Wie viele Olympiasieger hat Luxemburg?

 

Eigentlich eine etwas abwegige Frage, der ich auch nur nachgegangen bin, weil ich diese Sportbriefmarke nebst Ersttagsstempel entdeckt habe:

Unknown 2Die luxemburgische Post erinnert in diesem Jahr damit in dreifacher Hinsicht an Joseph Barthel. Vor 65 Jahren, am 26. Juli 1952 war er in Helsinki Olympiasieger über 1500 Meter geworden.  Am 24. April hätte er seinen 90. Geburtstag gefeiert. Und am 7. Juli jährte sich sein Todestag  zum 25 Mal.

Unknown Kopie

 

„Josy“ Barthel war nicht nur Leichtathlet und Olympiasieger, sondern auch ein beliebter Landes-Politiker. Sein phänomenaler Endspurt im 1.500 m-Lauf bei den 15. Olympischen Spielen 1952 in Helsinki, mit dem er das Finale als krasser Außenseiter gewinnen konnte, ist bis heute ein besonderer Moment für die Luxemburger Sportwelt. Er siegte in 3:45,2 Minuten vor dem US-Amerikaner Bob McMillen und dem Deutschen Werner Lueg. Die Siegerzeit bedeutete damals Olympischen Rekord.

W020080111511016978685

15.1952.08.Barthel.Lux.1b

Dieses Foto zeigt die drei Medaillengewinner bei der Siegerehrung. OSPC-Mitglied Dr.Christian Kunz erstand diese Rarität mit deutschsprachigem Autographen 2013 auf einem Göteborger Flohmarkt. „Josy“ Barthel muss diesen Gruß an einen „liebenswürdigen Finnen“ noch während der Olympischen Spiele in Helsinki geschrieben haben.

Helsinki waren für  Joseph Barthel bereits seine zweiten Olympischen Spiele. Vier Jahre zuvor in London war er Neunter über die 1500 Meter geworden. Während seiner damaligen Studienzeit bescheinigten ihm französische Trainer, dass er kein Talent hätte. OSPC-Mitglied und Olympia-Experte Volker Kluge, der Barthel Anfang der neunziger Jahre noch vor seinem Tod persönlich in Luxemburg kennenlernen durfte, schreibt in seinem Buch „Olympische Sommerspiele – Die Chronik II“, dass der Luxemburger in jenen Jahren, … „dass, was ihm von Natur aus fehlte, mit Fleiß und Akribie wettzumachen versuchte. Er kontrollierte seinen Biorhythmus, gab sich täglich zwei Noten, eine subjektive und eine objektive. 1951 bei den Studentenspielen in Luxemburg lernte er den deutschen Trainer Woldemar Gerschler kennen, der den im Krieg gefallenen Weltrekordläufer Rudolf Harbig betreut hatte. Es begann mit Briefen, dann akzeptierte der eigenwillige Athlet den Deutschen als seinen Trainer. Nach seinem überraschenden Olympiasieg studierte Barthel an der Havard-Universität in Cambridge und wurde 1954 US-Hallenmeister über die Meile. Bei seinen dritten Olympischen Spielen 1956 in Melbourne schied er aber schon im Vorlauf aus und beendete danach seine Karriere…“.

Joseph Barthel, der zwischen 1946 und 1956 11 Mal in Folge Luxemburgischer Meister über 1500 Meter geworden war, ist seinen Landsleuten aber nicht nur als erfolgreicher Sportler in Erinnerung geblieben. Unknown1962 wurde er Präsident des Luxemburgischen Leichtathletikverbandes und von 1973 bis 1977 war er darüber hinaus auch Präsident des Luxemburgischen Olympischen Komitees. Zudem war er Mitglied der Landesregierung: Von 1977 bis 1979 Minister für Verkehr, Energie, Tourismus und Umwelt sowie von 1979 bis 1984 Minister für Umwelt, Verkehr, Energie, Informatik und Kommunikation. Ihm zu Ehren wurde das nationale Stadion in Luxemburg, Heimstadion der Fußball-Nationalmannschaft, in  „Josy-Barthel-Stadion“ umbenannt.

Diese sechs Luxemburger Briefmarken erschienen anlässlich der Olympischen Spiele 1952 in Helsinki. Es handelte sich damals um die ersten Marken mit Sportmotiven, die von der Post Luxemburgs verkauft wurden.

Neben Joseph Barthel gibt es noch einen zweiten Luxemburger, der eine olympische Goldmedaille gewonnen hat. Seine Geschichte ist aber nach wie vor umstritten.

Michel Théato, 1900 in Paris Olympiasieger im Marathon, tauchte lange Zeit in den Ergebnislisten als Franzose auf. Erst Ende des 20. Jahrhunderts fand man heraus, dass er eigentlich aus Luxemburg stammte. Offiziell wird sein Sieg aber noch immer im französischen Medaillenspiegel geführt, obwohl die Luxemburger immer wieder fordern, dass sein Erfolg dem luxemburgischen Medaillenspiegel zugerechnet werden muss.

Luxemburgische Sportler nehmen bereits seit 1900 an den Olympischen Spielen teil. Dabei konnten vier Sportler fünf olympische Medaillen erringen (zweimal Gold, dreimal Silber). Neben Théato, den ich jetzt mal als Luxemburger zähle, und Barthel, holten Gewichtheber Joseph Alzin 1920 in Antwerpen Silber im Schwergewicht und der Ski Alpine Marc Girardelli zweimal Silber 1992 in Albertville im Riesenslalom und im Super G.

Neben den olympischen Sportwettbewerben gab es bis 1948 die Olympischen Kunstwettbewerbe, bei denen zwei luxemburgische Künstler drei Medaillen gewinnen konnten (zweimal Gold, einmal Silber). Die Medaillen der Kunstwettbewerbe werden traditionell aber weder in den Medaillenspiegeln der jeweiligen Spiele noch in den nationalen Medaillenspiegeln aufgeführt.

 

(Autor: KJA)

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s