Ins Schwarze getroffen – Briefmarke zur Biathlon-WM 2020 in Antholz

Die italienische Post hat es diesmal sehr spannend gemacht. Erst am 12. Februar zur offiziellen Eröffnungsveranstaltung der 51. Biathlon WM in Antholz wurde auch die WM-Briefmarke präsentiert. Dass es diese Marke überhaupt gibt, ist der Südtiroler Philatelisten Jugend zu verdanken, die den Antrag auf Herausgabe einer WM-Sonderbriefmarke gestellt hatte.

briefmarke_antholzAls ich im vergangenen Oktober zum „Forum Nordicum“, einem Treffen europäischer Skisportjournalisten in Antholz weilte, waren sich die WM-Organisatoren noch nicht sicher, ob das zuständige Wirtschaftsministerium überhaupt zustimmen würde. Die letzte und bislang einzige italienische WM-Biathlonbriefmarke hatte es 1983, also vor 37 Jahren, anlässlich der Titelkämpfe in Antholz gegeben. s-l1600-5

„Vielleicht konnte das momentan gute Abschneiden der italienischen Biathlon-Mannschaft und die in Antholz bevorstehenden Olympischen Biathlonwettkämpfe 2026 im Rahmen der Winterspiele in Cortina d´ Ampezzo die zuständige Kommission überzeugen“, meinte Ruffin Schullian, der Obmann der Südtiroler Philatelisten.

Parallel zur Eröffnungsveranstaltung am 12. Februar öffnete die italienische Post in Antholz ein Sonderpostamt, in dem es derzeit nicht nur die Marke zu kaufen gibt, sondern auch noch ein Ersttagsstempel abgeschlagen wurde.

Italienische WM-Marke von 1983 mit Ersttagsstempel.

Die aktuelle Marke, die in einer Auflage von einer halben Million Exemplaren zum Inlandstarif B an die Schalter gekommen ist, wirkt ein wenig nostalgisch. Angeblich wurde sie nach einer Skizze des WM-Organisationskomitees angefertigt. Aber so, wie die drei Biathleten auf der Marke gekleidet sind, läuft heutzutage keiner mehr über die Loipe zum Schießstand oder gar an den Zuschauern vorbei!

Antholz 2020 Karte mit Stempel

 

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Von vielen Südtirolern wird bemängelt, dass für die Zweisprachigkeit, sonst üblich im Lande, wohl kein Platz mehr auf der Briefmarke war!

Da hatten wir in der 62jährigen Geschichte der Titelkämpfe schon bessere Entwürfe.

16 Biathlon-WM-Briefmarken seit 1958

Seit 1958 gibt es in jedem Jahr, in dem keine Olympischen Winterspiele stattfinden, Biathlon-Weltmeisterschaften. Seit 1989 werden die Titelkämpfe gemeinsam für Männer und Frauen ausgetragen, nachdem die Frauen zuvor von 1984-88 eigene Meisterschaften hatten. Vorläufer des modernen Biathlonsports war übrigens ab 1910 der „Militärischer Patrouillenlauf“, bei dem die jeweiligen Mannschaften aus einem Offizier, einem Unteroffizier und zwei Soldaten bestehen mussten. Die Streckenlänge betrug zwischen 25 und 30 Kilometern, wobei nach der Hälfte der Distanz ein Liegend-Schießen zu absolvieren war. Für jeden Treffer bekam die Mannschaft, die geschlossen das Ziel erreichen musste, eine Zeitgutschrift von dreißig Sekunden.

Zu den Olympischen Winterspielen 1924, 1928 und 1936 wurde diese Disziplin als Demonstrationssportart zugelassen. 1930 fanden die ersten Weltmeisterschaften im Militärpatrouillenlauf statt, mit Einzel- und Staffelrennen. Unter dieser Bezeichnung wurde das Ganze bis 1948 geführt, ab 1949 setzte sich dann der Name Biathlon (griechisch: Zweikampf) durch. Biathlon Militärpatroullie 5.8.45 5erSerie Sport

So verwundert es auch nicht, das die erste „Biathlon-Briefmarke“, die am 5.August 1945, also unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Rumänien im Rahmen einer 5er Serie zum Thema Sport erschienen ist, den Patrouillenlauf zum Motiv hat.

Insgesamt fanden bisher in 18 unterschiedlichen Ländern Biathlon-Weltmeisterschaften statt. Die Schweiz und Frankreich waren nur Gastgeber von Frauenweltmeisterschaften. Häufigster Austragungsort ist das italienische Antholz, das nunmehr fünf reguläre Weltmeisterschaften (1975, 1983, 1995, 2007 und 2020) sowie 1976 den nichtolympischen Sprintwettbewerb veranstaltete.

Zur 1. Biathlon-Weltmeisterschaft 1958 in Saalfelden brachte die österreichische Post eine WM-Karte und einen WM-Sonderstempel heraus. Schade, dass es zu diesem Zeitpunkt im Rahmen der Freimarken aus der Serie Landschaften keine Marke mit einer Abbildung von Saalfelden gab.

Auf der abgestempelten Briefmarke ist ein Ausschnitt von Lermoos in Tirol zu sehen.

Zur 5. Biathlon-WM in Seefeld/Tirol, die am 3. Februar 1963 im Anschluss an die vorolympischen Wettkämpfe für 1964 in Innsbruck stattfand, „glänzte“ die österreichische Post mit einem Umschlag, auf dem eine WM-Vignette abgebildet war. Dazu gab es einen Ersttagsstempel. Beides war leider fehlerhaft. Es waren die 5. und nicht die 6. Weltmeisterschaften! Wie konnte das nur passieren.

Biathlon WM 1963 Seefeld FDC

Die ersten „echten“ WM-Briefmarken gab es erst 1967 bei der Biathlon-Weltmeisterschaft im sächsischen Altenberg. Die DDR-Post brachte drei Motive inklusive Ersttagsstempel in den Umlauf.

Biathlon WM 1967 Altenberg

Zur 16.WM 1978 im österreichischen Hochfilzen wurden die Biathlon-Sammler wieder fündig. Diese WM ging in die Geschichte ein. Denn erstmals wurden die Wettbewerbe mit dem Kleinkalibergewehr ausgetragen.

Biathlon WM 1978 Hochfilzen FDC Kopie

Am besten kamen damit die DDR-Athleten zurecht. Über 10 km landeten sie einen dreifachen Erfolg durch Frank Ullrich, Eberhard Rösch und Klaus Siebert. Ullrich und Rösch wurden zudem über 20 km Zweiter bzw. Dritter. Das Gold in der Staffel gewann ebenfalls die DDR.

Weitere WM-Ausgaben gab es 1981 im finnischen Lahti, 1983 in Antholz, 1986 im norwegischen Oslo, 1993 im bulgarischen Borowetz, 1997 im slowakischen Osrblie, 2012 in Ruhpolding, 2013 im tschechischen Nove Mesto und 2016 wiederum in Oslo.

 

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Biathlon WM 1993 Borowetz

Anlässlich der Weltmeisterschaften im bulgarischen Borowetz 1993 wurde zum ersten Mal eine Biathletin (linke Marke) auf einer Briefmarke verewigt.

Bei der WM 2011 im russischen Khanty Mansisk gab es zwar keine extra Briefmarke, dafür aber interessante „Sieger-Karten“, eine Ganzsache und einen Sonderstempel (links).

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Ruhpolding gehört zu den beliebtesten WM-Orten. Schon viermal wurden dort die Titelkämpfe ausgetragen – 1979, 1985, 1996 und 2012. Eine WM-Briefmarke „zur Belohnung“ gab es aber erst beim vierten Mal 2012.

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Die tschechische Post veröffentlichte zur Biathlon-WM 2013 in Nove Mesto eine Postkarte mit dem Wertzeichen-Eindruck „Z“. Dieser entsprach einer Gebühr für einen Priority-Standardbrief bis 20 g in außereuropäische Länder.

 

(Autor: KJA)

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