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Deutschland ist Weltmeister – aber warum nur dreimal?

Mit Spannung warten Sportphilatelisten und Förderer des deutschen Leistungssports auf die diesjährige Ausgabe der Briefmarkenserie „Für den Sport“. Damit unterstützt, wie jedes Jahr, das Bundesministerium der Finanzen die Stiftung Deutsche Sporthilfe. Seit 1968 sind durch die Sondermarken mit dem „Plus“ bereits mehr als 130 Millionen Euro an Fördermitteln für die sozialen Belange und Aufgaben im Bereich des Nachwuchs- und Spitzensports zur Verfügung gestellt worden.

Am 3. Mai ist es endlich soweit. Da kommen die Marken an die Postschalter. Das langehütete Geheimnis ist aber jetzt schon dank der aktuellen Pressemitteilung des Finanzministeriums gelüftet. Endlich wissen wir, was sich unter dem Motto „Sportlegenden – Legendäre Fußballspiele“ verbirgt. Nach dem in diesem Jahr bereits das Thema Olympische Winterspiele philatelistisch völlig negiert wurde, haben die drei Fußball-Marken auch nicht wirklich etwas mit der bevorstehenden Weltmeisterschaft in Russland zu tun. Absicht oder Berechnung – das ist die große Frage!

Sporthilfe 1-2018

Als ehemaliger Hörfunk-Sportreporter freue ich mich natürlich über das philatelistische Denkmal, das erstmals mit den Briefmarken meinem Berufsstand gesetzt wurde. Denn im Mittelpunkt der Emission stehen markante Sätze aus drei berühmten Hörfunk-und Fernseh-WM-Finalreportagen mit deutschem Happyend. Warum aber ausgerechnet der vierte deutsche WM-Titel 2014 in Brasilien keine Marke wert war, das sollte uns mal einer erklären – vielleicht der neue Finanzminister bei der traditionellen öffentlichen Präsentation der Marken mit der Stiftung Deutsche Sporthilfe.

1954 – Das Wunder von Bern

Der erste Triumph bei einer Fußball-Weltmeisterschaft nimmt nicht nur in der Fußball-Geschichte Deutschlands eine exponierte Rolle ein. Der Sieg Sepp Herbergers und seiner Mannschaft im Sommer 1954 im Regen von Bern, wird von Historikern als eigentliche Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Die Bilder der sympathischen, bescheidenen Fußballer sorgten kurz nach dem zweiten Weltkrieg für ein anderes Bild Deutschlands.
Im Finale war das DFB-Team der Außenseiter. Noch in der Vorrunde hatte es mit 3:8 gegen Ungarn verloren.

Im Endspiel stand es bereits 0:2 nach acht Minuten. Ein Wunder musste her. Morlock und Rahn trafen noch in Halbzeit eins. Torwart Toni Turek verhinderte mit Glanzparaden die erneute Führung der Ungarn. Radio-Reporter Herbert Zimmermann ruft begeistert: „Turek, du bist ein Teufelskerl. Turek, du bist ein Fußballgott.“

Sporthilfe Marken 2019

Dann kommt die 84. Minute: „Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen“, ruft Zimmermann in sein Mikrofon. Und Rahn schießt und trifft. Wenig später beendete Zimmermann seine legendäre Reportage: „Aus. Aus. Aus. Aus. Das Spiel ist aus. Deutschland ist Weltmeister.“

Radio-Reporter Herbert Zimmermann ist mit dieser Endspiel-Reportage ebenfalls zur Legende geworden. Zumal später alle bewegten Bilder mit seinen Schilderungen unterlegt wurden. Sein damaliger Fernsehreporter-Kollege Dr. Bernhard Ernst hatte das Pech, das seine für die damals noch wenige deutsche Fernsehgerätebesitzer ausgestrahlte Übertragung nicht aufgezeichnet werden konnte und die Tonspur auch noch verloren ging.

1974 – Grandioser Heimsieg

In die Heim-WM 1974 ging die deutsche Mannschaft als Mitfavorit. Zwei Jahre zuvor hatte eine spielstarke deutsche Mannschaft um Beckenbauer, Netzer und Müller bei der EM den Titel gewonnen. Historische Spiele gab es schon vor dem Finale. Etwa den deutsch-deutschen Vergleich, den Sparwasser mit seinem Treffer für die DDR entschied. Im Finale in München ging es gegen Erzrivalen Niederlande. Es begann unglücklich – wie 1954. Nach 100 Sekunden stand es 0 zu 1. Dann aber traf Paul Breitner vom Punkt zum 1:1 und Rainer Bonhof legte im Strafraum  zurück auf Müller. Rudi Michel, der ARD-Fernsehkommentator, schildert: „Müller“ – es folgt eine kleine Pause, in der sich auf dem Spielfeld Gerd Müller dreht und schießt. Reporter Rudi Michel sagt nur: „Und… 2:1!“ Sporthilfe Marken 2020

Eine Stunde und viele Paraden von Sepp Maier später war Deutschland wieder Weltmeister. Rudi Michel: „Oh, hat das Kraft gekostet.“ Auch den Reporter!

1990 – ein Sieg für die Einheit

1990 war ein besonderes Jahr für Deutschland. Die Euphorie des Mauerfalls trug auch die Nationalmannschaft, die diesmal furios in die WM in Italien mit einem 4:1 gegen Jugoslawien startete. Im Achtelfinale gab es ein 2 zu 1 gegen die Niederlande. Im Halbfinale gegen England ein Sieg im Elfmeterschießen. Im Finale in Rom ging es gegen Maradona und Argentinien. Deutschland war überlegen – wird aber erst in der 85. Minute belohnt: Lothar Matthäus schickte Rudi Völler in den Strafraum. Néstor Sensini führt einen harten Zweikampf, bei dem Völler fällt. Welche Entscheidung trifft Schiedsrichter Méndez? O-Ton Gerd Rubenbauer im Fernsehkommentar der ARD: „Was gibt er? Er gibt Elfmeter!“ Andreas Brehme verwandelte eiskalt. Deutschland war zum dritten Mal Weltmeister.Sporthilfe Marken 2021

Gerd Rubenbauer resümierte: „Der Kaiser hat die Krone, die deutsche Mannschaft den Pokal, und wir hatten Spaß an diesem deutschen Team.“

2014 – der Spaß geht weiter

Diese große WM-Freude hatten wir auch 2014 in Brasilien. Deutschland wurde zum vierten Mal Weltmeister. Im Achtelfinale Algerien 2 zu 1 besiegt, im Viertelfinale Frankreich 1 zu 0 geschlagen, im Halbfinale Gastgeber Brasilien mit 7 zu 1 vom Platz gefegt.

Und im Finale gegen Argentinien gab es die erneute Krönung. Mario Götze kam in der 88. Minute beim Stand von 0 zu 0 für Miroslav Klose ins Spiel. Seinen Moment für die Ewigkeit hatte er dann sieben Minuten vor Ende der Verlängerung. Götze stoppte im freien Lauf eine von links kommende Flanke von Andre Schürrle mit der Brust, ließ den Ball direkt auf den linken Fuß tropfen und schoss ab ins Tor. ARD-Fernsehkommentator Tom Barthels: „Schürrle – der kommt an. Mach ihn, mach ihn Mario Götze – das ist doch Wahnsinn. Und jetzt ist er gekommen, dieser eine Moment für Mario Götze, da ist alles andere egal!“

Schade, das die Grafiker Astrid Grahl und Lutz Menze aus Wuppertal, die für die Entwürfe der diesjährigen Marken „Für den Sport“ verantwortlich waren, dieses dramatische Motiv nicht zu einer vierten WM-Final-Marke verarbeiten durften. Mir fehlt zwar das grafische Talent, aber ich habe trotzdem mal versucht, ein entsprechendes Markenbild zu kreieren. Der Reportersatz meines Kollegen Tom Barthel „Mach ihn – Mario Götze“ hätte es ebenso verdient, wie der Torschütze, der zur Zeit seiner einstigen WM-Form noch hinterherläuft!Goldegotze bearbeitet

 

Nachspielzeit

Wegen der langwierigen Koalitionsverhandlungen und  der damit erst kürzlich erfolgten Regierungsbildung, war es in diesem Jahr wohl nicht mehr möglich, kurzfristig in Berlin einen gemeinsamen Vorstellung-Termin zwischen der Stiftung Deutsche Sporthilfe und den für die „Sport-Briefmarken“  zuständigen neuen Finanz-und Innenministern Scholz und Seehofer zu finden. Die Marken werden nun offiziell auf der Briefmarken-Messe in Essen vom 3. bis 5. Mai präsentiert.

Postfrisch 02-2018

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist eine aktuelle Veröffentlichung der Post, in der man ganz beiläufig erfährt, dass es im Markenset neben den drei erwähnten nassklebenden Zusammendruck der drei Motive noch ein Zierfeld gibt.

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Und auf diesem Zierfeld ohne Werteindruck wird mit dem von mir oben beschriebenen Reporter-Ausruf „Mach ihn“ an das vierte von Deutschland gewonnene WM-Finale 2014 erinnert. Wenigstens etwas! Bleibt immer noch die Frage, warum es nicht für eine vierte „richtige“ Briefmarke gereicht hat?

2018.05.03. Deutschland WM 2018 Markenheftchenbogen

 

(Autor: Klaus-Jürgen Alde)

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