Archiv des Autors: ospcberlin

Ringen gegen den Faschismus –  Werner Seelenbinder zwischen Mythos und Wirklichkeit

Vor 75 Jahren, am 24. Oktober 1944 wurde der Weltklasse-Ringer und Widerstandskämpfer Werner Seelenbinder von den Nazis im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Der Olympia-und Sportphilatelisten-Club Berlin und das Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf erinnern mit einem öffentlichen Kolloquium an einen kommunistischen Arbeitersportler, der in der DDR teilweise verklärt, in der Bundesrepublik ignoriert und im vereinten Deutschland durch Aufnahme in die „Hall of Fame des deutschen Sports“ wiederentdeckt wurde.

Für eine Diskussionsgrundlage sorgen:

Dr. Gerlinde Rohr       – Leiterin des Sportmuseums Leipzig i.R.

Volker Kluge                – Herausgeber des „Journal of Olympic History“

Roland Gehrke            – Schwergewichts-Weltmeister im Freistilringen von 1981

Daniel Heimbach       – Wissenschaftlicher Berater des Sportmuseums Marzahn

Klaus-Jürgen Alde     – Langjähriger Hörfunk-Sportjournalist

Termin: Samstag, 30.11.2019, 10:30 Uhr im Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf, Eisenacher Str.121

Auch 75 Jahre nach seinem Tod ist der Arbeitersportler Werner Seelenbinder in Deutschland präsent. In der Kartei seines Namens finden wir 83 Seelenbinder-Erwähnungen, die meisten natürlich in den neuen Bundesländern. Nach Seelenbinder sind Straßen, Schulen, Sportvereine, Sporthallen und Gedenkorte benannt.

Seelenbinder: Kupfer:Nickel Medaille 1974

Auch der OSPC Berlin hat sich in den zurückliegenden Jahren nicht nur in seinen Journalen (02/2004 und 1/2008) ausführlich mit dem Sportler und Antifaschisten Werner Seelenbinder befasst. Der Ringer ist der einzige deutsche Sportler, der sowohl von der Deutschen Post der DDR  als auch von der Deutschen Post der BRD philatelistisch gewürdigt wurde.

15cc1df71f6

Die DDR-Briefmarke wurde am 27.5.1963 in einer Auflage von drei Millionen Stück als Zusammendruck mit einem rechts anliegenden Zierfeld herausgegeben. Die Seelenbinder-Marke war eine von fünf Sondermarken mit deutschen Sportlern, die wegen ihres antifaschistischen Widerstandkampfes von den Nazis ermordet wurden.

Kurt-Schlosser-Bergsteiger-Hein-Stey-antifaschistische-Sportler-FDC-DDR-958-62-m-Zdr-auf-einem-Umschlag-Seelenbinder

Die philatelistische Ehrung durch die Deutsche Post der BRD mit einer „Briefmarke Individuell“ erfolgte erst 2008, als Werner Seelenbinder in die „Hall of Fame des deutschen Sports“ aufgenommen wurde. Auf einem Bogen mit 20 Persönlichkeiten des deutschen Sports ist Seelenbinder in der oberen Reihe ganz rechts abgebildet.

Aber es gibt auch noch andere interessante philatelistische Belege zu Seelenbinder. Anlässlich des 30. Jahrestages der Gründung der Betriebsarbeitsgemeinschaft Philatelie im VEB Elektro-Apparate-Werke Berlin-Treptow wurde am 1.12.1984 ein Sonderstempel durch die Deutsche Post der DDR abgeschlagen, der im Bild das Signet der EAW und das Abzeichen der BAG Philatelie zeigt.

IMG_5627 2

Der Stempel ziert eine Briefmarke mit dem Antlitz von Friedrich Ebert. Der Sohn des  gleichnamigen Reichspräsidenten war von 1948 bis 1967 Oberbürgermeister von Ost-Berlin und Namenspate der Elektro-Apparate-Werke in Berlin-Treptow. Auf der privaten Schmuck-Zudruckkarte ist ein Relief des Kopfes von Werner Seelenbinder zu sehen. Die Gedenktafel hing bis 1990 im Klubhaus des VEB EAW in der Berliner Hoffmannstrasse. Werner Seelenbinder war in diesem Betrieb bis zu seiner Verhaftung als Transportarbeiter beschäftigt. Lange Zeit galt die Tafel als verschollen, bis sie vor einigen Jahren  dem Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf übergeben wurde und jetzt dort in der Ausstellung zu sehen ist.

IMG_20191112_0001_NEW 2

Zum 100. Geburtstag und 60. Todestag von Werner Seelenbinder am 24.10.2004 hatte auch der OSPC Berlin einen Zudruckbeleg mit Sonderstempel herausgegeben. Der Stempel war von 30 Sponsoren finanziert worden, unter ihnen neben vielen Einzelpersonen auch das NOK für Deutschland, der Deutsche Ringerverband, der Landessportbund Berlin.

Zu den intensiven Bemühungen des OSPC Berlin um eine würdige Ehrung Seelenbinders in den zurückliegenden Jahren gehört auch der Hinweis auf eine Karte, die im Rahmen einer Serie zu Berliner Sportstätten vom OSPC aufgelegt worden war.

Die Karte Nr.3 (links) zeigt die Werner-Seelenbinder-Halle im Prenzlauer Berg, die 1950 erbaut und 1993 abgerissen wurde. An ihrer Stelle befinden sich heute das Velodrom und die Schwimmhalle des Europa-Sportparks in der Landsberger Allee. Zu den sportlichen Höhepunkten in der Seelenbinderhalle gehörten einst die Radrennen auf der Winterbahn, die zu diesem Zweck jedes Frühjahr in die Halle eingebaut wurde. Rechts oben ist eine Postkarte mit dem Foto vom Eingangsportal der W.-Seelenbinder-Halle und darunter ein Post-Sonderstempel zur Winterbahn-Radsaison 1970 zu sehen.

Jetzt, anlässlich des 75. Todestages von Werner Seelenbinder, veranstaltet der Olympia-und Sportphilatelisten-Club Berlin nun gemeinsam mit dem Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf ein Kolloquium, das sich neben einem kurzen Ausflug in die Philatelie, vor allem mit dem Leben und Wirken Werner Seelenbinders befassen wird. Wer glaubt, schon alles darüber zu wissen, wird über einige aktuelle historische Erkenntnisse unserer Gäste überrascht sein.

Besonders gespannt dürfen wir auf eine Werner-Seelenbinder-Wanderausstellung sein, die Daniel Heimbach im Rahmen des Kolloquiums am 30. November in den Räumen des Sportmuseums Marzahn/Hellersdorf präsentieren wird. Diese Ausstellung ist das Ergebnis zweier halbjähriger Praxisprojekte des Bachelorstudiengangs Museumskunde an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, die zwischen 2018 und 2019 stattfanden. 

(Autor: KJA)

1869 – 2019: Die Postkarte feiert 150. Geburtstag

Was gab es nicht alles für Widerstände gegen die Einführung dieser neumodischen Erfindung! Sie läute das Totenglöckchen für den Brief. Sie sei etwas für Faulenzer, die keine Lust auf lange Texte hätten und vor allem, für jedermann mitlesbar!

Die Rede ist von – der guten alten Postkarte, die am 1. Oktober dieses Jahres 150 Jahre alt geworden ist. 1869 wurde die erste in Österreich verschickt, Deutschland folgte erst ein Jahr später, obwohl Heinrich von Stephan ein früher Verfechter des Formats war.DPAG-1997-HeinrichVonStephan

Der Generalpostdirektor des Deutschen Reichs schlug bereits bei einer Postkonferenz im Jahre 1865 die Einführung eines offenen Postblatts vor; sein Vorschlag  wurde damals allerdings als „unanständige Form der Mitteilung“ verworfen.  Die österreichisch-ungarische Postverwaltung griff jedoch die Idee wieder auf, führte vier Jahre später die „Correspondenz-Karte“ ein und markierte damit den Beginn eines neuen Kommunikationsmediums.

50100157_303

 

Die erste offizielle Postkarte der Welt: In Österreich-Ungarn am 1. Oktober 1869 von Perg nach Kirchdorf verschickt. (Quelle: Museum für Kommunikation).

 

Inoffiziell gab es zumindest eine Postkarte schon viel früher. 1840 wurde sie als handgemalte Karte an einen gewissen Theodore Hook verschickt. Das Motiv: Schreiber eines Postamts, die um ein riesiges Tintenfass sitzen.

50110838_401Es wird vermutet, dass Hook, der als Scherzbold bekannte britische Autor und Stückeschreiber, sich die Karte selbst geschickt hatte – ganze 29 Jahre bevor die Postkarte 1869 offiziell von der Post eingeführt wurde. Hooks Karte wurde 2002, kurz nachdem sie zwischen den Seiten eines Briefmarkenalbums wiederentdeckt wurde, für 35.000 Euro versteigert.

Schießen 2 (1)

Die erste Postkarte mit sportlichem Bezug gab es übrigens erst 1887 anlässlich des Bundesschießens zum 25jährigen Jubiläum des Deutschen Schützenbundes, das auf dem Schießplatz in Frankfurt/Main durchgeführt wurde, wie auch der Tagesstempel auf dieser Postkarte dokumentiert.

Schießen 2

Die älteste Sportganzsache der Welt ist eine Postkarte der 1.Privat-Stadtbrief- und Paket-Beförderung F.K. Wellendorf in Erfurt, die im Dezember 1890 auf Rechnung des Zentralausschusses des XIII. Mitteldeutschen Bundesschießens 1891 hergestellt wurde.

In Deutschland wurde die Postkarte, wie zuvor in Österreich, zum Bestseller. Bereits im Jahr 1900 wurden eine Milliarde Exemplare versendet, die Hälfte davon Ansichtskarten. Darunter auch einige mit interessanten sportlichen Motiven.

Postkarte 1900

Im Ersten Weltkrieg ergoss sich eine Flut von zehn Milliarden Feldpostkarten in deutsche Briefkästen. In den 50er- bis 80er-Jahren beförderte die Deutsche Bundespost jährlich stabil um die 900 Millionen Stück. Auch in der DDR erfreuten sich Ansichtskarten großer Beliebtheit. In den letzten Jahren ist die Postkarte allerdings – vor allem aufgrund elektronischer Konkurrenz durch WhatsApp, SMS, Facebook & Co. – im Sinkflug begriffen. Heute sind es noch rund 200 Millionen Karten, die von der Post jährlich befördert werden.

Die aktuellste Postkarte mit sportlichem Motiv ist eine „Pluskarte Individuell“ der Deutschen Post, die extra für das 40. Forum Nordicum vom 14.-17. Oktober 2019 in Antholz in Südtirol gestaltet und produziert wurde.

Forum Nordicum 2019 Pluskarte Individuell

Das Forum Nordicum ist eine Interessengemeinschaft der Nordischen Skisportjournalisten, die sich einmal jährlich kurz vor Beginn der neuen Saison u.a. mit Funktionären der jeweiligen internationalen und nationalen Sportverbände, ausgewählten Spitzensportlern, Veranstaltern von wintersportlichen Großereignissen und Vertretern der Industriebranche trifft. Im Mittelpunkt stehen Dialog sowie Informations- und Erfahrungsaustausch.

Entstanden war die Idee zu dieser Veranstaltung 1980 am Rande der Holmenkollen-Ski-Spiele in Oslo, als sich die drei Berichterstatter  Willy Ahstl aus Österreich sowie die beiden Deutschen Werner Kirchhofer und Bruno Morawetz, intensiv Gedanken um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Journalisten im Nordischen Skisport machten. Noch im selben Jahr traf man sich in Ramsau/Österreich zum 1. Forum Nordicum. In diesem Herbst feiert die Interessengemeinschaft, der rund 80 Mitglieder aus 12 Ländern angehören, ihr 40jähriges Jubiläum. Antholz, das italienische Biathlon-Mekka, war bereits 1994 und 2006 Gastgeber des Forums. Logo_WM_Antholz-Anterselva_2020_02

Auch in diesem Jahr wird man die Journalisten in Südtirol aus erster Hand informieren. Denn vom 12.- 23. Februar 2020 werden in Antholz die Biathlon-Weltmeisterschaften ausgetragen.

Auf der Erinnerungs-Postkarte zum diesjährigen Forum Nordicum ist ein Foto des malerischen Biathlonstadions in 1600 m Höhe zu sehen. Auf der Briefmarke sind die inzwischen leider schon verstorbenen Gründerväter des Forums abgebildet.

 

Für den ehemaligen ZDF-Fernsehjournalisten Bruno Morawetz (auf der Briefmarke rechts) ist es in diesem Jahr bereits die zweite sportphilatelistische Ehrung. Im Mai war ihm mit seinem berühmten Reporter-Ausruf beim 15 km Langlaufwettbewerb bei den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid – „Wo ist Behle“ – schon ein „Briefmarken-Denkmal“ gesetzt worden. Aber dies ist eine andere Geschichte! (siehe OSPC-Journal 01/2019)

In Berlin widmet übrigens das Museum für Kommunikation derzeit den Postkarten bis zum 5. Januar 2020 eine Ausstellung unter dem Motto:

Key-Visual-Postkarten-ohne

Mehr als 500 Postkarten spannen den Bogen von den Vorläufern und der Hochzeit der Postkarte im Kaiserreich über Feldpostkarten, Kunstpostkarten, Propagandakarten, Postkarten in Ost und West bis zur digitalen Postkarte und Postcrossing. Welche Bedeutung die Postkarte in Zeiten von WhatsApp und Co. noch hat, zeigen Interviews mit Berliner Passant*innen.

Im Fokus stehen außerdem die Praktik des Sammelns sowie ganz besondere Stücke aus der Sammlung der Museumsstiftung Post- und Telekommunikation. Diese besitzt mit über 200.000 Exemplaren eine der größten Postkartensammlungen Deutschlands.

Stempel 150 Jahre Postkarten

Den Sonderstempel zur Ausstellung (Stempelnummer 16/188) gibt es seit dem 20. August 2019 bei Deutsche Post AG, Niederlassung Brief Berlin 1, Sonderstempelstelle, 11508 Berlin.

 

 

 

(Autor: KJA)

 

 

 

„Big Five“ im Sport – Südkorea gehört nun auch dazu

Wenn von den „Big Five“, den „Großen Fünf“, die Rede ist, dann sind in der Regel fünf bestimmte Tiere in Afrika gemeint, die von Großwildjägern irgendwann erlegt oder von Safari-Touristen wenigstens einmal in ihrem Leben per Foto „abgeschossen“ werden sollten: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard.

The-Big-5Diese konkrete Auswahl bezog sich dabei aber nicht in erster Linie auf die Körpergröße der Tiere, sondern vorwiegend auf die Schwierigkeiten und Gefahren bei der Jagd auf sie. 

Spricht man dagegen im internationalen Sport von den „Big Five“, dann sind fünf internationale Großveranstaltungen gemeint, deren Ausrichtungen die jeweiligen Länder in eine Art Elite-Liga aufsteigen lassen. Zu diesen Großereignissen gehören Olympischen Spiele im Sommer und im Winter, Fußball-Weltmeisterschaften sowie die Welttitelkämpfe in der Leichtathletik und im Schwimmen. Diese „Big Five“ sind auch interessant für uns Sportphilatelisten. Lassen sich doch jene Ereignisse in der Regel sehr gut mit ansprechenden Belegen dokumentieren.

Sport-Land Südkorea

Nach Deutschland, Italien, Japan und Russland ist in diesem Jahr auch Südkorea in diese Spitzenliga der Sportveranstalter-Länder aufgestiegen – dank der 18. Schwimm- Weltmeisterschaften, die vom 12.- 28. Juli in Gwangju zum ersten Mal in ihrer Geschichte in Südkorea stattfanden. Damit hat das asiatische Land erneut seine wirtschaftliche und organisatorische Stärke bei der Organisation sportlicher Großveranstaltungen unter Beweis gestellt.

Gwangju war übrigens schon 2015 Gastgeber der 28. Sommer-Universiade. Diese Weltsportspiele der Studenten gelten als zweitgrößte Multisportveranstaltung der Welt nach Olympischen Sommerspielen.

Universiade Gwangju 2015

Begonnen hatte der südkoreanische „Kampf“ um die „Big Five“ bereits 1988 mit der Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele in Seoul. 2002 folgte die gemeinsame Veranstaltung der Fußball-Weltmeisterschaften mit Japan. 2011 wurden die Daegu die Leichtathletik-Weltmeisterschaften ausgetragen. 2018 folgten die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Über alle diese Ereignisse haben wir in unseren OSPC- und IMOS-Journalen ausführlich berichtet.

Diving into Peace

Bei der diesjährigen 18. Schwimm-WM gab es sogar eine Rekordbeteiligung. 15-tausend Athleten, Offizielle und Medienvertreter aus 195 Ländern waren vor Ort in Gwangju, das 330 km von der Hauptstadt Seoul entfernt im Südwesten des Landes liegt.

zwei-otter-sind-die-maskottchen-der-schwimm-wm-im-467377

In sechs Disziplinen – Schwimmen, Freiwasserschwimmen, Wasserspringen, Klippenspringen, Synchronschwimmen und Wasserball wurden insgesamt 76 Medaillen vergeben. Der Slogan der WM war „Diving into Peace“ und damit von der Hoffnung geprägt, mit dem „Eintauchen in Frieden“ etwas für eine friedlichere Welt tun zu können. In Gwangju waren 1980 Demonstrationen gegen die damalige neue Militärregierung brutal niedergeschlagen worden. Offizielle Stellen sprechen von 140 getöteten Zivilisten, andere Quellen gehen von 2000 Toten aus. Dieser Vorfall ist als „Gwangju-Massaker“ in die Geschichte eingegangen und hat der Stadt den Ruf eingebracht, „Schrein der koreanischen Demokratie“ zu sein.

Schwimm WM 2019 Gwangju KleinbogenDie im Vordergrund der Marke zu sehenden Maskottchen Suri und Dari sind zwei personifizierte Otter, deren Lebensräume sich in der Umgebung von Gwangju befinden. Das Logo, eine Welle, soll den Berg Mudeungsan und den Fluss Yeongsangang symbolisieren. Am Rand des Kleinbogens sind die Piktogramme der sechs WM-Disziplinen abgebildet. KPC3391_FDC_Cancellation_981px Dazu gab es einen Sonderstempel, auf dem ebenfalls die Maskottchen zu sehen sind. Die Marke, die am 12.7.2019 in einer Auflage von 656-tausend Stück an die Postschalter kam, war sehr schnell vergriffen.

Ein langer Weg zu den „Big Five“

Es übrigens ist gar nicht so einfach, in die „Big Five“ der Sportveranstalterländer aufzusteigen. Deutschland schaffte es mit der Ausrichtung von drei Olympischen Spielen (1936 Berlin und Garmisch-Partenkirchen sowie 1972 München), der Fußball-WM 2006, den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1993 in Stuttgart und 2009 in Berlin sowie den Schwimm-Weltmeisterschaften 1978 in Berlin(West). Auch Italien und Japan waren mehrfach Gastgeber für die „Big Five“. Russland ist als viertes Land erst 2018 nach der Austragung der Fußball-Weltmeisterschaften in den illustren Kreis aufgenommen worden. Als sechstes Land nach Südkorea wird vermutlich  Kanada 2026 in die „Big Five“ folgen, das in jenem Jahr gemeinsam die Fußball-WM mit Mexiko und den USA austrägt. Die anderen Kriterien – Olympische Spiele in Montreal , Calgary und Vancouver sowie Weltmeisterschaften 2001 in Edmonton (Leichtathletik) und 2005 in Montreal (Schwimmen) wurden bereits erfüllt.

Was wundert, dass die USA bisher noch nicht dazugehören. Aber den Amerikanern fehlt wie Frankreich noch die Ausrichtung einer kompletten Schwimm-WM auf der langen 50-m-Bahn und natürlich mit allen anderen fünf Sparten der Sportart. Dies ist umso erstaunlicher, als dass die USA mit insgesamt 526 WM-Medaillen, darunter 230 Titeln, die stärkste Schwimm-Nation der Welt sind. Eine WM-Bewerbung von Greensboro in North Carolina für die Weltmeisterschaften 2025 oder 2027 blieb in diesem Jahr leider ohne Erfolg. Der Weltschwimmverband FINA entschied sich in Gwangju für das russische Kasan und das ungarische Budapest!

Die letzte erfolgreiche USA-Bewerbung für ein internationales Schwimm-Großereignis waren die Weltmeisterschaften auf der kurzen Bahn (25 Meter) 2004 in Indianapolis. Jedoch das zählt nicht für die „Big Five“!

(Autor: KJA)

100 Jahre Gelbes Trikot bei Tour de France

Seit 6. Juli läuft die 106. Tour de France. Start war diesmal in Brüssel. Bis zum 28. Juli müssen die Fahrer 21 Etappen und 3480 Kilometer bewältigen. Das begehrteste Trikot ist nach wie vor das Gelbe – das Maillot Jaune. grand-depart-tour-de-france-2019-thumb

Vor 100 Jahren wurde es bei der Tour de France als begehrteste Trophäe des Radsports eingeführt. Aus diesem Anlass weist der Dress des Spitzenreiters in diesem Jahr jeden Tag ein unterschiedliches Design auf – zum Teil mit Abbildungen von berühmten Fahrern oder historischen Bergpässen.

Und auch philatelistisch ist dieses Trikot-Jubiläum entsprechend gewürdigt worden. Die Royal Mail Post der Niederlande hat aktuell eine von der Royal Dutch Mint geprägte Silbermarke (999/1000) in einer streng limitierten Auflage von 2000 Stück in einer luxuriösen Sammlerverpackung auf den Markt gebracht. Die Marke hat offiziellen Status und kann (aus den Niederlanden) für Einschreibsendungen verwendet werden, was jedoch nicht unbedingt empfohlen wird!

In Frankreich und Belgien gab es in diesem Jahr keine offiziellen Briefmarken zur Tour oder zum Trikot-Jubiläum. Aber die Belgier haben wenigstens an die Münz- und Abzeichen-Sammler gedacht.

Die Königliche Münze Belgiens verausgabte zum Tour-Start eine 2-1/2 Euro-Gedenkmünze  und würdigte damit auch das 100jährige Jubiläum des Gelben Trikots. Die Münze in Blister besteht aus 10,5g Messing, hat einen Durchmesser von 25,6 mm und erschien in Stempelglanz in einer Auflage von 120.000 Exemplaren.

Interessant ist auch die belgische Abzeichenserie, die sich auf fünf verschiedenen Motiven mit den jeweiligen Trikotfarben der Tour de France befasst.  Auf den Abbildungen (oben) sind u.a. mit dem ersten Träger des Gelben Trikots vor 100 Jahren, Eugéne Christophe, und Seriensieger Eddy Merckx zwei Tour-Legenden dargestellt worden.

Indirekt mit der diesjährigen Tour de France und dem Gelben Trikot hat aber auch eine aktuelle Briefmarkenausgabe aus Monaco zu tun. Am 15. September 2019 wäre Fausto Coppi 100 Jahre alt geworden. Die monegassische Post hat ihm zu Ehren am 29. Mai eine Sondermarke in einer 40 000-er Auflage herausgegeben. Die Marke hat den Wert von 0,86 € und erschien in 10er-Kleinbogen sowie auf einem FDC. Das Motiv basiert auf einer Zeichnung des Künstlers Thierry Mordant und zeigt den berühmten italienischen Radfahrer.Sonderbriefmarke-aus-Monaco-vom-Mai-2019-abgebildet-ist-die-italienische-Radsportlegende-Fausto-Coppi-1 Er gewann zweimal die Tour de France, fünfmal den Giro d´Italia und war dreimal Weltmeister. Vor 70 Jahren gelang ihm ein historischer Erfolg. Als erster Fahrer in der Geschichte gewann Coppi den Giro und die Tour im selben Jahr. 1952 konnte er dieses Kunststück wiederholen. Mit Fausto Coppi begann eigentlich der moderne Radsport. Sein systematisches Training, seine bewusste Ernährung, sein optimales Material und sein taktisches Vermögen waren Vorbild für die nachfolgenden Generationen. Coppi experimentierte aber auch schon mit leistungssteigernden Substanzen, was damals jedoch noch nicht verboten war.

FDCFaustoCoppi-500x500

Der „Campionissimo“ starb am 2. Januar 1960 im Alter von nur 40 Jahren an einer Malaria-Infektion. Auch dieser frühe Tod hat dazu beigetragen, dass Fausto Coppi zu jenem mythischen Helden geworden ist, der bis heute gefeiert wird.

Auch in Frankreich, wo der Tour-Tross in diesem Jahr am Col d’Izoard sein Denkmal passieren wird.

Cycling: 90e Giro d'Italia / Stage 12

 

Übrigens, das historische Doppel von Giro und Tour de France ist nach Coppi nur noch sechs Rennfahrern gelungen: Jaques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault, Stephen Roche, Miguel Indurain und Marco Pantani.

 

1919 steckte Henri Desgrange, der Erfinder der Frankreich-Rundfahrt, den Ersten der Gesamtwertung in das Maillot Jaune, damit die Fans sehen konnten, wer vorn liegt. Der Franzose Eugène Christophe war der erste Träger.

Wer  vom Gelben Trikot spricht, kommt an einem Mann aber nicht vorbei: Vor exakt 50 Jahren startete Eddy Merckx in Roubaix zu seiner ersten Tour de France. Es dauerte nur drei Tage, bis der damals 24-jährige Belgier sein erstes Gelbes Trikot holte, und danach ging es so richtig los: Bis zum Ende seiner Karriere 1978 gewann Merckx fünfmal die Tour und nahm 111-mal auf den Siegerpodien das begehrte Trikot entgegen. Dass dies am Ende „nur“ 97 Tage in Gelb bedeutete, lag daran, dass damals immer mal wieder Halbetappen (zwei an einem Tag) gefahren wurden. Im Gegensatz zu Fausto Coppi, zu dessen Zeit noch keine Dopinglisten existierten , wurde Merckx mehrfach positiv auf verbotene Substanzen getestet, was aber seiner Popularität in Radsportkreisen und bei Veröffentlichungen auf Briefmarken kaum etwas ausmachte.

Radsport Belgische Tourgewinner 12.6.2017

Das Maillot Jaune gehörte in Merckx’ aktiver Zeit so gut wie ihm. Durch seine Erfolge geadelt wurde er 1996 zu Baron Édouard Louis Joseph Merckx. Mit 34 Etappensiegen steht der Belgier  noch heute an der Spitze der Rekordliste. Bei seinem Tour-Debüt 1969 holte sich Merckx übrigens nicht nur Gelb. Er gewann dazu die Sprint- und die Bergwertung sowie auch noch sieben Etappen. Danach nannte man ihn den Kannibalen, auch weil er von Taktik nicht viel hielt. Merckx schwang sich in den Sattel und gab „Vollgas“. Nur eines gelang ihm nie: das Gelbe Trikot von der ersten bis zur letzten Etappe einer Tour zu tragen. Das schaffte nur 1924 der Italiener Ottavio Botecchia.2246683-46832455-2560-1440

50 Jahre nach seinem ersten Tourstart wurde  die 106. Tour de France zu Ehren von Eddy Merckx diesmal in Brüssel gestartet. Natürlich vollzog der „Altmeister“ unter dem Jubel tausender Zuschauer den Ehrenstart!

 

(Autor: KJA)

„Der Skisport war sein Leben“ – auf den Spuren von Birger Ruud in Bad Freienwalde

Die gemeinsame philatelistische Aktion des OSPC Berlin und des WSV Bad Freienwalde in Sachen 1. Deutscher Skiflugpost vom 25. Mai (siehe vorherigen Artikel) fand am 6. Juni noch eine Fortsetzung. Der OSPC war zu Gast zu einem gemeinsamen Foyer-Gespräch in der Konzerthalle St. Georg in Bad Freienwalde.

OSPC-Mitglied und Olympia-Experte Volker Kluge erinnerte in seinem sehr interessanten, mit vielen historischen Belegen gespickten Power-Point-Vortrag nicht nur an Birger Ruud, sondern auch an dessen sportliche Brüder Sigmund und Asbjörn, die ebenfalls zu Weltmeisterehren kamen.

IMG_4966

Der Norweger hatte im Vorfeld der Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen während seines Berliner Studienaufenthaltes auf der Schanze in Bad Freienwalde trainiert und mit 40,5 Metern einen Schanzenrekord aufgestellt.

Ruud war einer der weltbesten Skispringer der Vorkriegszeit. Der dreimalige Weltmeister holte sich bei den Olympischen Spielen 1932 und 1936 jeweils die Goldmedaille im Springen von der Normalschanze. Nach dem 2. Weltkrieg startete er im Alter von 36 Jahren noch einmal bei Olympischen Spielen und gewann 1948 in St. Moritz Silber.

Birger Ruud BriefmarkeDie Sonderbriefmarke entstammt einem Vierer-Block mit Abbildungen von ehemaligen norwegischen olympischen Medaillengewinnern und wurde anlässlich der Winterspiele 1994 in Lillehammer herausgegeben.

Im Rahmen des abendlichen Foyer-Gesprächs, zu dem 30 Gäste gekommen waren, unter ihnen Bürgermeister Ralf Lehmann und der dreifache Olympiasieger in der Nordischen Kombination Ulrich Wehling, gab es noch ein Präsent für die Gastgeber vom WSV Bad Freienwalde. Der „Birger-Ruud-Pokal“, der zunächst als Geschenk des Skimuseums im norwegischen Kongsberg nach Oberhof in die damalige Wintersport-Ausstellung und nach deren Auflösung ins Berliner Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf gekommen war, hat nun, auch dank der Initiative des OSPC, seine feste Heimstatt beim Wintersportverein bekommen – vielleicht als Ehrenpreis für den besten Nachwuchsspringer?  Dass der kleine Pokal irgendwann einmal einen würdigen Platz finden sollte, war auch Wunsch von Jan Knapp.

IMG_4969

Ihm war der Pokal 1994 vom Direktor des Bergwerks-und Skimuseums im norwegischen Kongsberg als Geschenk für seine Oberhofer Wintersport-Ausstellung übergeben worden. Er zeigt den legendären Skispringer im typischen Kongsberg-Stil mit Hüftknick und ausgebreiteten Armen. Die Statue ist eine stark verkleinerte Nachbildung des großen Bronze-Denkmals in Kongsberg. Das dortige Skimuseum war einst von Birger Ruud und Petter Hugsted gegründet worden. 5000 Exponate zeugen von den Erfolgen des norwegischen Skisports zwischen 1924 und 1952.

Jan Knapp, der in Falkenberg in der Nähe von Bad Freienwalde groß geworden ist und für die „Pokalübergabe“ extra aus seinem jetzigen Wohnort Wolgast zum Foyer-Gespräch angereist war, erinnerte in seiner kleinen Rede noch daran, dass Birger Ruud 1931 mit 19 Jahren seinen ersten WM-Titel bei den FIS-Rennen in Oberhof gewonnen hatte.

IMG_4985

Ruud-Pokalübergabe an WSV-Vorstand Günter Lüdecke (M.) durch Jan Knapp (L.) und OSPC-Vorsitzenden Thomas Lippert.

Im Anschluss an Vortrag und Pokal-Überreichung gab es in der Bad Freienwalder Konzerthalle St. Georg noch eine lebhafte Diskussion mit Olympiasieger-und Weltmeister Ulrich Wehling über Sprungstile, Wettbewerbe für Frauen in der Nordischen Kombination und über gute Ratschläge für die beiden jungen Skispringer Moritz Terei und Max Unglaube, die ab dem kommenden Schuljahr von Bad Freienwalde nach Oberhof auf die Sportschule wechseln.

csm_IRSWPPROD_LWUD1_676825c19e

Starke Ausbeute: Moritz Terei (links) und Max Unglaube (rechts) vom WSV Bad Freienwalde präsentieren ihre Medaillen und Pokale vom Schülercup. Stefan Wiedmann (Mitte) trainiert die beiden Skispringer inzwischen schon seit einigen Jahren.© Foto: Conradin Walenciak

Die beiden sind derzeit Deutschlands Beste in den Altersklassen 12 und 13. Auf die Frage, wie sie sich als „Flachländer“ gegen die zu erwartenden Hänseleien der „Gebirgler“ am besten durchsetzen können, gab ihnen Ulrich Wehling mit auf den Weg, „dass dagegen nur starke Leistungen überzeugen können!“ Oder vielleicht auch mal ein dezenter Hinweis, dass man ja schon jetzt auf einer Briefmarke abgebildet ist.

Nachdem der Verein anlässlich des Internationalen Skispringens am 25. Mai rund 150 Flugpostkarten mit drei verschiedenen Briefmarken Individuell absetzen konnte, hat man nach diesem Erfolg noch zwei Briefmarkenmotive nachbestellt. Und darauf sind die beiden Nachwuchs-Hoffnungen Unglaube und Terei verewigt worden.

Da haben sie sogar dem berühmten Olympiasieger Wehling etwas voraus, der aber immerhin sein Autogramm auf der Flugpostkarte des WSV Bad Freienwalde hinterließ.

Ulrich Wehling ist nach wie vor der erfolgreichste Nordische Kombinierer aller Zeiten bei Olympia. 1972 in Sapporo, 1976 in Innsbruck und 1980 in Lake Placid wurde der gebürtige Hallenser (auch Flachländer!) dreimal nacheinander Olympiasieger. 1974 kam ein Weltmeistertitel hinzu. Und zur norwegischen Berühmtheit wurde er, und das hätte auch Birger Ruud gefreut, als er dreimal die Nordische Kombination beim berühmten Holmenkollen Skifestival in Oslo gewinnen konnte. Ulrich-Wehling-1952-GDR

Nach seiner aktiven Laufbahn arbeitete er zunächst als stellvertretender Generalsekretär im Deutschen Skiläuferverband der DDR und nach der Wende für fast zwei Jahrzehnte als FIS-Direktor für Nordische Kombination beim Ski-Weltverband. Und auf einer Briefmarke wurde er auch verewigt, wenn auch „nur“ auf einer von Ajman 1972 zu Ehren seines ersten Olympiasieges.

 

Von der Veranstaltung gibt es ein Video auf YouTube, das unter folgendem Link abgerufen werden kann: https://youtu.be/HfuDJOPCXFA

(Autor: KJA)

„Deutsche Skiflug-Post“- Premiere in Bad Freienwalde

Als ich in diesem Blog und im Journal 02/2018 des Olympia- und Sport-Philatelisten-Clubs-Berlin in der Titelgeschichte über die 1.Welt-Skiflugpost anlässlich der Skiflugwoche 1959 am Kulm in Österreich berichtete, hätte ich nicht geglaubt, dass es 60 Jahre später eine Neuauflage geben würde – nämlich die 1. Deutsche Skiflugpost!

 

Initiator dafür war diesmal der Wintersportverein 1923 Bad Freienwalde, der die Idee von damals aufgriff und sie nach intensiven philatelistischen „Fach“-Gesprächen mit uns vom OSPC Berlin am 25. Mai 2019 in die Tat umsetzte.

An diesem Tag wurde im nördlichste Skisprungzentrum Deutschlands das Internationale Sommerspringen um den Pokal des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg ausgetragen. Zu Gast waren 150  Nachwuchs-Skispringer aus Deutschland und Polen.

Beste Gelegenheit auch für die Flugpost-Premiere in Deutschland. Der Verein hatte 500 Sonderpostkarten und drei Sonder-Briefmarken Individuell herstellen lassen. Auf der Vorderseite der Karte mit Bild von der Schanzenanlage waren Startnummer und Name des Springers eingetragen. Nach dem „Flug ins Tal“ kamen die Karten zur „Schanzenpost“, wo sie mit dem WSV-Stempel sowie einem roten Zusatzstempel „1. Deutsche Skiflug-Post, 25. Mai 2019, Internationales Skispringen Bad Freienwalde“ versehen wurden.

IMG_20190525_0001_NEW

IMG_4937

Zum Frankieren standen drei verschiedene Motive auf Briefmarken Individuell zur Verfügung. Auf Zweien waren Fotos von der wunderschönen Anlage im Papengrund zu sehen. Auf dem dritten Motiv war ein Skispringer abgebildet. Bei ihm handelt es sich um Max Unglaube, den derzeit besten Springer des WSV Bad Freienwalde. IMG_20190525_0001_NEW 4Der 12jährige ist amtierender Deutscher Meister seiner Altersklasse und hat in diesem Jahr die internationale Qualifikation für den FIS-Cup geschafft. Zur kommenden Saison wechselt Max gemeinsam mit seinem Teamkameraden Moritz Terei auf das Sportgymnasium in Oberhof. Über ihren weiteren Entwicklungsweg sind wir sehr gespannt.

csm_1029704236_c5e0475796

Max Unglaube (rechts) und Moritz Teer (links) gehören derzeit noch der 16-köpfigen Trainingsgruppe von Stephan Weidmann in Bad Freienwalde an.

Die frankierten Postkarten, die für zwei Euro vom Verein verkauft wurden (ein Teil des Erlöses wird für die Modernisierung des Skistadions genutzt) , fanden großen Absatz. Und die meisten Karten wurden gleich vor Ort beschrieben und in den Sonderbriefkasten geworfen, dessen Inhalt nach der Veranstaltung bei der Post in Bad Freienwalde „geleert“ und dort auch offiziell abgestempelt wurde.

„Schanzen-Postbeamter“ war WSV-Vorstand Burghard Irrgang (hier rechts im Bild mit WSV-Schatzmeister und Hauptinitiator der Postaktion, Günther Lüdecke – in der Mitte). 

Die gemeinsame philatelistische Aktion des OSPC  und des WSV  findet am Donnerstag, den 6. Juni  ihre Fortsetzung. Die OSPC-Mitglieder sind dann zu Gast in Bad Freienwalde zu einem Foyer-Gespräch. OSPC-Mitglied und Olympia-Experte Volker Kluge wird in einem Vortrag an Birger Ruud erinnern. Der norwegische Doppel-Olympiasieger von 1936 hatte im Vorfeld der Winterspiele in GarmisIMG_3855ch-Partenkirchen während seines Berliner Studienaufenthaltes auf der Schanze in Bad Freienwalde trainiert.

Mit 24 Metern hielt er damals sogar den Schanzenrekord. Im Rahmen des Foyer-Gesprächs wird es auch noch eine „Pokal-Übergabe“ geben. Der „Birger-Ruud-Pokal“, der als Geschenk des Skimuseums im norwegischen Kongsberg zunächst nach Oberhof und dann nach Berlin ins Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf gekommen war, soll nun seine feste Heimstatt in Bad Freienwalde beim WSV bekommen – vielleicht als Wanderpokal für den besten Nachwuchsspringer.

Treffpunkt der OSPC-Mitglieder und interessierter Sammlerfreunde für die Veranstaltung ist am 6.6.2019, 18 Uhr an der Konzerthalle St.Georg in Bad Freienwalde, Georgenkirchstr. 1.  Vor Beginn der Veranstaltung (19 Uhr) besteht die Möglichkeit zur Besichtigung der Schanzenanlage im Papengrund.

 

(Text und Fotos: KJA)

 

 

„Olympiamomente“ auf deutschen Sportbriefmarken 2019

Ab 2. Mai 2019 gibt es an den Postschaltern wieder drei Zuschlagsmarken zugunsten der Stiftung Deutsche Sporthilfe – diesmal mit legendären Olympiamomenten. Für uns Sportphilatelisten kein besonderer Grund zum Jubeln. Denn die Aufmachung erinnert stark an die Sporthilfemarken des vergangenen Jahres. Ein bisschen mehr Kreativität hatten wir eigentlich erwartet! Erneut zieren ausgesuchte Zitate von Sportreportern die Markenbilder, die diesmal stark „verpixelt“ daherkommen.

efim1610012_Z_1_150412591_Ersttagsbrief_mit_dem_Plus_Sport_2019_800x600

Die erste Briefmarke im Wert von 70 + 30 Cent behandelt eine Episode von den Olympischen Spielen 1956 in Stockholm, wo parallel zu den Sommerspielen in Melbourne die Reitsportwettweberbe ausgetragen wurden. Damals gewann der deutsche Springreiter Hans Günter Winkler seine erste olympische Goldmedaille – unter erschwerten Bedingungen.

RB_Neuheiten_Briefmarke_Legendaere_Olympiamomente_1

Im ersten Umlauf hatten Winkler und Halla gewohnt souverän begonnen, doch an Sprung 13 durchfuhr den Reiter plötzlich ein stechender Schmerz. Ein Muskel in der Leiste war gerissen, Winkler brachte den Umlauf zwar irgendwie zu Ende, aber der Traum vom Sieg war eigentlich dahin.

Winkler wurde mit Spritzen und mit Zäpfchen behandelt. „Alles, was schmerzstillend war, haben sie in mich hineingepumpt“, erzählte Winkler später in der „Welt am Sonntag“. Mit dem Ergebnis, dass er so sediert war, dass man ihn mit starkem Kaffee wieder einigermaßen wach machen musste. So ging es noch einmal in den Parcours.

Der Reiter konnte sich kaum im Sattel halten, das Pferd zu führen, war fast unmöglich, Winkler hing mehr auf dem Pferd, als dass er saß. Bei jedem Hindernis schrie er vor Schmerz. „Es war ein reines Martyrium“, sagte er. Halla und Winkler blieben als einziges Paar fehlerfrei.  Der junge und später legendäre Fernsehreporter Hans-Heinrich Isenbart jubelte: „Und Halla lacht, als wüsste sie genau, um was es geht.“ Gold für Winkler im Einzel, Gold für Deutschland mit Fritz Thiedemann und Alfons Lütke-Westhues in der Mannschaft.  Fortan galt die Stute als Wunderpferd.

Die zweite Zuschlagsmarke, im Wert von 85 + 40 Cent, erinnert an eine Begebenheit bei den Olympischen Winterspiele in Lake Placid 1980.

RB_Neuheiten_Briefmarke_Legendaere_Olympiamomente_2

„Wo ist Behle?“ Am 17. Februar 1980 stellt ZDF-Reporter Bruno Moravetz in Lake Placid diese Frage.

An jenem Tag war der 19-jährige Nachwuchslangläufer aus Willingen einer von vier bundesdeutschen Teilnehmern beim olympischen 15-Kilometer-Lauf. Mit einer frühen Startnummer ausgestattet stürmte der junge Mann bei der 5-Kilometer-Marke an die Spitze des Feldes. Das aber kann Moravetz nur auf der Liste der Zwischenzeiten erkennen. Weil die Fernsehkameras in den verschneiten Wäldern des Mount van Hoevenberg den jungen Behle nicht einfingen, rief der ZDF-Mann mit seiner tiefen Stimme immer wieder verzweifelt nach ihm.  Am Ende kam Behle als bester Mitteleuropäer sensationell auf den zwölften Platz. In einem Rennen, das auch aus einem anderen Grund in die Sportgeschichte eingegangen ist. Denn den Sieger Thomas Wassberg aus Schweden trennte damals vom Zweiten Juha Mieto (Finnland) nur eine Hundertstelsekunde – der Internationale Skiverband schaffte daraufhin die Messung in Hundertsteln beim Langlauf ab.

Die dritte Sondermarke erzählt von den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles 1984. Der Ausspruch „Flieg, Albatros, flieg!“ auf dem Wert zu 145 + 55 Cent bezieht sich auf den deutschen Schwimmer Michael Groß. Der machte seinem Namen mit einer Größe von über zwei Metern alle Ehre. Den Spitznamen „Albatros“, hatte er 1983 aufgrund der enormen Spannweite seiner Arme beim Schmetterlingsschwimmen von einem Reporter der französischen Sportzeitung L’Equipe bekommen.

RB_Neuheiten_Briefmarke_Legendaere_Olympiamomente_3Der Anfeuerungsruf auf der Briefmarke stammt von Jörg Wontorra. Über 200 Meter Schmetterling ging Groß, der zuvor überraschend Olympiasieger über 100 m geworden war, als Favorit ins Rennen und führte nach der letzten Wende das Feld an. Doch die Konkurrenz holte auf. „Flieg, Albatros, flieg…!“, feuerte ARD-Reporter Wontorra den Offenbacher an. Es reichte „nur“ zu Silber. Außenseiter John Siben aus Australien schnappte Groß Gold und den Weltrekord weg.

(Autor: KJA)