Von Biber „Amik“ bis Panda „Dwen Dwen“ – Olympia-Maskottchen auf Briefmarken

Ein Panda und ein chinesisches Laternenkind sind die Maskottchen für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022 in Peking. Nachdem das Organisationskomitee die beiden Symbolfiguren am 17. September vergangenen Jahres in der chinesischen Hauptstadt erstmals öffentlich vorgestellt hatte, sind am 16. Januar 2020 beide Figuren jetzt auch auf zwei chinesischen Briefmarken und Kleinbogen offiziell verewigt worden.

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„Bing“ bedeutet Eis und symbolisiert auch Reinheit und Stärke. „Dwen Dwen“ ist ein in China gebräuchlicher Spitzname für Kinder, der für Gesundheit, Charme und Selbstbewusstsein steht. Der Panda gilt als chinesischer Nationalschatz und wird von Menschen aus aller Welt sehr geliebt.

Das paralympische Maskottchen, ein Kind in Form einer roten chinesischen Laterne, heißt Shuey Rhon Rhon. Shuey hat die gleiche Aussprache wie das chinesische Schriftzeichen für Schnee. Das erste „Rhon“ im chinesischen Namen des Maskottchens bedeutet „zusammenschließen, tolerieren“, während das zweite „Rhon“ für „verschmelzen“ und „sich erwärmen“ steht. Der Name drückt die Hoffnung aus auf mehr Integration von Menschen mit Behinderung sowie auf Dialog und Verständnis zwischen den Kulturen der Welt.

Olympische Maskottchen gehören mittlerweile zu den attraktivsten Briefmarkenmotiven im Vorfeld der jeweiligen Spiele. Auch die japanische Post hatte 2019, exakt 500 Tage vor Beginn der diesjährigen Sommerspiele in Tokio, zwei Sondermarken mit Abbildungen der Maskottchen aufgelegt.

Die beiden futuristischen Wesen mit den großen Kulleraugen heißen „Miraitowa“ und „Someity“. Das Design des im Karomuster ähnlich dem Olympia-Logo gekleideten Duos – eines in Dunkelblau und Weiß sowie eines in Rosa und und Weiß für die Paralympics – war von japanischen Schulkindern aus mehreren Kandidatenentwürfen ausgewählt worden. Die Olympischen Spiele in der Hauptstadt Tokio finden vom 24. Juli bis 9. August 2020 statt.

Die Geschichte der Olympia-Maskottchen begann vor 52 Jahren

Das erste Olympiamaskottchen gab es 1968 bei den Olympischen Winterspielen in Grenoble. 1968 Grenoble-Schuss_(mascot) Das Maskottchen hieß „Schuss“ und symbolisierte einen armlosen Skiläufer mit Glubschaugen. Spötter bezeichneten es dagegen als ein „Skiing Sperm“ – ein skifahrendes Spermium

1972 folgte bei den Sommerspielen in München Dackel „Waldi“. Die Idee dazu hatte NOK-Präsident Willi Daume, der selbst Besitzer eines Dackels war.

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Dackel verkörpern Zähigkeit, Beweglichkeit und Widerstandsfähigkeit. Außerdem galt der Dackel damals als ein typisches Haustier der Münchener Bürger. Zu den Künstlern um Otl Aicher, die für die Gesamtgestaltung der Spiele verantwortlich zeichneten, gehörte auch Graphikerin Elena Winschermann, die den Gestaltungsbereich rund um die Souvenirs übernommen hatte. Das Maskottchen sollte eine klare Form und Gestalt haben und eigentlich nicht zu einem wildwuchernden Souvenir-Kitsch verkommen. Als Vorbild diente eine 84 Tage alte Hündin namens „Cherie von Birkenhof“.

Waldi wurde letztendlich nach allen werbestrategischen Regeln umfangreich vermarktet, warb für einige bekannte Produkte und konnte auf Papiertüten, als Sticker, Poster, Anstecker, in Holz, Stoff, Frottee und Plüsch, als Knautschtier, Kissen und Puzzle erstanden werden. Auch als Figur mit wackelndem Schwanz zum Hinterherziehen war das Maskottchen in Spielwarenhäusern, -abteilungen und offiziellen Olympiaverkaufsständen zu haben. Weitere Varianten des Sympathieträgers konnten, lt. Wikipedia, auch als Lutscher, Sparschwein und Luftballon erworben werden. Nur auf Briefmarken gab es das Münchner Olympiamaskottchen damals noch nicht!

Die Österreicher kreierten 1976 für ihre Winterspiele in Innsbruck einen Schneemann zum Maskottchen. Er sollte die „Spiele der Einfachheit“ symbolisieren. Der österreichischen Post war er aber wohl zu einfach – sie ignorierte den kleinen Kerl.

Das Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 1976 im kanadischen Montreal hieß „Amik“. In der Sprache der First Nations ist dies das Wort für den Biber.

Er wurde ausgewählt wegen seines Arbeitseifers und seiner Geduld. Das Maskottchen trägt einen roten Gürtel mit dem Logo der Spiele, stellvertretend für das Band, an dem die Goldmedaille hängt. Die Kanadier fanden den schwarzen Puschel nicht so hübsch – der Stoffbiber wurde zum Ladenhüter. Dabei ist der Biber das nationale Symbol des Landes und findet sich auf zahlreichen Briefmarken und Münzen wieder. Auf eine aktuelle Olympiabriefmarke der kanadischen Post hatte er es als Maskottchen aber 1976 nicht geschafft.

Dafür sorgte die kubanische Post, die den Biber „Amik“ kurzerhand auf eine ihrer Ausgaben abdruckte, vermutlich ungeachtet irgendwelcher Lizenzen. Diese Blockausgabe von 1976 ist damit die erste weltweit bekannte mit einem offiziellen Olympiamaskottchen.

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1980 – Philatelistische Heimpremiere für Bär Mischa

Das erste olympische Maskottchen, das es auf eine Briefmarke eines Gastgeberlandes der Olympischen Spiele schaffte, war Bär Mischa, der für die Sommerspiele 1980 in Moskau vom bekannten Kinderbuchillustrator Victor Chizikov entworfen worden war. Der verschmitzte „Pummelbär“ wurde zu einem populären Begleiter der Wettkampftage in der sowjetischen Hauptstadt.

Zum ersten Mal erschien „Mischa“ auf einer Neujahrsmarke am 28.11.1979 in einer Auflage von sieben Millionen Stück. Am 21.11.1980 war er noch einmal auf einer Blockausgabe zu den Erfolgen sowjetischer Sportler bei den Sommerspielen in Moskau zu sehen.

Zu den Olympischen Spielen 1984 in Sarajewo und Los Angeles schafften es die Maskottchen „Vucko“, ein fröhlicher Wolf, und der Weißkopfadler „Sam the Eagle“ nicht auf die Briefmarken der jeweils heimischen Post. Olympiamaskottchen 1948 LA Sam the eagle Lediglich die Postverwaltung von Benin gab dem amerikanischen Adler ein Markengesicht.

Hodori Maskottchen 1988 Seoul1988 grinste das Tigermaskottchen Hodori anlässlich der Sommerspiele in Seoul von einer südkoreanische Briefmarke und verdrängte damit seinen ursprünglichen weiblichen Gegenpart, die Tigerdame Hosuni, endgültig von der Bildfläche.

 

Hidy und Howdy, die beiden unzertrennlichen Polareisbären, waren zuvor in Calgary bei den Olympischen Winterspielen 1988 das erste Doppel-Maskottchen der Olympiageschichte.quatchipinhidy Schade, das es keine Briefmarke von ihnen gibt.

22 Jahre später in Vancouver 2010 wurde den Maskottchen der Winterspiele und der Paralympics von der kanadischen Post sogar ein ganzer Block gewidmet. Sumi, Miga und Quatchi lassen grüßen. Im Verständnis der kanadischen Ureinwohner ist Sumi  ein Schutzengel der Tiere, Miga ein mystischer Seebär und Quatchi symbolisiert den legendären „Großfuß“, der davon träumt, ein berühmter Eishockeytorwart zu sein.

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Eine erste Abkehr vom klassischen Tier-Maskottchen erfolgte 1992 bei den Winterspielen im französischen Albertville mit „Magique“, einem grinsenden, futuristischen Schneestern in blau-weiß-rot. Obwohl auf keiner Briefmarke abgebildet, gab es ihn als kleine Zeichnung auf einem Heftchen mit Ergänzungsmarken.

Bei den Sommerspielen 1992 in Barcelona war „Cobi“, ein katalanischer Schäferhund, das Maskottchen, das es auch auf die offiziellen Olympiabriefmarken schaffte.

Die Maskottchen der Winterspiele 1994 in Lillehammer (die zwei norwegischen Königskinder Hakon und Kristin) gingen philatelistisch ebenso leer aus, wie 1996 in Atlanta das erste computergenerierte Maskottchen „Izzy“.

Erst 1998 im japanischen Nagano gab es wieder Abbildungen von Maskottchen auf Briefmarken. Am 7.2.97 veröffentlichte die japanische Post eine Briefmarke mit den vier Eulen – den Snowlets „Sukki“, „Nokki“, „Lekki“ und „Tsukki“, die jeweils stellvertretend für ein Jahr zwischen den Olympischen Spielen stehen sollten.

Sydney 2000 und Salt Lake City 2002 konnten sich zwar vor tierischen Plüsch-Maskottchen kaum retten, die jeweiligen Postverwaltungen zeigten den Maskottchen aber die kalte Schulter. Vielleicht lag es an der Qual der Wahl, dass man eine philatelistische Abbildung einfach vergaß.

Maskottchen-Marken-Rekord in Athen

Die Griechen waren bei den Sommerspielen 2004 in Athen aus philatelistischer Sicht viel aufmerksamer. „Athena“ und Phevos“, die zwei als Maskottchen gekürten Geschwister, waren antiken Puppen nachempfunden worden. Die Post sorgte für einen neuen Rekord: so viele Olympiamarken mit Abbildungen der Maskottchen hatte es bisher noch nie gegeben.

Bereits am 11.2.2003 brachte sie eine Blockausgabe der Zwei an die Schalter. Am 9.5.2003 folgten 28 Einzelmarken, auf denen die beiden Maskottchen die Sportarten der Spiele vorstellten. Am 9.9.2003 wurde mit einem weiteren Block nachgelegt. Und auch auf dem Block zur Olymphilex am 13.8.2004 waren die Olympiamaskottchen zu sehen.

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Die Symbolkraft von Maskottchen ist  gewaltig. Wenn die Olympiaveranstalter schon kein Tier küren, dann sind es meist Phantasiefiguren wie „Neve“ und „Gliz“ 2006 in Turin –  ein weiblicher Schneeball und ein männlicher Eisblock. Gefiel auch nicht allen!CTA-s

 

Auch an die Pekinger Maskottchen 2008 musste man sich erst gewöhnen. Ihre fünf Namen bildeten den chinesischen Satz „Beijing huan ying ni“ (北京欢迎你), was soviel wie „Willkommen in Peking“ bedeutete.

 

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Jede Figur stand für einen olympischen Ring und für ein Feng-Shui-Element. Insgesamt 18 Marken wurden mit den Maskottchen in Umlauf gebracht.

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Tierisch ging es wieder 2014 in Sotschi bei den Winterspielen zu. Eisbär, Leopard und Hase wurden in einer landesweiten SMS-Abstimmung aus einer Reihe von Vorschlägen ausgewählt. Wie schon 1980 der Bär Mischa waren auch diese Drei äußerst beliebt und klassische Motive für die russische Post.

Sotschi 2014 Maskottchen

Philatelistische Fehlanzeige dagegen 2012 bei den Sommerspielen in London. Wenigstens tauchte „Wenlock“, das Maskottchen auf einem FDC als Abbildung auf. Die Kunstfigur aus Stahl hatte nur ein Auge und auf seinem Kopf eine orangefarbene Leuchte, die an die Schilder auf den englischen Taxis erinnern sollte.

London 2012 FDC Maskottchen

In Rio 2016 hieß das Maskottchen „Vinicius“ und war ein Fantasiewesen, das nach dem Liedtexter Vinicius Moraes nach landesweiter Befragung benannt worden war.

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2018 bei den Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang sprang mit „Soohorang“ ein weißer Tiger auf´s Markenbild – sozusagen das Pendent zu Tiger „Hodori“, der 1988 bei den Sommerspielen in Seoul das Maskottchen war.

csm_fertig_Korea_4897fda5f0Die südkoreanische Post hatte 20 verschiedene Briefmarken (insgesamt 1,4 Millionen Exemplare) herausgeben, um die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang 2018 zu würdigen. Die Kleinbogen zeigen das Olympische Hauptstadion PyeongChang und das Maskottchen Weißer Tiger Soohorang, das an 15 Wettbewerben einschließlich Viererbob, Curling, Skispringen, Snowboarden und Eisschnelllauf teilnimmt.

Übrigens, die ersten offiziellen Maskottchen bei den Paralympics waren 1980 im niederländischen Arnheim zwei Eichhörnchen. 19 weitere Maskottchen folgten bis einschließlich 2022 – wie dem Anfang dieses Beitrages zu entnehmen ist ….aber das ist schon wieder eine andere „Geschichte“!

(Autor: KJA)

 

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