Archiv des Autors: ospcberlin

100 Jahre Gelbes Trikot bei Tour de France

Seit 6. Juli läuft die 106. Tour de France. Start war diesmal in Brüssel. Bis zum 28. Juli müssen die Fahrer 21 Etappen und 3480 Kilometer bewältigen. Das begehrteste Trikot ist nach wie vor das Gelbe – das Maillot Jaune. grand-depart-tour-de-france-2019-thumb

Vor 100 Jahren wurde es bei der Tour de France als begehrteste Trophäe des Radsports eingeführt. Aus diesem Anlass weist der Dress des Spitzenreiters in diesem Jahr jeden Tag ein unterschiedliches Design auf – zum Teil mit Abbildungen von berühmten Fahrern oder historischen Bergpässen.

Und auch philatelistisch ist dieses Trikot-Jubiläum entsprechend gewürdigt worden. Die Royal Mail Post der Niederlande hat aktuell eine von der Royal Dutch Mint geprägte Silbermarke (999/1000) in einer streng limitierten Auflage von 2000 Stück in einer luxuriösen Sammlerverpackung auf den Markt gebracht. Die Marke hat offiziellen Status und kann (aus den Niederlanden) für Einschreibsendungen verwendet werden, was jedoch nicht unbedingt empfohlen wird!

In Frankreich und Belgien gab es in diesem Jahr keine offiziellen Briefmarken zur Tour oder zum Trikot-Jubiläum. Aber die Belgier haben wenigstens an die Münz- und Abzeichen-Sammler gedacht.

Die Königliche Münze Belgiens verausgabte zum Tour-Start eine 2-1/2 Euro-Gedenkmünze  und würdigte damit auch das 100jährige Jubiläum des Gelben Trikots. Die Münze in Blister besteht aus 10,5g Messing, hat einen Durchmesser von 25,6 mm und erschien in Stempelglanz in einer Auflage von 120.000 Exemplaren.

Interessant ist auch die belgische Abzeichenserie, die sich auf fünf verschiedenen Motiven mit den jeweiligen Trikotfarben der Tour de France befasst.  Auf den Abbildungen (oben) sind u.a. mit dem ersten Träger des Gelben Trikots vor 100 Jahren, Eugéne Christophe, und Seriensieger Eddy Merckx zwei Tour-Legenden dargestellt worden.

Indirekt mit der diesjährigen Tour de France und dem Gelben Trikot hat aber auch eine aktuelle Briefmarkenausgabe aus Monaco zu tun. Am 15. September 2019 wäre Fausto Coppi 100 Jahre alt geworden. Die monegassische Post hat ihm zu Ehren am 29. Mai eine Sondermarke in einer 40 000-er Auflage herausgegeben. Die Marke hat den Wert von 0,86 € und erschien in 10er-Kleinbogen sowie auf einem FDC. Das Motiv basiert auf einer Zeichnung des Künstlers Thierry Mordant und zeigt den berühmten italienischen Radfahrer.Sonderbriefmarke-aus-Monaco-vom-Mai-2019-abgebildet-ist-die-italienische-Radsportlegende-Fausto-Coppi-1 Er gewann zweimal die Tour de France, fünfmal den Giro d´Italia und war dreimal Weltmeister. Vor 70 Jahren gelang ihm ein historischer Erfolg. Als erster Fahrer in der Geschichte gewann Coppi den Giro und die Tour im selben Jahr. 1952 konnte er dieses Kunststück wiederholen. Mit Fausto Coppi begann eigentlich der moderne Radsport. Sein systematisches Training, seine bewusste Ernährung, sein optimales Material und sein taktisches Vermögen waren Vorbild für die nachfolgenden Generationen. Coppi experimentierte aber auch schon mit leistungssteigernden Substanzen, was damals jedoch noch nicht verboten war.

FDCFaustoCoppi-500x500

Der „Campionissimo“ starb am 2. Januar 1960 im Alter von nur 40 Jahren an einer Malaria-Infektion. Auch dieser frühe Tod hat dazu beigetragen, dass Fausto Coppi zu jenem mythischen Helden geworden ist, der bis heute gefeiert wird.

Auch in Frankreich, wo der Tour-Tross in diesem Jahr am Col d’Izoard sein Denkmal passieren wird.

Cycling: 90e Giro d'Italia / Stage 12

 

Übrigens, das historische Doppel von Giro und Tour de France ist nach Coppi nur noch sechs Rennfahrern gelungen: Jaques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault, Stephen Roche, Miguel Indurain und Marco Pantani.

 

1919 steckte Henri Desgrange, der Erfinder der Frankreich-Rundfahrt, den Ersten der Gesamtwertung in das Maillot Jaune, damit die Fans sehen konnten, wer vorn liegt. Der Franzose Eugène Christophe war der erste Träger.

Wer  vom Gelben Trikot spricht, kommt an einem Mann aber nicht vorbei: Vor exakt 50 Jahren startete Eddy Merckx in Roubaix zu seiner ersten Tour de France. Es dauerte nur drei Tage, bis der damals 24-jährige Belgier sein erstes Gelbes Trikot holte, und danach ging es so richtig los: Bis zum Ende seiner Karriere 1978 gewann Merckx fünfmal die Tour und nahm 111-mal auf den Siegerpodien das begehrte Trikot entgegen. Dass dies am Ende „nur“ 97 Tage in Gelb bedeutete, lag daran, dass damals immer mal wieder Halbetappen (zwei an einem Tag) gefahren wurden. Im Gegensatz zu Fausto Coppi, zu dessen Zeit noch keine Dopinglisten existierten , wurde Merckx mehrfach positiv auf verbotene Substanzen getestet, was aber seiner Popularität in Radsportkreisen und bei Veröffentlichungen auf Briefmarken kaum etwas ausmachte.

Radsport Belgische Tourgewinner 12.6.2017

Das Maillot Jaune gehörte in Merckx’ aktiver Zeit so gut wie ihm. Durch seine Erfolge geadelt wurde er 1996 zu Baron Édouard Louis Joseph Merckx. Mit 34 Etappensiegen steht der Belgier  noch heute an der Spitze der Rekordliste. Bei seinem Tour-Debüt 1969 holte sich Merckx übrigens nicht nur Gelb. Er gewann dazu die Sprint- und die Bergwertung sowie auch noch sieben Etappen. Danach nannte man ihn den Kannibalen, auch weil er von Taktik nicht viel hielt. Merckx schwang sich in den Sattel und gab „Vollgas“. Nur eines gelang ihm nie: das Gelbe Trikot von der ersten bis zur letzten Etappe einer Tour zu tragen. Das schaffte nur 1924 der Italiener Ottavio Botecchia.2246683-46832455-2560-1440

50 Jahre nach seinem ersten Tourstart wurde  die 106. Tour de France zu Ehren von Eddy Merckx diesmal in Brüssel gestartet. Natürlich vollzog der „Altmeister“ unter dem Jubel tausender Zuschauer den Ehrenstart!

 

(Autor: KJA)

Werbeanzeigen

„Der Skisport war sein Leben“ – auf den Spuren von Birger Ruud in Bad Freienwalde

Die gemeinsame philatelistische Aktion des OSPC Berlin und des WSV Bad Freienwalde in Sachen 1. Deutscher Skiflugpost vom 25. Mai (siehe vorherigen Artikel) fand am 6. Juni noch eine Fortsetzung. Der OSPC war zu Gast zu einem gemeinsamen Foyer-Gespräch in der Konzerthalle St. Georg in Bad Freienwalde.

OSPC-Mitglied und Olympia-Experte Volker Kluge erinnerte in seinem sehr interessanten, mit vielen historischen Belegen gespickten Power-Point-Vortrag nicht nur an Birger Ruud, sondern auch an dessen sportliche Brüder Sigmund und Asbjörn, die ebenfalls zu Weltmeisterehren kamen.

IMG_4966

Der Norweger hatte im Vorfeld der Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen während seines Berliner Studienaufenthaltes auf der Schanze in Bad Freienwalde trainiert und mit 40,5 Metern einen Schanzenrekord aufgestellt.

Ruud war einer der weltbesten Skispringer der Vorkriegszeit. Der dreimalige Weltmeister holte sich bei den Olympischen Spielen 1932 und 1936 jeweils die Goldmedaille im Springen von der Normalschanze. Nach dem 2. Weltkrieg startete er im Alter von 36 Jahren noch einmal bei Olympischen Spielen und gewann 1948 in St. Moritz Silber.

Birger Ruud BriefmarkeDie Sonderbriefmarke entstammt einem Vierer-Block mit Abbildungen von ehemaligen norwegischen olympischen Medaillengewinnern und wurde anlässlich der Winterspiele 1994 in Lillehammer herausgegeben.

Im Rahmen des abendlichen Foyer-Gesprächs, zu dem 30 Gäste gekommen waren, unter ihnen Bürgermeister Ralf Lehmann und der dreifache Olympiasieger in der Nordischen Kombination Ulrich Wehling, gab es noch ein Präsent für die Gastgeber vom WSV Bad Freienwalde. Der „Birger-Ruud-Pokal“, der zunächst als Geschenk des Skimuseums im norwegischen Kongsberg nach Oberhof in die damalige Wintersport-Ausstellung und nach deren Auflösung ins Berliner Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf gekommen war, hat nun, auch dank der Initiative des OSPC, seine feste Heimstatt beim Wintersportverein bekommen – vielleicht als Ehrenpreis für den besten Nachwuchsspringer?  Dass der kleine Pokal irgendwann einmal einen würdigen Platz finden sollte, war auch Wunsch von Jan Knapp.

IMG_4969

Ihm war der Pokal 1994 vom Direktor des Bergwerks-und Skimuseums im norwegischen Kongsberg als Geschenk für seine Oberhofer Wintersport-Ausstellung übergeben worden. Er zeigt den legendären Skispringer im typischen Kongsberg-Stil mit Hüftknick und ausgebreiteten Armen. Die Statue ist eine stark verkleinerte Nachbildung des großen Bronze-Denkmals in Kongsberg. Das dortige Skimuseum war einst von Birger Ruud und Petter Hugsted gegründet worden. 5000 Exponate zeugen von den Erfolgen des norwegischen Skisports zwischen 1924 und 1952.

Jan Knapp, der in Falkenberg in der Nähe von Bad Freienwalde groß geworden ist und für die „Pokalübergabe“ extra aus seinem jetzigen Wohnort Wolgast zum Foyer-Gespräch angereist war, erinnerte in seiner kleinen Rede noch daran, dass Birger Ruud 1931 mit 19 Jahren seinen ersten WM-Titel bei den FIS-Rennen in Oberhof gewonnen hatte.

IMG_4985

Ruud-Pokalübergabe an WSV-Vorstand Günter Lüdecke (M.) durch Jan Knapp (L.) und OSPC-Vorsitzenden Thomas Lippert.

Im Anschluss an Vortrag und Pokal-Überreichung gab es in der Bad Freienwalder Konzerthalle St. Georg noch eine lebhafte Diskussion mit Olympiasieger-und Weltmeister Ulrich Wehling über Sprungstile, Wettbewerbe für Frauen in der Nordischen Kombination und über gute Ratschläge für die beiden jungen Skispringer Moritz Terei und Max Unglaube, die ab dem kommenden Schuljahr von Bad Freienwalde nach Oberhof auf die Sportschule wechseln.

csm_IRSWPPROD_LWUD1_676825c19e

Starke Ausbeute: Moritz Terei (links) und Max Unglaube (rechts) vom WSV Bad Freienwalde präsentieren ihre Medaillen und Pokale vom Schülercup. Stefan Wiedmann (Mitte) trainiert die beiden Skispringer inzwischen schon seit einigen Jahren.© Foto: Conradin Walenciak

Die beiden sind derzeit Deutschlands Beste in den Altersklassen 12 und 13. Auf die Frage, wie sie sich als „Flachländer“ gegen die zu erwartenden Hänseleien der „Gebirgler“ am besten durchsetzen können, gab ihnen Ulrich Wehling mit auf den Weg, „dass dagegen nur starke Leistungen überzeugen können!“ Oder vielleicht auch mal ein dezenter Hinweis, dass man ja schon jetzt auf einer Briefmarke abgebildet ist.

Nachdem der Verein anlässlich des Internationalen Skispringens am 25. Mai rund 150 Flugpostkarten mit drei verschiedenen Briefmarken Individuell absetzen konnte, hat man nach diesem Erfolg noch zwei Briefmarkenmotive nachbestellt. Und darauf sind die beiden Nachwuchs-Hoffnungen Unglaube und Terei verewigt worden.

Da haben sie sogar dem berühmten Olympiasieger Wehling etwas voraus, der aber immerhin sein Autogramm auf der Flugpostkarte des WSV Bad Freienwalde hinterließ.

Ulrich Wehling ist nach wie vor der erfolgreichste Nordische Kombinierer aller Zeiten bei Olympia. 1972 in Sapporo, 1976 in Innsbruck und 1980 in Lake Placid wurde der gebürtige Hallenser (auch Flachländer!) dreimal nacheinander Olympiasieger. 1974 kam ein Weltmeistertitel hinzu. Und zur norwegischen Berühmtheit wurde er, und das hätte auch Birger Ruud gefreut, als er dreimal die Nordische Kombination beim berühmten Holmenkollen Skifestival in Oslo gewinnen konnte. Ulrich-Wehling-1952-GDR

Nach seiner aktiven Laufbahn arbeitete er zunächst als stellvertretender Generalsekretär im Deutschen Skiläuferverband der DDR und nach der Wende für fast zwei Jahrzehnte als FIS-Direktor für Nordische Kombination beim Ski-Weltverband. Und auf einer Briefmarke wurde er auch verewigt, wenn auch „nur“ auf einer von Ajman 1972 zu Ehren seines ersten Olympiasieges.

 

Von der Veranstaltung gibt es ein Video auf YouTube, das unter folgendem Link abgerufen werden kann: https://youtu.be/HfuDJOPCXFA

(Autor: KJA)

„Deutsche Skiflug-Post“- Premiere in Bad Freienwalde

Als ich in diesem Blog und im Journal 02/2018 des Olympia- und Sport-Philatelisten-Clubs-Berlin in der Titelgeschichte über die 1.Welt-Skiflugpost anlässlich der Skiflugwoche 1959 am Kulm in Österreich berichtete, hätte ich nicht geglaubt, dass es 60 Jahre später eine Neuauflage geben würde – nämlich die 1. Deutsche Skiflugpost!

 

Initiator dafür war diesmal der Wintersportverein 1923 Bad Freienwalde, der die Idee von damals aufgriff und sie nach intensiven philatelistischen „Fach“-Gesprächen mit uns vom OSPC Berlin am 25. Mai 2019 in die Tat umsetzte.

An diesem Tag wurde im nördlichste Skisprungzentrum Deutschlands das Internationale Sommerspringen um den Pokal des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg ausgetragen. Zu Gast waren 150  Nachwuchs-Skispringer aus Deutschland und Polen.

Beste Gelegenheit auch für die Flugpost-Premiere in Deutschland. Der Verein hatte 500 Sonderpostkarten und drei Sonder-Briefmarken Individuell herstellen lassen. Auf der Vorderseite der Karte mit Bild von der Schanzenanlage waren Startnummer und Name des Springers eingetragen. Nach dem „Flug ins Tal“ kamen die Karten zur „Schanzenpost“, wo sie mit dem WSV-Stempel sowie einem roten Zusatzstempel „1. Deutsche Skiflug-Post, 25. Mai 2019, Internationales Skispringen Bad Freienwalde“ versehen wurden.

IMG_20190525_0001_NEW

IMG_4937

Zum Frankieren standen drei verschiedene Motive auf Briefmarken Individuell zur Verfügung. Auf Zweien waren Fotos von der wunderschönen Anlage im Papengrund zu sehen. Auf dem dritten Motiv war ein Skispringer abgebildet. Bei ihm handelt es sich um Max Unglaube, den derzeit besten Springer des WSV Bad Freienwalde. IMG_20190525_0001_NEW 4Der 12jährige ist amtierender Deutscher Meister seiner Altersklasse und hat in diesem Jahr die internationale Qualifikation für den FIS-Cup geschafft. Zur kommenden Saison wechselt Max gemeinsam mit seinem Teamkameraden Moritz Terei auf das Sportgymnasium in Oberhof. Über ihren weiteren Entwicklungsweg sind wir sehr gespannt.

csm_1029704236_c5e0475796

Max Unglaube (rechts) und Moritz Teer (links) gehören derzeit noch der 16-köpfigen Trainingsgruppe von Stephan Weidmann in Bad Freienwalde an.

Die frankierten Postkarten, die für zwei Euro vom Verein verkauft wurden (ein Teil des Erlöses wird für die Modernisierung des Skistadions genutzt) , fanden großen Absatz. Und die meisten Karten wurden gleich vor Ort beschrieben und in den Sonderbriefkasten geworfen, dessen Inhalt nach der Veranstaltung bei der Post in Bad Freienwalde „geleert“ und dort auch offiziell abgestempelt wurde.

„Schanzen-Postbeamter“ war WSV-Vorstand Burghard Irrgang (hier rechts im Bild mit WSV-Schatzmeister und Hauptinitiator der Postaktion, Günther Lüdecke – in der Mitte). 

Die gemeinsame philatelistische Aktion des OSPC  und des WSV  findet am Donnerstag, den 6. Juni  ihre Fortsetzung. Die OSPC-Mitglieder sind dann zu Gast in Bad Freienwalde zu einem Foyer-Gespräch. OSPC-Mitglied und Olympia-Experte Volker Kluge wird in einem Vortrag an Birger Ruud erinnern. Der norwegische Doppel-Olympiasieger von 1936 hatte im Vorfeld der Winterspiele in GarmisIMG_3855ch-Partenkirchen während seines Berliner Studienaufenthaltes auf der Schanze in Bad Freienwalde trainiert.

Mit 24 Metern hielt er damals sogar den Schanzenrekord. Im Rahmen des Foyer-Gesprächs wird es auch noch eine „Pokal-Übergabe“ geben. Der „Birger-Ruud-Pokal“, der als Geschenk des Skimuseums im norwegischen Kongsberg zunächst nach Oberhof und dann nach Berlin ins Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf gekommen war, soll nun seine feste Heimstatt in Bad Freienwalde beim WSV bekommen – vielleicht als Wanderpokal für den besten Nachwuchsspringer.

Treffpunkt der OSPC-Mitglieder und interessierter Sammlerfreunde für die Veranstaltung ist am 6.6.2019, 18 Uhr an der Konzerthalle St.Georg in Bad Freienwalde, Georgenkirchstr. 1.  Vor Beginn der Veranstaltung (19 Uhr) besteht die Möglichkeit zur Besichtigung der Schanzenanlage im Papengrund.

 

(Text und Fotos: KJA)

 

 

„Olympiamomente“ auf deutschen Sportbriefmarken 2019

Ab 2. Mai 2019 gibt es an den Postschaltern wieder drei Zuschlagsmarken zugunsten der Stiftung Deutsche Sporthilfe – diesmal mit legendären Olympiamomenten. Für uns Sportphilatelisten kein besonderer Grund zum Jubeln. Denn die Aufmachung erinnert stark an die Sporthilfemarken des vergangenen Jahres. Ein bisschen mehr Kreativität hatten wir eigentlich erwartet! Erneut zieren ausgesuchte Zitate von Sportreportern die Markenbilder, die diesmal stark „verpixelt“ daherkommen.

efim1610012_Z_1_150412591_Ersttagsbrief_mit_dem_Plus_Sport_2019_800x600

Die erste Briefmarke im Wert von 70 + 30 Cent behandelt eine Episode von den Olympischen Spielen 1956 in Stockholm, wo parallel zu den Sommerspielen in Melbourne die Reitsportwettweberbe ausgetragen wurden. Damals gewann der deutsche Springreiter Hans Günter Winkler seine erste olympische Goldmedaille – unter erschwerten Bedingungen.

RB_Neuheiten_Briefmarke_Legendaere_Olympiamomente_1

Im ersten Umlauf hatten Winkler und Halla gewohnt souverän begonnen, doch an Sprung 13 durchfuhr den Reiter plötzlich ein stechender Schmerz. Ein Muskel in der Leiste war gerissen, Winkler brachte den Umlauf zwar irgendwie zu Ende, aber der Traum vom Sieg war eigentlich dahin.

Winkler wurde mit Spritzen und mit Zäpfchen behandelt. „Alles, was schmerzstillend war, haben sie in mich hineingepumpt“, erzählte Winkler später in der „Welt am Sonntag“. Mit dem Ergebnis, dass er so sediert war, dass man ihn mit starkem Kaffee wieder einigermaßen wach machen musste. So ging es noch einmal in den Parcours.

Der Reiter konnte sich kaum im Sattel halten, das Pferd zu führen, war fast unmöglich, Winkler hing mehr auf dem Pferd, als dass er saß. Bei jedem Hindernis schrie er vor Schmerz. „Es war ein reines Martyrium“, sagte er. Halla und Winkler blieben als einziges Paar fehlerfrei.  Der junge und später legendäre Fernsehreporter Hans-Heinrich Isenbart jubelte: „Und Halla lacht, als wüsste sie genau, um was es geht.“ Gold für Winkler im Einzel, Gold für Deutschland mit Fritz Thiedemann und Alfons Lütke-Westhues in der Mannschaft.  Fortan galt die Stute als Wunderpferd.

Die zweite Zuschlagsmarke, im Wert von 85 + 40 Cent, erinnert an eine Begebenheit bei den Olympischen Winterspiele in Lake Placid 1980.

RB_Neuheiten_Briefmarke_Legendaere_Olympiamomente_2

„Wo ist Behle?“ Am 17. Februar 1980 stellt ZDF-Reporter Bruno Moravetz in Lake Placid diese Frage.

An jenem Tag war der 19-jährige Nachwuchslangläufer aus Willingen einer von vier bundesdeutschen Teilnehmern beim olympischen 15-Kilometer-Lauf. Mit einer frühen Startnummer ausgestattet stürmte der junge Mann bei der 5-Kilometer-Marke an die Spitze des Feldes. Das aber kann Moravetz nur auf der Liste der Zwischenzeiten erkennen. Weil die Fernsehkameras in den verschneiten Wäldern des Mount van Hoevenberg den jungen Behle nicht einfingen, rief der ZDF-Mann mit seiner tiefen Stimme immer wieder verzweifelt nach ihm.  Am Ende kam Behle als bester Mitteleuropäer sensationell auf den zwölften Platz. In einem Rennen, das auch aus einem anderen Grund in die Sportgeschichte eingegangen ist. Denn den Sieger Thomas Wassberg aus Schweden trennte damals vom Zweiten Juha Mieto (Finnland) nur eine Hundertstelsekunde – der Internationale Skiverband schaffte daraufhin die Messung in Hundertsteln beim Langlauf ab.

Die dritte Sondermarke erzählt von den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles 1984. Der Ausspruch „Flieg, Albatros, flieg!“ auf dem Wert zu 145 + 55 Cent bezieht sich auf den deutschen Schwimmer Michael Groß. Der machte seinem Namen mit einer Größe von über zwei Metern alle Ehre. Den Spitznamen „Albatros“, hatte er 1983 aufgrund der enormen Spannweite seiner Arme beim Schmetterlingsschwimmen von einem Reporter der französischen Sportzeitung L’Equipe bekommen.

RB_Neuheiten_Briefmarke_Legendaere_Olympiamomente_3Der Anfeuerungsruf auf der Briefmarke stammt von Jörg Wontorra. Über 200 Meter Schmetterling ging Groß, der zuvor überraschend Olympiasieger über 100 m geworden war, als Favorit ins Rennen und führte nach der letzten Wende das Feld an. Doch die Konkurrenz holte auf. „Flieg, Albatros, flieg…!“, feuerte ARD-Reporter Wontorra den Offenbacher an. Es reichte „nur“ zu Silber. Außenseiter John Siben aus Australien schnappte Groß Gold und den Weltrekord weg.

(Autor: KJA)

 

Sind Olympische Spiele noch zeitgemäß? – Rekordbesuch bei OSPC-Veranstaltung am 6. April

Der Olympia-und Sport-Philatelisten-Club Berlin hatte wieder einmal gemeinsam mit dem Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf zu einer öffentlichen Klub-Veranstaltung eingeladen. Vortrag und Diskussion standen diesmal ganz im Zeichen der Gründung des Internationalen Olympischen Komitees vor 125 Jahren.  Das Publikumsinteresse war so groß, dass kaum die Stühle reichten. Rund 100 Gäste, unter ihnen viele ehemalige erfolgreiche Leistungssportler und Olympia-Teilnehmer, aber auch etliche OSPC-und IMOS Mitglieder waren an diesem frühlingshaften Samstagvormittag ins Sportmuseum gekommen. Am Ende der knapp zweistündigen sehr interessanten Veranstaltung stand die Erkenntnis, dass der friedliche olympische Wettstreit durchaus eine Zukunft hat.

OSPC-Mitglied Volker Kluge, einer der weltweit anerkanntesten Olympia-Experten und Autor unzähliger Olympia-Bücher, gab mit seinem  40-minütigen Vortrag die Einstimmung auf das Thema, das durchaus auch philatelistische  Bezüge hatte.

Die Ausgaben der französischen Post  von 1956  und 1994 würdigten Pierre de Coubertin und den 100. Gründungstag des IOC.

1894 war in Paris auf einem internationalen Sportkongress die Wiederaufnahme der Olympischen Spiele der Neuzeit beschlossen worden. Zwei Jahre später wurden die ersten Wettbewerbe in Athen ausgetragen. Zur Umsetzung und Verbreitung dieser Idee wurde am letzten Kongresstag das Comité International Olympique ins Leben gerufen. Deshalb wird der 23. Juni 1894 offiziell als Gründungsdatum des IOC angesehen. Eng verbunden ist dies alles mit dem französischen Baron Pierre de Coubertin, dessen olympische Visionen und Handlungen im Vortrag von Volker Kluge eindrucksvoll dargestellt wurden.

Abbildungen aus einem Artikel über das IOC-Jubiläum im „Journal of Olympic History“ (1/2019), dessen Chefredakteur Volker Kluge ist.

51 Olympische Spiele im Sommer und Winter sind in den vergangenen 125 Jahren unter Schirmherrschaft des IOC veranstaltet worden. Und weitere werden folgen. Noch lebt die olympische Idee, auch wenn sich kritische Stimmen häufen, die eine Begrenzung oder gar ein Ende des Gigantismus fordern.

Für die  anschließende Diskussion zum Thema „Sind Olympische Spiele noch zeitgemäß?“ sorgte eine bestens besetzte Vierer-Runde, die es gemeinsam auf bisher 60 Olympiateilnahmen gebracht hat. Allen voran OSPC-Mitglied Dr. Günter Heinze, der von 1981 bis 1992 IOC-Mitglied war und seitdem Ehrenmitglied des olympischen Führungszirkels ist. Briefmarke Günther Heinze - 1992

Der heute 95jährige war seit 1952 in Helsinki bei insgesamt 24 Olympischen Spielen mit dabei. Der OSPC Berlin hatte 2013 Dr. Günter Heinze zum 90. Geburtstag mit einer Marke Individuell geehrt.

Auf fünf Olympia-Teilnahmen brachte es Ehrengast Dr. Roland Matthes. Der vierfache Olympiasieger ist bis heute der erfolgreichste Rückenschwimmer aller Zeiten, war zwischen April 1967 und August 1974 sieben Jahre ungeschlagen.

s-l1600

Der heutige Orthopäde war 1968 und 72 in Mexiko und München Doppel-Olympiasieger über 100 und 200 Meter Rücken geworden. Jeweils zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen  runden seine olympische Bilanz ab. Er schwamm 21 Welt- und 29 Europarekorde, war dreimal Weltmeister. Der Numisbrief würdigt ihn als Legende des deutschen Sports. Roland Matthes wurde 2006 als erster DDR-Sportler in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

Die Diskussionsrunde komplettierten die OSPC-Mitglieder Volker Kluge, der 18 Mal von den Spielen als Journalist berichtet hat sowie Klaus-Jürgen Alde, der 13 Mal für den DDR- und ARD-Hörfunk bei Olympischen Spielen als Reporter tätig war und die Diskussionsrunde im Sportmuseum moderierte.

IMG_4097(v.l.n.r.) Volker Kluge, Dr. Günter Heinze, Dr. Roland Matthes, OSPC-Vorsitzender Thomas Lippert, OSPC-Mitglied Dr. Christian Kunz und Klaus-Jürgen Alde nach der Veranstaltung bei der Überreichung eines philatelistischen Geschenks an Roland Matthes.

In einer lebhaften Diskussion ging es u.a. um aktuelle Tendenzen der olympischen Idee, den Stellenwert von Teilnahme und Erfolg im Leben eines Olympiasiegers, um die Wertschätzung des Sports durch die Gesellschaft, um die diplomatische Verhandlungskunst eines IOC-Mitgliedes, um Fernseh-Einschaltquoten beim Sport, um Defizite bei der Ausbildung von Nachwuchssportlern, um die Geldverteilung beim IOC, um die Lockerung des Werbeverbots für Olympiateilnehmer und natürlich auch um die Chancen einer erneuten deutsche Olympiabewerbung.

Matthes-Briefmarkenbogen

Der OSPC Berlin überraschte Roland Matthes mit einem Extra-Bogen mit 20 Briefmarken Individuell, die Stationen seiner sportlichen Laufbahn dokumentieren. 

Unsere Gäste im Sportmuseum erhielten eine Erinnerungskarte mit einem Foto von Roland Matthes und den entsprechenden Veranstaltungsdaten auf der Rückseite. Karten mit Original-Autogramm der Schwimm-Legende sowie „Matthes-Briefmarke“ mit Tagesstempel gingen inzwischen per Post an alle unsere OSPC-Mitglieder. 

 

(Autor: KJA – Fotos: HJO)

„Hinfallen ist keine Schande – nur liegenbleiben!“ Zum sportlichen Abschied von Ski-Rennläufer Felix Neureuther

Während Fußball-Stars wie Thomas Müller, Matts Hummels und Jerome Boateng von ihrem Bundestrainer überraschend und unwiderruflich aus der Nationalmannschaft wegen angeblicher Leistungsschwäche einfach mal so „zurückgetreten“ werden, hatte Deutschlands bekanntester alpiner Skirennläufer schon seit längerer Zeit selbst mit dem Gedanken des Abschieds vom Leistungssport gespielt. Im Rahmen des Saisonfinals in Soldeu (Andorra) am 17.März gab Felix Neureuther nun seinen endgültigen Rücktritt bekannt.

Philatelistisch wurde sein Karriereende eher zufällig von der Post Andorras gewürdigt, die anlässlich des Ski-Weltcup-Finals in Soldeu eine Sonderbriefmarke herausgegeben hatte. In Deutschland schaffte es Neureuther immerhin auf eine Briefmarke Individuell der Deutschen Post.

Mit insgesamt fünf WM-Medaillen, 13 Weltcup-Siegen in Slalom und Riesenslalom sowie 41 Weltcup- Podestplätzen geht der 34jährige als erfolgreichster deutscher Skirennfahrer in die Geschichte ein.

bild.php

Der Deutsche Skiverband würdigte Felix Neureuther nach seinem Karriereende ausführlich und emotional in einer Pressemitteilung, die zunächst an seine sportlichen Anfänge erinnerte:

Die Weltelite des alpinen Skirennsports kämpft 2003 im Schweizer Nobelskiort St. Moritz um WM-Medaillen. Gegen Ende der Veranstaltung betritt Felix Neureuther, 18 Jahre alt, Sohn der Skilegenden Rosi Mittermaier und Christian Neureuther das Teamhotel.  Ein erster Auftritt, der die Taktung für die folgenden 16 Profijahre vorgibt: „Gefällt mir gut hier. Am Eingang habe ich gleich zwei super Hasen gesehen.“  Ein lockerer Spruch, der das Eis zwischen Sportler und Öffentlichkeit bricht. Zwei Tage später legt der Youngster sportlich nach, mit ihm wird zu rechnen sein: Laufbestzeit im zweiten Durchgang des WM-Slaloms, das erste große Rennen auf Platz 15 beendet – Respekt!

Von dem Moment an, da Felix Neureuther die internationale Bühne des Skirennsports betreten hat, ist klar, der junge Mann hat Talent, Charme und Witz. Er kann gut Skifahren und ist schlagfertig. Die Erwartungshaltung, nach Wasmeier, Bittner und Wörndl in Deutschland einen neuen Ski-Star bejubeln zu können, steigt vom ersten Tag an. Felix aber fällt in den ersten Jahren eher als rasanter Teilzeitengewinner auf, der nach Einfädlern oft nicht ins Ziel kommt.

Der junge Neureuther muss einem inneren und äußeren Erwartungsdruck gerecht werden, sich dabei auch von den Ski-Erfolgen seiner Eltern freifahren. Das ein oder andere Mal scheint das nicht zu gelingen. Seine Art und sein unglaubliches Bewegungstalent reichen erst einmal nicht aus, um sich in der absoluten Weltspitze zu etablieren. „Der Sohn von …“ wird kritisiert und muss schnell lernen, wie es sich anfühlt, öffentlich auch am Pranger zu stehen.

Es gibt Tage, da möchte Felix die Ski in die Ecke stellen. Doch nach und nach stellen sich die ersehnten Erfolge ein. Sie nehmen den Druck und motivieren weiter, das zu tun, was Felix am meisten Spaß macht: Skirennen fahren.

2005 gewinnt er in Bormio die erste von fünf WM-Medaillen, Gold bei der Premiere des Teamwettbewerbs. 2010 folgen Weltcup-Siege. Felix holt sich seine erste Gams in Kitzbühel und jubelt nicht weniger emotional mit seinen Heimfans über den Slalomsieg am Gudiberg. Fortan ist der smarte, lässige Ski-Held aus Garmisch-Partenkirchen das personifizierte Versprechen für die für Ski-Deutschland so wichtige Heim-WM nur ein Jahr später an selber Stelle.

 

Gruppenbild3Philatelistischer Auftritt: 

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, Hartmut Koschyk, stellte 2011 die WM-Briefmarke und die Münze in Garmisch-Partenkirchen der Öffentlichkeit vor.

Ein Album mit Erstdrucken des Sonderpostwertzeichens und die Gedenkmünze überreichte er dabei u.a. auch an Christian Neureuter (ganz links, daneben Sohn Felix) sowie an Rosi Mittermaier (ganz rechts).

MB-FIS-Ski-WM

Aber das erhoffte Freudenfest ist für Felix ein Tiefschlag: Nullnummer bei der Heim-WM, einer der bittersten Momente in seiner Karriere. „Ich wollte mich abschirmen, nur auf die Rennen konzentrieren und verkrampfte dabei total.“ Felix fehlt das, was ihn bisher stark gemacht hatte: mit Leichtigkeit, Cleverness, Urvertrauen in das eigene Tun und aus einer Freude heraus zu agieren. Daraus lernt er. Alles in seinem bisherigen Rennfahrerleben wird auf den Prüfstand gestellt. Am Ende steht der Entschluss, Felix fährt weiter. Professioneller und fokussierter. Aus Felix wird der erfolgreichste deutsche Skirennfahrer – dessen Eltern auch berühmte Skifahrer waren.

Mutter Rosi Mittermeier auf einer Briefmarke Individuell anlässlich ihrer Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports. Paraguay würdigte auf einer Marke ihre Erfolge von 1976.

919237

Exklusiver Gedenk-Briefmarken-Block „Olympische Winterspiele Innsbruck 1976″ – verausgabt von der Postverwaltung Zentralafrikas mit Original-Autogramm von Rosi Mittermaier! Ihre sportlichen Erfolge, ihre bayrische Herzlichkeit und ihr unkompliziertes Auftreten machten Rosi Mittermaier zu einer der populärsten Skirennläuferinnen aller Zeiten. 
Seit den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck, bei denen sie u.a. Gold in der Abfahrt und im Slalom gewann, ist sie für alle Welt die „Gold-Rosi“! Ehemann und Slalom-Spezialist Christian Neureuther ist sportphilatelistisch noch „unbeleckt“, wurde 2017 aber von der Stiftung Deutsche Sporthilfe mit der Goldenen Sportpyramide für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

 2013 gewinnt Felix Neureuther mit Silber im Slalom seine erste WM-Einzelmedaille in Schladming und feiert darüber hinaus drei Weltcup-Siege im Slalom. Im Winter 2013/14 bescherte er dem DSV außerdem den historischen Riesenslalomsieg in Adelboden. Felix´ Bilanz: 13 Weltcup-Siege, 47 Weltcup-Podestplatzierungen, fünf WM-Medaillen, davon drei bei drei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften, nach Silber in Schladming folgen Bronze in Vail und St. Moritz.

 Zur Kehrseite der Erfolge gehört Felix´ Krankenakte, allzu oft verletzte er sich zu denkbar ungünstigen Zeitpunkten: in Top-Form unmittelbar vor Großereignissen. Neureuther war auch der Rücken, Nacken oder das Knie der Nation, machte auch mit HWS-Trauma und lädiertem Bandscheiben Schlagzeilen: „Hinfallen ist keine Schande, nur liegenbleiben. Jammern gibt’s nicht.“ Felix suchte bei sportlichen Misserfolgen nicht nach Ausreden und akzeptierte Erfolge der Konkurrenz neidlos. An Jahrhundertskifahrer Marcel Hirscher musste auch er sich die Zähne ausbeißen: „Ich bin Marcel dankbar, dass er mit seinen Leistungen die Latte so hoch gelegt hat, durch ihn hatte ich die Möglichkeit, mich weiter zu entwickeln, noch besser zu werden.“

 Vielleicht firmiert Felix deshalb in Österreich, Südtirol und der Schweiz als „Lieblingsdeutscher“. Egal wo und mit welcher Zeit er durchs Ziel fährt – die Fans lassen ihn hochleben. Beim Night Race in Schladming feierten ihn 50.000 Fans als Achter wie einen Sieger. Österreichische Fans, bei einem Rennen in Österreich! Felix hat sich mit seinen Erfolgen und seiner Art bei der Konkurrenz Respekt erarbeitet und neben Freundschaften auch eine Fangemeinde über den Wintersport hinaus erschlossen. Er zählt zu den bekanntesten Sportlern in Deutschland und gilt als jemand, der für seine Überzeugungen einsteht.

 Er hat sich in die Herzen der Menschen gefahren. Auch oder gerade weil er neben der Piste für Gesprächsstoff sorgt, mit gehaltvollen und klaren Aussagen. Felix bezieht Standpunkte, wenn es um die Entwicklung der Olympischen Spiele oder andere sportpolitische oder gesellschaftlich relevante Themen geht. Ein weiteres Talent: Felix, der Schauspieler. Neureuther nutzt die Sozialen Medien auf eigene Art und Weise. Er pfeift auf regelmäßige Posts, setzt Dinge, treffsicher im Zeitgeist, nur ab, wenn ihm danach ist. Wirklich nutzt er seine Popularität für andere Dinge. Wichtig ist ihm, sich für andere Menschen zu engagieren: mit dem DSV-Felix-Neureuther-Race-Camp oder seiner Stiftung Beweg dich Schlau. Felix möchte Kinder in die Bewegung bringen. Weil Sport bei der Charakterbildung wichtig sein kann. Dafür steht der Sohn von Mittermaier und Neureuther nun mal.“

(Quelle: DSV-Pressemitteilung)

Und er freut sich nun auf mehr Zeit mit seiner Familie. Felix-und-Miriam-NeureutherSeit Sommer 2013 ist Felix Neureuther mit der ehemaligen Skilangläuferin und Biathletin Miriam Gössner  liiert.

Am 14. Oktober 2017 kam ihre gemeinsame Tochter auf die Welt. Seit dem 27. Dezember 2017 sind die beiden miteinander verheiratet.

 

 

 

 

(Autor: KJA)

Katastrophen und Tragödien – auch ein Thema für die Sportphilatelie

Manchmal gibt es wirklich merkwürdige Zufälle. Am 21. Januar 2019 verschwand auf der Strecke vom französischen Nantes ins walisische Cardiff ein Kleinflugzeug über dem Ärmelkanal plötzlich vom Radar und war zunächst verschollen. An Bord befand sich der 28jährige argentinische Fußballer Emiliano Sala, der auf dem Weg zu seinem neuen Klub Cardiff City war. In zuvor 120 Spielen für den FC Nantes hatte der Stürmer 42 Tore erzielt. Cardiff soll für ihn die vereinsinterne Rekordsumme von rund 17 Millionen Euro bezahlt haben. Emiliano Sala vermisst APA:AFP                             

Emiliano Sala – „Gardons Espoir“ Lasst uns weiter hoffen! Am 7. Februar starb auch diese Hoffnung. Die Leiche des Fußballers konnte aus dem Wrack des in den Ärmelkanal abgestürzten Flugzeuges geborgen und identifiziert werden. Die Familie und die Fußball-Welt trauert. (Foto: AFP)

Trauer in Turin

Fünf Tage nach dem Flugzeugabsturz mit Emiliano Sala an Bord erschien in Italien eine Briefmarke, die an den Fußballer Valentino Mazzola erinnert, den vor siebzig Jahren ein ähnliches Schicksal ereilt hatte.

26199.immagine2.2

In Deutschland werden ihn nur noch wenige Fußball-Fachleute kennen, in Italien aber ist er nach wie vor eine Legende. Valentino Mazzola war der große Star der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und wird noch heute als einer der bedeutendsten Fußballer des Landes verehrt. Auch von der italienischen Post, die ihn am 26. Januar 2019 bereits zum dritten Mal mit einer Briefmarke würdigte. Als Kapitän und Herzstück des Grande Torino, der legendären Erfolgsmannschaft des AC Turin, gewann Mazzola fünf italienische Meisterschaften und einmal den Pokal. Der Dreißigjährige, der auch in der National-Elf glänzte und eine ganz große Fußballer-Zukunft vor sich hatte, war am 4. Mai 1949 mit einem Großteil seiner Turiner Mannschaftskameraden bei einem tragischen Flugzeugabsturz ums Leben gekommen.

Mazzola

Die aktuelle Briefmarke erschien am 26.1.2019 anlässlich des 100. Geburtstages von Valentino Mazzola im Rahmen der Themenserie „Lo Sport“ in einer Auflage von 2,5 Millionen Exemplaren. Dazu gab es einen FDC mit Ersttagsstempel.

Die erste Ausgabe zur „Turiner Katastrophe“ veröffentlichte die Post 1999 zum fünfzigsten Jahrestag des Flugzeugabsturzes . Die 800-Lire-Marke zeigte ein „Phantombild“ der verunglückten Elf. Die 900-Lire-Marke erinnerte an die Namen der Opfer des AC Turin. Die 0,65 €-Marke wurde Mazzola 2009 im Rahmen eines Philatelie-Festivals zum Internationalen Sporttag gewidmet.

In den sechs Jahren vor dem Unglück von Superga verlor der AC Turin keines seiner 93 Heimspiele. 1947 wurden für ein Länderspiel gegen Ungarn  zehn Spieler des AC Turin, dem Heimatverein von Nationaltrainer Vittorio Pozzo  aufgestellt. Die Turiner spielten schon damals attraktiven Angriffsfußball. Aus einer sicheren Abwehr wurde das Mittelfeld schnell überbrückt und durch einen starken Angriff viele Tore erzielt. So kam es dazu, dass die Spieler um Kapitän Valentino Mazzola in der Saison 1947/48  in 40 Spielen 125 Tore schossen. unnamedIn der darauffolgenden Saison sicherte sich die Mannschaft durch ein 1:1 gegen Bari bereits fünf Spieltage vor Saisonende die Meisterschaft, was den Präsidenten dazu veranlasste, ein Freundschaftsspiel in Lissabon  zu vereinbaren.

Der Heimflug von diesem Spiel startete in Lissabon um 09:52 Uhr Ortszeit. Nach einer Zwischenlandung zum Auftanken in Barcelona wurde der Flug nach Turin fortgesetzt. Das Wetter im Großraum Turin war schlecht Im Bereich des 675 m hohen Hügels von Superga kurz vor dem Flughafen herrschte dichter Nebel  bei einer Sichtweite von nur 40 m. Während des Sinkflugs kollidierte die Fiat G.212 gegen 17:05 Uhr mit der Basilika von Superga auf der Spitze des Hügels. Alle 31 Passagiere fanden den Tod. Für den Absturz wurden neben den schlechten Wetterbedingungen eine mangelhafte Flugfunk-Ausstattung und Fehler in der Flugnavigation verantwortlich gemacht.

Die Spieler des Grande Torino wurden in Italien schon zu Lebzeiten als Nationalhelden verehrt. Der Trauerzug durch Turin wurde laut Berichten aus der damaligen Zeit von etwa einer halben Million Menschen begleitet. Nach dieser Tragödie konnte der AC Turin nie wieder an die erfolgreichen Zeiten von einst anknüpfen.

ITAL-FDC-Tag Spot 2009 Mazzola

Das fußballerische Erbe von Valentino Mazzola setzte aber sein ältester Sohn Alessandro fort. Sandro, wie er von allen nur genannt wird, war zum Zeitpunkt des Flugzeugabsturzes und des Todes seines Vaters erst sechs Jahre alt. (s. Foto links auf FDC)  Während seiner aktiven Karriere spielte er ausschließlich für Inter Mailand  und war Mitglied der Mannschaft, die als „La grande Inter“ Mitte der 1960er Jahre zahlreiche Titel gewinnen konnte. Noch heute gilt er als einer der besten Spieler des Vereins, für den er in insgesamt 565 Pflichtspielen 158 Tore erzielte.

Für die italienische Nationalmannschaft bestritt Mazzola 70 Länderspiele und erzielte insgesamt 22 Tore. 1968 wurde er mit Italien Europameister.

Die Post von Ajman brachte aus diesem Anlass für jedes Mitglied des italienischen Europameisters einen Sonderblock und eine Marke heraus, natürlich auch für Sandro Mazzola.

Sportphilatelistisch gesehen gibt es neben den italienischen Marken von 1999 mit den  Turiner Opfer noch eine Briefmarke, die einen direkten Bezug zu einer ähnlichen Flugzeugkatastrophe herstellt, bei der berühmte Fußballer ums Leben kamen.

Unglück von München

2008 erinnerte die irische Post an das Flugzeugunglück von München, bei dem am 6. Februar 1958 acht Fußballer von Manchester United, unter ihnen der 22jährige irische Halbstürmer „Billy“ Liam Whelan, ums Leben kamen. Auf der Briefmarke ist neben dem Porträt von Whelan eine Wanduhr im Stadion „Old Trafford“ in Manchester zu sehen, die noch heute den genauen Zeitpunkt des Flugzeugunglücks anzeigt.

An diesem Tag landete die Mannschaft von Manchester United mit einer zweimotorigen Propeller-Maschine vom Typ „Elizabethan“ in München-Riem. Die „Busby Babes“, wie das junge Team nach dem schottischen Trainer Matt Busby genannt wurde, war guter Dinge. Am Vorabend hatte es gegen „Roter Stern Belgrad“ gespielt und durch ein 3:3 das Halbfinale des Europapokals erreicht.

An jenem denkwürdigen Februartag herrschten in München schwierige Wetterverhältnisse mit Schnee, Eis und Nebel. Als die Maschine nach der geglückten Zwischenlandung mit aufgefüllten Tanks zum Weiterflug auf die Startbahn rollte, begannen die Probleme. Zwei Startversuche mussten abgebrochen werden. Der dritte endete in einer Katastrophe. 23 Passagiere verloren in den Trümmern ihr Leben; darunter acht hoffnungsvolle Spieler von Manchester United.

manchester-united-flugzeugunglueck-1958-worg-126~_v-img__16__9__xl_-d31c35f8186ebeb80b0cd843a7c267a0e0c81647

Geoff Bent, Roger Byrne, Eddie Colman, Duncan Edwards, Mark Jones, David Pegg, Tommy Taylor und Billy Whelan kamen bei dem Unglück ums Leben. Johnny Berry und Jackie Blanchflower mussten wegen ihrer schweren Verletzungen die Karriere beenden. Die Vereinsführung stellte mit Ersatz- und Jugendspielern eine neue Mannschaft zusammen, die bis zum Ende der Saison nur ein Spiel gewinnen konnte und damit alle Titelchancen verlor. Auch im Finale des Ligapokals blieb sie nur zweiter Sieger.

Unter den Opfern befand sich mit Duncan Edwards einer der talentiertesten englischen Spieler aller Zeiten. Der 21jährige war schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht worden, wo er am 21. Februar 1958 verstarb. 51mKZIdFTvL._SX425_

Noch heute streiten sich Experten darüber, ob Edwards das Potenzial gehabt hätte, heute in einer Reihe mit Pele, Beckenbauer, Maradona oder Cruyff genannt zu werden. Die britische Post setzte Duncan Edwards am 14. Mai 1996 ein philatelistisches Denkmal innerhalb einer Fünfer-Serie unter dem Titel „Britische Legenden des Fußballs“.

Die „Busby Babes“ gab es nicht mehr. Trainer Matt Busby lag wochenlang im Klinikum Rechts der Isar. Er brauchte zehn Jahre, um ein neues, erfolgreiches Team aufzubauen, das 1968 den Europapokal holte. Wie Phönix aus der Asche wurde Manchester United zu einem Synonym für den Sieg über ein grausames Schicksal, das „Munich“ hieß. Bis heute werden United-Fans aber als „Munichs“ verspottet – und gegnerische Fans setzen mit ausgestreckten Armen zum Sturzflug an, wenn ihre Mannschaft ein Tor erzielt hat.

„Fußball-Fans“ können manchmal nicht nur dumm, sondern auch noch grausam sein!

Hoeneß im Glück

Am 17. Februar 1982 überlebte der damals 30-Jährige Münchner Fußballer Uli Hoeneß den nächtlichen Absturz eines zweimotorigen Propellerflugzeuges vom Typ Piper PA-34 Seneca   Gemeinsam mit drei Freunden, darunter dem Piloten und früheren Skirennläufer Wolfgang Junginger, war er auf dem Weg von München nach Hannover zu einem Länderspiel gegen Portugal.

Kurz nach 20 Uhr stürzte das Flugzeug vor der beabsichtigten Landung in Hannover im Schwarzen Moor bei Resse und Heitlingen ab. Rund eine Stunde später fand ein Förster Hoeneß, der unter Schock stehend orientierungslos und blutüberströmt durch den Wald kroch. Hoeneß war der einzige Überlebende. Experten kamen später zu dem Schluss, Hoeneß’ Sitzplatz hinten rechts im Flugzeug habe ihm das Leben gerettet – und die Tatsache, dass er nicht angeschnallt und aus dem Flugzeug geschleudert worden war. Dabei zog er sich Brüche von Arm und Knöchel und eine Gehirnerschütterung zu.

Seine weitere Geschichte ist bekannt. Der ehemalige Welt-und Europameister war von 2009 bis 2014 Präsident des FC Bayern München. Nach Verbüßung einer Freiheitstrafe wegen Steuerhinterziehung wurde Hoeneß am 25. November 2016 erneut zum Präsidenten des deutschen Rekordmeisters gewählt.

Philatelistisch gesehen gehört Uli Hoeneß zu den wenigen Deutschen, denen die Post bereits zu Lebzeiten ein „Denkmal“ gesetzt hatte.DBP_1974_812_Fußball-Weltmeisterschaft

Am 15. Mai 1974 zierte Uli Hoeneß eine Sondermarke anlässlich zur Fußball WM in Deutschland. Da bis 1977 in Deutschland traditionsgemäß lebende Persönlichkeiten, die Bundespräsidenten ausgenommen, nicht auf Briefmarken abgebildet werden durften, musste der Münchner Nationalspieler leicht verfremdet dargestellt werden. Für alle Fußballfans war der gelockte Blondschopf in seiner typischen Spielweise aber sofort erkennbar.

Immer wieder Sportler unter den Opfern bei Flugzeugkatastrophen

Oktober 2018: Leicester Citys Klub-Chef Vichai Srivaddhanaprabha kommt bei einem Hubschrauber-Absturz in unmittelbarer Nähe des Stadions ums Leben. Vier weitere Insassen werden beim Absturz getötet.

 November 2016: Bei einem Flugzeugabsturz wegen Treibstoffmangels im Nordwesten Kolumbiens starben 71 Menschen. Unter den 77 Passagieren waren auch die Spieler und Offiziellen des brasilianischen Erstliga-Fußballteam Chapecoense, das sich auf dem Weg zum Pokal-Finale der Copa Sudamericana gegen Atletico Nacional Medellin befand.

Nur drei Spieler der Mannschaft überlebten verletzt den Absturz. Medellin überließ nach der Tragödie „Chapé“ den Titel des Südamerika-Meisters 2016.

Chapecoense-Champion-of-the-South-American-Cup-new-logo

Philatelistisch wurde der posthume Titelgewinn am 25.1.2017 auf einer Personalisierten Privat-Post-Briefmarke in vier verschiedenen Varianten ohne Wertangabe gewürdigt

Die Trauerfeier fand am 3. Dezember 2016 in der Arena Condá statt. Staatspräsident Temer  und der FIFA-Präsident Infantino nahmen neben 20.000 Trauergästen teil, um sich von den 50 Vereinsmitgliedern zu verabschieden, deren Särge zunächst in offenen LKWs zum Stadion gefahren und dann von Soldaten des brasilianischen Militärs hineingetragen wurden. Seither ehren die Fans die 71 Opfer der Flugzeugkatastrophe in der 71. Minute jedes Heimspiels mit dem Ruf „Vamos, vamos, Chapé!“- was in portugiesisch soviel wie „Komm schon, Chapecoense“ bedeutet. 630x356

Das Pokalfinale wurde abgesagt. Dennoch war das Stadion in Medellín bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Anhänger von Atlético Nacional sangen die Vereinshymne Sempre Chapecó (Für immer Chapecó) von Chapecoense. „Es waren 90 Minuten Fußballstimmung, ohne dass ein Ball rollte, vielleicht einer der größten Momente der jüngeren Sportgeschichte.“

September 2011: Eine Maschine mit dem russischen KHL-Liga-Team von Lokomotive Jaroslawl stürzt nach dem Start ab. Die Mannschaft war auf dem Weg zum ersten Saisonspiel nach Weißrussland. 44 Menschen starben, darunter das komplette Eishockey-Team, unter anderem auch der deutsche Nationalspieler Robert Dietrich.2-format2020

April 1993: Auf dem Flug zu einem WM-Qualifikationsspiel im Senegal kommen 18 Stammspieler der Fußball-Nationalmannschaft von Sambia ums Leben. Die Militärmaschine stürzte ins Meer. 35.000 Sambier im Stadion und mehr als 100.000 außerhalb in Lusaka nehmen an der Trauerfeier teil. Anschließend wurden die Opfer einige hundert Meter nördlich des Nationalstadions beigesetzt. Lusaka_Heroes_Acre_-_overviewDie Stätte ist seither als Heroes‘ Acre bekannt. Die 30 Gräber sind dort in einem Halbkreis angeordnet, in der Mitte des Platzes befindet sich ein Denkmal.

 Juni 1989: Eine DC-8 der surinamischen Gesellschaft SLM streift beim Landeanflug auf Paramaribo einen Baum und zerschellt. Unter den 174 Toten sind 16 in den Niederlanden arbeitende Profifußballer, die in ihrer Heimat Wohltätigkeitsspiele bestreiten wollten.

Dezember 1987: Ein Flugzeug der peruanischen Marine stürzt vor der Küste von Lima ins Meer. Unter den 43 Todesopfern sind 16 Spieler der Fußballmannschaft Alianza Lima, davon vier Nationalspieler.

August 1979: 14 Spieler und drei Betreuer des usbekischen Fußballclubs Pachtakor Taschkent sterben bei einem Unglück über der Ukraine. Zwei sowjetische Maschinen waren zusammengestoßen.

Oktober 1972: Eine Maschine der uruguayischen Luftwaffe prallt in den chilenischen Anden gegen einen Berg. An Bord ist auch eine 40-köpfige Rugby-Mannschaft aus Montevideo. Erst zehn Wochen später werden 16 Menschen gerettet. Sie mussten teilweise bei minus 30 Grad in 3800 Metern Höhe am Berg ausharren. Um nicht zu verhungern, kam es zu Kannibalismus. Zwei Rugby-Spieler holten zu Fuß Hilfe.

Januar 1966: Sieben junge Schwimmer der italienischen Nationalmannschaft kommen bei Bremen ums Leben als eine Propellermaschine der Lufthansa nach einem abgebrochenen Landeversuch abstürzt. Die Sportler waren mit ihrem Mannschaftsbegleiter auf dem Weg zum 10. Internationalen Bremer Schwimmfest.

250px-Gedenkstein_Opfer_LH005_1

Ein Gedenkstein steht seit 1991 im Park Links der Weser. Das italienische Olympische Komitee und der italienische Schwimmverband hatten es zunächst in Flughafennähe aufgestellt. „In Italien hat die Erinnerung an die Ereignisse des 28. Januar 1966 bis heute eine große Bedeutung“, sagte Italiens Generalkonsul Flavio Rodilosso 2016 zum 50. Jahrestag des Unglücks.

Februar 1961: Eine Boeing 707 der belgischen Fluggesellschaft Sabena stürzte am 15.2. im Landeanflug auf Brüssel  auf einen Acker. Alle 61 Fluggäste, die 11 Besatzungsmitglieder sowie ein Landwirt am Boden kamen ums Leben. Unter den Opfern befand sich das gesamte 18-köpfige Eiskunstlauf-Nationalteam der USA und weitere 16 Offizielle, die zur Weltmeisterschaft in Prag anreisen wollten. Auf Grund des tragischen Ereignisses wurde die WM in der tschechoslowakischen Hauptstadt abgesagt und erst ein Jahr später in Prag ausgetragen.

Von diesem Vorfall zeugen auch die zwei Sonderbriefmarken der Post.

                                                   Eiskunstlauf WM 1961 Prag (abgesagt) 10.2.61      Eiskunstlauf WM 1962 Prag (Neuansetzung) 5.2.62

Am 10.2.1961 hatte die Post der CSR eine Marke zum Ereignis herausgebracht (links). Nach der WM-Neuansetzung würdigte sie ein Jahr später am 5.2.1962 noch einmal die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft mit einer Sondermarke (rechts).

Für den USA-Eiskunstlaufsport war der Flugzeugabsturz von Brüssel ein schwerer Einschnitt. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1960 war man die dominierende Eiskunstlaufnation in den Einzelkonkurrenzen gewesen. In der Herrenkonkurrenz gewannen Eiskunstläufer aus den USA von 1948 bis 1959 zwölfmal in Folge die Goldmedaille und von 1951 bis 1958 dazu auch die Silbermedaille, dreimal gab es gesamtamerikanische Podien.

Bei den Damen ging der Titel 1953 und von 1955 bis 1960 an US-Amerikanerinnen. Nach den Rücktritten von David Jenkins und Carol Heiss  sollte eigentlich eine neue Generation herangeführt werden, doch diese war durch den Absturz komplett ausgelöscht worden. Als Konsequenz wurden in den Folgejahren sehr junge Athleten, viel früher als üblich, zu Weltmeisterschaften geschickt. Die erste Medaille nach dem Unglück, eine Bronzene bei den Olympischen Spielen 1964, gewann Scott Allen  zwei Tage vor seinem 15. Geburtstag. Erst 1968, mit dem Olympiasieg von Peggy Fleming  und der Silbermedaille von Tim Wood  waren die USA wieder zu ihrer alten Dominanz zurückgekehrt.

(Autor: KJA)