Sport im Sägemehl – Schwingen in der Schweiz

Wer hat´s erfunden? Natürlich die Schweizer! Die Rede ist vom Schwingen oder auch Hosenlupf – dem Schweizer Nationalsport noch vor dem Hornussen und Steinstoßen. Der wichtigste Wettbewerb ist das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest, das seit 1895 nur alle drei Jahre stattfindet und an diesem Wochenende (26.-28.8.2016) in Estavayer-le-Lac am Südostufer des Neuenburgersees im Kanton Freiburg veranstaltet wurde. 275 Kämpfer waren im Einsatz

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Blick auf eine der größten mobilen Arenen der Welt. Sie wurde aus 220.000 Einzelteilen extra für diesen Anlass für 50.000 Zuschauer zusammengebaut. In der Mitte befinden sich sieben Sägemehlkreise und zwei Brunnen, wo sich die Schwinger erfrischen können.

Bei herrlichem Sommerwetter verfolgten 50-tausend Zuschauer diese in der Schweiz sehr beliebte Variante des Ringens auf Sägemehl. Zum ersten Mal seit 33 Jahren standen sich im Finale ein Nordostschweizer und ein Berner gegenüber. Der Sieg ging am Ende an den routinierten Berner Oberländer Matthias Glarner, der den Jungschwinger Armon Orlik in der 14. Minute bezwingen konnte. Der 30-jährige neue Schwinger-König beseitigte mit seinem Triumph darüber hinaus noch einen sehr alten Fluch: Seit 1940 war nie ein Sieger älter als 29!

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Der neue Schwinger-König Matthias Glarner (im Bild oben). 

Wie hoch der Stellenwert des Schwingens ist, unterstrich in diesem Jahr auch die Schweizerische Post, die dem größten nationalen Sportereignis des Jahres am 12.Mai eine 1-Franken-Briefmarke sowie einen Kleinbogen widmete.919082

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In der Mitte des Kleinbogens ist die typische Zwillich-Hose der Schwinger abgebildet.

Der Zweikampf wird auf einer kreisförmigen mit 23 Kubikmetern Sägemehl aufgefüllten Fläche von einem Durchmesser  bis zu 14 Metern absolviert. Die beiden Gegner tragen über ihrer Kleidung eine kurze, aus Zwillich gearbeitete Hose. An dieser werden nun die Griffe angesetzt, um den Gegner aufs Kreuz zu legen. Nach dem Kampfende wischt traditionsgemäß der Sieger dem Verlierer die Sägemehlspäne vom Rücken.

Die Wurzeln des Schwingsports in der Schweiz liegen weit zurück. Eine erste Darstellung aus dem 13. Jahrhundert zeigt bereits die typische Griffart.

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Auf dieser Karte mit Stempel sind zwei Schwinger beim Eidgenössischen Turnfest vom 14.-17.7. 1906 zu sehen.

Der Hosenlupf, wie das Schwingen im Volksmund genannt wird,  gehörte in vielen Landesteilen zum Bestand der Festkultur. Der eidgenössische Schwingerverband wurde bereits 1895 gegründet. Zum 100-jährigen Bestehen gab es von der Schweizer Post 1995 eine Sondermarke.bha-s

„Geschwungen“ wurde und wird hauptsächlich um Naturalien und den Ruhm. Der Siegerpreis ist traditionsgemäß ein Muni – ein Stier und der Titel eines Schwinger-Königs für alle Zeiten. Diesmal heißt der Stier Mazot und ist schwarzweiss gefleckt. Was Glarner damit macht, ist nun seine Sache. Der König kann wählen. Entweder den Stier einfach mit nach Hause nehmen oder ihn für ca. 18-tausend Euro an einen Züchter verkaufen. Glarners Vorgänger als Schwinger-König aus dem Jahr 2013 behielt den Stier und verdiente Geld mit dessen begehrten Samen.

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(Foto: Swiss-image)

Preis-Stier Mazot de Cremo (hier mit Betreuer im Stall) führt selbst Siegerblut als Zuchtstier in seinen Adern.

Lange Zeit durften die Schwinger kein Geld von Sponsoren annehmen, es herrschte striktes Werbeverbot. Das wurde inzwischen etwas gelockert, dennoch entgeht den Veranstaltern viel Geld. Das Budget in Höhe von 29 Millionen Schweizer Franken für die Organisation der Veranstaltung  konnte  aber auch diesmal gestemmt werden. Der Verkauf von Bier und Most an die rund 250-tausend Besucher an diesem Wochenende dürfte aber wieder einiges in die Kassen gespült haben

Die Spitzen-Schwinger der Schweiz besitzen im Lande einen ähnlichen Prominentenstatus wie die 496 Männer und Frauen, die bisher bei Olympischen Spielen 330 Medaillen, darunter 100 Goldene,  gewinnen konnten.

Schwingen war übrigens viele Jahre ein reiner Männersport. Erst seit 1992 schwingen auch die Frauen mit. Und das mit immer größer werdender Popularität!

(Autor: KJA)

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