„Hand Gottes“ im Fußball-Himmel – Trauer um Diego Maradona

Auf dem Spielfeld ein Genie, für Neapel ein Erlöser, in Argentinien ein Gott! Diego Armando Maradona hat Fußballgeschichte geschrieben.

Das wurde in den zurückliegenden Jahrzehnten auch  sportphilatelistisch dokumentiert. Es gibt wohl keinen weiteren Athleten auf der Welt, der so oft auf einer Briefmarke zu finden ist, wie Maradona. Bei meiner Recherche habe ich 75 Marken aus 29 Ländern gezählt, auf denen der Argentinier im Verlauf der Jahre seit 1986 abgebildet worden ist. Und weitere Marken werden wohl demnächst folgen – in Memoriam! 

Am 25. November 2020 ist der für viele Experten und Fans wohl beste Fußballer aller Zeiten in seinem Privathaus im argentinischen Tigre an einem Herzinfarkt gestorben. Er wurde 60 Jahre alt. In Argentinien gab es eine dreitägige Staatstrauer. Der Nationalheld bekam ein Staatsbegräbnis. Sein Sarg, bedeckt mit Fußballtrikots mit der legendären „Zehn“, wurde im Präsidentensitz Casa Rosada in Buenos Aires aufgebahrt. Zehntausende Fans erwiesen ihm die letzte Ehre. Dabei kam es zu Tumulten, die Polizei musste Wasserwerfer und Gummigeschosse einsetzen. Als am 27. November der Sarg zur Beisetzung gefahren wurde, säumten in Argentiniens Hauptstadt Tausende den Weg bis zum Friedhof, wo Maradona nun neben dem Grab seiner Eltern die letzte Ruhe gefunden hat.

Erst Anfang November, wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag am 30. Oktober, hatte er eine Operation wegen eines Blutgerinnsels im Gehirn erfolgreich überstanden und sollte danach wegen seiner Alkoholabhängigkeit weiter behandelt werden. Maradona war nicht nur ein genialer Fußballer und Trainer. Sein turbulentes Privatleben war über viele Jahre aber auch von Übergewicht, Dopingmissbrauch sowie Alkohol- und Kokainsucht gezeichnet. Seine Gesundheit galt schon lange angeschlagen. 

Die Anteilnahme an seinem Tod ist weltweit aber gewaltig. „Er verlässt uns, aber er geht nicht weg, weil Diego ewig ist“, schrieb auf Instagram Lionel Messi, der in Argentinien als legitimer Nachfolger des Fußballhelden gilt. „Ich behalte all die schönen Augenblicke in Erinnerung, die ich mit ihm erlebt habe“.

«Ich habe einen großen Freund und die Welt hat eine Legende verloren», meldete sich die brasilianische Fußball-Legende Pelé zu Wort, der in diesem Jahr Achtzig geworden ist. „Ich hoffe, eines Tages können wir im Himmel zusammen Fußball spielen“!

Große Trauer herrschte aber auch im italienischen Neapel, wo der Ehrenbürger Maradona zwischen 1984 und 1991 beim SSC spielte. Mit ihm gewann der Verein 1987 und 1990 die italienische Meisterschaft und 1989 den UEFA-Cup.

Sein schillerndes Leben ist in unzähligen Publikationen, Dokumentationen  und Filmen geschildert worden. Was bleibt, sind nur wenige Dinge, an die sich Bewunderer und Kritiker gleichermaßen erinnern –  wie beispielsweise an den 22. Juni 1986. Bei der Fußball-WM in Mexiko gewann Argentinien im Viertelfinale 2 zu 1 gegen England. Es war ein Spiel für die Ewigkeit. Der 25jährige Maradona erzielte innerhalb von vier Minuten zwei der wohl berühmtesten Tore der Fußballgeschichte. Zunächst beförderte er einen Ball mit der Hand, „der Hand Gottes“, wie er es später formulierte, regelwidrig ins Tor. Anschließend sorgte der Mannschaftskapitän nach einem Dribbling über 60 Meter für das WM-Tor des Jahrhunderts. Alles auch festgehalten auf Briefmarken aus Tschad und Argentinien.

„Ich hatte das Gefühl, den Engländern die Brieftasche zu klauen, und das direkt nach dem Falklandkrieg“, sagte Maradona damals. Allein für die Beschreibung des 2:0 benötigte er in seiner Biografie über eine Seite. Sein ebenso nüchternes wie wahres Fazit: „Ich hatte das Tor meines Lebens geschossen.“ Sieben Tage später, am 29. Juni  1986 siegte Argentinien im WM-Finale mit 3 zu 2 gegen Deutschland.

Eigentlich war Maradona in  diesem Finale von Lothar Matthäus abgemeldet, konnte aber mit einem genialen Pass das 3:2 einleiten. „Toni, halt den Ball“, rief ARD-Fernsehkommentator Rolf Kramer, nachdem Jorge Burruchaga frei vor Torwart Schumacher aufgetaucht war – vergeblich. Maradona: „Das war der Höhepunkt, der glanzvollste Moment meiner Karriere. Dieses Datum, dieser Ort sind mir in die Haut eingebrannt.“

Insgesamt nahm Maradona an vier Weltmeisterschaften teil und erzielte in 91 Länderspielen 34 Tore.

(Autor: KJA)

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