Schwimmen in Budapest – Meisterschaften mit Tradition

Vielleicht ist es doch die Sehnsucht nach dem Meer, das die knapp 10 Millionen Ungarn seit Jahrzehnten im Schwimmen und Wasserball zu internationalen Spitzenleistungen antreibt. Denn das Land liegt, umsäumt von sieben anderen Ländern, soweit vom „großen“ Wasser entfernt, wie kaum ein anderes auf dem europäischen Kontinent. Plattensee und Donau sind da kein Ersatz.

Von Alfréd Hajós, dem ersten Schwimm-Doppel-Olympiasieger der Neuzeit 1896 in Athen bis hin zu Katinka Hosszú, die 2016 in Rio de Janeiro dreimal Olympia-Gold gewinnen konnte, spannt sich der Erfolgsbogen. Mit insgesamt 28 mal Gold, 26 mal Silber und 20 mal Bronze bei Olympischen Spielen liegen Ungarns Schwimmerinnen und Schwimmer hinter den USA, Australien und Deutschland (BRD und DDR) auf einem bemerkenswerten vierten Rang in der Nationen-Wertung.

Dass die Ungarn zudem ein Herz für die Sportphilatelie besitzen, beweisen auch die regelmäßigen Ausgaben von Magyar Posta zu den jeweiligen Schwimm-Höhepunkten in Budapest.

Schwimmen EM 2021 Budapest FDC+BriefmarkeDiese Ausgaben zur 35. Schwimm-Europameisterschaft in Budapest waren schon für 2020 vorgesehen, wurden wegen der Verlegung von der Post aber erst am 29. März 2021 an die Schalter gebracht, als sicher war, dass die Titelkämpfe im Mai stattfinden werden.

Denn auch als Ausrichter großer Schwimm-Ereignisse haben sich die Ungarn einen Namen gemacht. Schwimm-Europa und die Schwimm-Welt kommen gern nach Budapest. Auch in diesem Jahr, wo vom 10. bis zum 23. Mai die wegen der Corona-Pandemie   verschobenen 35. Europameisterschaften stattgefunden haben.
Zuvor waren schon in der sogenannten corona-geschützten Budapester „Schwimm- Bubbel“ die Wettkämpfe der neugeschaffenen Profi-Schwimm-Vereinigung „ISL“ über die Bühne gegangen. Austragungsort war die moderne Duna-Aréna, die zu den Schwimm-Weltmeisterschaften 2017 eröffnet worden ist. Die neue Halle war nötig geworden, da das seit 1930 bestehende und immer wieder umgebaute altehrwürdige Alfréd-Hajós-Schwimmstadion auf der Margareteninsel dem Ansturm der ganz großen Ereignisse nicht mehr gewachsen war.

220px-Duna_aréna_ltv_3

In Budapest hatte alles begonnen. Schon 1926, ein Jahr vor der offiziellen Gründung des europäischen Schwimmverbandes LEN, wurden in der ungarischen Hauptstadt die 1. Europameisterschaften ausgetragen.

Schwimmen EM 1926 Budapest SS

Die 1. Europameisterschaft fand vom 18. – 23.August 1926 in Budapest statt. Der von der Stadt dafür geplante Schwimmbad-Neubau war leider dem Geldmangel der allgemeinen herrschenden Wirtschaftskrise zum Opfer gefallen. Der Werbestempel mit dem Schriftzug „Europa Uszóbaunokságai“ – übersetzt: „Europa Schwimmbecken“ und den Abbildungen eines Startsprungs sowie eines Kraulschwimmers dokumentiert das Ereignis auf einem Brief, der am 22.08.1926 in Budapest abgestempelt worden ist. Er ist damit der erste philatelistische Nachweis für ein internationales Schwimmereignis.

Schwimm EM 1958 Budapest 3           Schwimm EM 1958 Budapest 2       Schwimm EM 1958 Budapest 1

Schwimm EM 2010 Budapest

1958, 2006 und 2010 wurden weitere kontinentale Titelkämpfe im Schwimmen, Wasserspringen und Synchronschwimmen in Budapest veranstaltet.

In keiner anderen Stadt waren Europas beste „Wassersportler“ so oft mit ihren Meisterschaften zu Gast. Hinzu kamen noch drei „extra“ Europameisterschaften im Wasserball 2001, 2014 und 2020.

Wasserball EM 2020 Budapest FDC

Die Wasserball-EM der Männer und Frauen fand im Januar 2020 noch wie geplant statt. Auch die ungarische Post war, wie man es in Sachen Sportphilatelie kennt, gut darauf vorbereitet.

Neben diesen insgesamt acht Europameisterschaften war Budapest 2017 erstmals auch Ausrichter einer FINA-Schwimm-Weltmeisterschaft. Für die ungarischen Organisatoren war dies so etwas wie die „Krönung“ ihrer langjährigen Bemühungen. 2019 folgten an gleicher Stelle die 7. Jugend-Schwimm-Weltmeisterschaften.

Schwimmen WM 2017 Budapest 09_2017_vizes_fej_2

Die zweite FINA-WM-Auflage wird es im Jahr 2027 geben. Budapest konnte sich mit seiner starken Bewerbung erneut erfolgreich durchsetzen. Zuvor ist die ungarische Hauptstadt  bereits 2024 erstmals Gastgeber einer FINA-Kurzbahn-WM.

1984 wurden zudem im Alfréd-Hajós-Schwimmstadion auf der Margareteninsel die Wettbewerbe im Wasserspringen anlässlich der sogenannten Wettkämpfe der Freundschaft ausgetragen, die für die Los Angeles-Boykottländer aus dem damaligen sozialistischen Lager so etwas wie „Olympischen Ersatzspiele“ waren.

DSC08585

Das Budapester Schwimmstadion ist nicht nur nach dem ersten Schwimm-Olympiasieger der Neuzeit sondern auch nach dem Architekten der wunderschönen Anlage benannt worden. Für seine Baupläne  erhielt Alfréd Hajós im Rahmen der Olympischen Kunstwettbewerbe 1924 in Paris eine Silbermedaille!

Der Alfréd-Hajós-Schwimmkomplex auf der Margareteninsel

(Autor: KJA)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s