Ina Fassbender)

Pokalstimmung auch bei der Deutschen Post

Das Deutsche Post Team „Erlebnis: Briefmarken“ war auch in diesem Jahr beim Pokalfinale im Berliner Olympiastadion dabei und erfreute sich wie immer regen Zuspruchs. Zu den Besuchern ihrer drei Zelte vor dem Stadion zählte traditionsgemäß auch unser OSPC-Mitglied Hans-Jürgen Ostermann.

Ostermann beim Pokalfinale

Exklusiv zum Finale gab es neben den personalisierten Erinnerungskarten diesmal ein auf nur 1500 Stück begrenztes Briefmarken-Set mit vier „Briefmarken Individuell“ und genügend Platz für die Erinnerungsstempel.

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Besonders begehrt waren auch wieder die EB-Umschläge zu den beiden Pokal-Endspielen der Männer und Frauen.

Ohne Titel

Eintracht Frankfurt feierte  dabei im ausverkauften Berliner Olympiastadion die Pokalsensation. Die Hessen düpierten den haushohen Favoriten FC Bayern München und gewannen überraschend mit 3 zu 1. Die Mannschaft des künftigen Bayern-Trainers Niko Kovac holte nach 30 Jahren erstmals wieder den Pott in die Main-Metropole und startet damit in der kommenden Saison in der Europa League.

Bayern-Trainer Jupp Heynckes dagegen verließ wohl endgültig die große Fußball-Bühne trotz der 28. Meisterschaft als Verlierer, wie zuvor bereits im Halbfinale der Champions League. Für die Bayern, die erstmals seit März 2010 gegen die Hessen verloren, war es im 22. Pokal-Finale erst die vierte Niederlage nach 1985, 1999 und 2012.

 

DFB-Pokal Frauen 2018

Bei den Frauen hatte der  Deutsche Meister VfL Wolfsburg  zum vierten Mal in Serie und zum fünften Mal insgesamt den DFB-Pokal  gewonnen und damit auch das Double perfekt gemacht. Der VfL setzte sich im Finale am 19. Mai im Kölner Rhein-Energie-Stadion vor 17.692 Zuschauern 3:2 (0:0, 0:0) im Elfmeterschießen gegen den FC Bayern München durch. In 120 Spielminuten waren zuvor keine Tore gefallen. Es war zudem das erste Finale seit 2007, das nicht in der regulären Spielzeit entschieden wurde. Matchwinnerin war mit zwei parierten Elfmetern Wolfsburgs Nationalkeeperin Almuth Schult.

(Autor: KJA)