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100 Jahre AVUS – Deutsche Jubiläumsbriefmarke mit tragischem Hintergrund

Noch immer ist es eine gute Quizfrage: „Wofür steht die Abkürzung AVUS?“. Berliner Autofahrer und Motorsportfreunde wissen es sicher ganz genau: Für „Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße“! 

Diese liegt im Südwesten der deutschen Hauptstadt und ist das nördlichste Teilstück der Autobahn A 115. Bei ihrer Eröffnung am 24. September 1921 war die AVUS die erste ausschließliche Autostraße der Welt. Die 8,3 Kilometer lange und gebührenpflichtige Strecke diente bis 1940 als Renn- und Teststrecke sowie dem nichtöffentlichen Verkehr. 

Die AVUS führte vom Berliner Funkturm, an dem sie einen Anschluss zum Berliner Stadtring  (A 100) hat, rund neun Kilometer geradeaus durch den Grunewald  bis nach Nikolassee. Auf der AVUS fanden jahrzehntelang bis zum April 1998 spektakuläre Rennsportveranstaltungen statt, zeitweise war sie die schnellste Rennstrecke überhaupt und ihre berüchtigte Nordkurve eines der Berliner Wahrzeichen.

Die Wettbewerbe waren stets Zuschauermagnete, etwa 1926 der erste Große Preis von Deutschland. Ebenso die Rekordfahrt Fritz von Opels in seinem Raketenwagen Opel RAK2, den er 1928 auf über 230 km/h beschleunigte, und die Autorennen der 1930er-Jahre, in denen die legendären Silberpfeile furiose Siege einfuhren.

Der Mythos AVUS hat auch immer wieder die Deutsche Post zu philatelistischen Erinnerungen und Leistungen angeregt. 1971 gab die Deutsche Bundespost Berlin am 27. August anlässlich des 50jährigen Bestehens der Rennstrecke einen Vierer-Block nebst FDC und Sonderstempel heraus.

Weitere 50 Jahre später ist der mittlerweile 100. Jahrestag der AVUS der Post erneut eine Emission wert, diesmal mit einer Sonderbriefmarke, die bereits am 1. Juli 2021 an die Postschalter kam. Die 155 Cent-Marke, vom Bonner Grafiker Thomas Steinacker gestaltet, zeigt eine Rennszene aus dem Jahr 1958. 

Vorbild für die Abbildung war ein Foto von GPL-Reporter Fred Taylor, das aus dem Angebot von „Alamy Stock Foto“ stammt. Mehr ist aus den offiziellen Angaben der Post nicht zu entnehmen. Im Begleittext werden auch nur die „Wikipedia“-üblichen Fakten zur AVUS beschrieben. Schade, denn das Foto und damit die aktuelle Briefmarke symbolisieren sehr anschaulich die Licht- und Schattenseiten dieser einstigen deutschen Motorsportrennstrecke. Im Mittelpunkt steht dabei der Fahrer des auf der Marke abgebildeten Rennwagens mit der Nummer 34 – Jean Behra – wie ich recherchieren konnte.

Der Franzose startete zwischen 1952 und 1959 in 52 Rennen um die Fahrer- bzw. Formel-1-Weltmeisterschaft. Neunmal kam er auf das Podest, konnte aber keines seiner WM-Rennen gewinnen. Bei Wettbewerben, die nicht zur WM zählten, wurde er dagegen mehrfach Sieger. 

So auch in Berlin, wo er am 21. September 1958 im Porsche RS mit der Nummer 34 den Großen Preis von Berlin vor dem Schweden Joakim Bonnier im Borgward mit der Nummer 31 für sich entscheiden konnte.

Das historische Foto zeigt das Nordkurven-Duell zwischen Behra und Bonnier am 21.9.1958 beim Großen Preis von Berlin. Auf der Rückseite wurde vom Besitzer handschriftlich ein Jahr später das Todesdatum von Behra nachgetragen

1959 verpflichtete ihn dann Ferrari. Nach einer Reihe von technischen Defekten beschimpfte und schlug Behra in einem Wutanfall Ferrari-Rennleiter Romolo Tavoni und wurde prompt entlassen.

Daraufhin versuchte er als Privatfahrer mit seinem Behra-Porsche weiterzumachen. Mit diesem Wagen wollte er unbedingt 1959 beim Großen Preis von Deutschland starten, der in jenem Jahr nicht wie gewohnt auf dem Nürburgring,  sondern erstmals  auf der AVUS ausgetragen werden sollte. 

Todesfahrt überschattet Großen Preis von Deutschland in Berlin 1959

Die Veranstalter vom Automobilklub von Deutschland (AvD) erhofften sich nicht nur mehr Zuschauer, sondern sie wollten auch aus politischen Gründen, Solidarität mit der immer stärker isolierten, aber noch nicht durch die Mauer getrennten ehemaligen deutschen Hauptstadt zeigen.  Der Westberliner Senat lockte zudem im Gegensatz zum Nürburgring mit einer 50tausend Mark Ausfallbürgschaft. Darüber hinaus bot er den Veranstaltern an, die von motorsportbegeisterten Ostberliner Zuschauern in DDR-Mark gezahlten Eintrittsgelder bis zu einer Höhe von 60-tausend Mark im Wechselkurs von 1 zu 1 umzutauschen. Zudem sparte der AvD auf dem nur 8,3 km langen AVUS-Hochgeschwindigkeitskurs erheblich an Startgeldern. Auf dem 22,8 km langen, kurvenreichen Nürburgring hätte das nach Berlin verpflichtete Teilnehmerfeld von 15 Rennwagen fast verdoppelt werden müssen, damit das Rennpublikum auf seine Kosten gekommen wäre. 

Bei so viel Entgegenkommen waren die Sicherheitsbedenken viele Fahrer gegenüber dem musealen Berliner Renn-Kurs schnell vom Tisch gewischt. Für den britischen Meisterfahrer Stirling Moss war die AVUS die schlechteste Rennstrecke der Welt. Der Franzose Maurice Trintignant verglich die nasse Nordkurve, die einen Winkel von 44,6 Grad hatte, sogar mit einer „Rutschbahn in den Himmel!“ Etliche Fahrer waren im Scheitelpunkt der Kurve schon herausgetragen und teilweise schwer verletzt worden. 

Am 1. August 1959, dem Samstag vor dem Grand Prix, erwischte es Jean Behra. Der französische Vorjahresgewinner des Großen Preises von Berlin kam in der regennassen Nordkurve bei einem Rahmenrennen mit seinem Porsche 718 ins Schleudern und kollidierte am oberen Rand der Kurve mit einem noch immer vorhandenen Betonfundament einer Flakstellung aus dem Zweiten Weltkrieg. 

Der 38jährige Behra wurde mit dem Kopf gegen einen Flaggenmast geschleudert und war auf der Stelle tot.Trotzdem wurde einen Tag später der Große Preis von Deutschland auf der AVUS in 80 Runden ausgefahren. Sieger wurde Tony Brooks im Ferrari. Wegen der tragischen Ereignisse am Vortag hatte wenigsten Porsche die Teilnahme von Wolfgang von Trips in diesem Formel-1-Grand-Prix zurückgezogen.

Kalter Krieg in Berlin – Suche nach Schuldigen

Das Presse-Echo war für die Veranstalter und die Westberliner Verantwortlichen nach dem Tod von Behra verheerend. Die „Bild“-Zeitung titelte: „Rennleitung versagt! Warum wurde das Rennen gestartet, so lange die Nordkurve schlüpfrig war, als läge Seife auf ihr?“ Die „Morgenpost“ wetterte: „Unverantwortlich!“ Der „Tagesspiegel“ befand, „dass die Rennleitung auch das Leben anderer Fahrer auf´s Spiel gesetzt habe“. Das Ostberliner „Neue Deutschland“ schrieb: „Die Hauptschuldigen…sind der Westberliner Senat, sind Brandt und Lemmer…Der französische Meisterfahrer Behra wurde ein Opfer ihrer Frontstadtpolitik!“ Das kommunistische Pariser Schwesterblatt „L Humanité“ verstieg sich sogar in die absonderliche These, dass der in einem braunen Eichensarg nach Frankreich überführte Rennfahrer der erste Franzose sei, der für Berlin sterben musste.

Für die AVUS war der tragische Tod von Jean Behra ein Desaster. Drei Jahre fanden keine Auto-Rennen mehr statt. 1967 wurde die überhöhte Nordkurve der AVUS abgetragen und durch eine flachere ersetzt. Nach dem Mauerfall 1989 und dem damit immer stärker werdenden Verkehr auf den Berliner Straßen nahte das endgültige Ende des Rennbetriebes auf der AVUS. 

Neben Jean Behra starben zwischen 1926 und 1995 insgesamt 11 Menschen auf der Berliner Rennstrecke – sieben weitere Rennfahrer und vier Streckenposten!

Die deutsche Sonderbriefmarke zum 100jährigen Bestehen der AVUS ist damit auch eine Hommage an einen Rennfahrer, der in Berlin sein Leben ließ – auch wenn der Deutschen Post dieser Fakt in ihrem Begleittext zur Markenveröffentlichung nicht einmal eine Erwähnung wert war!

AVUS-Neuanfang 2021 ohne Motorsport

Das letzte motorsportliche Rennen auf der AVUS fand 1989 statt. Danach verfiel zumindest die AVUS-Tribüne. 2017 kaufte der Berliner Unternehmer Hamid Djadda das marode Baudenkmal. Und was kaum Einer nach den unrühmlichen Berliner Erfahrungen mit dem Flughafen BER und dem Humboldt-Forum für möglich gehalten hätte: Zum 100jährigen AVUS-Jubiläum am 24. September 2021 wird die Tribüne in neuem Glanz erstrahlen – allerdings in ganz anderer Funktion. Der gebürtige Iraner Djadda hat die Räumlichkeiten denkmalgerecht saniert und komplett an den Fernsehsender Hauptstadt.TV vermietet. Zur Autobahn hin ist eine verglaste Kanzel mit 400 Quadratmetern entstanden. Die Fenster sind mit einer besonderen Glasschicht versehen, die sich den Lichtverhältnissen anpasst. Damit wird verhindert, dass Autofahrer von außen hereinschauen können und eventuell abgelenkt werden.

Die Deutsche Post engagiert sich nach Sonderbriefmarke und Ersttagsstempeln am 24. September vor Ort noch zusätzlich mit einem Post-Eigenwerbung-Stempel.

Und wer alle postalischen AVUS-Erinnerungen der vergangenen 100 Jahre auf einem Kuvert besitzen möchte, der sollte sich bei der Fa.Sieger um einen der 300 Luxusbriefe bemühen, die neben der aktuellen Jubiläumsmarke auch noch den Post-Berlin-Block von 1971 zum 50jährigen der Rennstrecke nebst passenden Stempeln tragen.

Ansonsten wird das AVUS-Jubiläum in Berlin kaum offiziell gefeiert. Das macht dafür eine Sonderausstellung im niedersächsischen Einbeck.

Unter dem Motto „Ein rasantes Jahrhundert“ lässt das dortige Erlebnismuseum „PS.Speicher“ die Geschichte der legendären Rennstrecke aus Berlin noch einmal aufleben. 

(Autor: KJA)

„Briefmarken-Schwemme“ dank japanischer Medaillenbilanz

Damit wird auch die japanische Post nicht gerechnet haben. 58 Medaillen holte der Gastgeber der Olympischen Spiele 2020(21) in Tokio. Platz Drei im Medaillenspiegel mit 27 Gold-, 14 Silber- und 17 Bronzemedaillen hinter den USA und China. So erfolgreich waren die Japaner noch nie bei Olympia! Das vorher festgelegte Ziel von lediglich 30 Medaillen war vom Nationalen Olympischen Komitee des Landes wegen der Corona-Pandemie kurz vor den Wettbewerben zurückgezogen worden. Umso erfreulicher die aktuellen Resultate. Die Post stand dennoch zu ihrer Aussage, für jeden japanischen Medaillengewinner unmittelbar nach den Spielen einen Extrabogen mit je fünf Briefmarken herauszugeben. 

Am 13. August 2021 kam nun ein Set mit 58 Bögen auf den Markt. Gesamtpreis 87.000 Yen – umgerechnet stolze 676.-Euro. Der einzelne Bogen kostet am Postschalter 1500 Yen (rund 12.-Euro). Viele Olympiaphilatelisten werden da wohl „abwinken“. Obwohl, die Anschaffung von einigen wenigen Bögen könnte schon reichen, um nicht nur den grandiosen Erfolg der Japaner bei den erstmals in der olympischen Geschichte um ein Jahr verschobenen Spielen zu dokumentieren, sondern auch, um besonders interessante Geschichten zu erzählen.

Geschwister-Gold 

Da wären z.B. die Judo-Geschwister Uta und Hifumi Abe, die Japan olympisches Doppel-Gold beschert haben (s.Titelfoto). Nicht ohne Grund ist deshalb die 21jährige Uta auf dem Titelumschlag des Sets abgebildet worden. Denn zum ersten Mal holten zwei Geschwister am selben Tag in einer Einzelsportart eine olympische Goldmedaille. Uta Abe bezwang im Halbleichtgewicht bis 52 Kilogramm die Französin Amandine Buchard in der Verlängerung durch Ippon (voller Punkt). 

Nur 31 Minuten später triumphierte ihr zwei Jahre älterer Bruder Hifumi im Halbleichtgewicht der Männer bis 66 Kilogramm gegen den Georgier Wascha Margwelaschwili durch Waza-ari (halber Punkt).

Die Abe-Geschwister gehörten damit zu den Stars in Japans Mannschaft. Schon bei den Weltmeisterschaften 2018 in Baku hatten beide am selben Tag den Titel gewonnen. „Ich hätte es nicht ohne meinen älteren Bruder bis hierherschaffen können. Ich weiß ja nicht mal, ob ich ohne ihn überhaupt Judo erlernt hätte“, so Uta Abe in einem Interview vor den Sommerspielen. Nun zieren beide Abes je einen Briefmarkenbogen. 

Sie sind aber nicht die einzigen Judoka. Insgesamt 12 Frauen und Männer holten für das Mutterland des Judosports neunmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze. Auch das war ein neuer olympischer Rekord. 

Skateboarden – ein Gewinn für Olympia

Auf das Set-Titelbild schaffte es neben Uta Abe auch Yuto Horigome, der ebenfalls olympische Geschichte geschrieben hat. Er wurde erster Olympiasieger im Skatboard Street der Männer, einer ganz neuen olympischen Sportart, mit der vor allem die jüngere Generation für Olympia begeistert werden soll. Horigome, der nur wenige Kilometer vom Austragungsort der Wettkämpfe entfernt geboren worden war, überzeugte vor allem mit spektakulären Einzeltricks über die Treppengeländer. 

Für seinen Backside 270 Railslide, den er zuvor nie in einem Finale probiert hatte, erhielt er 9,5 von 10 möglichen Punkten. Das reichte dem 22jährigen amtierenden Weltmeister zum Sieg.

Stolz auf Erfolge

Zu den Ausnahmeathleten zählt auch Yui Ohashi, die als erste japanische Schwimmerin zweifache Olympiasiegerin im selben Jahr wurde. 

Sie gewann in Tokio sowohl die 200 als auch die 400 Meter Lagen und wurde damit zum neuen Schwimmstar des Landes. Nach ihren Erfolgen fühlte sie sich „inspiriert und glücklich, etwas zur japanischen Medaillenflut beigetragen zu haben“, wie sie der Zeitung „Japan Times“ in einem Interview verriet.

Beißfreudiger Bürgermeister sorgt für Eklat

Dass die Freude über eine Goldmedaille auch schnell dahin sein kann, bekam die 20jährige Miu Goto aus dem siegreichen japanischen Softball-Team zu spüren. 

Dass Olympiasieger manchmal auf das eigene Edelmetall beißen, ist bekanntermaßen Tradition. Auch der Bürgermeister von Nagoya, Takashi Kawamura, wollte bei diesem Ritual mitmachen – und sorgte damit für einen handfesten Eklat.

Das sorgte in ganz Japan für einen Sturm der Entrüstung. Ironischerweise stand der Bürgermeister vor einem Hinweisschild, das auf die Corona-Regeln im Rathaus hinweist. Bei der Stadtverwaltung gingen mehr als 7000 Beschwerden ein – auch, weil der 72-Jährige sexistische Bemerkungen zu Miu Goto gemacht haben soll. Inzwischen hat sich der Bürgermeister öffentlich entschuldigt.

„Ich gebe zu, dass ich die Goldmedaille der Athletin beschmutzt habe, an der sie seit Jahren gearbeitet hat. Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen, dass sie und andere sich wegen mir unwohl gefühlt haben und dass ich für Ärger gesorgt habe“.  

Tage später bot Takashi Kawamura an, eine neue Medaille aus eigener Tasche zu bezahlen. Das Organisationskomitee der Olympischen Spiele in Tokio verkündete aber, die „angebissene“ Medaille von Miu Goto ersetzen zu lassen. 

(Autor: KJA)

Torwart-Parade in gelber Silhouette – Poste Italiane feiert Fußball-EM-Helden

Das italienisch-englische Post-Duell, dass ich hier auf diesem Blog anlässlich der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft schon ausführlich beschrieben habe, geht in die entscheidende Phase.

Wie von mir prophezeit, hat die Poste Italiane nur kurze Zeit benötigt, um die Europameister-Helden mit der entsprechenden Sieger-Briefmarke zu ehren.  Im Mittelpunkt steht dabei ein Torhüter.

„Ich wollte die WM und die EM im Trikot von Italien gewinnen. Davon träumt jedes Kind.“ Ein Teil dieses kindlichen Traums ist für Gian Luigi Donnarumma nun in Erfüllung gegangen. Der 22-jährige Torwart wurde im EM-Finale gegen England zum Helden von Wembley. Mit seinen 1,96 Metern Körpergröße und seiner Abgeklärtheit war er der Fels in der Brandung und damit der Garant, dass sich die Squadra Azzurra nach dem WM-Sieg von 2006 wieder einen Titel sichern konnte.

Die italienische Mannschaft hatte England im EM-Finale am 11. Juli 2021 nach Verlängerung und Elfmeterschießen mit 4:3 besiegt. Donnarumma hielt zwar den entscheidenden Elfer des Engländers Bukayo Saka, ahnte aber zu diesem Zeitpunkt nichts von der großen Bedeutung seiner Tat. Das räumte er im Anschluss an die EM im Gespräch mit der italienischen Zeitung Gazzetta ein. „Ich habe nicht gleich gejubelt, weil ich es nicht verstanden habe“, zitiert ihn die Zeitung. Er sei in Gedanken schon überzeugt gewesen, die Italiener hätten das Spiel in letzter Sekunde verloren gegeben, erklärte Donnarumma. „Ich schaute den Schiedsrichter an, um zu sehen, ob alles in Ordnung war, und als ich die Teamkollegen kommen sah, verstand ich nichts mehr.“ 

Und der Traum ging weiter. Als erster Torhüter der EM-Geschichte ist er als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet worden. Nur vier Gegentore hatte er kassiert. Beim Halbfinalerfolg gegen Spanien konnte er schon den entscheidenden Elfmeter im Duell vom Punkt parieren.

Kein Wunder, dass ihm die italienische Post, einer der Hauptsponsoren der Fußballnationalmannschaft, nun ein „Briefmarken-Denkmal“ gesetzt hat. Am 6. August 2021 erschien in einer Auflage von einer halben Million die Europameister-Sondermarke. Sie zeigt die Silhouette eines Torhüters mit imposanter Parade. Da auch in Italien, wie in vielen anderen Ländern, keine noch lebenden Persönlichkeiten (außer dem Papst) auf Briefmarken dargestellt werden dürfen, wurde die Silhouette neutral in Gelb gehalten – der Trikotfarbe von Donnarumma im Finale gegen England. Nicht nur jedes Kind in Italien weiß, dass sich dahinter Donnarumma beim gehaltenen Elfmeter von Saka verbirgt! 

Donnarumma ist nicht nur mit dieser Parade weltberühmt geworden. Maßgeblich war er daran beteiligt, dass Italien den Uraltrekord von Torhüter-Legende Dino Zoff, der zwischen 1972 und 1974 insgesamt 1.142 Minuten ohne Gegentreffer geblieben war, auf 1.169 Minuten ausbauen konnte.  Beim EM-Triumph absolvierte Donnarumma, den sie nur „Gigio“ nennen, erst sein 33. Länderspiel für die Azzurri und hatte dabei mit 719 Einsatzminuten die meisten aller Akteure bei dieser EM.  Das einstige Torwart-Wunderkind unterschrieb schon mit 14 Jahren seinen ersten Profivertrag beim AC Mailand. Da sein Vertrag jetzt zum Saisonende ausgelaufen war, wechselte er ablösefrei zu Paris St. Germain. Dort hat er nun einen Vertrag bis 2026. Sein Marktwert beträgt derzeit, auch dank seiner exzellenten Elfmeter-Parade im EM-Finale in London, 65 Millionen Euro!

Briefmarken mit Fußball-Motiven haben in Italien eine lange Tradition. Laut stampworld.com sind seit 1934 von der Posteitaliane 103 Fußballmarken herausgebracht worden. Die vorerst letzte zeigt die Silhouette von Gigio Donnarumma.  1982 hat der berühmte italienische Maler und Grafiker Renato Guttuso zumindest die Hände von Torwart-Legende Dino Zoff abgebildet, wie er den WM-Pokal in die Höhe streckt. 

Und 2006 sieht man die Silhouette von Kapitän Fabio Cannavoro, wie er den gewonnenen Fußball-WM-Pokal in den Nachthimmel von Berlin hebt.

(Autor: KJA)

Kartengrüße aus Tokio – Olympische Post ist angekommen

Die Olympischen Spielen in Tokio gehen in die zweite Woche.  Über das sportliche Geschehen hat sich Jedermann sicher schon ein Bild gemacht. Für die Sportlerinnen und Sportler ist es gut, dass die Sommerspiele mit einem Jahr Verspätung in der japanischen Hauptstadt stattfinden können – trotz Corona bedingter Einschränkungen. Eine weitere Verlegung oder gar Absage der Wettbewerbe wären für viele von ihnen das Ende ihres sportlichen Traumes gewesen. Daran sollten wir denken – auch bei kontroversen Debatten über den Sinn oder Unsinn dieser Olympischen Spiele zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

Sportphilatelistisch gesehen können wir damit leben, dass es wegen des Zuschauerverbots diesmal natürlich keine Postämter mit entsprechenden Sonderstempeln an den Wettkampfstätten gibt. Entsprechende Stempel werden aber in den Post-Filialen im Olympischen Dorf bzw. im Internationalen Rundfunk-und Fernsehzentrum (IBC) sowie im Internationalen Pressezentrum (MBC) abgeschlagen. 

Sechs Tage brauchte diese Karte vom Eröffnungstag der Spiele, bis sie den Empfänger in Deutschland erreichte. Abgestempelt im IBC/MPC mit dem Internationalen Tagesstempel sowie dem „Landschaftsstempel IBC/MPC“.

Diese Olympischen Grüße aus Tokio übermittelte mir mein früherer MDR-Radio-Kollege und Sammlerfreund Thorsten vom Wege, den ich per WhatsApp noch um ein paar Ergänzungen bat:

Du erlebst derzeit in Tokio Deine 15. Olympischen Spiele als Radio-Reporter. Wie fällt Deine Zwischenbilanz jetzt zu Beginn der zweiten Wettkampfwoche aus?

„Die Spiele von Tokio sind schwer einzuordnen, weil es vergleichbare Olympische Spiele noch nicht gab. Obwohl man sich für die Sportler freut, die sich über Jahre auf diesen Höhepunkt vorbereitet haben, ist das Olympische Flair verlorengegangen. Leere Hallen, Restriktionen überall, zu den Sicherheitskontrollen noch die von den Gastgebern akribisch überwachten Bestimmungen in Sachen Corona und die strenge Überwachung der Verhaltensregeln rauben den Spielen ihren Kern – damit meine ich das Zusammentreffen von Menschen aus aller Welt. Das ist schade. Ich hoffe, das bleibt eine einmalige Ausnahme, fürchte aber für Peking 2022 eine ähnliche Vorgehensweise.“                                                                                                

Wie ist der Service der Japanischen Post zu diesen Olympischen Spielen?

„Die japanische Post hat einen kleinen Postschalter im Medienzentrum eingerichtet und bietet derzeit eigentlich nur ein Stamp-Booklet an – bestehend aus drei Bögen á 25 Marken mit den Sportarten-Darstellungen zu den Spielen bzw. zu den darauffolgenden Paralympics. Dazu gibt es einen Block mit einer Abbildung des Olympiastadions. Extras – so wie angekündigt von japanischen Olympiasiegern – waren bisher nicht zu sehen. Die Größe des Postamtes scheint aber auszureichen, um alle Bedürfnisse zu befriedigen, denn abgesehen vom Eröffnungstag halten sich die Schlangen trotz Abstandsregeln in Grenzen.“   

Wie groß ist die Resonanz der Japaner auf die philatelistischen Angebote?

„So blöd es klingt, das kann ich nicht einschätzen. Denn da wir in unserem Bewegungsradius komplett eingeschränkt sind, wissen wir nicht, wie es in öffentlichen Postämtern der Stadt aussieht. Und an den Sportstätten, die ich besucht habe, gibt es – weil kein Publikum zugelassen ist – NICHTS. Kein Merchandising, keine Sonderstempel wie beispielsweise in Peking 2008. Insgesamt finde ich es aber erfreulich, dass Japan die Briefmarkensammler nicht mit einer regelrechten Schwemme an Marken überflutet.“

(Autor: KJA)