Pack die Badehose ein…. – wie eine Briefmarke Sehnsüchte weckt

Wer  zu den regelmäßigen Freizeit-Schwimmern zählt, der saß in den zurückliegenden Monaten ganz schön auf dem Trockenen und lechzt jetzt förmlich nach dem Wasser. Aber leider bleiben vieler Orts die Schwimmhallen wegen der Corona-Pandemie noch geschlossen und die wenigen bereits geöffneten Freibäder laden wegen der sehr strengen Hygiene-Bestimmungen nicht gerade zum Schwimm- Training ein. Ein kleiner Trost bleibt dem Sportphilatelisten aber trotzdem.

Deutschland von oben -Freibad Witten

Seit dem 2.Juli gibt es für preiswerte 1,90 € zumindest einen Blick auf ein Schwimmbad. Zum Auftakt der neuen Briefmarkenserie „Deutschland von oben“ bringt die Post einen Zusammendruck von zwei Marken zu je 95 Cent an die Schalter, auf denen eine Luftaufnahme des markant geschwungenen Rands des Nichtschwimmerbeckens im Freibad in Witten-Annen zu sehen ist. Gestaltet wurde die Briefmarke von der Bonnerin Bettina Walter. Das tolle Foto für die Markengrundlage aber „schoss“ Luftbildfotograf Hans Blossey bereits vor vier Jahren.

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„Das ist doch das Höchste“, sagte Blossey in einem Interview mit dem Westfälischen Anzeiger am 31.Januar in der Lokalausgabe Hamm. Eine größere Auflage könne er auch mit keinem anderen Bild mehr erreichen. Seine Agentur hatte es an die Post nach Anfrage verkauft. Wie viel ihm dass einbringt, weiß Blossey nicht. „Für einen Urlaub in Witten wird es wohl reichen“, scherzte der Fotograf. Aber ums Geld gehe es auch nicht: „Das ist eine tolle Anerkennung meiner Arbeit“.

Hans Blossey ist 67 Jahre alt und hat seinen Flugschein vor 37 Jahren gemacht.

Das Freibad war ihm aufgrund der ungewöhnlichen Wellenstruktur des Beckenrands aufgefallen. Drei-oder viermal war er darüber gekreist – dann hatte er die Aufnahme im Kasten.

Erlebnis-Brief Freibad Witten nur vor Ort am 2.7.

 

Im Sommer ist das Freibad Annen eigentlich einer der meistbesuchten Orte im Südosten des Ruhrgebiets. Aber in diesem Jahr ist eben alles anders. Durch die Corona-Krise ist das Bad derzeit immer noch geschlossen. Das Bochumer Team „Erlebnis: Briefmarken“ musste sich für die Markenpräsentation deshalb  einen neuen Standort suchen. Stempel mit Post-Eigenwerbung WittenStatt im Freibad Annen gab es am 2. Juli zwischen 9 und 18 Uhr den Sonderstempel und den Extra-Erlebnisbrief im Wittener Postbank Finanzcenter in der Stadtgalerie.

Das Interesse der Sammler war groß. Und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung sorgte in ihrer Online-Ausgabe für einen schönen Gag. Sie veröffentlichte nicht nur die Original-Briefmarke der Deutschen Post, sondern auch eine Briefmarken-Fotomontage mit dem Freibad Witten-Annen in seinem aktuellen „Corona“-Zustand.Briefmarke Freibad Annen + Collage WAZ

Die Geschichte des öffentlichen Freibads, das im größten Wittener Stadtteil Annen liegt und deshalb den Namen „Freibad Annen“ trägt, lässt sich bis ins Jahr 1903 zurückverfolgen. Damals wurde durch die Stauung des Steinbachs an der Stelle des heutigen Schwimmbads ein Fischteich geschaffen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Talsperre zu einer im Sommer beliebten Badestelle und zu einer im Winter viel befahrenen Eislaufbahn. Im Oktober 1926 fasste die Gemeinde Annen den Entschluss, dort eine Badeanstalt mit Licht- und Luftbad zu errichten. Die Anlage wurde am 19. August 1928 eröffnet. Nach einem umfassenden Umbau Mitte der 1970er-Jahre konnte das Freibad am 16. Mai 1976 mit neuen Gebäuden und erweiterten Becken offiziell wiedereröffnet werden. Im Winter 2005/06 erfolgte eine weitere Modernisierung, bei der auch die auf den Postwertzeichen abgebildete geschwungene Linie des Nichtschwimmerbeckens entstand, die an Ausläufer von Wellen am Strand erinnern soll. Heute umfasst das Freibad Annen ein 50-Meter-Schwimmbecken mit acht Bahnen, das 927 Quadratmeter große Nichtschwimmerbecken und ein Planschbecken mit 15 Metern Durchmesser.

Die Briefmarke mit dem „Blick von oben“ auf das Schwimmbad Annen gehört natürlich in jede Sammlung von deutschen Sportmotiven. Bislang gibt es nur vier Motive mit direktem Bezug zu einer Schwimmhalle bzw. einem Schwimmbad.

Die erste Briefmarke zeigt einen Blick auf die Schwimmhalle der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig anlässlich der Markenausgabe zu den Spielen der XXI. Olympiade 1976 in Montreal. 1981 veröffentlichte die DDR-Post einen Block mit der Abbildung des Berliner Sport-und Erholungszentrums, in dem sich u.a. auch eine Schwimmhalle und ein Wellenbad befanden.

München Block 1972

In der BRD war die erste „Bad“-Abbildung 1972 auf einem Block für die Olympischen Spiele in München zu sehen. Unter dem futuristisch anmutenden Dach des architektonisch hervorragend gestalteten Olympiageländes befindet sich auch die Olympia-Schwimmhalle.

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Das Markenmotiv „Für den Sport“ von 2012 anlässlich der Olympischen Spiele in London zeigt dagegen nur ein fiktives Schwimm-Bad. Das Foto zur Briefmarke ist nämlich weder aus dem Flugzeug noch mit einer Drohne geschossen, sondern am Computer per Photoshop gefertigt worden, wie Grafiker Thomas Lammeyer in seinem Blog verrät.

 

(Autor: KJA)

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