Der Olympia-Countdown läuft!

Vor Südkoreas Postämtern gab es wieder einmal lange Schlangen, als am 18. Januar 2018 der Zusammendruck für die Paralympics an die Schalter zum Verkauf kam.

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Im Nu waren die 800.000 Briefmarken-Bögen in den 220 Hauptpostämtern des Landes ausverkauft, wie schon zuvor auch die beiden Bögen mit je zehn Marken, die am 1.November 2017 genau 100 Tage vor den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang herausgekommen waren

image1 Kopie„Wir hoffen, dass die Pyeongchang Winter Games 2018 eine Gelegenheit sein werden, die ganze Welt zu vereinen, unabhängig von Rasse, Religion und Behinderung“, sagte Kang Seong-ju, Leiter der Korea Post.

Die nächsten Olympiamarken wird es zum Eröffnungstag der Winterspiele am 9. Februar geben.

 

Koreanische Postangestellte bei der Präsentation der Briefmarken am 1.11.2017.

 

Aber nicht nur die Sonderbriefmarken sind unter den Südkoreaner ein Renner, sondern seit kurzem auch eine neue Banknote, die eine der populärsten Sportarten des Landes zeigt: den Shorttrack.

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Copyright: http://www.banknotenews.com

Zum ersten Mal hat die südkoreanische Notenbank anlässlich eines Großereignisses eine Sonderbanknote herausgegeben. Und bei dieser lohnt sich ein genauer Blick, denn sie enthält erstaunliche Details.

Da wäre zunächst einmal der Wert. Er beträgt 2000 Won, umgerechnet rund 1,50 Euro. Einen solchen Schein gab es bisher in Südkorea nicht, der Wert jeder bisherigen Won-Note hat die Basiszahlen fünf oder zehn, also 1000, 5000, 10.000 und 50.000. Allerdings ist die olympische Note auch nicht für den normalen Zahlungsverkehr gedacht, und dafür werden sie die Besitzer auch nicht nutzen, denn die Scheine wurden in Schmuckhüllen abgegeben, zum Preis von 8000 Won das Stück.  2,8 Millionen brachte die Notenbank unters Volk, und sie fanden reißenden Absatz. Das hängt vielleicht auch mit den Motiven zusammen. Auf der Vorderseite dominieren zwei Eisschnellläuferinnen – so weit, so unspektakulär. Doch was nach einer zufälligen Auswahl aussieht, ist gar nicht so. Denn die Sportart ist ein wesentlicher Grund dafür, dass Südkorea überhaupt die Winterspiele ausrichtet.

Südkorea nimmt zwar seit 1948 daran teil, bis 1988 hatte es jedoch keine einzige Medaille gewonnen – keine gute Voraussetzung, um selbst einmal Gastgeber zu sein. Das änderte sich jedoch schlagartig mit den Winterspielen in Albertville 1992, als das Land zwei Gold- sowie eine Silber- und eine Bronzemedaille errang. Die Medaillen kamen jedoch nicht aus dem Nichts. In jenem Jahr wurde eine neue Sportart in die Reihe der olympischen Disziplinen aufgenommen, der sogenannte Shorttrack.

Das schnelle Sprinten übers Eis wird seitdem von Südkorea dominiert. Seit 1992 hat das Land 21 Goldmedaillen allein in dieser Disziplin errungen, von den insgesamt 53 Medaillen, die es seither erkämpfte, gehen 42 auf das Konto dieser einen Sportart. Und auch die übrigen Medaillen wurden in weiteren Varianten des Eisschnelllaufs erzielt.

Zwar werden noch sieben weitere Sportarten auf der Vorderseite der Banknote dargestellt, diese jedoch nur mit sehr kleinen oder nur schwer erkennbaren Motiven: Eishockey, Curling, Biathlon, Skispringen, Rennrodeln und Bobfahren.

In der linken oberen Ecke ist das offizielle Logo der Spiele zu sehen. Auch darin verbergen sich diverse Botschaften. So sieht das linke Symbol aus wie der Buchstabe P im koreanischen Alphabet, dem sogenannten Hangul. Es ist ein Buchstabenalphabet, wobei aber stets zwei oder drei Buchstaben zu einem Paket zusammengefasst werden, wodurch diese wie chinesische Bildzeichen wirken, es aber nicht sind.

Das rechte Symbol des Logos wiederum ähnelt dem koreanischen Buchstaben C – P und C stehen für Pyeongchang, den Namen des Austragungsorts. Gleichzeitig sollen die Piktogramme jedoch auch die Offenheit des Platzes, an dem die Spiele stattfinden sowie die Natur, insbesondere den Schnee, darstellen.

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Die Rückseite hat auf den ersten Blick keinen direkten Bezug zu den Olympischen Spielen – doch bei genauerem Hinsehen gibt es ihn durchaus. Dargestellt ist ein Gemälde von Kim Hong-do mit dem Titel „Tiger unter einer Pinie“. Kim, der meist mit dem Namen Danwon signierte, lebte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zur Zeit der Joseon-Dynastie und gilt als einer der größten und bekanntesten koreanischen Künstler. Der weiße Tiger und die Pinie, die er gemalt hat, gelten wiederum als Symbole für die koreanische Nation.

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Und was hat das mit den Olympischen Spielen zu tun? Dafür muss man nur eines der Maskottchen der Spiele betrachten – einen weißen Tiger. Auch wenn dieser natürlich wesentlich knuddeliger aussieht, als das echte Exemplar. Das Maskottchen hat den Namen Soohorang erhalten, was sich aus den Wörtern Sooho (Schutz) und Horangi (Tiger) ableitet. Der Tiger soll die Olympioniken beschützen.

Gleichzeitig verweist die Silbe „rang“ aber auch noch auf das bekannteste koreanische Volkslied Arirang, das von der UNESCO sogar in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen wurde. Dieses Lied wurde auch anstatt einer Nationalhymne gespielt, wann immer die Sportler Nord- und Südkoreas bei Olympischen Spielen gemeinsam antraten. Und so wird es auch in Pyeongchang sein.

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Gespannt dürfen wir deshalb auch sein, welche Olympia-Briefmarken Nordkorea diesmal auflegen wird, nachdem nun offiziell 22 Sportlerinnen und Sportler an den Spielen in Pyeongchang teilnehmen werden. Erstmals wird mit der Frauen-Eishockeymannschaft ein aus beiden Ländern bestehendes gemeinsames Team das olympische Turnier bestreiten.

 

Zu den Winterspielen in der jüngsten Vergangenheit gab es, um den Devisenhaushalt des Landes aufzubessern, immer entsprechende Ausgaben der nordkoreanischen Post, so auch anlässlich der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver und 2014 in Sotschi (s.Abb.).

Bislang veranstaltete Nordkorea im zurückliegenden Jahr aber lediglich ein philatelistisches „Trommelfeuer“ ganz anderer Art. Parallel zu den Atom-und Raketentests ging dabei auch richtig die Propaganda-Post ab. Zehn der 79 Markenmotive des Jahres 2017 waren mit Raketen versehen. Und natürlich fehlte in diesem Zusammenhang auf den Abbildungen auch nicht der „kleine Raketen-Mann“!

6577-bStolz wie Oskar: Diktator Kim Jong-un ließ sich und die Rakete, mit der er die USA bedrohen kann, als Briefmarke verewigen.

Inzwischen gibt es aber auch schon aktuelle Olympia-Ausgaben einiger Länder auf dem Markt. Für die Gestaltung der traditionellen Olympiabriefmarken mit den Motiven «Ski Nordisch» und «Ski Alpin» beauftragte die Post Liechtensteins eine Designerin aus dem Austragungsland. Die in England wohnhafte Koreanerin Sojung Kim-McCarthy platzierte je einen Athleten der beiden Sportarten in typischer Rennpose auf der Briefmarke und verlieh dem Motiv mit bunten Akzenten zusätzliche Dynamik.

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Die estnische Briefmarke zu den  Winterspielen zeigt „gendergerecht“ eine-n Eisschnellläufer-Inn.

Estnische Sportler nahmen übrigens zum ersten Mal an Olympischen Winterspielen 1924 teil. Seit Insbruck 1964 haben Fünf von ihnen neun Medaillen gewonnen: Eisschnellläufer Ants Antson Gold (1964), Kombinierer Allar Levandi Bronze (1988), die Ski-Langläufer-innen Jaak Mae Bronze (2002), Andrus Veerpalu Gold und Silber (2002), sowie Gold (2006) und Kristina Smigun zwei Mal Gold (2006) und Silber (2010).

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Die Schweizer Olympiamarke zeigt die Schanzenanlage von Pyeongchang. Im Vordergrund ist zudem eine Schar Schweizer Athleten oder Sport-Fans zu sehen – ganz in Rot gemalt und mit Wollmützen und Schweizer-Fähnchen ausgestattet.

Die Marke füge sich in eine lange Reihe von olympischen Sondermarken ein, welche die Post bereits veröffentlicht habe, heisst es in einer Medienmitteilung. Eine Olympische Briefmarke gab es zuletzt für die Spiele von Vancouver 2010, Beijing 2008, Turin 2006 sowie Athen 2004.

Nach den Sommerspielen 1988 in Seoul ist Südkorea im Februar 2018 mit Pyeongchang zum zweiten Mal Gastgeber der olympischen Familie. An jene Spiele vor drei Jahrzehnten hat die Schweiz nur mässig gute Erinnerungen: Mit vier Medaillen fiel die Bilanz mit je zweimal Silber und Bronze durchschnittlich aus. Deutlich erfolgreicher schloss man an den bisherigen Winterspielen in Asien ab. Olympia 1972 in Sapporo ist aus Schweizer Sicht geradezu legendär: Mit viermal Gold, dreimal Silber und dreimal Bronze holte sich die Schweiz Rang drei im Medaillenspiegel. Hier gingen seinerzeit auch die Sterne von Bernhard Russi und Marie-Theres Nadig auf. Aus dem japanischen Nagano kehrte die Schweizer Delegation 1998 mit sieben Medaillen im Gepäck nach Hause zurück. Nachdem die Schweiz zuletzt noch erfolgreicher war – neun Medaillen in Vancouver, elf in Sotschi – darf wohl zu Recht mit einer Steigerung geliebäugelt werden.

Aktuelle Olympia-Marken veröffentlichten bislang auch die Postverwaltungen der Ukraine, Tschechiens, der Slowakei, Monacos, Polens , Sloweniens, Serbiens und Litauens.

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Dieser Block, der keinen direkten Bezug zu den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang besitzt, wurde aktuell von der Postverwaltung in Canada herausgegeben. Gewidmet wurde diese Ausgabe den Frauen im Wintersport. Der Briefmarken-Block enthält fünf Marken mit sechs Porträts bekannter Athletinnen.

In Deutschland wird es dagegen wieder einmal keine Briefmarke mit winterlichem Olympiamotiv geben. Die traditionelle Plusmarkenserie „Für den Sport“, die am 3.Mai erscheinen soll, ist in diesem Jahr legendären Fußball-Helden der Jahre 1954, 1974 und 1990 gewidmet. Wir sind gespannt.

Wie lange überhaupt noch die Post  Sportmotive auflegt, ist durchaus fraglich. Denn der Absatz der Plusmarken-Serie zur Unterstützung der Stiftung Deutsche Sporthilfe ist rückläufig, wie deren Chef Michael Ilgner in einem Interview mit der Thüringer Allgemeinen vom 16.11.2017 beiläufig verriet:

„Wir hatten jedes Jahr eine kontinuierliche Steigerung der Fördersumme, auch wenn die Briefmarken-Erträge um ein Vielfaches zurückgegangen sind!“

 

(Autor: KJA)

 

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