Zum siebenten Mal in Lahti – Finnlands Wintersport-Mekka“ ist nun Rekord-Gastgeber von Nordischen Ski-Weltmeisterschaften

Auch im Sport gibt es  berühmte Kultstätten, die man unbedingt einmal im Leben gesehen haben sollte. Dazu gehören z.B. im nordischen Skisport der Holmenkollen in Oslo und das Salpausselkä-Ski-Gebiet in Lahti. Letzteres war in diesem Jahr bereits zum siebenten Mal Austragungsstätte von Nordischen Ski-Weltmeisterschaften.

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Und da Tradition irgendwie verpflichtet, gab es auch zu diesem Ereignis wieder „sportphilatelistische Begleitmusik“. Auch wenn es diesmal den Briefmarkensammlern recht schwer gemacht wurde. Die finnische Post hatte im Vorfeld der WM keine reguläre Briefmarke oder einen Sonderstempel angekündigt. Trotzdem wurde „unser OSPC-Mann vor Ort“ nach langem Suchen fündig. ARD-Radioreporter Thorsten vom Wege fand im Keller eines Kaufhauses völlig überraschend einen kleinen improvisierten Stand, an dem drei ältere Herren ein FDC sowie einen Zehnerbogen mit einer selbstklebenden WM-Sondermarke nebst dazugehörendem Stempel anboten. Dabei handelte es sich um Ausgaben aus dem „personalisierten Zusatzprogramm“ der finnischen Post. Neben dem abgebildeten Stempel soll es auch noch zur Eröffnung und zum Abschluss der Ski-WM zwei ähnliche Stempel gegeben haben.

Ski WM Lahti 2017 FDC

Ski WM Lahti 2017 Bogen

Die Reise ins finnische Lahti hatte sich also gelohnt – nicht nur philatelistisch sondern natürlich auch wegen des großen sportlichen Erfolges der deutschen Skisportler ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang!

Lahti 2017 Medaillenspiegel

An diesem Medaillenspiegel werden sich einige Betrachter nicht genug satt sehen können.

So gut – mit 6x Gold, 3x Silber und 2x Bronze in 21 Entscheidungen – waren die deutschen nordische Skisportler seit langem nicht mehr bei einer WM. 1974 in Falun schaffte die DDR-Mannschaft das Kunststück, bei nur zehn Entscheidungen mit ebenfalls 11 Medaillen (5 x Gold und 6x Silber) sogar die Medaillenwertung anzuführen.

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Die Skispringer Markus Eisenbichler, Carina Vogt, Svenja Würth und Andreas Wellinger mit ihren Goldmedaillen (v.l.n.r.)

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Johannes Rydzek (l.) und Eric Frenzel machten die Rekord-WM der deutschen Kombinierer mit Gold im Team-Sprint perfekt. Johannes Rydzek war mit insgesamt vier Goldmedaillen der „Kombi-König“ von Lahti. (Fotos: dpa)

Lahti, 100 km nördlich von Helsinki gelegen, ist die siebengrößte Stadt Finnlands und gilt als die heimliche „Sporthauptstadt“ des Landes. Zu den sportlichen Berühmtheiten der 119tausend Einwohner zählenden Stadt gehören auch die Skispringer Janne Ahonen und Toni Nieminen.

Wappen von LahtiDiese aktuelle Briefmarke zeigt das Stadtwappen von Lahti.

Verlässt man die Innenstadt zu Fuß in Richtung Westen, dann erreicht man nach ca. 20 Minuten einen umfassenden Sportkomplex, der sich an den Salpausselkä-Höhenzug anschmiegt. Im Mittelpunkt stehen dabei die drei großen Skisprungschanzen. Davor befindet sich das Fußball-Stadion des FC Lahti, in dem im Winter auch ein  Biathlonschießstand aufgebaut werden kann und die Skiläufer ihre Schlussrunde zum Ziel drehen können.

Neben dem Stadion befinden sich noch eine große Mehrzweckhalle und das Skimuseum. Rund um die Stadt sind im Winter zig Kilometer Loipe für die Langläufer hervorragend präpariert. Das Skilaufen ist neben Eishockey Nationalsport der 5,5 Millionen Finnen.

Volkssport „Skilanglauf“ auf einer Sondermarke 1989 sowie auf einem Kleinbogen zu den finnischen „Jedermann-Rechten“ 2016.

Das Land, etwa so groß wie Deutschland, war viele Jahrhunderte Teil Schwedens. 1809 fiel es an Russland. 1917 erhielten die Finnen ihre staatliche Unabhängigkeit.

CFV-sZum aktuellen 100jährigen Staats-Jubiläum gab die finnische Post diese Briefmarke heraus.

Die Idee, in Lahti regelmäßig Skispiele auszutragen, hatte Lauri Pihkala. Der ehemalige Leichtathlet, der 1908 in London und 1912 in Stockholm ohne größere Erfolge an den Olympischen Spielen teilgenommen hatte und Jahre später als erster Leichtathletik-Trainer des Landes u.a. auch den berühmten Paavo Nurmi betreute, sorgte dafür, dass 1923 in Lahti die 1. Ski-Spiele abgehalten wurden.

Briefmarke und Foto mit dem Porträt des „Erfinders“ der Salpausselkä-Skispiele Laura Pihkala, die anlässlich seines 100. Geburtstages am 5.1.1988 erschienen ist.

Nach Chamonix und Johannisbad fanden in Lahti 1926 die 3. Nordischen Ski- Weltmeisterschaften statt. Athleten aus sechs Ländern waren am Start. Die Wettkämpfe waren trotz tiefer Temperaturen bis zu -42 Grad perfekt organisiert. Die Resultate wurden über den Langwellen-Sender in Lahti, der heute ein Rundfunkmuseum beherbergt, im ganzen Land verbreitet. Norwegen, das knapp vor Finnland die Medaillenwertung gewinnen konnte, kritisierte aber die Gastgeber, dass sie nicht nur den Holmenkollen „abgekupfert“ hätten, sondern auch dafür, dass für den Bau des Skistadions, im Gegensatz zu Oslo, viele Bäume gefällt wurden.

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Die ersten finnischen WM-Briefmarken wurden anlässlich der 15. Weltmeisterschaften 1938 herausgebracht.

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Schanze und Skistadion in Lahti waren umgebaut worden. 100tausend Besucher sahen die Wettkämpfe. Auf der linken Marke ist erstmals ein Staffelwechsel grafisch dargestellt worden. Die 4×10 km Männerstaffel war 1933 von der FIS ins Wettkampfprogramm eingeführt worden.

Anlässlich der 22. WM, die 1958 mit 200tausend Besuchern einen neuen Zuschauer-Rekord markieren konnten, verausgabte die finnische Post diese zwei Sondermarken.

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20 Jahre später bei den 32. Weltmeisterschaften 1978 gab es ebenfalls zwei Sondermarken. Erstmals wurden die Finnen zu Hause von den Athleten aus der Sowjetunion vom ersten Rang im Medaillenspiegel verdrängt.

Die DDR belegte den dritten Platz dank der Erfolge von Konrad Winkler in der Nordischen Kombination und der Skispringer um Matthias Buse, der von der Normalschanze und mit dem Team erfolgreich war.

1989 wurden in Lahti die 37. Ski-Weltmeisterschaften veranstaltet. Postalisch gab es neben einem FDC eine Sondermarke mit der Abbildung eines Skilangläufers.

FDC WM 1990

An zehn Wettkampftagen kamen 450tausend Zuschauer ins Skistadion. Lahti erlebte ein Volksfest im wahrsten Sinne des Wortes. Finnland war wieder beste Nation. Die deutschen Glanzlichter setzte der Oberwiesenthaler Jens Weißflog, der Gold von der Normalschanze und Silber von der Großschanze gewinnen konnte.

Die 43. Weltmeisterschaften, die im Februar 2001 in Lahti ausgetragen wurden, waren von einem großen Dopingskandal überschattet. Sechs Finnen, unter ihnen der mehrfache Weltmeister und Olympiasieger Mika Myllylä wurden der verbotenen Einnahme des Blutplasma Expanders HES überführt. Die siegreiche finnische Männerstaffel sowie die Frauen, die Zweite geworden waren, wurden disqualifiziert. Eine umfassende Untersuchung ergab ein umfangreiches Verbands-Doping der Finnen. Von diesem Schock hat sich der finnische Skisport bis heute nicht richtig erholt.

Philatelistisch wurde diese Weltmeisterschaften 2001 mit einer Doppelmarke gewürdigt.

WM 2001

Die 51. Ski-Weltmeisterschaften, die vom 22.Februar bis zum 5.März 2017 in Lahti über die Bühne gingen, waren die Siebenten in der fast 100jährigen Geschichte des Internationalen Skiverbandes FIS. 700 Athleten aus 60 Ländern kämpften bei guten Bedingungen in 21 Wettbewerben der drei Disziplinen Skispringen, Skilanglauf und Nordische Kombination um die Medaillen.

Lahti WM 2017 Marke einzelnDie von der Post völlig überraschend aufgelegte Sonderbriefmarke zeigt vor dem Hintergrund der drei Schanzen symbolhaft die Entwicklung der Sprung-und Lauftechniken:

Vorlagenstil, Fischstil und V-Stil beim Skispringen sowie Klassisch und Skating beim Langlauf.

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Lahti war aber bisher nicht nur Gastgeber von sieben Nordischen Ski-Weltmeisterschaften, sondern auch Austragungsstätte von Biathlon-WeltmeisterschaftenFolie19

Aber nicht nur die deutschen Wintersportler haben sehr gute Erinnerungen an die finnische Sportmetropole. Auch die deutsche Fußballnationalmannschaft war schon in Lahti zu Gast. 1982 gewann sie dort das WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland mit 4 zu 0 !

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(Autor: KJA)

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