Kiwis segeln zum Erfolg – Neuseeland feiert America´s Cup

Sie haben es wieder geschafft. Zum vierten Mal konnte eine Segeljacht aus Neuseeland am 17.März 2021 den 36. America’s Cup gewinnen – nach 1995, 2000 und 2017. Und zum zweiten Mal konnten ihn die Kiwis verteidigen. Der erst 30-jährige Steuermann Peter Burling siegte mit seiner Crew dabei bereits zum zweiten Mal in Folge. Der Gegner im Finale vor Auckland, das italienische Team Luna Rossa, ging auch in seinem fünften Anlauf leer aus und unterlag auf den gleichen Gewässern wie bereits vor 20 Jahren den Neuseeländern. Nach einem 0:5 damals, fiel die Niederlage mit 3:7 diesmal etwas knapper aus.
Fünf Millionen Neuseeländer feierten trotz Corona ausgelassen diesen Sieg in der ältesten, kontinuierlich seit 1851 ausgetragenen Sportveranstaltung der Welt. Mit Stolz nahmen sie zur Kenntnis, dass ihr kleines Land, zumindest im Segelsport, ganz vorn sein kann. Dabei bewahrheitete sich eine alte Regel des Cups: Das schnellste Boot gewinnt.
Das mit der Schnelligkeit kann übrigens auch die neuseeländische Post von sich behaupten. Ihre Segelbegeisterung ist kaum zu toppen. In den vergangenen 50 Jahren wurden insgesamt 40 Briefmarken mit Segelmotiven aufgelegt. Unmittelbar nach dem aktuellen Sieg der heimischen „Te Rehutai“ im America´s Cup brachte sie am 19.März diesen Block mit sechs Marken an die Schalter.

Bereits am 2.März 2021 war ein Kleinbogen mit vier Marken erschienen, der sich mit der 150jährigen Geschichte des königlichen neuseeländischen „Jacht-Geschwaders“ befasste. Immerhin hatten die Kiwis großen Anteil an erstaunlichen Entwicklungen von Segelbooten.

Auf dem Block werden vier der wichtigsten Wettbewerbsjachten gefeiert. So wurde 1898 die „Rainbow“ ($4,00) aus besonders haltbaren neuseeländischem Kauri-Holz gebaut. Zwei Jahre später erzielte sie bei der Intercolonial Regatta einen durchschlagenden Erfolg gegen die australische Flotte.
Die „Rainbow II“ ($3,50) konnte erst gebaut werden, nachdem der junge Auckländer Segelmacher Chris Bouzaid sein Haus für die Finanzierung verkauft hatte. 1969 sorgte das Boot für einen sensationellen Sieg beim One Ton Cup.
Zum Ende der 1980er Jahre wurden die Holzkonstruktionen der Boote zunächst durch Glasfaser und danach durch Kevlar, Kohlefaser und Titan ersetzt. Die „Steinlager II“ ($2,70) wurde speziell für den Ausnahme-Skipper Peter Blake entworfen, der damit 1989 alle sechs Wettfahrten des „Whitbread Round the World Race“ gewinnen konnte.
Die $1,40-Briefmarke zeigt die „Te Rehutai“, sozusagen als postalischen Vorgriff auf den späteren Gewinn des 36. America´s Cups. Das spektakuläre Einrumpf-Boot aus Carbon und Titan ist derzeit das beste und schnellste seiner Klasse. Geschwindigkeiten von 50 Knoten ( 93 Kilometer pro Stunde) lassen die Segeljacht fast vollständig aus dem Wasser heben.

Wie alles begann…

„Der America’s Cup ist jetzt Neuseelands Cup!“ Mit diesem legendären Satz kommentierte Sportreporterlegende Peter Montgomery Team New Zealands ersten Triumph im America’s Cup am 13. Mai 1995. Der Kiwi-Coup gelang vor gut einem Vierteljahrhundert, als das Segelteam auf der neuseeländischen „Black Magic“ (NZL 32) im Revier vor San Diego Amerika’s-Cup-König Dennis Conner und dessen US-Team nach zwei Jahrzehnten Cup-Dominanz entthronte. Hier die Sieger-Briefmarke in Erinnerung an den Kiwi-Coup 1995.
Elf Tage nach ihrem historischen Sieg von 1995 landete dasTeam um Skipper Peter Blake mit einer Chartermaschine in Auckland. Der Amerika entrissene America’s Cup hatte die Reise um die halbe Welt auf einem eigenen Erste-Klasse-Sitz absolviert – das ist seitdem eine Tradition. Noch auf dem Rollfeld sorgten Feuerwehrwagen mit Wasserfontänen für ein Regenbogen-Festival, während die Morgennachrichten die Ankunft der Cup-Helden landesweit übertrugen. Es folgte die bis heute größte Siegerparty in der Geschichte Neuseelands. „Nichts auf der Welt hätte uns auf diesen Empfang vorbereiten können“, sagte Peter Blake. 350.000 jubelnde Menschen – mehr als ein Drittel der Einwohner Aucklands – feierten die Cup-Helden allein in den Straßen der Stadt, bevor die Triumphreise durchs ganze Land begann.
Damals konnten die Kiwis noch nicht ahnen, durch welche Höhen und Tiefen sie im kommenden Vierteljahrhundert mit ihren Seglern würden gehen müssen. Zunächst folgte aber im Jahr 2000 in Auckland die erfolgreiche Cup-Verteidigung. Die italienische „Luna Rossa“ wurde 5:0 geschlagen.

Eine Extra-Ausgabe von der neuseeländischen Post gab es aber dazu nicht. Von 1851 bis 2000 waren 30 America´s Cup Rennen ausgetragen worden. Dabei gab es 27 Siege für die US-Amerikaner, zwei für Neuseeland und einen für Australien!
Sir Peter Blake wurde damit endgültig zum neuseeländischen Helden, nachdem er bereits 1995 von Königin Elisabeth II. für seine Verdienste um den Segelsport geadelt worden war. Der einstige Weltumsegler, der sich international auch als Umweltschützer einen Namen gemacht hatte, wurde am 6.Dezember 2001, gerade mal 53 Jahre alt, auf einer Expedition nahe der Amazonas-Mündung von Piraten erschossen. Im Oktober 2002 wurde Blake posthum mit dem Olympischen Orden und dem Laureus Award geehrt. Ihm zu Ehren trägt seit 2003 das Blake-Massiv in der Antarktis seinen Namen. Unmittelbar nach seinem gewaltsamen Tod erinnerte die neuseeländische Post an die Segel- und Forscher-Legende des Landes.
„Visionen zu haben ist nicht genug – Veränderung entsteht dadurch, dass die Vision verwirklicht und in die Realität umgesetzt wird“ – diese Zitat von Peter Blake ziert den Kleinbogen mit fünf Briefmarken, auf denen er als Ideengeber, Segler, Rekordbrecher, passionierter Kiwi und Umweltschützer abgebildet ist.

Danach folgte eine, im wahrsten Sinne des Wortes, Flaute. Neuseelands beste Segler um 1984er Finn-Dinghy-Olympiasieger Russell Coutts wurden in unsicheren finanziellen Zeiten von einem Schweizer Milliardär abgeworben und sahen sich deswegen im Rahmen einer „Loyal-Kampagne“ brutalen Anfeindungen im eigenen Land ausgesetzt. Doch sie gewannen den America’s Cup 2003 – für die Schweiz und entführten die „bodenlose Kanne“ aus dem heimischen Auckland nach Europa.
Es folgten für die Kiwis die Niederlage 2007 gegen die „Alinghi“ in Valencia und die „Schmach von San Francisco“ im 34. America’s Cup 2013, als das Emirates Team New Zealand im Cup-Duell mit Larry Ellisons Oracle Team USA schon 8:1 führte und dann noch 8:9 verlor.
Den Willen der Neuseeländer aber konnte auch dieses Fiasko nicht brechen. 2017 holten sie sich vor Bermuda die Silberkanne mit dem „49er“-Olympiasieger von Rio de Janeiro 2016 Peter Burling am Steuer und bahnbrechender Boots-Technologie auf dem Katamaran „Aotearoa“ (zu deutsch: Land der langen weißen Wolke) zurück.
Die neuseeländische Post reagierte damals ähnlich schnell, wie in diesem Jahr.

(Autor: KJA)

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