Ein Hauch von Olympia – Neue Sportarten auf Briefmarken vorgestellt

Die Corona-Krise hat dem Sport bisher ganz schön zugesetzt. Weltweit ist er derzeit fast völlig zum Erliegen gekommen. Die Fußball-Europameisterschaft wurde verlegt, die Olympischen Spiele in Tokio ebenfalls um ein Jahr verschoben… Die Liste ließe sich mit unzähligen nationalen und internationalen Ereignissen fortsetzen. Nahezu täglich gibt es neue Hiobsbotschaften. Auch die Präsentation und Übergabe der diesjährigen Briefmarkenserie „Für den Sport“ durch das Bundesministerium der Finanzen in Mitwirkung des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat am 6. Mai im Kletterzentrum der Sektion Berlin des Deutschen Alpenvereins ist nun auch endgültig  abgesagt worden.

Da ist es fast schon so etwas wie ein Hoffnungsschimmer, das die Deutsche Post trotzdem wie geplant am 7.Mai die neue Marken-Serie an ihre Schalter bringt.

Stempel Für den Sport 2020Mit diesen Briefmarken unterstützt das Bundesministerium der Finanzen auch diesmal wieder die Stiftung Deutsche Sporthilfe. Seit 1968 sind durch die Marken mit dem „Plus“ rund 
140 Millionen Euro an Fördermitteln für die sozialen Belange und Aufgaben im Bereich des Nachwuchs- und Spitzensports zur Verfügung gestellt worden. Maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg haben Briefmarkensammler, die Deutsche Post und der Handel. Die Deutsche Sporthilfe fördert jährlich 4.000 Athleten mit rund 22 Millionen Euro.

In diesem Jahr werden „Neue Olympische Sportarten“ dargestellt, die bei den Olympischen Spielen in Tokio erstmals im Wettkampf zugelassen sind. Da die vom Hattinger Grafiker Thomas Serres gestalteten Marken keinen schriftlichen Bezug zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio besitzen, bleiben sie auch für das kommende „Olympiajahr“ aktuell.

„Rund 650.000 Euro konnten wir im Vorjahr durch Briefmarkenerlöse für Deutschlands beste Nachwuchs- und Spitzenathleten einsetzen. Wir sind dem Bundesfinanzministerium sehr dankbar für diese Kooperation, die neben dem monetären auch einen hohen kommunikativen Wert für die Sporthilfe hat, denn jede Briefmarke ist auch als kleiner Botschafter für die Arbeit der Sporthilfe unterwegs”, erläutert Thomas Berlemann, seit Anfang April Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Sporthilfe. Die Motivwahl mit Sportklettern, Skateboarden und Karate seien ein deutliches Statement, dass „die noch jungen olympischen Sportarten fest zur Sportfamilie gehören.“ Derzeit werden 35 Athleten aus diesen Sportarten von der Sporthilfe gefördert.

Drei weitere neue olympische Sportarten werden im kommenden Jahr diese Wertschätzung erfahren, wie die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister der Finanzen, Bettina Hagedorn, ankündigt: „Die Briefmarkenserie „Für den Sport“ werden wir 2021 mit den Sportarten Softball, Baseball und mit Wellenreiten fortsetzen. Insofern haben wir dann sechs neue Sportarten auf diese wunderbare Art und Weise dargestellt.“

Klettern ist nicht gleich Klettern

Die Aufnahme von Sportklettern in das olympische Programm brachte eine neue Wettkampfdisziplin hervor: das Olympic Combined, in welchem die einzelnen Disziplinen Speed, Bouldern und Lead durchlaufen werden. 2005_Sport-KletternDie Abfolge ist festgelegt: Begonnen wird mit Speed, danach kommen Bouldern und Lead. Getestet wurde das Ganze bei den Olympischen Jugendspielen 2018 in Buenos Aires. 42 Sportkletterer aus 25 Ländern waren dort am Start. Fernab von seinem Ursprung in den Bergen hat sich in den vergangenen Jahren das Sportklettern vor allem bei jungen Leuten zu einem attraktiven Stadtsport entwickelt. Weltweit werden immer mehr Indoor-Kletterhallen eröffnet. Die „Olympia-Reife“ bietet nun die einmalige Chance, das Sportklettern maßgeblich weiterzuentwickeln.

Philatelistisch ist das Klettern in Deutschland bereits vor 23 Jahren mit einer Briefmarke gewürdigt worden. Auch damals handelte es sich um eine „Marke für den Sport“. Die dargestellte Disziplin hieß noch Freeclimbing oder Freiklettern.

s-l1600 Kopie 2

Olympia-Gastgeber Japan hatte auf die neue olympische Sportart schon vor zwei Jahren aufmerksam gemacht. Im Rahmen eines Kleinbogens zum 73. Nationalen Sportfestival gab es  damals eine Briefmarke mit einem Akteur an der Kletterwand.

Slowenien brachte 2007 eine Sportkletterer-Marke inklusive FDC und Ersttagsstempel heraus.

$_57

Rollen auf dem Brett

Der Ursprung des modernen Skateboardens, früher auch „Asphaltsurfen“ genannt, liegt in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts und entstand durch die Übertragung des Wellenreitens  auf den Asphalt und Beton. Skateboarden entwickelte sich zu einem Trendsport, welcher vor allem von Jugendlichen praktiziert wurde und wird. Aufgrund anderer aufkommender Trends verlor dieser „Jugendsport“ allerdings zwischenzeitlich immer mal wieder an Bedeutung. 2005_Sport-Skateboarden Der IOC-Beschluss vom 4. August 2016,  Skateboarden bei den Olympischen Spielen in Tokio zuzulassen, dürfte auch dieser Sportart nicht nur einen neuen Schub geben, sondern durch die Kombination von Lifestyle, Freiheit und Unabhängigkeit auch dem IOC helfen, den Olympischen Spielen ein „jüngeres“ Image zu verpassen.

Die Olympia-Wettkämpfe im Skateboarden, zwei für Männer und einer für Frauen,  werden in den Disziplinen Street und Park ausgetragen. Bei der Street-Disziplin führen die Athleten Trickkombinationen an Hindernissen wie Geländern und Treppen vor. Die Parkdisziplin wird in einem Park durchgeführt, der einem leeren Swimmingpool gleicht. Die abgerundeten Ecken erlauben es den Fahrern sich weit in die Luft zu schleudern, um verschiedene Manöver auszuführen, den sogenannten „Airs“ (Aerials). In Deutschland gibt es derzeit rund 3000 organisierte Skater und Hunderttausende von jungen Leuten, die ohne Verein skaten und gerade dies besonders „cool“ finden. Deshalb glaubt Hans-Jürgen Kuhn, der für das deutsche Olympiateam zuständig ist, dass die Olympischen Spiele die Skater brauchen und nicht umgedreht! „Skateboarden passiert aus anderen Gründen und nicht, weil es irgendein Vorbild gibt, das eine olympische Medaille gewonnen hat!“

Briefmarkenprogramm-2017 2Philatelistisch ist das Skateboarden in Deutschland erstmals vor drei Jahren dokumentiert worden – dank Erinnerung an Verleger Rolf Kauka, in dessen Verlag die Comic-Hefte von Fix & Foxi zwischen 1953 und 2010 herausgegeben worden sind. Ich habe darüber sowie über die Sportart Skateboarden ausführlich im OSPC-Journal 02/2017 geschrieben: Was Fix und Foxi..

Wie das Sportklettern, erlebte übrigens auch das Skateboarden seine vorolympische Premiere bei Olympischen Jugendspielen und zwar 2014 im chinesischen Nanjing.

2014-nan

Mit der „leeren Hand“ kämpfen

Rund 100 Millionen Karatekämpfer gibt es weltweit, die in 194 nationalen Verbänden organisiert sind. Karate leitet sich aus den zwei japanischen Worten „Kara“ (leer) und „te“ (Hand) ab. Im übertragenen Sinne bedeutet „leere Hand“ auch „unbewaffnet“. Die Geschichte der heutigen sportlichen Form dieser Kampfkunst lässt sich bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen.

Bei der olympischen Disziplin Kumite stehen sich zwei Karateka auf der Matte gegenüber und versuchen, den jeweils anderen mittels Schlag-, Stoß-, Tritt-, Block- und Fußfege-Techniken am Kopf, Bauch und Rücken zu berühren. Trefferwirkung ist – einzigartig bei Kampfsportarten – strikt untersagt und wird sanktioniert.2005_Sport-Karate

In der BR Deutschland ist Karate, wie ein Blick in Wikipedia zeigt, erst seit gut 60 Jahren bekannt. 1954 war in Paris das erste europäische Budō-Dōjō gegründet worden. Der deutsche Judoka Jürgen Seydel  kam auf einem Lehrgang dort erstmals mit Karate in Kontakt. Aus den Teilnehmern dieser Lehrgänge entwickelte sich zunächst innerhalb des Judo-Verbandes eine Unterorganisation, die Karate lehrte und aus der schließlich im Jahre 1961 der erste deutsche Dachverband der Karateka, der Deutsche Karate Bund  hervorging.

In der DDR spielte Karate offiziell nur innerhalb der Sicherheitsorgane eine Rolle: Als junger Sportstudent beschäftigte sich Karl-Heinz Ruffert  Mitte der 1970er Jahre in seiner Diplomarbeit an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  mit Karate – dadurch wurde das Ministerium für Staatssicherheit auf ihn aufmerksam. Als Offizier des MfS schließlich führte Ruffert Karate in die Stasi-Ausbildung ein. Auf Empfehlung des Rektors der DHfK in Leipzig, Gerhard Lehmann,  wurde Karate in der DDR ab 1989 offiziell als Kampfsport anerkannt und in den Deutschen Judo Verband  aufgenommen.

Karate ist die dritte asiatische Kampfsportart, die nach Judo und Taekwondo ins olympische Programm gekommen ist – als Zugeständnis an die japanischen Gastgeber in Tokio. Dort wird es im kommenden Jahr, wenn die Spiele wie geplant stattfinden, jeweils sechs Karate-Wettbewerbe für Männer und Frauen geben. Für eine kleine Olympische Premiere hatten auch hier die Jugendspiele 2018 in Buenos Aires gesorgt.

2024 bei den Olympischen Spielen in Paris ist Karate dann aber schon wieder aus dem olympischen Programm gestrichen. Sehr zum Leidwesen der französischen Kampfsportler, die lange Zeit um eine Aufnahme ins Programm gekämpft hatten. Das Land ist eines der stärksten in dieser Sportart. Es gibt 255.000 Kämpfer, die in 5000 Klubs organisiert sind. Über die Hälfte der Sportler ist jünger als 18 Jahre. Bei den vergangenen vier Weltmeisterschaften holten die Franzosen 15 Titel.

Und so ist es nicht verwunderlich, das die französische Post 2012 weltweit für die ersten WM-Karate-Briefmarken anlässlich der Titelkämpfe in Paris sorgte.

Karate WM 2012 Frankreich 2

Dieser postfrische Briefmarken-Block aus Frankreich wurde am 10. September 2012 verausgabt. Der Briefmarken-Block enthält drei nennwertgleiche Briefmarken. Die 21.Weltmeisterschaften fanden vom 21.-25. November 2012 im Palais Omnisports in Paris statt. In Deutschland hat Karate mit der aktuellen Briefmarke erst jetzt seine sportphilatelistische Premiere gefeiert.

(Autor: KJA)

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s