Dopingbekämpfung wird zum Philatelie-Thema

 

Die Zahl der „Dopingsünder“ im Sport wird immer größer. Es fällt derzeit schon schwer, den Überblick zu behalten, wer alles durch die vom IOC und der WADA angeordneten Nachkontrollen seine Olympia-Medaillen zurückgeben muss. Chronisten und Statistiker haben nun das Problem, die Wettkämpfe und Medaillenspiegel der Olympischen Spiele von 2008 bis 2016 neu zu bewerten bzw. zu korrigieren. Keine schöne und vor allem keine leichte Aufgabe!

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Aber auch in der Sportphilatelie wird der eine oder andere Athlet, der vor kurzem noch siegestrunken mit seiner Medaille auf einer Briefmarke posierte, den Stempel des Betrügers bekommen. Da eröffnet sich ein ganz neues Sammelgebiet. Die Belege zum Thema „Doping und seine Bekämpfung“ sind aber bisher sehr überschaubar.

Den Anfang machte nach meiner Recherche am 12.Juni 1987 die UN-Post. An diesem Tag erschienen zeitgleich in Wien, Genf und New York jeweils zwei Briefmarken der Vereinten Nationen mit unterschiedlichen Motiven, die sich mit der Anti-Drogen-Kampagne befassten: „Ja zum Leben – Nein zu Drogen“. Eine der beiden Marken, die von der UN-Post in Wien verausgabt wurden, zeigt spielende Fußballer.bq-s

Ein eindeutiger Hinweis auf die Dopingproblematik im Sport. Auch wenn manche Fußballer noch heute glauben, dass …“Drogen in ihrer Sportart nichts bringen würden!“

 

Am 2.12.1991 wurde das Dopingthema auch von der Postverwaltung von Lichtenstein aufgegriffen. Anlässlich der Olympischen Winterspiele 1992 in Albertville widmete sie dem Thema Sicherheit und Fairness eine Maximum-Karte.

 

Über ein Jahrzehnt später, am 22.6.2003 überraschte die italienische Post mit einem Sonderstempel zum 1.Fackellauf des Nationalen Olympischen Komitees (CONI) gegen Doping. Der Lauf fand in in Padua (Stempel-Nr. 956) statt.

 

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Padua (italienisch Padova) ist eine der ältesten Städte Italiens. Sie liegt am Rande der Poebene rund 30 km westlich von Venedig. Dass gerade dort dieser Fackellauf gegen Doping ausgetragen wurde, hat vermutlich auch mit der Tatsache zu tun, dass die Staatsanwaltschaft Padua maßgeblich an fast allen Ermittlungsverfahren gegen das systematische Doping im Sport in Italien beteiligt war und ist.

Ein halbes Jahr vor dem Fackellauf wurde in Padua dem Kapitän des Rad-Teams Gerolsteiner Davide Rebellin sowie weiteren 39 Radprofis, Medizinern und Betreuern der Doping-Prozess gemacht. In den Jahren danach folgten weitere Ermittlungen und Prozesse u.a. gegen den Rad-Stall Astana und „Doping-Arzt“ Michele Ferari.

Interessante Belege zur Dopingproblematik gibt es vor allem aus Rumänien.
2008 machte die dortige Anti-Doping-Agentur mit einer Kampagnen-Karte auf das Thema aufmerksam.

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Auf dem Foto der Ganzsache-Postkarte ist Andreea Răducan abgebildet. Die Rumänin gehört zu den bekanntesten Sportlern ihres Landes, war zwischen 1999 und 2001 fünfmal Turnweltmeisterin.

Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney gewann sie mit ihrem Team die Goldmedaille. Zudem siegte sie im Einzelmehrkampf, musste die Medaille jedoch wieder abgeben, da sie nach dem Sieg positiv auf das verbotene Stimulanzmittel Pseudoephedrin getestet wurde.

Răducan gab allerdings an, das Mittel unwissentlich eingenommen zu haben. Ein Mannschaftsarzt hatte ihr das Medikament wegen einer Erkältung verabreicht. Dieser Arzt wurde bis einschließlich 2004 für Olympische Spiele gesperrt.

In Rumänien kam es zu Demonstrationen, in denen die Bevölkerung ihre Solidarität mit Răducan zum Ausdruck brachte. Ihre Mannschaftsgoldmedaille durfte sie aber ebenso behalten wie das Silber vom Sprung, da die Dopingtests nach diesen Wettbewerben negativ ausgefallen waren. Die heute 33jährige studiert in Bukarest Journalistik und engagiert sich für die Stiftung des Nationalen Olympischen Komitees.

Nach ihrer persönlichen „Doping-Geschichte“ von Sydney stand Andreea Răducan 2008 vermutlich voll und ganz hinter der Botschaft der Anti-Doping-Agentur auf der o.g. Karte: „Seien Sie auf der Hut – Informieren Sie sich! Peking 2008 – die Chance für saubere Athleten“.

Im Jahr 2011 gab es in Rumänien eine Ganzsache der Nationalen Antidoping Agentur mit dem Titel „5 Jahre Tätigkeit im Dienst des sauberen Sports“. Das auf dem Umschlag abgebildete Puzzle zeigt sehr anschaulich die unterschiedlichen Säulen des Antidopingkampfes.

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Die sechs Puzzle-Teile beinhalten Begriffe wie „Test“, „Zusammenarbeit“, „Akkreditiertes Prüflabor bei der WADA“, „Bekämpfung des illegalen Handels“, „Bildung“ und „Forschungsprojekte“.

Die aufgedruckte Marke ist derzeit die einzige, die direkt einer nationalen Antidoping Agentur gewidmet ist.698

Signets von 20 Nationalen Antidoping-Agenturen, die eng mit der Welt-Antidoping-Agentur WADA zusammenarbeiten.

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In Deutschland kann die Ende 2002 aus der Antidopingkommission des Deutschen Sportbundes (DSB) entstandene Nationale Antidoping Agentur (NADA) von solch philatelistischer Aufmerksamkeit wie in Rumänien nur träumen.

Der Wunsch des einstigen NADA-Vorsitzenden Armin Baumert bei der Vorstellung der Jahresbilanz am 11.5.2009 ist nie in Erfüllung gegangen:„Bald wird es eine NADA-Briefmarke geben, so kommt wenigstens zusätzliches Geld rein für die Stiftung!

Auf den seither jährlich erschienenen deutschen Briefmarkenserien „Für den Sport“ ist bisher aber noch kein Motiv direkt zur Dopingbekämpfung erschienen. Dabei wäre der bekannte Slogan des deutschen Sports „Keine Macht den Drogen“ durchaus ein Markenbild wert gewesen. Auf der bislang einzigen Briefmarke  aus der Serie  gab es zuvor 2000 nur einen  Bezug zum Fair Play, das aber  ziemlich kleingeschrieben!

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Der Kampf gegen Drogenmissbrauch wurde von der deutschen Post, natürlich ohne sportlichen Hintergrund, bisher zweimal 1975 und 1996 thematisiert.

Zu den philatelistischen und damit auch öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten der rumänischen Antidoping Agentur gehörte diese Ganzsache aus dem Jahr 2014 – „30 Jahre Doping-Kontroll-Labor Bukarest – Service für sauberen Sport!“.

Die aufgedruckte Marke zeigt in eindrucksvoller Art und Weise, was mit überführten „Doping-Tätern“ passieren sollte.

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Auf der Ganzsache ist links ein Teil einer Zentrifuge zu sehen, die in den Antidoping-Laboren für die Untersuchung der Sportler-Proben verwendet wird.

Die Anzahl der im Sport verbotenen Substanzen ist mittlerweile sehr groß. Die Dopingverbotslisten der WADA geben den Athleten genaue Auskunft, was sie an Medikamenten einnehmen dürfen und was nicht.

So gesehen war es 2015 konsequent von der Tunesischen Post, sich dem Thema Anti-Doping-Kampf im Sport mit einem stilisierten „Pillen-Läufer“ zu nähern.

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Das Motto dieses Ersttagsbriefes „Kampf gegen Doping – für sauberen Sport“ findet sich auch im Stempel wieder.

Die aktuellsten Ausgaben zum Thema kommen aus Niger. Im Rahmen einer Rot- Kreuz-Kampagne für den Anti-Dopingkampf hat die Postverwaltung des Westafrikanischen Staates 2016 zwei grellbunte Kleinbögen auf den Markt gebracht.

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Auf diesem Bogen begutachtet eine Laborantin eine Probe im Reagenzglas. Ob es diejenige von Lance Armstrong ist, bleibt der Phantasie des Betrachters überlassen. Der Aufstieg und Fall des einstigen Radsport-Idols ist mittlerweile weltweit bekannt.

Auf dem zweiten Kleinbogen aus Niger sind weitere vier Marken mit Dopingsündern abgebildet.

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Erstmals werden hier drei des Dopings überführte Sportler und ein Pferd auf einer Briefmarke mit direktem Bezug zum Thema Doping gezeigt, wie zusätzlich abgebildeten Spritzen, Medikamentenpackungen und der Arbeit im Labor. Auf der Medikamenten- Packung ist deutlich der russische Schriftzug „Mildronat“ zu erkennen.

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Bei diesem Präparat handelt es sich um die Substanz Meldonium, die zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt wird. Meldonium ist in osteuropäischen Ländern und Staaten der ehemaligen Sowjetunion zugelassen. Es kann aber auch als Dopingmittel missbraucht werden und ist deshalb seit dem 1.Januar 2016 von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) für den Leistungssport verboten.

Im März 2016 wurde bekannt, dass die russische Tennisspielerin Marija Scharapowa im Rahmen einer Dopingkontrolle bei den Australian Open positiv getestet wurde.  Sie hatte zuvor das bis Ende 2015 erlaubte Mittel viele4365-b-2
Jahren eingenommen und war sich offenbar nicht bewusst, dass es seit Anfang 2016 verboten war.

Im Sport kann Meldonium unter anderem die Ausdauer fördern, die Erholungsphasen verbessern und die geistigen Fähigkeiten steigern. Neben Marija Scharapowa wurden zu Beginn des Jahres etliche Sportler darauf positiv getestet.

Scharapowa, fünfmalige Grand-Slam- Gewinnerin, kann ihrer 15-monatigen Dopingsperre inzwischen auch Positives abgewinnen. „Früher konnte ich mir nicht vorstellen, was ich während so einer langen, freien Zeit machen würde. Ich machte Urlaub in Kroatien, feierte Silvester in Hawaii. Ich war noch nie als Tourist in London. Wenn ich bei Wimbledon gespielt hatte, habe ich so gut wie nichts von der Stadt gesehen“, sagte „La Shara“ kürzlich neugierigen Journalisten.

Dass nicht jeder diese Haltung gut findet, kann man verstehen. Das bekam auch Julija Efimova zu spüren. Die russische Schwimmerin war ebenfalls wegen eines Meldonium-Nachweises zunächst gesperrt, aber dann doch noch für die Olympischen Spiele in Rio auf Anraten der WADA zugelassen worden, weil es Unklarheiten über die Abbaudauer des Medikaments im Körper gab. doping-niger-2017

Viele Athleten argumentierten, sie hätten Meldonium zuletzt legal vor dem Jahreswechsel eingenommen, der Stoff habe sich aber dennoch in ihren Körpern befunden.

Als Wiederholungstäterin hätte Efimova eine lebenslange Sperre gedroht, nachdem sie bereits zwischen November 2013 und Februar 2015 wegen eines positiven Dopingbefundes mit einem anderen Mittel gesperrt gewesen war. In Rio wurde die Weltmeisterin von 2015  nach dem Gewinn der olympischen Silbermedaille über 100 Meter Brust von der Konkurrenz gemieden und vom Publikum ausgepfiffen.

Shane Warne aus Australien, der dritte Athlet auf den Marken des Kleinbogens, ist ein früherer Cricketspieler, der als erster in der Geschichte seiner Sportart mehr als 700 internationale Test- Wickets erzielte. doping-niger-2018 Aufmerksamkeit erregte Warne aber auch durch einen positiven Dopingtest bei der Cricket-Weltmeisterschaft 2003 in Südafrika.

Das  britische Rennpferd Encke, benannt nach Enckes Komet, gewann am 15. September 2012 unter Jockey Mickael Barzalona das weltberühmte St. Leger auf dem Doncaster Racecourse.

Im Frühjahr 2013 wurde Encke als eines von 22 Pferden von der Britischen Regulierungsbehörde für Pferderennen (BHA) positiv auf ein verbotenes anaboles Stereoid getestet und danach für sechs Monate von allen Rennen ausgeschlossen.
doping-niger-2019Nach einer schweren Verletzung, die er sich bei einem Trainingsgalopp am Hinterbein zugezogen hatte, wurde Encke am 14.Oktober 2014 eingeschläfert.

 

 

 

 

 

(Autor: KJA)

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