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Kiwis segeln zum Erfolg – Neuseeland feiert America´s Cup

Sie haben es wieder geschafft. Zum vierten Mal konnte eine Segeljacht aus Neuseeland am 17.März 2021 den 36. America’s Cup gewinnen – nach 1995, 2000 und 2017. Und zum zweiten Mal konnten ihn die Kiwis verteidigen. Der erst 30-jährige Steuermann Peter Burling siegte mit seiner Crew dabei bereits zum zweiten Mal in Folge. Der Gegner im Finale vor Auckland, das italienische Team Luna Rossa, ging auch in seinem fünften Anlauf leer aus und unterlag auf den gleichen Gewässern wie bereits vor 20 Jahren den Neuseeländern. Nach einem 0:5 damals, fiel die Niederlage mit 3:7 diesmal etwas knapper aus.
Fünf Millionen Neuseeländer feierten trotz Corona ausgelassen diesen Sieg in der ältesten, kontinuierlich seit 1851 ausgetragenen Sportveranstaltung der Welt. Mit Stolz nahmen sie zur Kenntnis, dass ihr kleines Land, zumindest im Segelsport, ganz vorn sein kann. Dabei bewahrheitete sich eine alte Regel des Cups: Das schnellste Boot gewinnt.
Das mit der Schnelligkeit kann übrigens auch die neuseeländische Post von sich behaupten. Ihre Segelbegeisterung ist kaum zu toppen. In den vergangenen 50 Jahren wurden insgesamt 40 Briefmarken mit Segelmotiven aufgelegt. Unmittelbar nach dem aktuellen Sieg der heimischen „Te Rehutai“ im America´s Cup brachte sie am 19.März diesen Block mit sechs Marken an die Schalter.

Bereits am 2.März 2021 war ein Kleinbogen mit vier Marken erschienen, der sich mit der 150jährigen Geschichte des königlichen neuseeländischen „Jacht-Geschwaders“ befasste. Immerhin hatten die Kiwis großen Anteil an erstaunlichen Entwicklungen von Segelbooten.

Auf dem Block werden vier der wichtigsten Wettbewerbsjachten gefeiert. So wurde 1898 die „Rainbow“ ($4,00) aus besonders haltbaren neuseeländischem Kauri-Holz gebaut. Zwei Jahre später erzielte sie bei der Intercolonial Regatta einen durchschlagenden Erfolg gegen die australische Flotte.
Die „Rainbow II“ ($3,50) konnte erst gebaut werden, nachdem der junge Auckländer Segelmacher Chris Bouzaid sein Haus für die Finanzierung verkauft hatte. 1969 sorgte das Boot für einen sensationellen Sieg beim One Ton Cup.
Zum Ende der 1980er Jahre wurden die Holzkonstruktionen der Boote zunächst durch Glasfaser und danach durch Kevlar, Kohlefaser und Titan ersetzt. Die „Steinlager II“ ($2,70) wurde speziell für den Ausnahme-Skipper Peter Blake entworfen, der damit 1989 alle sechs Wettfahrten des „Whitbread Round the World Race“ gewinnen konnte.
Die $1,40-Briefmarke zeigt die „Te Rehutai“, sozusagen als postalischen Vorgriff auf den späteren Gewinn des 36. America´s Cups. Das spektakuläre Einrumpf-Boot aus Carbon und Titan ist derzeit das beste und schnellste seiner Klasse. Geschwindigkeiten von 50 Knoten ( 93 Kilometer pro Stunde) lassen die Segeljacht fast vollständig aus dem Wasser heben.

Wie alles begann…

„Der America’s Cup ist jetzt Neuseelands Cup!“ Mit diesem legendären Satz kommentierte Sportreporterlegende Peter Montgomery Team New Zealands ersten Triumph im America’s Cup am 13. Mai 1995. Der Kiwi-Coup gelang vor gut einem Vierteljahrhundert, als das Segelteam auf der neuseeländischen „Black Magic“ (NZL 32) im Revier vor San Diego Amerika’s-Cup-König Dennis Conner und dessen US-Team nach zwei Jahrzehnten Cup-Dominanz entthronte. Hier die Sieger-Briefmarke in Erinnerung an den Kiwi-Coup 1995.
Elf Tage nach ihrem historischen Sieg von 1995 landete dasTeam um Skipper Peter Blake mit einer Chartermaschine in Auckland. Der Amerika entrissene America’s Cup hatte die Reise um die halbe Welt auf einem eigenen Erste-Klasse-Sitz absolviert – das ist seitdem eine Tradition. Noch auf dem Rollfeld sorgten Feuerwehrwagen mit Wasserfontänen für ein Regenbogen-Festival, während die Morgennachrichten die Ankunft der Cup-Helden landesweit übertrugen. Es folgte die bis heute größte Siegerparty in der Geschichte Neuseelands. „Nichts auf der Welt hätte uns auf diesen Empfang vorbereiten können“, sagte Peter Blake. 350.000 jubelnde Menschen – mehr als ein Drittel der Einwohner Aucklands – feierten die Cup-Helden allein in den Straßen der Stadt, bevor die Triumphreise durchs ganze Land begann.
Damals konnten die Kiwis noch nicht ahnen, durch welche Höhen und Tiefen sie im kommenden Vierteljahrhundert mit ihren Seglern würden gehen müssen. Zunächst folgte aber im Jahr 2000 in Auckland die erfolgreiche Cup-Verteidigung. Die italienische „Luna Rossa“ wurde 5:0 geschlagen.

Eine Extra-Ausgabe von der neuseeländischen Post gab es aber dazu nicht. Von 1851 bis 2000 waren 30 America´s Cup Rennen ausgetragen worden. Dabei gab es 27 Siege für die US-Amerikaner, zwei für Neuseeland und einen für Australien!
Sir Peter Blake wurde damit endgültig zum neuseeländischen Helden, nachdem er bereits 1995 von Königin Elisabeth II. für seine Verdienste um den Segelsport geadelt worden war. Der einstige Weltumsegler, der sich international auch als Umweltschützer einen Namen gemacht hatte, wurde am 6.Dezember 2001, gerade mal 53 Jahre alt, auf einer Expedition nahe der Amazonas-Mündung von Piraten erschossen. Im Oktober 2002 wurde Blake posthum mit dem Olympischen Orden und dem Laureus Award geehrt. Ihm zu Ehren trägt seit 2003 das Blake-Massiv in der Antarktis seinen Namen. Unmittelbar nach seinem gewaltsamen Tod erinnerte die neuseeländische Post an die Segel- und Forscher-Legende des Landes.
„Visionen zu haben ist nicht genug – Veränderung entsteht dadurch, dass die Vision verwirklicht und in die Realität umgesetzt wird“ – diese Zitat von Peter Blake ziert den Kleinbogen mit fünf Briefmarken, auf denen er als Ideengeber, Segler, Rekordbrecher, passionierter Kiwi und Umweltschützer abgebildet ist.

Danach folgte eine, im wahrsten Sinne des Wortes, Flaute. Neuseelands beste Segler um 1984er Finn-Dinghy-Olympiasieger Russell Coutts wurden in unsicheren finanziellen Zeiten von einem Schweizer Milliardär abgeworben und sahen sich deswegen im Rahmen einer „Loyal-Kampagne“ brutalen Anfeindungen im eigenen Land ausgesetzt. Doch sie gewannen den America’s Cup 2003 – für die Schweiz und entführten die „bodenlose Kanne“ aus dem heimischen Auckland nach Europa.
Es folgten für die Kiwis die Niederlage 2007 gegen die „Alinghi“ in Valencia und die „Schmach von San Francisco“ im 34. America’s Cup 2013, als das Emirates Team New Zealand im Cup-Duell mit Larry Ellisons Oracle Team USA schon 8:1 führte und dann noch 8:9 verlor.
Den Willen der Neuseeländer aber konnte auch dieses Fiasko nicht brechen. 2017 holten sie sich vor Bermuda die Silberkanne mit dem „49er“-Olympiasieger von Rio de Janeiro 2016 Peter Burling am Steuer und bahnbrechender Boots-Technologie auf dem Katamaran „Aotearoa“ (zu deutsch: Land der langen weißen Wolke) zurück.
Die neuseeländische Post reagierte damals ähnlich schnell, wie in diesem Jahr.

(Autor: KJA)

Mensch gegen Maschine – „Deep Blue“ schlägt Schach-Weltmeister

Die erste deutsche Briefmarke des Jahres 2021 mit einem sportlichen Motiv ist am 1. März erschienen und einem bemerkenswerten Ereignis vor 25 Jahren gewidmet worden.
1996 gelang es erstmals einem Schachcomputer, einen amtierenden Schachweltmeister aus Fleisch und Blut zu bezwingen. Der Bonner Thomas Steinacker hat dieses legendäre Duell grafisch interessant auf einer 110-Cent Briefmarke umgesetzt. Es ist übrigens die erste deutsche Sportbriefmarke mit neuem Matrix-Code!

Das Match des IBM Supercomputers Deep Blue gegen den damaligen russischen Weltmeister Garry Kasparov fand vom 10. bis 17. Februar in Philadelphia statt. Kasparov saß dort im örtlichen Convention Center vor einem Schachbrett. Ein Bediener gab seine Züge per Tastatur in einen Computer ein. Von diesem wurden die Züge per Telefonleitung nach Yorktown Heights, New York State geschickt, wo Deep Blue stand. Der Computer berechnete seinen Zug, der wieder per Telefonleitung zum Bediener am Brett von Kasparov zurückgeschickt wurde. Das Duell, bei dem es immerhin um eine halbe Million US-Dollar Preisgeld ging, wurde live im damals noch „jungen“ Internet übertragen.„Erfinder“ des Deep Blue Projects war der Programmierer Feng-Hsiung Hsu. Er und seine Mitstreiter hatten das Projekt bereits an der Carnegie Mellon University begonnen und 1989 zum US-amerikanischen IT-Unternehmen IBM mitgenommen. Dort wurde die Idee weiterverfolgt. 1993 glaubten die Experten, dass man mit einer Suchtiefe von 14 Halbzügen die besten menschlichen Spieler schlagen könne. 1996 sah sich das IBM Team in der Entwicklung ihres Programms dann weit genug, um den amtierenden Weltmeister Garry Kasparov zu einem Wettkampf herauszufordern. Kasparovs Gegner „Deep Blue“ war ein Koloss von etwa zwei Metern Höhe und 700 Kilogramm schwer. Die Maschine konnte 200 Millionen Stellungen in der Sekunde berechnen. Die Schach-Webseite http://www.cheessbase.com, wo man diese denkwürdige Partie auch nachspielen kann, gibt einen genauen Einblick zum damaligen Verlauf.

Dort heißt es u.a.: „In seiner Vorbereitung auf den Wettkampf gegen Deep Blue hatte Kasparov sich zehn verschiedene Eröffnungskonzepte mit Varianten überlegt, die er sonst nicht spielte, da er davon ausging, dass das Computerteam ihre Maschine in der Eröffnungsbibliothek gut auf seine üblichen Eröffnungen vorbereitet hatte. Kasparovs Sparringspartner war das ChessBase-Windowsprogramm Fritz 4. Der Weltmeister probierte alle seine Eröffnungen in vielen Trainingspartien gegen Fritz 4 aus, um dann zu entscheiden, welche der Varianten zur Anwendung kommen sollten.
Kasparov entschied, in der ersten Partie seine Lieblingseröffnung Sizilianisch zu spielen. In den ersten beiden Partien wollte er den Computer kennenlernen, am liebsten auf dem Gebiet, auf dem er sich selber am besten auskannte. Kasparov war dann allerdings nach der ersten Partie von der Spielstärke von Deep Blue doch sehr beeindruckt und wunderte sich über den Zug 23.d5!, den er für einen typisch menschlichen Zug hielt. Nach der Niederlage verbrachte Kasparov die Nacht einigermaßen schlaflos und dachte noch einmal über seine Matchstrategie nach.
Im Grunde war aber seine Strategie klar. Der Kampf musste mit langfristigen Plänen geführt werden, die der Computer nicht berechnen konnte. Mit kleinen Zugumstellungen in den Varianten warf Kasparov seinen Gegner zudem schnell aus der Eröffnungsbibliothek und brachte ihn möglichst früh dazu, selber zu rechnen“.

Kasparov gelang es nach sechs Stunden Spielzeit die zweite Partie für sich zu entscheiden. Der Weltmeister wurde wieder zuversichtlich. Schließlich gewann er das Match noch klar mit 4:2. Er entschied drei Partien für sich und spielte zweimal remis. 1997 kam es in New York zu einem Revanchewettkampf, der weltweit für noch größere Aufmerksamkeit sorgte. Deep Blue war inzwischen weiter verbessert worden. Diesmal gewann Kasparov die erste Partie, doch dann gab er die zweite in Remisstellung auf. Kasparov mühte sich, den Wettkampf noch zu gewinnen und wählte aber in der sechsten Partie eine für Schachexperten schlechte Variante der Caro-Kann-Verteidigung. Deep Blue „kannte“ jedoch die Widerlegung, die auf einem Opfer beruhte, und gewann nicht nur die Partie sondern auch den gesamten Wettkampf mit 3,5 zu 2,5.
Kasparow erhob danach Manipulationsvorwürfe gegen das IBM-Team und forderte ein Rematch, das der Konzern jedoch ablehnte. Deep Blue wurde in seine Einzelteile zerlegt. Erst 20 Jahre später zog Kasparow, der sich 2005 vom professionellen Schachsport verabschiedet hatte, seine Anschuldigungen zurück. Seitdem ist die Hard-und Softwareentwicklung so rasch fortgeschritten, das heute nahezu alle Schachspieler selbst gegen die gängigsten PC-Schachprogramme chancenlos sind.

Philatelistisch gesehen hatte die Post von Uganda schon 2012 zum 15. Jahrestag des zweiten Matches zwischen Deep Blue und Kasparow diesem Wettkampf Mensch gegen Maschine zwei Blöcke mit fünf Sondermarken gewidmet.

Außerdem gibt es zur Geschichte des Automaten- und Computerschachs einen Block der Niger-Post, der am 21. April 1999 herausgekommen ist und einen interessanten Einblick in die Entwicklung der „Schachcomputer“ zulässt.Der erste Automat, der angeblich Schach spielen konnte, war um 1770 der „Schachtürke“, der vom Wiener Hofrat Wolfgang von Kempelen entwickelt worden war. Die Maschine, die auch auf dem Niger-Block abgebildet ist, bestand aus einer türkisch aussehenden lebensgroßen Figur, die an einem schreibtischgroßen Schrank auf einem Stuhl saß. Der Schrank enthielt eine komplizierte Mechanik, die vor jedem Spiel durch Öffnen der Türen in einer festgelegten Reihenfolge gezeigt wurde, um die Abwesenheit von Menschen zu beweisen. Der Apparat konnte aber nicht selbständig Schach spielen, denn die Maschine war „getürkt“ – was später zum geflügelten Wort werden sollte.Im Inneren war ein (kleinwüchsiger) Schachspieler versteckt, der bei der Besichtigung zuvor seine Position wechseln musste, um nicht entdeckt zu werden und danach zum Spielen über eine komplizierte und ausgefeilte Mechanik die sitzende Türkenfigur die Züge ausführen ließ. Die Positionen der Schachfiguren, die der versteckte Spieler ja nicht sehen konnte, wurden über magnetische Plättchen am Fuß der Figuren nach innen übertragen. Eine Kerze sorgte für das nötige Licht, kleine Löcher im Spieltisch für etwas Frischluft. 
Einige der besten Schachmeister dieser Zeit bedienten den Türken, der nach Überlieferung zufolge sehr selten ein Spiel verlor. Auch Berühmtheiten wie Kaiserin Maria Theresia, die Auftraggeberin der Maschine war, und Kaiser Napoleon spielten gegen den Schachtürken. Letzterer verlor drei Partien gegen den „Automaten“, der zu der Zeit von dem ersten bedeutenden deutschsprachigen Schachmeister Johann Baptist Allgaier gesteuert worden sein soll. Eine nicaraguanische Briefmarke aus dem Jahr 1976 erinnert an dieses Ereignis mit einer Zeichnung von Antoni Uniechowski , die das Match zwischen Napoleon und dem „Türken“ im Schloss Schönbrunn 1809 darstellt.
Der „getürkte“ Schachautomat war sozusagen der Vorläufer für die Jahrhunderte später folgenden Schachcomputer, zu denen vor 25 Jahren auch „Deep Blue“ gehörte.

(Autor:KJA)

Alpine Skisaison 2020/21 bleibt trotz Corona in bester Erinnerung

Brot und Spiele – sagen etwas abwertend die einen – die anderen sind froh, dass wenigstens der Profisport trotz weltweiter Corona-Pandemie im wesentlichen störungsfrei, wenn auch ohne Zuschauer vor Ort, für aktuelle und spannende Fernsehunterhaltung sorgt. Und das nicht nur im Fußball und Handball. Auch der Wintersport hat im Jahr 2021 bisher nicht auf seine Großereignisse verzichten müssen. Nach Internationaler deutsch-österreichischer Vierschanzentournee, diversen Weltcups und den Weltmeisterschaften im Rennrodeln, Bob und Skeleton in Oberhof und Altenberg, laufen derzeit die Titelkämpfe der Alpinen im italienischen Cortina d´Ampezzo und die der Biathleten im slowenischen Pokljuka. Die Nordische Ski-WM folgt demnächst in Oberstdorf.  Während die vier Weltmeisterschaften in Deutschland philatelistisch gesehen leider keine Rolle spielen, hat wenigstens die italienische Post reagiert und anlässlich der 46. Alpinen Ski WM 2021 in Cortina d´Ampezzo am 7. Februar eine Sondermarke in einer Auflage von einer halben Million Stück nebst FDC, Karte und Schmuckblatt herausgebracht.

Viermal war Cortina d´Ampezzo bisher Schauplatz einer Alpinen Ski-Weltmeisterschaft. Bereits 1932, ein Jahr nach Einführung der sogenannten FIS-Rennen, gab es am Fuße der Dolomiten die 2. WM. Die WM 1941 wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs von der FIS nachträglich für ungültig erklärt, nachdem viele Nationen aufgrund der politischen Umstände nicht daran teilnehmen konnten. 1956, anlässlich der VII. Olympischen Spiele, erhielten die drei Erstplatzierten in der Abfahrt,  im Riesenslalom und im Slalom neben den Olympiamedaillen auch WM-Medaillen, da diese Wettbewerbe zusätzlich als 14. Alpine Ski-Weltmeisterschaft  gezählt worden sind. In der Kombination  wurden nur WM-Medaillen verliehen.

Anlässlich der Olympischen Winterspiele 1956 gab die italienische Post diese vier Sonderbriefmarken heraus. Es waren die ersten mit einem direkten Bezug zum Ort Cortina d´Ampezzo

Nach 1956 hatte sich Cortina d´Ampezzo viermal erfolglos um eine weitere Alpine WM-Austragung beworben. Erst in diesem Jahr wurde der mondäne Wintersportort nach 65 Jahren wieder einmal berücksichtigt.

Diese italienischen WM-Ausgaben sind für alpine Skisport-Motivsammler der zweite Höhepunkt der aktuellen Saison. Denn bereits am 23. Oktober 2020 glänzte die österreichische Post im Rahmen ihrer Serie „Technische Innovationen“ nach Markenblöcken aus Spitze, Porzellan, Glas und Leder mit einer Briefmarke in Form einer echten Skispitze.

Dieses Highlight für alle Briefmarkensammler besticht durch sein außergewöhnliches Material und seine für alle Skibegeisterten geradezu ikonografische Form. Ein echter Ski ist in der Regel aus unterschiedlichen Materialen wie Holz, Metall und Kunststoffen zusammengesetzt. Bei dieser Marke kommt nun eine ganz ähnliche Produktionstechnik zum Einsatz. Ein dünner Aluminium-Kunststoff-Verbund wurde mittels einer CNC-gesteuerten Fräse in der Form einer Skispitze ausgeschnitten. Die silbrige Oberfläche dieser Aluverbundplatte ist gebürstet und wirkt von der Seite gesehen wie die Kante eines Skis.  Mit einem speziellen Acrylatkleber wurde anschließend der in der Stärke für die Marke angepasste gelbe Original-Skibelag appliziert. Wie bei der tatsächlichen Skiproduktion wurde der Belag auf der Rückseite spiegelverkehrt bedruckt, so dass auf der Oberfläche das Motiv durch den Belag hindurch zum Vorschein kommt. Die Marke, von David Gruber entworfen, ist 43 x 42 x 3 mm groß. Trotz einer Stärke von drei Millimetern ist sie eine kursgültige Ausgabe, mit der man in Österreich ganz normal frankieren kann.

Dieses sensationelle „Briefmarken-Schmankerl“ sollte eigentlich zeitgleich zum ursprünglichen alpinen Saisonbeginn in Sölden am 23. Oktober auf den Markt kommen. Jedoch wegen der Corona-Pandemie kam alles ganz anders. Der Ski-Weltcup Auftakt 2020/2021 in Sölden fand nämlich diesmal als Geisterrennen ohne Zuschauer statt und wurde um eine Woche auf den 17./18. Oktober vorgezogen. Damit hatten die Organisatoren einen ersten Schritt für sichere Abläufe gesetzt, damit der Rettenbachferner-Gletscherbereich weitestgehend exklusiv für die Weltcup-Wettbewerbe genutzt werden konnte. Auch wurde die Unterbringung für die Mannschaften den Bedürfnissen und Vorschriften entsprechend angepasst. Das Party- und Rahmenprogramm, wie die Fanclubparade oder auch die Siegerehrungen und Startnummer Vergaben, fanden nicht statt.

Sölden war das Vorbild für die kommende gesamte alpine WC-Saison, die seitdem, bis auf die Übersee-Rennen, voll durchgezogen werden konnte und am 21. März 2021 in Lenzerheide in der Schweiz enden wird. Natürlich ohne echte Zuschauer vor Ort!

(Autor: KJA)

Nach endgültigem Brexit – Royal Mail feiert Großbritannien auch mit sportlichen Motiven

Die ersten Briefmarken mit sportlichen Motiven im neuen Jahr kommen aus Großbritannien. Die Europäische Union und das Vereinigte Königreich hatten sich ja nach zähen Verhandlungen im sogenannten Brexit-Übergangsjahr erst am 30. Dezember 2020 auf ein gemeinsames Handels-und Kooperationsabkommen einigen können, das nun auch den EU-Austritt in rechtlicher Hinsicht zum 1. Januar 2021 geklärt hat.
Für die britische Post schien das ein willkommener Anlass zu sein, am 26. Januar 2021 mit einem Erinnerungsblatt unter dem Titel „United Kingdom: A Celebration“ diesen „Akt“ zu feiern.
Das „Vereinigtes Königreich: Eine Feier“ enthält vier Briefmarken mit Fotos und Illustrationen, die sportliche Erfolge, technologische Innovationen, kreative Industrien und einen starken Sinn für den Gemeinschaftsgeist der Briten darstellen sollen.

Philip Parker von der Royal Mail betonte bei der offiziellen Vorstellung, dass die Briefmarken „eine Feier dieser Insel und der Menschen sind, die hier ihr zu Hause haben“.
Eine der Briefmarken ist komplett dem Thema „ Großer Sport“ gewidmet.

Auf ihr sind auf vier Fotos ein Fußball, ein Cricketball, ein Rollstuhlsportler und ein in Bewegung befindlicher Rennwagen zu sehen. In der Pressemitteilung zur Ankündigung des Blocks schrieb die Royal Mail zu dieser Briefmarke: „Großbritannien ist eine stolze und leidenschaftliche Sportnation. Es ist das Mutterland des Fußballs und des Crickets. 1948 wurden in Großbritannien mit den „Stoke Mandeville Games“ die ersten organisierten Wettbewerbe für behinderte Sportler ausgetragen, aus denen sich später die „Paralympics“ entwickelten. Und Großbritannien hat außerdem zehn Formel-1-Weltmeister seit 1950 hervorgebracht, die, angefangen bei John Mike Hawthorn (1958) bis hin zu Lewis Hamilton (2020), insgesamt 19 WM-Titel gewinnen konnten – mehr als jedes andere Land.

Aber auch auf der £ 1,70-Briefmarke mit dem Titel „Great Community“ ist ein sportliches Motiv zu sehen. Das Foto in der Mitte der Briefmarke wurde beim London Marathon 2011 aufgenommen.

Der London-Marathon zählt hinsichtlich der Preisgelder, der Siegerzeiten und der Teilnehmerzahlen zu den weltweit bedeutendsten Laufveranstaltungen.
Das Blockblatt ist insgesamt 192 Millimeter mal 74 Millimeter groß. Jede Marke misst 36 mm x 60 mm. Zusätzlich zu den Briefmarken bietet Royal Mail einen Poststempel, einen Ersttagsbrief, ein Präsentationspaket und fünf Postkarten an, die das Design der Briefmarken und des Blocks unterstreichen.

(Autor: KJA)

Abgesagt und angesetzt – wie Corona den Sportkalender 2020 durcheinander brachte

Diese zwei Briefmarken symbolisieren sehr deutlich das zurückliegende Sportjahr 2020, das durch die weltweite Corona-Pandemie geprägt war. Neben den Olympischen Spielen in Tokio und der Fußball-Europameisterschaft wurden unzählige nationale und internationale Wettkämpfe verlegt, verschoben oder fielen gleich ganz aus. Die Leidtragenden waren nicht nur die Sportlerinnen und Sportler sondern auch die Organisatoren, Sponsoren und Zuschauer.

Die Briefmarke von S.Tomé e Principe steht für die „Absage von Tennisturnieren aufgrund der Covid-19-Pandemie“, wie es in Portugiesisch am unteren Rand der Marke heißt. Die Briefmarke von Slowenien zeigt dagegen zwei Helden, die nicht nur die diesjährige Tour de France gemeistert haben sondern ein klein wenig auch einen Extra-Kampf gegen Corona gewonnen haben. Viele hatten ihre Zweifel, dass es die Tour de France nach ihrem Start in Nizza am 29. August bis zum 20. September nach Paris schaffen würde. Doch das strikte Hygienekonzept des Veranstalters hatte gewirkt. Im Gegensatz zu manchem Zuschauer an der dreieinhalbtausend Kilometer langen Strecke hielten sich die Fahrer an die strengen Corona-Regeln. Sie lebten in ihrer eigenen Blase – alles ging gut. Und es war im Wesentlichen ein spannendes Etappenrennen auf einem der härtesten Kurse der vergangenen Jahre. Am Ende war es, für viele sicher überraschend, das Duell zweier Slowenen:

Primoz Roglic, 30 Jahre, Umsteiger vom Skispringen und Späteinsteiger in den Profi-Radsport, gegen Tadej Pogacar, 21 Jahre, Wunderknabe und großes Radsporttalent von Kindesbeinen an. Pogacar gewann die Tour vor Roglic, der noch bis zur vorletzten Etappe geführt hatte, mit 59 Sekunden Vorsprung – dem neuntknappsten Sieg in der 107jährigen Geschichte der Tour de France. Slowenien hat damit zwei neue Sport-Helden. Der Doppelsieg löste eine Welle der Euphorie aus. Dank dieser zwei Rad-Asse stand das Land drei Wochen lang im weltweiten medialen Rampenlicht. Auch wenn inzwischen wieder der sportliche Alltag eingezogen ist, der Tour-Doppelerfolg bescherte den Radsportklubs im Land viele neue Mitglieder im Kinder-und Jugendbereich.

Und so ist es eine schöne Weihnachtsüberraschung, dass die slowenische Post mit dieser letzten Ausgabe des Jahres 2020 noch einmal an den großen sportlichen Moment erinnert.

„Hand Gottes“ im Fußball-Himmel – Trauer um Diego Maradona

Auf dem Spielfeld ein Genie, für Neapel ein Erlöser, in Argentinien ein Gott! Diego Armando Maradona hat Fußballgeschichte geschrieben.

Das wurde in den zurückliegenden Jahrzehnten auch  sportphilatelistisch dokumentiert. Es gibt wohl keinen weiteren Athleten auf der Welt, der so oft auf einer Briefmarke zu finden ist, wie Maradona. Bei meiner Recherche habe ich 75 Marken aus 29 Ländern gezählt, auf denen der Argentinier im Verlauf der Jahre seit 1986 abgebildet worden ist. Und weitere Marken werden wohl demnächst folgen – in Memoriam! 

Am 25. November 2020 ist der für viele Experten und Fans wohl beste Fußballer aller Zeiten in seinem Privathaus im argentinischen Tigre an einem Herzinfarkt gestorben. Er wurde 60 Jahre alt. In Argentinien gab es eine dreitägige Staatstrauer. Der Nationalheld bekam ein Staatsbegräbnis. Sein Sarg, bedeckt mit Fußballtrikots mit der legendären „Zehn“, wurde im Präsidentensitz Casa Rosada in Buenos Aires aufgebahrt. Zehntausende Fans erwiesen ihm die letzte Ehre. Dabei kam es zu Tumulten, die Polizei musste Wasserwerfer und Gummigeschosse einsetzen. Als am 27. November der Sarg zur Beisetzung gefahren wurde, säumten in Argentiniens Hauptstadt Tausende den Weg bis zum Friedhof, wo Maradona nun neben dem Grab seiner Eltern die letzte Ruhe gefunden hat.

Erst Anfang November, wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag am 30. Oktober, hatte er eine Operation wegen eines Blutgerinnsels im Gehirn erfolgreich überstanden und sollte danach wegen seiner Alkoholabhängigkeit weiter behandelt werden. Maradona war nicht nur ein genialer Fußballer und Trainer. Sein turbulentes Privatleben war über viele Jahre aber auch von Übergewicht, Dopingmissbrauch sowie Alkohol- und Kokainsucht gezeichnet. Seine Gesundheit galt schon lange angeschlagen. 

Die Anteilnahme an seinem Tod ist weltweit aber gewaltig. „Er verlässt uns, aber er geht nicht weg, weil Diego ewig ist“, schrieb auf Instagram Lionel Messi, der in Argentinien als legitimer Nachfolger des Fußballhelden gilt. „Ich behalte all die schönen Augenblicke in Erinnerung, die ich mit ihm erlebt habe“.

«Ich habe einen großen Freund und die Welt hat eine Legende verloren», meldete sich die brasilianische Fußball-Legende Pelé zu Wort, der in diesem Jahr Achtzig geworden ist. „Ich hoffe, eines Tages können wir im Himmel zusammen Fußball spielen“!

Große Trauer herrschte aber auch im italienischen Neapel, wo der Ehrenbürger Maradona zwischen 1984 und 1991 beim SSC spielte. Mit ihm gewann der Verein 1987 und 1990 die italienische Meisterschaft und 1989 den UEFA-Cup.

Sein schillerndes Leben ist in unzähligen Publikationen, Dokumentationen  und Filmen geschildert worden. Was bleibt, sind nur wenige Dinge, an die sich Bewunderer und Kritiker gleichermaßen erinnern –  wie beispielsweise an den 22. Juni 1986. Bei der Fußball-WM in Mexiko gewann Argentinien im Viertelfinale 2 zu 1 gegen England. Es war ein Spiel für die Ewigkeit. Der 25jährige Maradona erzielte innerhalb von vier Minuten zwei der wohl berühmtesten Tore der Fußballgeschichte. Zunächst beförderte er einen Ball mit der Hand, „der Hand Gottes“, wie er es später formulierte, regelwidrig ins Tor. Anschließend sorgte der Mannschaftskapitän nach einem Dribbling über 60 Meter für das WM-Tor des Jahrhunderts. Alles auch festgehalten auf Briefmarken aus Tschad und Argentinien.

„Ich hatte das Gefühl, den Engländern die Brieftasche zu klauen, und das direkt nach dem Falklandkrieg“, sagte Maradona damals. Allein für die Beschreibung des 2:0 benötigte er in seiner Biografie über eine Seite. Sein ebenso nüchternes wie wahres Fazit: „Ich hatte das Tor meines Lebens geschossen.“ Sieben Tage später, am 29. Juni  1986 siegte Argentinien im WM-Finale mit 3 zu 2 gegen Deutschland.

Eigentlich war Maradona in  diesem Finale von Lothar Matthäus abgemeldet, konnte aber mit einem genialen Pass das 3:2 einleiten. „Toni, halt den Ball“, rief ARD-Fernsehkommentator Rolf Kramer, nachdem Jorge Burruchaga frei vor Torwart Schumacher aufgetaucht war – vergeblich. Maradona: „Das war der Höhepunkt, der glanzvollste Moment meiner Karriere. Dieses Datum, dieser Ort sind mir in die Haut eingebrannt.“

Insgesamt nahm Maradona an vier Weltmeisterschaften teil und erzielte in 91 Länderspielen 34 Tore.

(Autor: KJA)

Eine Fußball-Legende wird 100 – Nicht nur philatelistische Erinnerungen an Fritz Walter (aktualisiert)

Von Klaus-Jürgen Alde

Für den Historiker Joachim Fest  gab es drei Gründungsväter der Bundesrepublik Deutschland: politisch war es Konrad Adenauer, wirtschaftlich war es Ludwig Erhard und mental Fritz Walter. Eigentlich sei der 4. Juli 1954, der Tag des Fußball-WM-Endspiels in Bern, das Gründungsdatum der Bundesrepublik Deutschland gewesen.

Am 31.Oktober 2020 würde das Fußball-Idol aus Kaiserslautern 100 Jahre alt. Grund genug, ihn endlich auch einmal in Deutschland offiziell philatelistisch zu würdigen. Am 1.Oktober gab die Deutsche Post eine Sonderbriefmarke nebst Ersttagsstempeln und einem FDC heraus. Das Markenbild, vom Bonner Grafiker Prof. Heribert Birnbach geschaffen, zeigt Fritz Walter auf einem Foto mit dem WM-Pokal 1954.

Die Sonderbriefmarke wurde am 1. Oktober 2020 im Beisein von Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Innenminister Roger Lewentz, DFB-Präsident Fritz Keller, ´54er Legende Horst Eckel und den FCK-Gremiumsmitgliedern Wolfgang Erfurt, Dr. Markus Merk und Rainer Keller in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz vorgestellt.

Das „Erlebnis Briefmarken“-Team Hamburg der Post war am 1.Oktober im Rathaus von Kaiserslautern vor Ort, um u.a. auch einen Stempel mit Post-Eigenwerbung abschlagen. Zusätzlich für diese Veranstaltung wurde ein EB-Brief zum Verkauf angeboten.

Am Erstausgabetag der Marke am 1. Oktober hatte die Deutsche Post im Casimirschloss am Kaiserslauterer Rathaus eine Sonderpostfiliale eingerichtet. Bereits anderthalb Stunden vor der offiziellen Öffnung der Postfiliale um 10 Uhr versammelten sich die ersten Briefmarkenfreunde vor dem Casimirschloss, um den von der Post eigens für diesen Tag kreierten Sonderstempel zu bekommen. Und die ersten Kunden bekamen nicht nur einen besonderen Stempel, sondern erlebten auch einen besonderen Post-Mitarbeiter. Oberbürgermeister Klaus Weichel persönlich saß in den ersten 45 Minuten am Stempeltisch und stempelte bei einem kleinen Plausch mit der Kundschaft fröhlich die Marken ab.  Fotos: Stadt Kaiserslautern
Am Erstausgabetag der Marke am 1. Oktober hatte die Deutsche Post im Casimirschloss am Kaiserslauterer Rathaus eine Sonderpostfiliale eingerichtet. Bereits anderthalb Stunden vor der offiziellen Öffnung der Postfiliale um 10 Uhr versammelten sich die ersten Briefmarkenfreunde vor dem Casimirschloss, um den von der Post eigens für diesen Tag kreierten Sonderstempel zu bekommen. Und die ersten Kunden bekamen nicht nur einen besonderen Stempel, sondern erlebten auch einen besonderen Post-Mitarbeiter. Oberbürgermeister Klaus Weichel persönlich saß in den ersten 45 Minuten am Stempeltisch und stempelte bei einem kleinen Plausch mit der Kundschaft fröhlich die Marken ab.
Fotos: Stadt Kaiserslautern

Für den deutschen Ehrenspielführer ist es nicht die erste philatelistische Würdigung. Anlässlich seiner Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports und der Benennung als Legende des deutschen Sports wurde diese  “Briefmarke Individuell“ herausgebracht. Darüber hinaus gab es für ihn noch viele philatelistische Würdigungen in anderen Ländern. Hier nur einige Beispiele:

Dieser Ersttagsbrief „Fritz Walter und Juan Schiaffino“ wurde von der Postverwaltung in Uruguay verausgabt. Der Ersttagsbrief ist mit einem Briefmarkenblock frankiert. Der Briefmarkenblock zu 12 $ zeigt den ehemaligen deutschen Nationalspieler Fritz Walter und den ehemaligen uruguayisch-italienischen Nationalspieler Juan Schiaffino. Abgestempelt wurde der Ersttagsbrief am 01.07.2004, 50 Jahre nach der Weltmeisterschaft in der Schweiz.

Der Lebensweg von Fritz Walter dürfte vielen bekannt sein. Deshalb hier an dieser Stelle nur ein kurzer Abriss:

Friedrich „Fritz“ Walter wurde am 31. Oktober 1920 in Kaiserslautern als ältestes von fünf Kindern geboren. Sein Vater arbeitete als Wirt in der Vereinsgaststätte des 1. FC Kaiserslautern (FCK), in dessen Schülermannschaft Fritz 1928 eintrat.Er spielte zunächst als rechter Verteidiger, später als offensiver Mittelfeldspieler. Nach dem Schulabschluss begann er eine Ausbildung zum Bankkaufmann und 1940 erhielt der 19-Jährige seine Berufung in die deutsche Nationalmannschaft. 24 Länderspiele folgten bis 1942. Ende des Jahres wurde Fritz Walter als Infanterie-Rekrut nach Frankreich eingezogen, doch dank Nationaltrainer Sepp Herberger konnte er seine Militärzeit vorrangig als Angehöriger verschiedener Fußballteams absolvieren. Nach dem Krieg wirkte Fritz Walter als Spielertrainer und bereits 1948 gelangte der FCK zum ersten Mal in ein Endspiel. Er war als Mittelfeldregisseur die zentrale Figur bei der Kaiserslauterer Mannschaft, die das Pfälzer Publikum wegen ihrer Spielkultur nur die Walter-Elf nannte. Bis 1957 wurde seine Mannschaft zehnmal Meister der Oberliga Südwest und zweimal deutscher Meister (1951 und 1953). 1951 kehrte Fritz Walter zur Nationalmannschaft zurück, in der ihn Sepp Herberger mit der Kapitänsbinde bedachte.

1954 führte er die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes als Regisseur zur Weltmeisterschaft in der Schweiz. Im Finale am 4. Juli im Berner Wankdorfstadion wurde Deutschland bei strömendem Regen („Fritz-Walter-Wetter“) nach dem 3:2-Sieg über Ungarn Weltmeister. 1958 bestritt Fritz Walter das letzte seiner 61 Länderspiele. 33 Tore hat er dabei erzielt; 30-mal war er Kapitän. 1959 beendet er nach 384 Spielen und 327 Toren seine sportliche Laufbahn beim FCK, den er als Spieler nie verlassen hat! 

Vor dem Stadion in Kaiserslautern erinnert ein Denkmal an die fünf FCK-Spieler, die als „Helden von Bern“ in die Fußball-Geschichte eingegangen sind: Werner Liebrich, Fritz Walter, Werner Kohlmeyer, Horst Eckel und Ottmar Walter (v.l.).

Spitzen-Angebote von Athletico Madrid, Inter Mailand, dem FC Nancy und Racing Paris lehnte der bodenständige Pfälzer immer wieder ab. Hierzu schrieb er später einmal in einer Zeitungs-Kolumne: „‚Schätzche, was mache mer?‘ hab ich meine Frau Italia gefragt. ‚Brauchst du mich doch gar nicht erst zu fragen‘ hat sie mir geantwortet, ‚da oben dein Betzenberg, der Chef, dein FCK, die Nationalmannschaft…“.

Mit dem Ende seiner Spielerkarriere wirkte Fritz Walter als Trainer beim VfL Neustadt/Coburg und dem SV Alsenborn. Er wandte sich der Werbung zu, kommentierte beim Rundfunk, war Wäscherei- und Kinoinhaber sowie Repräsentant der Sepp-Herberger-Stiftung. Anlässlich seines 65. Geburtstages im Jahr 1985 wurde das Kaiserslauterer Betzenberg-Stadion in Fritz-Walter-Stadion umbenannt. Am 17. Juni 2002 starb Fritz Walter in seinem Haus in Enkenbach-Alsenborn; die Beisetzung erfolgte auf dem städtischen Hauptfriedhof in einem Ehrengrab.

Warum Fritz Walter zu einem Sportidol geworden ist, hat viele Gründe.

Nach dem zweiten Weltkrieg hatte das Ansehen Deutschlands in der Welt stark nachgelassen. Das Hitlerregime und seine Verbrechen hatten starke Folgen hinterlassen. Das „Wunder von Bern“ spielte für das Selbstbewusstsein der deutschen Bevölkerung eine große Rolle. „Wir sind wieder wer“, war das Motto. Zudem waren Fritz Walter und seine Teamkollegen Amateure oder Halbamateure. Sie waren keine gekauften Profifußballer, die auf Weltniveau spielten, sondern verkörperten das Bild der „Männer von nebenan“. Fritz Walter und sein Bruder Ottmar spielten zu einem Zeitpunkt „an dem es galt, das Selbstvertrauen ihrer Mitbürger zu stärken“. Da Fritz Walter als Person bescheiden und zurückhaltend war, wirkte er auf die Menschen noch näher. Er galt als „introvertierter, selbstzweiflerischer Spielmacher, ein genialer Architekt des Spiels, aber auch ein feinnerviges Sensibelchen“. Er war ein genialer Fußballer und liebenswerter Mensch, der auch in der DDR viele Freunde und Anhänger hatte.

Das „Jahrhundert-Tor“ – und ich war mit dabei!

Fritz Walter spielte in meiner  Kindheit in unserer sportbegeisterten Leipziger Familie schon immer eine gewisse Rolle. Mein Vater, ebenfalls Jahrgang 1920, war nur vier Tage jünger als das Fußballidol. Von Walters Leistungen wurde deshalb immer mal wieder geschwärmt, vor allem nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1954. So war es logisch, als im Herbst 1956 die berühmte Walter-Mannschaft des 1.FC Kaiserslautern mit ihren fünf deutschen Weltmeistern eines ihrer zahlreichen Freundschaftsspiele auch in Leipzig austragen durfte, dass sich mein Vater um eine Eintrittskarte im gerade neuerbauten „Stadion der Hunderttausend“ bemühte und auch das Glück hatte, eine zu ergattern. Natürlich nahm er mich als damals Siebenjährigen mit zum Spiel – als „Schoß-Kind“!  Am 6.Oktober war es soweit.

Die Roten Teufel hatten als erste westdeutsche Mannschaft ein Freundschaftsspiel in der DDR „genehmigt“ bekommen. Gegner war der amtierende DDR-Meister Wismut Aue – damals vorübergehend aus politischen Gründen in Wismut Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) umbenannt. Gespielt wurde jedoch weder in Aue noch in Karl-Marx-Stadt, sondern in Leipzig.

Das Zentralstadion (hier auf einem DDR-Olympia-Block von 1976 abgebildet) wurde zwischen April 1955 und Juli 1956 von 180tausend freiwilligen Helfern aus gut einem Drittel des Leipziger Kriegs-Trümmerschuttes nach den Plänen des Architekten Karl Souradny erbaut. Am 4.August 1956 wurde das Stadion der Hunderttausend mit einem Fußballspiel zwischen dem DDR-Meister SC Wismut Karl-Marx-Stadt und dem ungarischen Meister Honved Budapest offiziell eröffnet.

Sage und schreibe 110.000 Zuschauer – inoffiziell waren es wohl sogar über 120.000, denn viele saßen noch gedrängt in den Treppenaufgängen – waren ins Zentralstadion geströmt, um Fritz Walter und Co. zu sehen. In seinem Buch „Mythos Fritz Walter“ erinnert sich der damalige FCK-Spieler Gerhard Ahrens: „300.000 Kartenanfragen lagen vor und hätten verkauft werden können.

Es herrschten gesamtdeutsche freudige Erwartungen über dem Spiel und kein Klassenkampf, wie wir anfangs befürchteten. (…) Sowohl die Mannschaft von Wismut Aue als auch unsere Mannschaft wurde triumphal gefeiert und es war damals schon spürbar, dass unser Land nicht auf Dauer teilbar war.“

Die Stimmung im Zentralstadion war hervorragend und auch sportlich war einiges geboten. Für die Wismut-Akteure war es so etwas wie das Spiel ihres Lebens, dementsprechend gingen sie zur Sache. Doch auch der FCK nahm die Partie ernst und ging mit 4:1 in Führung, ehe die Gastgeber nochmals auf 4:3 verkürzen konnten.

Am Ende gewann die Waltermannschaft mit 5:3, doch nach dem Abpfiff unterhielten sich die Zuschauer nur noch über DAS Tor – Fritz Walters Jahrhunderttor. Eine Flanke von außen konnte Walter nur schwer erreichen, so dass er einen besonderen Trick anwandte. Mit einer Art Hechtsprung legte er sich horizontal in die Luft, die Arme bereit, um den Fall auf den Boden abzustützen und die Beine in die Luft gestreckt. Mit der Hacke erreichte er tatsächlich den Ball, der daraufhin im hohen Bogen im Tor von Wismut-Schlussmann Steinbach einschlug.

Meine Erinnerung an dieses Spiel ist immer noch geprägt von den vielen Zuschauern und dem Aufschrei der Massen, als dieses Tor fiel und alle plötzlich aufsprangen – auch wenn mir damals die Bedeutung des Ganzen natürlich noch nicht bewusst war.

Zentralbild-Telefoto Bey-Krz. II. Deutsches Turn- und Sportfest in Leipzig Festlicher Aufmarsch und Sportschau der demokratischen Sportbewegung Im erstmals vollbesetzten, neuerbauten Zentralstadion in Leipzig fand am Sonnabend, dem 4.8.1956, vor 100 000 Zuschauern der festliche Aufmarsch und die Sportschau der demokratischen Sportbewegung statt. UBz: Blick vom Glockenturm während der Sportschau.

So war Fritz Walter spätestens jetzt auch in der DDR das, was er in Westdeutschland längst war – ein echter Star, Jahre bevor dieser Begriff überhaupt nach Deutschland kam. „120.000 sprangen von den Sitzen“, titelte eine Leipziger Zeitung, und schrieb weiter: „Wir hatten uns alle viel vom 1. FC Kaiserslautern versprochen. Aber das, was vor unserer aller Augen dann abrollte, übertraf die Erwartungen um ein Vielfaches.“

Schon vor dem Spiel hatten die Menschenmassen das Leipziger Hotel Astoria „belagert“,  in dem die Walter Elf gastierte. Um rechtzeitig ins Stadion zu kommen, mussten Fritz Walter und Co. den Hinterausgang des Hotels benutzen. Diese Euphorie wurde im Zentralstadion fortgesetzt, wo das Publikum immer wieder die Namen der fünf Lautrer Weltmeister skandierte (Ahrens: „Die Stimmung war wie bei uns auf dem Betzenberg“), und auch nach dem Spiel war der FCK-Bus von tausenden Fußballfans umringt: „Kommt bald wieder!“ Dieses Gastspiel des 1. FC Kaiserslautern ist bis heute unvergessen, nicht nur wegen Fritz Walters Jahrhunderttor. Noch immer gilt die Zuschauermasse als Rekord für ein Fußballspiel in Deutschland!

Zu den historischen Aufnahmen von damals gehört auch ein Foto, dass meinen späteren Rundfunk-Sportreporter-Kollegen Wolfgang Hempel beim Interview mit Fritz Walter zeigt. Hempel  hatte in seiner Reportage als Erster vom „Tor des Jahrhunderts“ gesprochen. Schade, dass es keine bewegten Bilder von diesem Tor am 6.Oktober 1956 in Leipzig gibt. So wäre dieses sicher auch von den ARD-Fernsehzuschauern  später zum „Tor des Jahrhunderts“ gewählt worden. So genießt diesen Ruhm statt Fritz Walter nun der damalige Schalker Nationalspieler Klaus Fischer mit seinem Fallrückzieher-Tor 1977 beim 4:1-Länderspiel-Sieg Deutschlands  gegen die Schweiz.

Autogramm-Reise mit Fritz Walter

Olympia-und Sportphilatelist Dieter Germann, 15 Jahre lang bis 2007 1.Vorsitzender und heutiger Ehrenvorsitzender der IMOS kann sich ebenfalls noch sehr gut an Fritz Walter erinnern. Vor 33 Jahren konnte er als  Produktmanager bei der Firma Richard Borek die deutsche Sport-Legende für eine Fußballmünzen-Kollektion unter Vertrag nehmen. „Wir machten damals eine Autogramm-Reise nach Braunschweig, Hannover und Essen. Ich traute  meinen Augen nicht, wie beliebt Fritz Walter war. Schlangen über Schlangen wollten sein Autogramm. Er signierte alles, Bücher, Karten, Bälle, Trikots…“

Für Dieter Germann war dies damals eine unvergessliche Woche.

„Fritz Walter war sehr sympathisch und hat den Sammlern alle Wünsche erfüllt und Fragen beantwortet. Fußball war natürlich sein Thema, aber auch über Kunst konnte man sich gut mit ihm unterhalten. Neben seinen Namen schrieb er immer die Jahreszahl“. Fritz Walter selbst war kein Briefmarken-Sammler, aber ein großer Kunstfreund. „Wenn er Briefmarken geschenkt bekam, hat er sie zu Lebzeiten an seinen Trainer Sepp Herberger weitergegeben. Münzen hat er behalten. Alle seine Erinnerungsstücke  wurden vor einigen Jahren versteigert“, weiß Dieter Germann zu berichten.

Sepp Herberger war dagegen ein begeisterter Briefmarkenfreund. „Seine Sammlungen sind, soweit mir bekannt ist, beim DFB in Frankfurt.“, erinnert sich Dieter Germann, dessen eigene einstige Spitzensammlung über „Die Olympischen Spiele in Deutschland 1936“ national und  international viel beachtet und hochdekoriert worden ist.

Fritz Walter ist bereits die dritte große Persönlichkeit des deutschen Fußballs, zu dessen 100.Geburtstag eine offizielle Sondermarke herausgebracht worden ist. Zuvor hatte die Post schon die beiden Ex-Nationaltrainer Sepp Herberger 1997 und Helmut Schön 2015 gewürdigt. 

„Hätte Fritz Walter seinen 100. Geburtstag noch erlebt, er hätte mit seinen Gratulanten garantiert ein  Schlückchen Sekt getrunken“, so Dieter Germann. Denn ein Schlückchen in Ehren, kann niemand verwehren: Angeblich soll Trainer Sepp Herberger seinem Stürmer erlaubt haben, vor einem Spiel oder in der Halbzeit ein Schlückchen zu trinken – gegen die Aufregung. Später gab es natürlich dann nur noch den „Fritz-Walter-Sekt!

WM-Helden zu Ehren

Bei der Recherche für diesen Beitrag, habe ich im Archiv der Zeitung „DIE RHEINPFALZ“ vom 2.Juli 2018 einen aufschlussreichen Artikel gefunden, der die Geschichte eines Lauterer Fußballfreundes erzählt, der über Fritz Walter auch Interesse an der Philatelie bekommen hat.:

„Der große Sohn Kaiserslauterns ist ja wahrlich weltbekannt. Wenn’s denn überhaupt noch eines Beweises bedurft hätte, hält ihn Rolf Conrad nun in Händen. Dem Sammler von Fußball-Devotionalien ist ein Glücksgriff gelungen. Läppische drei Euro hat ihn die Briefmarke von den Malediven gekostet, die Fritz Walter zeigt und von deren Existenz er nichts geahnt hat. Viel mehr Wert als auf Erinnerungsstücke legt Conrad allerdings darauf, Walters Andenken vor Ort lebendig zu halten. So organisiert er am Mittwoch wieder eine „Weltmeister-Führung“ über den Lauterer Hauptfriedhof.

Mag die kleine Briefmarke auch von geringem materiellen Wert sein: Für den leidenschaftlichen FCK-Fan, der sich auch der Tradition der Vereins-Historie verschrieben hat, ist die Marke schon etwas Besonderes. Das Motiv ist bekannt: Der Kapitän der „Helden von Bern“ wird auf Schultern übers Feld des Wankdorf-Stadions getragen.

Dass dieses Bild aber sogar eine Briefmarke aus dem fernen Inselstaat ziert? Da staunt der Laie, und FCK-Geschichts-Kenner Conrad wundert sich. „In Sachen Briefmarken habe ich keine Ahnung“, räumt er gerne ein. Aber jetzt reizt es ihn, mehr über die Marke herauszufinden.

Entdeckt hat er sie bei einem Treff von Sammlern, deren Leidenschaft sich auf Ansichtskarten von Fußballstadien konzentriert. Dem bundesweiten Verein gehört der 73-Jährige an. Beim Treffen auf dem Erbsenberg hat er die Malediven-Marke entdeckt. Die bereichert nun Conrads private Sammlung, die weit überwiegend aus Fußball-Emblemen besteht. Tausende von kleinen Anstecknadeln hat der Lauterer zusammengetragen.

Mit der Sammel-Leidenschaft angesteckt hat ihn sein Onkel Albert Conrad, der in den 1930er Jahren das Trikot des FCK trug. „Ich habe seine Kollektion bewundert. Er wusste zu jedem Emblem interessante Geschichten zu erzählen. Er hat zwar öfter geflunkert, aber ich fand’s faszinierend.“ Nicht wenige von Conrads Devotionalien zieren das FCK-Museum im Fritz-Walter-Stadion. Dort fungiert der 73-Jährige auch als Museumsführer. Aber nicht nur dort: Einen Namen gemacht hat er sich mit seinen geführten Touren über den Hauptfriedhof. Dort sucht Conrad die Gräber verstorbener Fußballgrößen auf und weiß zu jeder Ruhestätte Interessantes zu berichten…“.

Schneller, höher, stärker…und später – das neue olympische Motto

Ursprünglich sollten am 23.Juli die Olympischen Spiele in Tokio beginnen. Die Corona-Pandemie hat dem aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Beginn der Wettbewerbe ist um ein Jahr auf den 23. Juli 2021 verschoben worden. Niemand kann derzeit aber voraussehen, ob die Menschheit bis dahin den Covid-19-Virus im Griff hat, ein Impfstoff dagegen weltweit zur Verfügung steht und vor allem der internationale Reiseverkehr sich wieder normalisiert hat. Immerhin sollen zu den Olympischen Spielen im Fernen Osten 11.000 Teilnehmer aus maximal 206 IOC-Mitgliedsländern anreisen.

Sportphilatelistisch gesehen, gibt es zur Verlegung der Olympischen Spiele erste aktuelle Reaktionen und Visionen aus der Elfenbeinküste.

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Diese Ausgabe aus der Elfenbeinküste ist eine von insgesamt drei Blöcken unter dem Motto „Sommerspiele Tokyo 2021“. Erstmals ist damit auch auf einer Sportbriefmarke, und dazu noch auf einer Olympiamarke, das Thema Corona-Pandemie dokumentiert worden. Mundschutz und Desinfektion könnten durchaus die Spiele im nächsten Jahr dominieren. Interessant: Für die Elfenbeinküste besitzt Tokio als olympischer Austragungsort eine große Bedeutung. 1964 nahm das Land nach seiner Unabhängigkeit von Frankreich erstmals an den Olympischen Spielen in der japanischen Hautstadt teil. Und in jenem Jahr gab es auch die ersten Olympia-Briefmarken des Landes.

Bisher holten die Sportlerinnen und Sportler aus dem westafrikanischen Land in den zurückliegenden Jahren einen kompletten Medaillensatz. Für die bislang einzige Goldmedaille sorgte 2016 in Rio de Janeiro Cheick Sallah Cissé, im Taekwondo-Weltergewicht. Elfenbeinküste Gabriel Tiacoh 1984 Silber 400m Die allererste olympische Medaille für die Ivorer gewann aber der Leichtathlet Gabriel Tiacoh 1984 in Los Angeles als Zweiter über die 400 m. Dafür wurde er mit einer Briefmarke geehrt.

In den Newslettern 03/2020 und 04/2020 hatte ich ja schon ausführlich über die aktuellen Olympia-Briefmarken berichtet, die noch vor dem Verlegungstermin in Liechtenstein, Zypern, Gabun und Madagaskar zu den Olympischen Spielen in Tokio offiziell erschienen waren. Nun hat die belgische Post nachgelegt. Der Kleinbogen vom 15.Juni 2020 hat zwar keinen direkten Bezug zu den Spielen, er gibt aber das olympische Motto des Landes für die Spiele 2021 ganz klar vor.

Belgien: Faster, Higher, Stronger 15.6.20Die Marke inklusive des Kleinbogens soll, so der Begleittext der Post, die andauernden Anstrengungen der belgischen Sportler unterstreichen:„Immer schneller, höher, stärker für 2021“! Neben diesem Motto auf Französisch und Englisch sind auf der Briefmarke und dem Kleinbogen Läufer-Silhouetten in den belgischen Farben, das NOK-Logo und ein stilisiertes japanische Portal zu sehen. Die belgische Post besitzt in diesem Jahr überhaut viel Sinn für Symbolik in Sachen Sport. Neben der „Olympia-Ausgabe“ gab es  am 15. Juni noch einen Kleinbogen, der sich dem Fußball auf besondere Weise widmet. Immerhin hätten wir ja zwischen dem 11. Juni und 11. Juli die Fußball-Europameisterschaft erlebt, die wegen Corona ebenfalls um ein Jahr verschoben worden ist. Belgien spielt dann in Gruppe B gegen Dänemark, Finnland und Russland.

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„Fußball baut Brücken“, so die Vision der belgischen Post. Auf der Briefmarke sind die Fans mit ihren Schaals symbolisch dargestellt. „Fußball vereint – der Ball, der zusammenbringt“ ist als Motto auf die Schaals in den Landesfarben gedruckt.

Die Briefmarken aus Belgien und der Elfenbeinküste sind von großem Olympia-Optimismus geprägt. Denn erst 57 Prozent der Startplätze sind vergeben. Das heißt, dass im Vorfeld der Spiele 2021 in Tokio noch etliche internationale Qualifikationswettkämpfe stattfinden müssen. Und was wird mit den Zuschauern im nächsten Jahr? Geister-Spiele oder Wettbewerbe nur mit wenigen handverlesenen und mehrfach auf Corona getesteten japanischen Zuschauern erscheinen derzeit undenkbar. Auch für das Internationale Olympische Komitee, das sich am 17. Juli 2020 unter seinem deutschen Präsidenten Dr. Thomas Bach auf seiner virtuellen 136. Session mit diesen Fragen befasst hat, gibt es noch keine klaren Antworten.

Immerhin haben sich die japanischen Organisatoren nach intensiven Gesprächen mit den Eigentümern und Investoren die Nutzung der 42 Sportstätten und des Olympischen Dorfes auch für das nächste Jahr gesichert. Die Schlüsselübergaben für die dort bereits verkauften Wohnungen konnten verschoben werden. Auch der Zeitplan für die Wettkämpfe steht. Vorgesehen sind 339 Entscheidungen in 33 Sportarten. Bisher bereits gekaufte Tickets bleiben gültig, können aber ab Herbst zurückgegeben werden. Über Anti-Corona-Maßnahmen soll  erst später entschieden werden. Von den Mehrkosten, die durch die Verlegung vermutlich mehrere Milliarden Euro betragen dürften, ganz zu schweigen! In Umfragen hat sich mehr als die Hälfte der Japaner für eine Absage bzw. erneute Verschiebung der Spiele entschieden. Olympische Begeisterung klingt anders. Das Thema Tokio 2021 wird uns weiter beschäftigen!

(Autor: KJA)

Pack die Badehose ein…. – wie eine Briefmarke Sehnsüchte weckt

Wer  zu den regelmäßigen Freizeit-Schwimmern zählt, der saß in den zurückliegenden Monaten ganz schön auf dem Trockenen und lechzt jetzt förmlich nach dem Wasser. Aber leider bleiben vieler Orts die Schwimmhallen wegen der Corona-Pandemie noch geschlossen und die wenigen bereits geöffneten Freibäder laden wegen der sehr strengen Hygiene-Bestimmungen nicht gerade zum Schwimm- Training ein. Ein kleiner Trost bleibt dem Sportphilatelisten aber trotzdem.

Deutschland von oben -Freibad Witten

Seit dem 2.Juli gibt es für preiswerte 1,90 € zumindest einen Blick auf ein Schwimmbad. Zum Auftakt der neuen Briefmarkenserie „Deutschland von oben“ bringt die Post einen Zusammendruck von zwei Marken zu je 95 Cent an die Schalter, auf denen eine Luftaufnahme des markant geschwungenen Rands des Nichtschwimmerbeckens im Freibad in Witten-Annen zu sehen ist. Gestaltet wurde die Briefmarke von der Bonnerin Bettina Walter. Das tolle Foto für die Markengrundlage aber „schoss“ Luftbildfotograf Hans Blossey bereits vor vier Jahren.

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„Das ist doch das Höchste“, sagte Blossey in einem Interview mit dem Westfälischen Anzeiger am 31.Januar in der Lokalausgabe Hamm. Eine größere Auflage könne er auch mit keinem anderen Bild mehr erreichen. Seine Agentur hatte es an die Post nach Anfrage verkauft. Wie viel ihm dass einbringt, weiß Blossey nicht. „Für einen Urlaub in Witten wird es wohl reichen“, scherzte der Fotograf. Aber ums Geld gehe es auch nicht: „Das ist eine tolle Anerkennung meiner Arbeit“.

Hans Blossey ist 67 Jahre alt und hat seinen Flugschein vor 37 Jahren gemacht.

Das Freibad war ihm aufgrund der ungewöhnlichen Wellenstruktur des Beckenrands aufgefallen. Drei-oder viermal war er darüber gekreist – dann hatte er die Aufnahme im Kasten.

Erlebnis-Brief Freibad Witten nur vor Ort am 2.7.

 

Im Sommer ist das Freibad Annen eigentlich einer der meistbesuchten Orte im Südosten des Ruhrgebiets. Aber in diesem Jahr ist eben alles anders. Durch die Corona-Krise ist das Bad derzeit immer noch geschlossen. Das Bochumer Team „Erlebnis: Briefmarken“ musste sich für die Markenpräsentation deshalb  einen neuen Standort suchen. Stempel mit Post-Eigenwerbung WittenStatt im Freibad Annen gab es am 2. Juli zwischen 9 und 18 Uhr den Sonderstempel und den Extra-Erlebnisbrief im Wittener Postbank Finanzcenter in der Stadtgalerie.

Das Interesse der Sammler war groß. Und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung sorgte in ihrer Online-Ausgabe für einen schönen Gag. Sie veröffentlichte nicht nur die Original-Briefmarke der Deutschen Post, sondern auch eine Briefmarken-Fotomontage mit dem Freibad Witten-Annen in seinem aktuellen „Corona“-Zustand.Briefmarke Freibad Annen + Collage WAZ

Die Geschichte des öffentlichen Freibads, das im größten Wittener Stadtteil Annen liegt und deshalb den Namen „Freibad Annen“ trägt, lässt sich bis ins Jahr 1903 zurückverfolgen. Damals wurde durch die Stauung des Steinbachs an der Stelle des heutigen Schwimmbads ein Fischteich geschaffen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Talsperre zu einer im Sommer beliebten Badestelle und zu einer im Winter viel befahrenen Eislaufbahn. Im Oktober 1926 fasste die Gemeinde Annen den Entschluss, dort eine Badeanstalt mit Licht- und Luftbad zu errichten. Die Anlage wurde am 19. August 1928 eröffnet. Nach einem umfassenden Umbau Mitte der 1970er-Jahre konnte das Freibad am 16. Mai 1976 mit neuen Gebäuden und erweiterten Becken offiziell wiedereröffnet werden. Im Winter 2005/06 erfolgte eine weitere Modernisierung, bei der auch die auf den Postwertzeichen abgebildete geschwungene Linie des Nichtschwimmerbeckens entstand, die an Ausläufer von Wellen am Strand erinnern soll. Heute umfasst das Freibad Annen ein 50-Meter-Schwimmbecken mit acht Bahnen, das 927 Quadratmeter große Nichtschwimmerbecken und ein Planschbecken mit 15 Metern Durchmesser.

Die Briefmarke mit dem „Blick von oben“ auf das Schwimmbad Annen gehört natürlich in jede Sammlung von deutschen Sportmotiven. Bislang gibt es nur vier Motive mit direktem Bezug zu einer Schwimmhalle bzw. einem Schwimmbad.

Die erste Briefmarke zeigt einen Blick auf die Schwimmhalle der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig anlässlich der Markenausgabe zu den Spielen der XXI. Olympiade 1976 in Montreal. 1981 veröffentlichte die DDR-Post einen Block mit der Abbildung des Berliner Sport-und Erholungszentrums, in dem sich u.a. auch eine Schwimmhalle und ein Wellenbad befanden.

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In der BRD war die erste „Bad“-Abbildung 1972 auf einem Block für die Olympischen Spiele in München zu sehen. Unter dem futuristisch anmutenden Dach des architektonisch hervorragend gestalteten Olympiageländes befindet sich auch die Olympia-Schwimmhalle.

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Das Markenmotiv „Für den Sport“ von 2012 anlässlich der Olympischen Spiele in London zeigt dagegen nur ein fiktives Schwimm-Bad. Das Foto zur Briefmarke ist nämlich weder aus dem Flugzeug noch mit einer Drohne geschossen, sondern am Computer per Photoshop gefertigt worden, wie Grafiker Thomas Lammeyer in seinem Blog verrät.

 

(Autor: KJA)

„Geduld, Vertrauen, Courage und Solidarität“ – nicht nur eine philatelistische Botschaft!

Die Corona-Pandemie hat den gesamten Sportverkehr in diesem Jahr fast zum Erliegen gebracht. Nahezu alle nationalen und internationalen Großereignisse wurden abgesagt bzw. verschoben. Sehr langsam läuft das nationale Sportgeschehen jetzt aber wieder an. Natürlich nur in den Ländern, wo es die aktuellen Infektionszahlen unter strengen Auflagen zulassen. Philatelistisch gesehen sind „Corona“ und „Corvid 19“ in diesem Jahr durchaus schon zu einem Sammel-Schwerpunkt geworden. Ich hatte darüber bereits im Newsletter 04/2020 ausführlich geschrieben. (Corona und kein Ende – auch nicht in der Philatelie)

Jetzt gibt es auch den ersten durchaus sportlichen Bezug zu diesem Thema. Als Zeichen seiner Solidarität und des Mitgefühls angesichts der andauernden Corona-Pandemie mit den Menschen in Monaco schickt Landesvater Fürst Albert II. seiner Bevölkerung eine philatelistische Grußbotschaft.

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Am 3. Juni 2020 erschien in Monaco diese Sonderbriefmarke zu 1,16 Euro, auf der nicht nur Fürst Albert mit einer Weltkugel zu sehen ist, sondern in seiner Handschrift auch geschrieben und von ihm unterzeichnet steht: „Geduld, Vertrauen, Courage und Solidarität“. Am unteren Rand der Marke ist in „rot“ sinngemäß vermerkt: „Zusammen gegen Covid-19“!

Eine Botschaft, die in dieser schwierigen Zeit durchaus auch für den Sport gilt. Immerhin ist Fürst Albert II. seit 1985 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees und hat als Bob-Pilot unter dem Namen Albert Grimaldi zwischen 1988 und 2002 fünfmal an Olympischen Spielen für sein Land teilgenommen.

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In der offiziellen Erklärung zum Erscheinen der Briefmarke unterstrich Fürst Albert : „Auf allen Ebenen wurden Selbsthilfe-Initiativen organisiert, um die von der Epidemie am stärksten betroffene Bevölkerungsgruppe zu schützen und die Kontinuität des täglichen Lebens zu erleichtern und zu gewährleisten. Die Anstrengungen und die Mitwirkung aller, das Verantwortungsbewusstsein und die Verlässlichkeit sowie die Effizienz der von der Regierung getroffenen Entscheidungen ermöglichten es, die strenge Beschränkung aufzuheben. Wir müssen jedoch weiterhin mit Umsicht, Strenge und Pragmatismus gemeinsam handeln.“

In Monaco haben sich bisher 100 Personen mit dem Corona-Virus infiziert, darunter auch Fürst Albert. Mittlerweile gilt der 62jährige Monarch aber wieder als geheilt. Die Briefmarke, die in einer Auflage von 40-tausend Stück erschienen ist, muss ihm ein Herzensbedürfnis gewesen sein. Denn sie unterscheidet sich in Form und Inhalt deutlich von den sonstigen offiziellen Ausgaben auf denen das Antlitz des monegassischen Staatsoberhauptes abgebildet ist.

Erst am 6. Januar war die aktuellste Briefmarke dieser Serie in „Flieder“ erschienen.

Die Corona-Krise hat auch in Monaco zu etlichen sportlichen Absagen geführt. So wird die 78. Auflage des legendären Formel-1-Rennens, das seit 1929 vor allem durch den Stadtbezirk Monte Carlo führt, erst 2021 stattfinden. Unknown Verschoben aufs kommende Jahr wurde auch das Monte Carlo-Tennis-Masters, eines der größten Sandplatzturniere der ATP-World-Tour. Seit 2010 gibt die monegassische Post jährlich dazu eine Sonderbriefmarke heraus – auch in diesem Jahr. Natürlich rechtzeitig und vor der endgültigen sportlichen Absage des Turniers im April.

Nicht nur die aktuelle Briefmarke mit Monacos Fürst Albert zur Corona-Krise zeigt, wie einfach es eigentlich ist, mit einem Briefmarkenmotiv dem Empfänger der Post Mut zuzusprechen. Auch die Deutsche Post hat diesmal schnell reagiert. Zunächst gab es die Internetmarken zum selbst ausdrucken. Und danach auch noch eine „richtige Briefmarke“.

Über das Angebot „Marke Individuell“ bietet sich nun die Möglichkeit eine eigene „Corona-Marke“ zu gestalten.

(Autor: KJA)