In Memoriam – Sportphilatelistische Erinnerungen

Der November 2017 war nicht gerade ein Monat der guten Nachrichten. An dieser Stelle wollen wir speziell an vier Sportlerinnen und Sportler erinnern, die leider verstorben sind, deren Wirken aber philatelistisch weiterlebt.

Tränen einer Tennis-Legende

Die Tenniswelt trauert um die frühere Wimbledonsiegerin Jana Novotna. Sie erlag am 20. November im Alter von nur 49 Jahren ihrer Krebserkrankung.

TENNIS-NOVOTNA

Das Foto zeigt Jana Novotna am 4. Juli 1998 nach ihrem Wimbledon-Sieg. / AFP PHOTO / PASCAL PAVANI

Die tschechische Tennisspielerin hatte in den 14 Jahren ihrer Profi-Karriere 24 Titel im Einzel und 76 im Doppel gewonnen. Sie war die Nummer zwei im Einzel und die Nummer eins im Doppel. 1998 hatte sie gegen die Französin Nathalie Tauziat im Wimbledon-Finale gesiegt und damit den einzigen Grand-Slam-Titel ihrer Karriere geholt

In Erinnerung geblieben sind aber vor allem die emotionalen Bilder vom Wimbledonfinale 1993. Im Endspiel gegen Steffi Graf hatte Novotna bei eigenem Aufschlag schon mit 6:7, 6:1 und 4:1 geführt – und verlor den entscheidenden Satz am Ende doch noch mit 4:6. Bei der anschließenden Siegerehrung erlitt die Tschechin nach ihrem unerwarteten Leistungseinbruch einen Weinkrampf und musste sogar von der Herzogin von Kent in den Arm genommen und getröstet werden.

Jana Nowotna

FDC mit personalisierter Briefmarke von Jana Novotna anlässlich „120 Jahre Tennis in Tschechien“. Die Marke ist eine von 25, auf denen die tschechische Post berühmte Tennisspieler des Landes würdigte.

„Tennis gibt mir alles und erfüllt mich auch nach all den Jahren“, hatte sie vor zwei Jahren im All England Tennis Club in London am Ort ihres größten Triumphes gesagt. Bei den Olympischen Spielen gewann Novotna zwei Silbermedaillen und eine Bronzemedaille. Mit der tschechoslowakischen Mannschaft holte sie 1988 den Sieg im Fed Cup.

Sechs Jahre nach ihrem Rücktritt wurde Novotna 2005 in die Tennis Hall of Fame aufgenommen.

Türkischer „Westentaschen-Herkules“ mit bulgarischen Wurzeln

Auch der dreimalige türkische Gewichtheber-Olympiasieger Naim Süleymanoglu ist tot. Der herausragende Heber der 80er und 90er Jahre, wegen seiner nur 1,47 m Körpergröße und seiner immensen Kraft liebevoll „Westentaschen-Herkules“ genannt, starb am 17. November im Alter von nur 50 Jahren in einem Istanbuler Krankenhaus.

Naim_Süleymanoğlu_1989_Paraguay_stampSüleymanoglu war Ende September wegen Leberversagens dorthin eingeliefert worden. Anfang Oktober wurde ihm eine neue Leber transplantiert. Offenbar hatte sein Körper das neue Organ aber wieder abgestoßen.

Süleymanoglu war zu seiner Zeit der Star der Gewichtheber-Szene. Der Federgewichtler stellte sechs Weltrekorde auf.  Dabei brachte er sogar das Dreifache seines Körpergewichts zur Hochstrecke.

WM-Titel sammelte Süleymanoglu wie andere Menschen Briefmarken. Am Ende brachte er es auf 22 WM-Goldmedaillen. Höhepunkte aber waren seine Olympiasiege 1988 in Seoul, 1992 in Barcelona und 1996 in Atlanta.

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Türkischer Ersttagsbrief nach den Olympische Sommerspiele 1988 in Seoul zum Gewinn  Goldmedaille im Gewichtheben durch Naim Süleymanoglu.

2000 in Sydney scheiterte er bei dem Versuch, als erster Gewichtheber zum vierten Mal in Folge zu triumphieren. Danach beendete er seine Karriere.

Süleymanoglu wurde als Angehöriger der türkischen Minderheit in Bulgarien unter dem Namen Naum Sulejmanow geboren. Später musste er seinen Namen in Naum Schalamanow ändern, für Bulgarien holte er sieben WM-Titel.

Gewichtheben WM 1986 in Sofia

Sondermarke der bulgarischen Post zur WM im Gewichtheben 1986 in Sofia. Dort hatte Naim Süleymanoglu seinen letzen Auftritt für Bulgarien.

 

Nach der WM 1986 setzte er sich während einer Australienreise ab und ging in die Türkei. Gegen die Zahlung eines hohen Geldbetrages durfte er schließlich für seine neue Heimat an die Hantel gehen.

 

 

Trauer um deutsche Radsportler

Der deutsche Radsport trauert in diesem Monat gleich um zwei berühmte Athleten: Um Bernhard Eckstein und Lothar Thoms.

Der Amateur-Straßenweltmeister von 1960 Bernhard Eckstein war am 13. November im Alter von 82 Jahren nach langer schwerer Krankheit in Leipzig verstorben. Legendär sein damaliges Rennen auf dem Sachsenring. Um den WM-Erfolg rankten sich viele Mythen.

Eckstein war zwar nicht der populärste Sportler der DDR, aber sein Name wird fast immer in einem Atemzug mit diesem genannt: Gustav-Adolf Schur. Die beiden waren die Hauptfiguren des legendären WM-Rennens 1960.

Als Bernhard Eckstein im Januar dieses Jahres in seiner Leipziger Wohnung eines seiner letzten Interviews gab, musste er sich auch wieder die Frage gefallen lassen, die jahrzehntelang zumindest im Osten Deutschlands fast so häufig diskutiert wurde wie die Frage nach dem Wembley-Tor: „Stimmt es wirklich, dass Ihnen Täve Schur damals den Sieg geschenkt hat? „Alles Quatsch, ich bin der Weltmeister“, antwortete Eckstein fast ein wenig gereizt.

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Täve Schur, Bernhard Eckstein und Willy Vanden Berghen (v. li) bei der Siegerehrung der WM 1960.

Schur war damals der große Favorit. Nach seinen Siegen bei den Weltmeisterschaften 1958 und 1959 fand das Championat 1960 in der nach internationaler Anerkennung strebenden DDR statt. Schur war der „Nationalheld“, der unbedingt gewinnen sollte. Aber an jenem Tag kam alles ganz anders – Zeitzeugen erinnern sich:

„Das Amateur-Rennen am 13. August 1960 führte über den 8,7 Kilometer langen Rundkurs des Sachsenrings, der 20-mal zu absolvieren war, so dass sich eine Gesamtdistanz von 174,62 Kilometern ergab. Das Rennen begann bei regnerischem Wetter, was sich auch auf die Zahl der Zuschauer auswirkte. Die Angaben dazu schwanken zwischen 150.000 und 300.000 Besuchern unmittelbar an der Strecke.

Im Rennverlauf setzten sich zunächst der Italiener Cerbini  und Bernhard Eckstein vom Hauptfeld ab. Sechs weitere Fahrer, unter ihnen  der Belgier Willy Vanden Berghen, nahmen die Verfolgung des Spitzenduos auf. Die so entstandene achtköpfige Ausreißergruppe lag drei Runden vor Ende des Rennens rund 90 Sekunden vor dem Hauptfeld  mit Titelverteidiger Gustav Adolf Schur. In der drittletzten Runde erhöhte Schur das Tempo, wodurch sich der Vorsprung der Spitzengruppe auf rund 30 Sekunden reduzierte. Durch eine weitere Tempoverschärfung gelang es Schur, sich allein der Gruppe zu nähern.

In der vorletzten Runde erreichte er schließlich die führenden Fahrer, von denen sich kurz vorher jedoch Willy Vanden Berghen allein abgesetzt hatte und zum Beginn der letzten Runde einen Vorsprung von rund 30 Sekunden erreichte. Aus der Verfolgergruppe versuchten nun nur noch Schur und Eckstein, den Belgier einzuholen. Dies gelang ihnen am Badberg, einem steilen Anstieg rund vier Kilometer vor dem Ziel. Kurz danach setzte sich Eckstein allein aus der Dreiergruppe ab. Vanden Berghen zögerte und blieb bei Schur, da er davon ausging, dass sich Eckstein als Helfer von Schur dessen drittem Sieg unterordnen würde. Schur nahm die Verfolgung von Eckstein hingegen nicht auf und bremste damit den Belgier aus, der weiterhin bei ihm blieb. Dieser bemerkte zu spät, dass der Titelverteidiger keinen Versuch unternahm, seinen Mannschaftskameraden noch einzuholen. Eckstein gewann durch diesen Verzicht das Rennen mit sieben Sekunden Vorsprung vor Schur, der den Sprint gegen den Belgier für sich entschied.“

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Limitierte Auflage des Ersttagsbriefs der Biberpost und des Radsportmuseums „Course de la Paix“ Kleinmühlingen zu Bernhard Ecksteins WM-Triumph. Von diesem Brief wurden nur 500 Stück gefertigt. Die Briefe wurden am 13.08.2010, dem Tag des Jubiläums, gestempelt Selbst die Briefmarke ist eine philatelistische Besonderheit. Es handelt sich um die erste gezackte Briefmarke der Biberpost. Sowohl die Briefmarke als auch der Ersttagsbrief wurden in die entsprechenden Sammlerverzeichnisse aufgenommen.

 

Bereits am 7. November war der frühere Bahnradsport-Weltmeister und Olympiasieger Lothar Thoms nach langer schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren im Klinikum Forst, unweit seiner Heimatstadt Cottbus, gestorben. Mit Thoms verlor der deutsche Radsport einen seiner erfolgreichsten Bahnradsportler aller Zeiten.

Philatelistisch war die IMOS anlässlich ihres Kongresses vom 30.5.-3.6.2012 in Cottbus mit einer eigenen personalisierten Marke des RPV-Briefdienstes, dazu passendem Sonderstempel sowie einem personalisierten Umschlag der Deutschen Post mit einem Sonderstempel „Olympiaschmiede Cottbus“ angetreten. Der Kleinbogen mit der personalisierten Marke zeigt die fünf der bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften besonders erfolgreichen Cottbuser Radsportler: Jens Glücklich, Lothar Thoms, Annett Neumann, Lutz Heßlich, Bernd Drogan und
Olaf Pollack.

Die Spezialdisziplin von Lothar Thoms war das 1000-Meter-Zeitfahren. Ende der Siebzigerjahre war keiner schneller als der Cottbuser. Zwischen 1977 und 1981 wurde Thoms viermal Weltmeister in Folge – ein Erfolg, den im 1000-m-Zeitfahren nur der Franzose Arnaud Tournant von 1998 bis 2001 wiederholen konnte. 1980 gewann er in Moskau in Weltrekordzeit (1:02,995 Minuten) die Olympische Goldmedaille. 1982 holte er WM-Silber, 1983 sicherte er sich die Bronzemedaille.

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Lothar Thomas nach WM-Sieg

1981 ehrte ihn der Weltradsportverband UCI als «weltbesten Radsportler». Außerdem war er DDR-Sportler des Jahres.

 

(Autor: KJA)

 

 

 

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