Corona-Virus hat auch Sport fest im Griff – Philatelistische Erinnerungen bleiben

(Aktualisiert am 31. März 2020)

Die Corona-Pandemie bestimmt derzeit weltweit das öffentliche Leben. Im Vordergrund steht dabei die Gesundheit der Menschen. Dass sich den angeordneten Maßnahmen auch der Sport ohne große Diskussionen unterordnen muss, ist eigentlich verständlich. Der Sportverkehr ruht im wesentlichen, die Absagen oder Verlegungen von Großereignissen einschließlich der Olympischen Sommerspiele und der Fußball-Europameisterschaften häufen sich. Vermutlich wird es in den nächsten Monaten keine nationalen und internationalen Wettkämpfe mehr geben!

Ausgespielt – Das Virus legt den Fußball lahm

Die UEFA hat die Fußball-EM im Sommer 2020 abgesagt. Das Turnier soll ein Jahr später nachgeholt werden.Uefa-Europameisterschaft-EM-Fußball-2021-600 Auch die für 2021 geplante Frauen-EM wird verschoben, ebenso die Endspiele von Champions League und Europa League werden wohl verlegt. Die Entscheidungen traf das UEFA- Exekutivkomitee nach mehreren Krisensitzungen am 17.03.2020. Vertreter aller 55 Mitgliedsverbände, aber auch von der europäischen Klubvereinigung, desLigaverbands und der internationalen Spielergewerkschaft waren an den Beratungen beteiligt. Das Turnier soll nun vom 11. Juni bis 11. Juli 2021 stattfinden. Die Playoffs der EM- Qualifikation, die für März 2020 geplant waren, sollen im Juni 2020 nachgeholt werden.

Ursprünglich sollte das Turnier am 12. Juni in Rom eröffnet werden, das Endspiel war für den 12. Juli in London geplant. Zwölf Gastgeberländer waren vorgesehen, darunter Deutschland mit dem Spielort München. Dort sollen nun 2021 die drei Gruppenspiele der deutschen Mannschaft gegen Portugal, Frankreich und einen Playoff-Sieger sowie ein Viertelfinale ausgetragen werden. Die „EURO 2020“ wäre natürlich auch wieder ein Großereignis für uns Sportphilatelisten gewesen. Viele Länder hatten bereits Sonderbriefmarken und Münzen angekündigt. Am 4.Juni sollten in Deutschland  eine 80-Cent Marke und eine 20-Euro- Gedenkmünze zur Fußball-Europameisterschaft erscheinen. Die Entwürfe waren schon auf der Webseite des Bundesministeriums für Finanzen zu sehen, sind aber wegen der EM-Verlegung inzwischen zurückgezogen worden.

Der Münzrand enthielt in vertiefter Prägung die Inschrift: „Ein Turnier für Europa – Ein Turnier für die Fans“. Europa und die Fans müssen nun ein weiteres Jahr auf die Meisterschaften und damit auch auf die Briefmarke und die Münze warten.

Lediglich eine europäische Post hatte schon kurz vor der EM-Absage eine Marke in Umlauf gebracht. Fußball EM 2020 Zypern-türkisch 12.3.20

Am 12. März erschien im türkisch besetzten Teil von Zypern eine EM-Briefmarke mit dem offiziellen Logo und einer Abbildung des EM- Maskottchens „Skillzy“, einer Figur, die viele fußballerische Tricks beherrscht. Die internationale Staatengemeinschaft, außer der Türkei, und auch der Weltpostverein erkennen die Republik Nordzypern nicht als eigenen Staat an. De jure gehört das Gebiet zur Republik Zypern, die seit der türkischen Okkupation 1974 dort keine Hoheitsrechte mehr ausüben darf.

Briefe, die an Anschriften in der TRNZ adressiert sind, werden als „nicht zustellbar“ an den Absender zurückgeschickt. Dieses Problem wird umgangen, indem solche Postsendungen über eine Postleitzahl in der türkischen Hafenstadt Mersin umgeleitet werden. Die Türkei hatte sich für die Fußball EM qualifiziert und sollte in der Vorrunden- Gruppe A auf Italien, Wales und die Schweiz treffen. Der türkische Fußballverband hatte sich in der Vergangenheit mehrfach um die Austragung einer EM bemüht, war aber immer wieder gescheitert. Auf eine Austragung von Spielen 2020 hatte der Verband verzichtet, weil er sich Hoffnungen macht, den Zuschlag bei einer Bewerbung für die alleinige Ausrichtung der EM 2024 zu bekommen.

Von Corona „verweht“ – Skiflieger bleiben am Boden

Die 26.Skiflug-Weltmeisterschaftsollte ursprünglich vom 19. bis 22. März 2020 im slowenischen Planica stattfinden. Schon zum siebten Mal wäre die zweitgrößte Flugschanze der Welt Austragungsort dieses spektakulären Wettbewerbs gewesen. Angesichts der Corona-Krise wurde Anfang März 2020 zunächst durch die slowenische Regierung entschieden, dass die Skiflug-WM ohne Zuschauer stattfinden soll. Da der Internationale Skiverband FIS aber vorzeitig die Gesamtsaison abbrach, war davon auch die Skiflug-WM am 12. März 2020 offiziell betroffen. Ein Nachholtermin in der Saison 2020/21 steht zur Diskussion.

Was aber bleibt, ist diese Briefmarke der slowenischen Post, die am 13. März an die Postschalter gekommen ist.

Skiflug WM 2020 Planica Slowenien 13.3.20

Planica gehört zu den legendären Austragungsorten im Skispringen. Schon Anfang der Dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden dort Wettkämpfe ausgetragen. Die 1934 errichtete Großschanze war die erste Flugschanze der Welt, auf der mehrfach der Skiflug- Weltrekord verbessert wurde. Schon 1949 würdigte die jugoslawische Post dem slowenischen Wintersportort zwei Briefmarken.

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Da jedoch auch weltweit die Schanzen immer größer und moderner wurden, entschloss man sich auch in Planica nachzuziehen. Am 19.März 1969 wurde unweit der alten Schanzen die neue Flugschanze vor 90-tausend Zuschauern eröffnet. Fünfmal wurde während der Wettkampftage der Weltrekord verbessert. Derzeit steht der Schanzenrekord seit dem 24. März 2019 bei 252 Metern und wird vom Japaner Kobayashi gehalten. Sowohl die jugoslawische als auch später die slowenische Post würdigten immer wieder Planica, die Skiflug-Weltmeisterschaften und ihre Akteure mit Sonderausgaben.

Die 1. Skiflug-WM wurde im März 1972 in Planica ausgetragen. Extra für die WM war die Schanze umgebaut worden, um noch weitere Sprünge zu ermöglichen. Die Briefmarke zeigte die Schanze. Bezüge zur 1. WM gab es dagegen nur auf dem Rand des Bogens.

 

1985 würdigte die jugoslawische Post die WM in Planica „artgerecht“ mit der Abbildung von drei fliegenden Störchen. 1994, als Planica zum vierten Mal nach 1972, 1979 und 1985 eine WM veranstaltete, wurde erstmals von der Slowenischen Post eine Sondermarke herausgebracht, die auch an das 60jährige Jubiläum der Skiflug-Schanze in Planica erinnern sollte. Die WM 2004 blieb „Markenlos“. 2010 gab es dafür einen Block.

Als Lokalmatador Peter Prevc 2016 nach dem Gesamtsieg bei der Internationalen Vierschanzentournee auch noch Skiflug-Weltmeister am Kulm wurde, feierte die slowenische Post den Skispringer mit einem Sonder-Block.

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Eishockey-Eiertanz um WM-Absage in der Schweiz

Während der alpine und der nordische Skisport die Saison vorzeitig beendet hatten, konnte sich der Eishockey-Weltverband lange nicht entschließen, auch die WM in der Schweiz (8. Bis 24. Mai) endgültig abzusagen. Spielorte sollten Zürich und Lausanne sein. Zunächst verständigte sich das IIHF-Council am 17. März bei einer Telefonkonferenz auf eine Vertagung der Thematik. Vier Tage später am 21. März erfolgte dann das „Aus“ der WM.
Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es damit wieder eine Zwangspause. Die Weltmeisterschaft im Eishockey findet normalerweise abgesehen von den Olympia- Jahren in den 1980ern seit 1947 jährlich statt. Unklar ist noch, ob die Schweiz das Turnier in einem anderen Jahr nachholen kann. Die WM 2021 soll in Weißrussland und Lettland stattfinden, die weiteren Gastgeber bis 2025 stünden ebenfalls fest, erklärte die IIHF. Eine Entscheidung müsse der IIHF-Kongress treffen.

In der Schweiz war am 17. März der erklärte Notstand in Kraft getreten. Sämtliche Geschäfte und Lokale mit Ausnahme von Lebensmittelläden und Gesundheitseinrichtungen müssen geschlossen bleiben. Auch alle öffentlichen und privaten Veranstaltungen sind verboten. Trotzdem gibt es WM-Briefmarken. Die Schweizer Post hatte am 5. März aus Anlass der Eishockey-WM zwei Briefmarken herausgebracht.

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Auf der einen Briefmarke ist der Schweizer NHL-Star Nino Niederreiter abgebildet, auf der zweiten mehrere Spieler in Eishockeymontur.

Dem genauen Betrachter fällt allerdings sofort auf, dass es sich dabei nicht um richtige Nationalspieler handelt. «Bei der Größe der Briefmarke und mit Helm erkennt man die Spieler sowieso nicht richtig. Deshalb haben wir uns für Doubles entschieden. Diese sehen genau so gut aus wie die richtigen National-Cracks», sagte Janos Kick vom Organisationskomitee der Eishockey-WM 2020 gegenüber RADIO TOP. Das Motiv Eishockey hat in der Schweiz Tradition. Kein Wunder, fanden seit 1920 bereits insgesamt zehn WM-Turniere im Land statt.

Olympische Sommerspiele Tokio werden auf 2021 verlegt

Unter dem Eindruck der weltweiten Coronavirus-Pandemie war am 20. März in Japan die Olympische Flamme aus Griechenland für die Olympischen Spiele 2020 eingetroffen. In einer kleiner als ursprünglich gedachten Zeremonie wurde das Olympische Feuer auf einem Militärstützpunkt im Nordosten der Hauptinsel Honshu in Empfang genommen. Wegen der Gefahr einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus durften lediglich 200 Menschen daran teilnehmen.Foto AFP ein-sportereignis-im-zeichen(Foto:AFP)

Die Fackel sollte eigentlich in einem Staffellauf vom 26. März an durch die Präfekturen Fukushima mit dem zerstörten Atomkraftwerk, Miyagi und Iwate getragen werden. In vier Monaten sollte sie Tokio erreichen.

Die japanische Post bedachte den olympischen und paralympischen Fackellauf mit zwei Sondermarken, die im Bogen aufgelegt wurden.

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In Griechenland war der Fackellauf nach dem symbolischen Entzünden der Flamme am 12. März am zweiten Tag gestoppt worden, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Das Postamt in Olympia führte aus Anlass der Entzündung des Feuers wieder einen Sonderstempel und die griechische Post sorgte für eine personalisierte Marke.

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Das waren vorerst die letzten philatelistischen Erinnerungen an die Spiele 2020.

Am 24. März wurde das sportliche Großereignis des Jahres wegen der weltweiten Corona-Pandemie nach viel zu langer und zögerlicher Diskussion von Japans Ministerpräsident Abe in Absprache mit IOC-Präsident Bach um ein Jahr verschoben.

Die Olympischen Spiele (23.07.-08.08.21) wie auch die Paralympics (24.08.-05.09.21) werden nun im kommenden Jahr stattfinden, aber immer noch „Tokio 2020“ heißen. Damit kann auch das gesamte vorbereitete philatelistische Begleitprogramm der ohne nennenswerte Einschränkungen weiter fortgeführt werden, nur eben zu einem späteren Zeitpunkt. Zuletzt war der Druck auf das Gastgeberland und das IOC immer größer geworden, die Sommerspiele zu verlegen. Einige Länder wie Australien, Norwegen und Kanada hatten angesichts der Ansteckungsgefahr der Teilnahme für dieses Jahr bereits eine Absage erteilt.

Die Olympischen Spiele sind in Friedenszeiten noch nie ausgefallen oder verschoben worden. Zuletzt hatte es während des Zweiten Weltkrieges 1940 und 1944 keine Spiele gegeben. 1940 sollten sie ursprünglich ebenfalls in Tokio stattfinden, wurden später nach Helsinki verlegt, ehe sie wegen des Kriegsausbruchs ganz abgesagt wurden.

Das Corona-Virus und seine Folgen für den Anti-Dopingkampf

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) muss ihre Kontrollprogramm unter dem Einfluss der Restriktionen im öffentlichen Leben einschränken. „Das Doping- Kontrollsystem wird zurückgefahren“, sagte Nada-Vorstand Lars Mortsiefer auf Anfrage der FAZ. „Die Gesundheit aller steht im Vordergrund.“

Anti-Doping-Experten weisen immer wieder darauf hin, dass professionelle Doper lange vor ihrem Saison-Höhepunkt beim Training zu verbotenen Stoffen greifen, die vor allem die Regenerationszeit verkürzen und deshalb längere und intensivere Belastungen erlauben. Ungenügende Doping-Kontrollen im Vorfeld von sportlichen Großereignissen können während der Saison nicht mehr aufgefangen werden, weil der Nachweis der meisten im modernen Doping verwendeten Substanzen im Körper nicht so lange möglich ist. Angesichts der aktuellen Reise-und Einreisebeschränkungen, sowie der Flut von Absagen im weltweiten Sportbetrieb, wird es gegenwärtig kaum noch   Doping-Test geben. Und das im 30. Jahr der europäischen Antidoping-Übereinkunft!

Am 1. März 1990 war diese vom Europarat beschlossene Richtlinie, welche die wesentlichen Präventions-und Kontrollmaßnahmen zur ethischen Aufrechterhaltung des Sports beinhaltete, in Kraft getreten.

Für die rührige Post in Monaco Anlass für eine Sonderbriefmarke nebst FDC und Ersttagsstempel am 28.2.2020

 

Diese Ausgaben sind eine interessante Ergänzung zum Beitrag „Dopingbekämpfung wird zum Philatelie-Thema“, den ich am 6. Februar 2017 auf unserem Blog http://www.sportbriefmarken.wordpress.com sowie im OSPC-Newsletter 03/2017 veröffentlicht habe. Dopingbekämpfung wird zum Philatelie

 

(Autor: KJA)

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