100 Jahre AVUS – Deutsche Jubiläumsbriefmarke mit tragischem Hintergrund

Noch immer ist es eine gute Quizfrage: „Wofür steht die Abkürzung AVUS?“. Berliner Autofahrer und Motorsportfreunde wissen es sicher ganz genau: Für „Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße“! 

Diese liegt im Südwesten der deutschen Hauptstadt und ist das nördlichste Teilstück der Autobahn A 115. Bei ihrer Eröffnung am 24. September 1921 war die AVUS die erste ausschließliche Autostraße der Welt. Die 8,3 Kilometer lange und gebührenpflichtige Strecke diente bis 1940 als Renn- und Teststrecke sowie dem nichtöffentlichen Verkehr. 

Die AVUS führte vom Berliner Funkturm, an dem sie einen Anschluss zum Berliner Stadtring  (A 100) hat, rund neun Kilometer geradeaus durch den Grunewald  bis nach Nikolassee. Auf der AVUS fanden jahrzehntelang bis zum April 1998 spektakuläre Rennsportveranstaltungen statt, zeitweise war sie die schnellste Rennstrecke überhaupt und ihre berüchtigte Nordkurve eines der Berliner Wahrzeichen.

Die Wettbewerbe waren stets Zuschauermagnete, etwa 1926 der erste Große Preis von Deutschland. Ebenso die Rekordfahrt Fritz von Opels in seinem Raketenwagen Opel RAK2, den er 1928 auf über 230 km/h beschleunigte, und die Autorennen der 1930er-Jahre, in denen die legendären Silberpfeile furiose Siege einfuhren.

Der Mythos AVUS hat auch immer wieder die Deutsche Post zu philatelistischen Erinnerungen und Leistungen angeregt. 1971 gab die Deutsche Bundespost Berlin am 27. August anlässlich des 50jährigen Bestehens der Rennstrecke einen Vierer-Block nebst FDC und Sonderstempel heraus.

Weitere 50 Jahre später ist der mittlerweile 100. Jahrestag der AVUS der Post erneut eine Emission wert, diesmal mit einer Sonderbriefmarke, die bereits am 1. Juli 2021 an die Postschalter kam. Die 155 Cent-Marke, vom Bonner Grafiker Thomas Steinacker gestaltet, zeigt eine Rennszene aus dem Jahr 1958. 

Vorbild für die Abbildung war ein Foto von GPL-Reporter Fred Taylor, das aus dem Angebot von „Alamy Stock Foto“ stammt. Mehr ist aus den offiziellen Angaben der Post nicht zu entnehmen. Im Begleittext werden auch nur die „Wikipedia“-üblichen Fakten zur AVUS beschrieben. Schade, denn das Foto und damit die aktuelle Briefmarke symbolisieren sehr anschaulich die Licht- und Schattenseiten dieser einstigen deutschen Motorsportrennstrecke. Im Mittelpunkt steht dabei der Fahrer des auf der Marke abgebildeten Rennwagens mit der Nummer 34 – Jean Behra – wie ich recherchieren konnte.

Der Franzose startete zwischen 1952 und 1959 in 52 Rennen um die Fahrer- bzw. Formel-1-Weltmeisterschaft. Neunmal kam er auf das Podest, konnte aber keines seiner WM-Rennen gewinnen. Bei Wettbewerben, die nicht zur WM zählten, wurde er dagegen mehrfach Sieger. 

So auch in Berlin, wo er am 21. September 1958 im Porsche RS mit der Nummer 34 den Großen Preis von Berlin vor dem Schweden Joakim Bonnier im Borgward mit der Nummer 31 für sich entscheiden konnte.

Das historische Foto zeigt das Nordkurven-Duell zwischen Behra und Bonnier am 21.9.1958 beim Großen Preis von Berlin. Auf der Rückseite wurde vom Besitzer handschriftlich ein Jahr später das Todesdatum von Behra nachgetragen

1959 verpflichtete ihn dann Ferrari. Nach einer Reihe von technischen Defekten beschimpfte und schlug Behra in einem Wutanfall Ferrari-Rennleiter Romolo Tavoni und wurde prompt entlassen.

Daraufhin versuchte er als Privatfahrer mit seinem Behra-Porsche weiterzumachen. Mit diesem Wagen wollte er unbedingt 1959 beim Großen Preis von Deutschland starten, der in jenem Jahr nicht wie gewohnt auf dem Nürburgring,  sondern erstmals  auf der AVUS ausgetragen werden sollte. 

Todesfahrt überschattet Großen Preis von Deutschland in Berlin 1959

Die Veranstalter vom Automobilklub von Deutschland (AvD) erhofften sich nicht nur mehr Zuschauer, sondern sie wollten auch aus politischen Gründen, Solidarität mit der immer stärker isolierten, aber noch nicht durch die Mauer getrennten ehemaligen deutschen Hauptstadt zeigen.  Der Westberliner Senat lockte zudem im Gegensatz zum Nürburgring mit einer 50tausend Mark Ausfallbürgschaft. Darüber hinaus bot er den Veranstaltern an, die von motorsportbegeisterten Ostberliner Zuschauern in DDR-Mark gezahlten Eintrittsgelder bis zu einer Höhe von 60-tausend Mark im Wechselkurs von 1 zu 1 umzutauschen. Zudem sparte der AvD auf dem nur 8,3 km langen AVUS-Hochgeschwindigkeitskurs erheblich an Startgeldern. Auf dem 22,8 km langen, kurvenreichen Nürburgring hätte das nach Berlin verpflichtete Teilnehmerfeld von 15 Rennwagen fast verdoppelt werden müssen, damit das Rennpublikum auf seine Kosten gekommen wäre. 

Bei so viel Entgegenkommen waren die Sicherheitsbedenken viele Fahrer gegenüber dem musealen Berliner Renn-Kurs schnell vom Tisch gewischt. Für den britischen Meisterfahrer Stirling Moss war die AVUS die schlechteste Rennstrecke der Welt. Der Franzose Maurice Trintignant verglich die nasse Nordkurve, die einen Winkel von 44,6 Grad hatte, sogar mit einer „Rutschbahn in den Himmel!“ Etliche Fahrer waren im Scheitelpunkt der Kurve schon herausgetragen und teilweise schwer verletzt worden. 

Am 1. August 1959, dem Samstag vor dem Grand Prix, erwischte es Jean Behra. Der französische Vorjahresgewinner des Großen Preises von Berlin kam in der regennassen Nordkurve bei einem Rahmenrennen mit seinem Porsche 718 ins Schleudern und kollidierte am oberen Rand der Kurve mit einem noch immer vorhandenen Betonfundament einer Flakstellung aus dem Zweiten Weltkrieg. 

Der 38jährige Behra wurde mit dem Kopf gegen einen Flaggenmast geschleudert und war auf der Stelle tot.Trotzdem wurde einen Tag später der Große Preis von Deutschland auf der AVUS in 80 Runden ausgefahren. Sieger wurde Tony Brooks im Ferrari. Wegen der tragischen Ereignisse am Vortag hatte wenigsten Porsche die Teilnahme von Wolfgang von Trips in diesem Formel-1-Grand-Prix zurückgezogen.

Kalter Krieg in Berlin – Suche nach Schuldigen

Das Presse-Echo war für die Veranstalter und die Westberliner Verantwortlichen nach dem Tod von Behra verheerend. Die „Bild“-Zeitung titelte: „Rennleitung versagt! Warum wurde das Rennen gestartet, so lange die Nordkurve schlüpfrig war, als läge Seife auf ihr?“ Die „Morgenpost“ wetterte: „Unverantwortlich!“ Der „Tagesspiegel“ befand, „dass die Rennleitung auch das Leben anderer Fahrer auf´s Spiel gesetzt habe“. Das Ostberliner „Neue Deutschland“ schrieb: „Die Hauptschuldigen…sind der Westberliner Senat, sind Brandt und Lemmer…Der französische Meisterfahrer Behra wurde ein Opfer ihrer Frontstadtpolitik!“ Das kommunistische Pariser Schwesterblatt „L Humanité“ verstieg sich sogar in die absonderliche These, dass der in einem braunen Eichensarg nach Frankreich überführte Rennfahrer der erste Franzose sei, der für Berlin sterben musste.

Für die AVUS war der tragische Tod von Jean Behra ein Desaster. Drei Jahre fanden keine Auto-Rennen mehr statt. 1967 wurde die überhöhte Nordkurve der AVUS abgetragen und durch eine flachere ersetzt. Nach dem Mauerfall 1989 und dem damit immer stärker werdenden Verkehr auf den Berliner Straßen nahte das endgültige Ende des Rennbetriebes auf der AVUS. 

Neben Jean Behra starben zwischen 1926 und 1995 insgesamt 11 Menschen auf der Berliner Rennstrecke – sieben weitere Rennfahrer und vier Streckenposten!

Die deutsche Sonderbriefmarke zum 100jährigen Bestehen der AVUS ist damit auch eine Hommage an einen Rennfahrer, der in Berlin sein Leben ließ – auch wenn der Deutschen Post dieser Fakt in ihrem Begleittext zur Markenveröffentlichung nicht einmal eine Erwähnung wert war!

AVUS-Neuanfang 2021 ohne Motorsport

Das letzte motorsportliche Rennen auf der AVUS fand 1989 statt. Danach verfiel zumindest die AVUS-Tribüne. 2017 kaufte der Berliner Unternehmer Hamid Djadda das marode Baudenkmal. Und was kaum Einer nach den unrühmlichen Berliner Erfahrungen mit dem Flughafen BER und dem Humboldt-Forum für möglich gehalten hätte: Zum 100jährigen AVUS-Jubiläum am 24. September 2021 wird die Tribüne in neuem Glanz erstrahlen – allerdings in ganz anderer Funktion. Der gebürtige Iraner Djadda hat die Räumlichkeiten denkmalgerecht saniert und komplett an den Fernsehsender Hauptstadt.TV vermietet. Zur Autobahn hin ist eine verglaste Kanzel mit 400 Quadratmetern entstanden. Die Fenster sind mit einer besonderen Glasschicht versehen, die sich den Lichtverhältnissen anpasst. Damit wird verhindert, dass Autofahrer von außen hereinschauen können und eventuell abgelenkt werden.

Die Deutsche Post engagiert sich nach Sonderbriefmarke und Ersttagsstempeln am 24. September vor Ort noch zusätzlich mit einem Post-Eigenwerbung-Stempel.

Und wer alle postalischen AVUS-Erinnerungen der vergangenen 100 Jahre auf einem Kuvert besitzen möchte, der sollte sich bei der Fa.Sieger um einen der 300 Luxusbriefe bemühen, die neben der aktuellen Jubiläumsmarke auch noch den Post-Berlin-Block von 1971 zum 50jährigen der Rennstrecke nebst passenden Stempeln tragen.

Ansonsten wird das AVUS-Jubiläum in Berlin kaum offiziell gefeiert. Das macht dafür eine Sonderausstellung im niedersächsischen Einbeck.

Unter dem Motto „Ein rasantes Jahrhundert“ lässt das dortige Erlebnismuseum „PS.Speicher“ die Geschichte der legendären Rennstrecke aus Berlin noch einmal aufleben. 

(Autor: KJA)

„Briefmarken-Schwemme“ dank japanischer Medaillenbilanz

Damit wird auch die japanische Post nicht gerechnet haben. 58 Medaillen holte der Gastgeber der Olympischen Spiele 2020(21) in Tokio. Platz Drei im Medaillenspiegel mit 27 Gold-, 14 Silber- und 17 Bronzemedaillen hinter den USA und China. So erfolgreich waren die Japaner noch nie bei Olympia! Das vorher festgelegte Ziel von lediglich 30 Medaillen war vom Nationalen Olympischen Komitee des Landes wegen der Corona-Pandemie kurz vor den Wettbewerben zurückgezogen worden. Umso erfreulicher die aktuellen Resultate. Die Post stand dennoch zu ihrer Aussage, für jeden japanischen Medaillengewinner unmittelbar nach den Spielen einen Extrabogen mit je fünf Briefmarken herauszugeben. 

Am 13. August 2021 kam nun ein Set mit 58 Bögen auf den Markt. Gesamtpreis 87.000 Yen – umgerechnet stolze 676.-Euro. Der einzelne Bogen kostet am Postschalter 1500 Yen (rund 12.-Euro). Viele Olympiaphilatelisten werden da wohl „abwinken“. Obwohl, die Anschaffung von einigen wenigen Bögen könnte schon reichen, um nicht nur den grandiosen Erfolg der Japaner bei den erstmals in der olympischen Geschichte um ein Jahr verschobenen Spielen zu dokumentieren, sondern auch, um besonders interessante Geschichten zu erzählen.

Geschwister-Gold 

Da wären z.B. die Judo-Geschwister Uta und Hifumi Abe, die Japan olympisches Doppel-Gold beschert haben (s.Titelfoto). Nicht ohne Grund ist deshalb die 21jährige Uta auf dem Titelumschlag des Sets abgebildet worden. Denn zum ersten Mal holten zwei Geschwister am selben Tag in einer Einzelsportart eine olympische Goldmedaille. Uta Abe bezwang im Halbleichtgewicht bis 52 Kilogramm die Französin Amandine Buchard in der Verlängerung durch Ippon (voller Punkt). 

Nur 31 Minuten später triumphierte ihr zwei Jahre älterer Bruder Hifumi im Halbleichtgewicht der Männer bis 66 Kilogramm gegen den Georgier Wascha Margwelaschwili durch Waza-ari (halber Punkt).

Die Abe-Geschwister gehörten damit zu den Stars in Japans Mannschaft. Schon bei den Weltmeisterschaften 2018 in Baku hatten beide am selben Tag den Titel gewonnen. „Ich hätte es nicht ohne meinen älteren Bruder bis hierherschaffen können. Ich weiß ja nicht mal, ob ich ohne ihn überhaupt Judo erlernt hätte“, so Uta Abe in einem Interview vor den Sommerspielen. Nun zieren beide Abes je einen Briefmarkenbogen. 

Sie sind aber nicht die einzigen Judoka. Insgesamt 12 Frauen und Männer holten für das Mutterland des Judosports neunmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze. Auch das war ein neuer olympischer Rekord. 

Skateboarden – ein Gewinn für Olympia

Auf das Set-Titelbild schaffte es neben Uta Abe auch Yuto Horigome, der ebenfalls olympische Geschichte geschrieben hat. Er wurde erster Olympiasieger im Skatboard Street der Männer, einer ganz neuen olympischen Sportart, mit der vor allem die jüngere Generation für Olympia begeistert werden soll. Horigome, der nur wenige Kilometer vom Austragungsort der Wettkämpfe entfernt geboren worden war, überzeugte vor allem mit spektakulären Einzeltricks über die Treppengeländer. 

Für seinen Backside 270 Railslide, den er zuvor nie in einem Finale probiert hatte, erhielt er 9,5 von 10 möglichen Punkten. Das reichte dem 22jährigen amtierenden Weltmeister zum Sieg.

Stolz auf Erfolge

Zu den Ausnahmeathleten zählt auch Yui Ohashi, die als erste japanische Schwimmerin zweifache Olympiasiegerin im selben Jahr wurde. 

Sie gewann in Tokio sowohl die 200 als auch die 400 Meter Lagen und wurde damit zum neuen Schwimmstar des Landes. Nach ihren Erfolgen fühlte sie sich „inspiriert und glücklich, etwas zur japanischen Medaillenflut beigetragen zu haben“, wie sie der Zeitung „Japan Times“ in einem Interview verriet.

Beißfreudiger Bürgermeister sorgt für Eklat

Dass die Freude über eine Goldmedaille auch schnell dahin sein kann, bekam die 20jährige Miu Goto aus dem siegreichen japanischen Softball-Team zu spüren. 

Dass Olympiasieger manchmal auf das eigene Edelmetall beißen, ist bekanntermaßen Tradition. Auch der Bürgermeister von Nagoya, Takashi Kawamura, wollte bei diesem Ritual mitmachen – und sorgte damit für einen handfesten Eklat.

Das sorgte in ganz Japan für einen Sturm der Entrüstung. Ironischerweise stand der Bürgermeister vor einem Hinweisschild, das auf die Corona-Regeln im Rathaus hinweist. Bei der Stadtverwaltung gingen mehr als 7000 Beschwerden ein – auch, weil der 72-Jährige sexistische Bemerkungen zu Miu Goto gemacht haben soll. Inzwischen hat sich der Bürgermeister öffentlich entschuldigt.

„Ich gebe zu, dass ich die Goldmedaille der Athletin beschmutzt habe, an der sie seit Jahren gearbeitet hat. Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen, dass sie und andere sich wegen mir unwohl gefühlt haben und dass ich für Ärger gesorgt habe“.  

Tage später bot Takashi Kawamura an, eine neue Medaille aus eigener Tasche zu bezahlen. Das Organisationskomitee der Olympischen Spiele in Tokio verkündete aber, die „angebissene“ Medaille von Miu Goto ersetzen zu lassen. 

(Autor: KJA)

Torwart-Parade in gelber Silhouette – Poste Italiane feiert Fußball-EM-Helden

Das italienisch-englische Post-Duell, dass ich hier auf diesem Blog anlässlich der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft schon ausführlich beschrieben habe, geht in die entscheidende Phase.

Wie von mir prophezeit, hat die Poste Italiane nur kurze Zeit benötigt, um die Europameister-Helden mit der entsprechenden Sieger-Briefmarke zu ehren.  Im Mittelpunkt steht dabei ein Torhüter.

„Ich wollte die WM und die EM im Trikot von Italien gewinnen. Davon träumt jedes Kind.“ Ein Teil dieses kindlichen Traums ist für Gian Luigi Donnarumma nun in Erfüllung gegangen. Der 22-jährige Torwart wurde im EM-Finale gegen England zum Helden von Wembley. Mit seinen 1,96 Metern Körpergröße und seiner Abgeklärtheit war er der Fels in der Brandung und damit der Garant, dass sich die Squadra Azzurra nach dem WM-Sieg von 2006 wieder einen Titel sichern konnte.

Die italienische Mannschaft hatte England im EM-Finale am 11. Juli 2021 nach Verlängerung und Elfmeterschießen mit 4:3 besiegt. Donnarumma hielt zwar den entscheidenden Elfer des Engländers Bukayo Saka, ahnte aber zu diesem Zeitpunkt nichts von der großen Bedeutung seiner Tat. Das räumte er im Anschluss an die EM im Gespräch mit der italienischen Zeitung Gazzetta ein. „Ich habe nicht gleich gejubelt, weil ich es nicht verstanden habe“, zitiert ihn die Zeitung. Er sei in Gedanken schon überzeugt gewesen, die Italiener hätten das Spiel in letzter Sekunde verloren gegeben, erklärte Donnarumma. „Ich schaute den Schiedsrichter an, um zu sehen, ob alles in Ordnung war, und als ich die Teamkollegen kommen sah, verstand ich nichts mehr.“ 

Und der Traum ging weiter. Als erster Torhüter der EM-Geschichte ist er als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet worden. Nur vier Gegentore hatte er kassiert. Beim Halbfinalerfolg gegen Spanien konnte er schon den entscheidenden Elfmeter im Duell vom Punkt parieren.

Kein Wunder, dass ihm die italienische Post, einer der Hauptsponsoren der Fußballnationalmannschaft, nun ein „Briefmarken-Denkmal“ gesetzt hat. Am 6. August 2021 erschien in einer Auflage von einer halben Million die Europameister-Sondermarke. Sie zeigt die Silhouette eines Torhüters mit imposanter Parade. Da auch in Italien, wie in vielen anderen Ländern, keine noch lebenden Persönlichkeiten (außer dem Papst) auf Briefmarken dargestellt werden dürfen, wurde die Silhouette neutral in Gelb gehalten – der Trikotfarbe von Donnarumma im Finale gegen England. Nicht nur jedes Kind in Italien weiß, dass sich dahinter Donnarumma beim gehaltenen Elfmeter von Saka verbirgt! 

Donnarumma ist nicht nur mit dieser Parade weltberühmt geworden. Maßgeblich war er daran beteiligt, dass Italien den Uraltrekord von Torhüter-Legende Dino Zoff, der zwischen 1972 und 1974 insgesamt 1.142 Minuten ohne Gegentreffer geblieben war, auf 1.169 Minuten ausbauen konnte.  Beim EM-Triumph absolvierte Donnarumma, den sie nur „Gigio“ nennen, erst sein 33. Länderspiel für die Azzurri und hatte dabei mit 719 Einsatzminuten die meisten aller Akteure bei dieser EM.  Das einstige Torwart-Wunderkind unterschrieb schon mit 14 Jahren seinen ersten Profivertrag beim AC Mailand. Da sein Vertrag jetzt zum Saisonende ausgelaufen war, wechselte er ablösefrei zu Paris St. Germain. Dort hat er nun einen Vertrag bis 2026. Sein Marktwert beträgt derzeit, auch dank seiner exzellenten Elfmeter-Parade im EM-Finale in London, 65 Millionen Euro!

Briefmarken mit Fußball-Motiven haben in Italien eine lange Tradition. Laut stampworld.com sind seit 1934 von der Posteitaliane 103 Fußballmarken herausgebracht worden. Die vorerst letzte zeigt die Silhouette von Gigio Donnarumma.  1982 hat der berühmte italienische Maler und Grafiker Renato Guttuso zumindest die Hände von Torwart-Legende Dino Zoff abgebildet, wie er den WM-Pokal in die Höhe streckt. 

Und 2006 sieht man die Silhouette von Kapitän Fabio Cannavoro, wie er den gewonnenen Fußball-WM-Pokal in den Nachthimmel von Berlin hebt.

(Autor: KJA)

Kartengrüße aus Tokio – Olympische Post ist angekommen

Die Olympischen Spielen in Tokio gehen in die zweite Woche.  Über das sportliche Geschehen hat sich Jedermann sicher schon ein Bild gemacht. Für die Sportlerinnen und Sportler ist es gut, dass die Sommerspiele mit einem Jahr Verspätung in der japanischen Hauptstadt stattfinden können – trotz Corona bedingter Einschränkungen. Eine weitere Verlegung oder gar Absage der Wettbewerbe wären für viele von ihnen das Ende ihres sportlichen Traumes gewesen. Daran sollten wir denken – auch bei kontroversen Debatten über den Sinn oder Unsinn dieser Olympischen Spiele zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

Sportphilatelistisch gesehen können wir damit leben, dass es wegen des Zuschauerverbots diesmal natürlich keine Postämter mit entsprechenden Sonderstempeln an den Wettkampfstätten gibt. Entsprechende Stempel werden aber in den Post-Filialen im Olympischen Dorf bzw. im Internationalen Rundfunk-und Fernsehzentrum (IBC) sowie im Internationalen Pressezentrum (MBC) abgeschlagen. 

Sechs Tage brauchte diese Karte vom Eröffnungstag der Spiele, bis sie den Empfänger in Deutschland erreichte. Abgestempelt im IBC/MPC mit dem Internationalen Tagesstempel sowie dem „Landschaftsstempel IBC/MPC“.

Diese Olympischen Grüße aus Tokio übermittelte mir mein früherer MDR-Radio-Kollege und Sammlerfreund Thorsten vom Wege, den ich per WhatsApp noch um ein paar Ergänzungen bat:

Du erlebst derzeit in Tokio Deine 15. Olympischen Spiele als Radio-Reporter. Wie fällt Deine Zwischenbilanz jetzt zu Beginn der zweiten Wettkampfwoche aus?

„Die Spiele von Tokio sind schwer einzuordnen, weil es vergleichbare Olympische Spiele noch nicht gab. Obwohl man sich für die Sportler freut, die sich über Jahre auf diesen Höhepunkt vorbereitet haben, ist das Olympische Flair verlorengegangen. Leere Hallen, Restriktionen überall, zu den Sicherheitskontrollen noch die von den Gastgebern akribisch überwachten Bestimmungen in Sachen Corona und die strenge Überwachung der Verhaltensregeln rauben den Spielen ihren Kern – damit meine ich das Zusammentreffen von Menschen aus aller Welt. Das ist schade. Ich hoffe, das bleibt eine einmalige Ausnahme, fürchte aber für Peking 2022 eine ähnliche Vorgehensweise.“                                                                                                

Wie ist der Service der Japanischen Post zu diesen Olympischen Spielen?

„Die japanische Post hat einen kleinen Postschalter im Medienzentrum eingerichtet und bietet derzeit eigentlich nur ein Stamp-Booklet an – bestehend aus drei Bögen á 25 Marken mit den Sportarten-Darstellungen zu den Spielen bzw. zu den darauffolgenden Paralympics. Dazu gibt es einen Block mit einer Abbildung des Olympiastadions. Extras – so wie angekündigt von japanischen Olympiasiegern – waren bisher nicht zu sehen. Die Größe des Postamtes scheint aber auszureichen, um alle Bedürfnisse zu befriedigen, denn abgesehen vom Eröffnungstag halten sich die Schlangen trotz Abstandsregeln in Grenzen.“   

Wie groß ist die Resonanz der Japaner auf die philatelistischen Angebote?

„So blöd es klingt, das kann ich nicht einschätzen. Denn da wir in unserem Bewegungsradius komplett eingeschränkt sind, wissen wir nicht, wie es in öffentlichen Postämtern der Stadt aussieht. Und an den Sportstätten, die ich besucht habe, gibt es – weil kein Publikum zugelassen ist – NICHTS. Kein Merchandising, keine Sonderstempel wie beispielsweise in Peking 2008. Insgesamt finde ich es aber erfreulich, dass Japan die Briefmarkensammler nicht mit einer regelrechten Schwemme an Marken überflutet.“

(Autor: KJA)

HOME gegen ROME – Origineller EM-Ballwechsel zwischen britischer und italienischer Post

Die wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschobenen Fußball-Europameisterschaft ist mittlerweile Geschichte. In Italien wird aber immer noch über den Titelgewinn gejubelt. Denn mit ihrem 4:3-Erfolg nach Elfmeterschießen am 11. Juli 2021 vor 60.000 Fans im Londoner Wembley-Stadion gegen England feierten die Italiener ihren zweiten Triumph nach 1968 bei einer Europameisterschaft.

Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung hatte es im Finale 1 zu 1 gestanden. Beim Schießen vom Strafstoßpunkt sah es zunächst so aus, als könnten die Engländer ihren Elfmeterfluch besiegen: Harry Kane und Harry Maguire hatten sicher verwandelt, Andrea Belotti hatte für Italien verschossen. Doch dann versagten nacheinander Marcus Rashford, Jadon Sancho und Bukayo Saka. Die Engländer gingen geschlagen vom Platz. Dabei wollten sie doch den Fußball nach Hause holen – „Football it´s coming home!“ war erneut ihr Motto.

Der Spruch stammt übrigens aus dem größten englischen Fußball-Lied: „Three Lions“ war die offizielle Hymne der englischen Nationalmannschaft für die Fußball-Europameisterschaft 1996 im eigenen Land. Der Refrain des Liedes lautet „It’s coming home, it’s coming home, it’s coming, football’s coming home” (auf Deutsch: „Es kommt nach Hause, es kommt nach Hause, es kommt, Fußball kommt nach Hause“). Als das Lied 1996 rauskam, lag der letzte Triumph der Engländer bei einem Fußball-Turnier 30 Jahre zurück – 1966 war England bei der WM im eigenen Land Weltmeister geworden. Jedenfalls handelt das Lied der Gruppe „Lightning Seeds“ davon, dass für England seit 1966 jedes Turnier als große Enttäuschung endete. Bei der EM 1996 sollte der Fußball endlich wieder ins eigene Land zurückkehren und die Mannschaft sollte – so träumten die „Lightning Seeds“ – den EM-Titel holen. England spielte tatsächlich ein bärenstarkes Turnier. Dann kam im Halbfinale Deutschland und kickte die Mannschaft – ausgerechnet im Wembley-Stadion! – aus dem Turnier. Beim erneuten EM-Anlauf in diesem Jahr waren nun die Italiener die lachenden Sieger. England läuft seinem „Fußball-Erfolg“ also weiter hinterher.

Aber nicht nur auf dem Rasen gab es in diesem Jahr ein packendes Duell zwischen den Engländern und Italienern. Die englische Post war sich so sicher, dass „ihre“ Fußballer Europameister werden würden, dass sie am 9. Juli, also drei Tage vor dem Finale, auf Facebook eine nette Kampagne mit folgendem Bild veröffentlichte:

Die Royal Mail hatte einen Ball komplett eingewickelt und mit dem Slogan „HOME“ versehen. Die Frankierung mit zwei Queen-Elizabeth-Marken“ sollte wohl auf einen 2 zu 0 Endspielsieg gegen Italien hinweisen.

Die Italienische Post, einer der Hauptsponsoren der Squadra Azzurra, wollte diese postalische Herausforderung nach dem Triumph „ihrer“ Elf natürlich nicht auf sich sitzen lassen und konterte am 12. Juli, einen Tag nach dem Finale, ebenfalls auf Facebook mit folgendem Foto:

Auch Posteitaliane hatte einen Ball verpackt und mit der offiziellen italienischen EM-Briefmarke versehen. Beim Slogan „HOME“ war das H durchgestrichen und durch den Buchstaben „R“ ersetzt worden. Der Ball war endgültig nach Hause gekommen – aber nach Rom, in die neue Hauptstadt des europäischen Fußballs!

Dass die Engländer aber auch faire Verlierer sein können, bewies die Royal Mail, die angeblich schon zwei Sonderbriefmarken zum englischen EM-Sieg vorbereitet hatte, kurz darauf mit diesem Facebook-Konter.

Mit diesem „Ballwechsel“ endete ein Spaß zweier europäischer Postverwaltungen, den es in dieser Form wohl noch nie gegeben hat.

Sicher werden die Italiener noch mit einer Extra-Briefmarke zum Titelgewinn glänzen. Aber die Briten haben diesmal trotz der Niederlage philatelistisch die Nase vorn gehabt. Die Post der Isle of Man hat zur Erinnerung an die UEFA EURO 2020 (2021) einen nummerierten Gedenkumschlag mit der im EM-Vorfeld erschienenen Wembley-Stadion-Briefmarke und einem Sonderstempel mit dem Finaldatum 11. Juli 2021 herausgebracht.

Die Wembley-Stadion-Briefmarke ist Teil eines Kleinbogens mit insgesamt acht EM-Stadion-Abbildungen, der vor der Europameisterschaft auf der Isle of Man an die Postschalter kam.

(Autor: KJA)

Deutsche LA-Europameisterin als „Pin-up-Girl“ auf Schweizer Olympia-Briefmarke

Zu den bisher interessantesten Briefmarkenmotiven für die bevorstehenden Olympischen Sommerspiele in Tokio zählen, meiner Meinung nach, die zwei Ausgaben der Schweiz vom 6. Mai 2021.

Der vom Burgdorfer Grafiker Kasper Kobel gestaltete Bogen, der die Schweizer auf das sportliche Großereignis des Jahres einstimmen soll, zeigt eine klassische Zieleinlauf-Fotografie und greift dabei am Bogenrand die olympischen Werte „Höchstleistung“, „Respekt“ und „Freundschaft“ auf. Alles zeitgemäß für die sozialen Netzwerke formuliert: (Hashtag) #ALLIN4Tokio und #SWISSTEAM! Die Marken-Ausgaben waren bereits für 2020 geplant, aber erst jetzt aufgelegt worden. Mit der neuen Inschrift rechts unten auch wird auf den neuen Ausgabetermin 2021 verwiesen.

Als Sportjournalist und -philatelist wollte ich natürlich mehr über das Briefmarkenmotiv wissen und habe intensiver recherchiert. Was dabei heraus kam, war schon interessant, vor allem auch aus deutscher Sicht. Bei dem grafisch verfremdeten Zielfoto auf der Briefmarke handelt es sich nämlich als Vorlage um Teile des Originalfotos vom 60 Meter Hürdenlauf-Finale der Frauen bei den Hallen-Leichtathletik-Europameisterschaften 2011 in Paris.

Das Hürdenfinale hatte die Deutsche Carolin Nytra im Fotofinish vor der Britin Tiffany Ofili für sich entschieden. Ihr Vorsprung betrug nur eine Tausendstelsekunde (7,793 zu 7,794 s). Während Nytra ihre persönliche Bestleistung um neun Hundertstelsekunden unterbot, erzielte Ofili einen britischen Hallenrekord. Die als Führende der europäischen Jahresbestenliste in die Wettkämpfe gegangene Norwegerin Christina Vukicevic lief ebenfalls einen nationalen Hallenrekord und wurde Dritte.

Nach dem Rennen hatten die Juroren nur 30 Sekunden Zeit, um anhand des Zielfotos zu entscheiden, wer tatsächlich als Erster das Ziel überquert hatte. Dabei war es wichtig, mit welchem Körperteil die Sportlerin die Linie erreicht hatte. Denn entscheidend ist der Rumpf, also von den Schultern abwärts bis zur Hüfte. Ein Bein, ein Arm oder der Kopf zählen nicht. 

Ein Leben im Sprint

Für die am 26.Februar 1985 in Hamburg geborene Carolin Nytra war diese knappe Goldmedaille in Paris der größte Erfolg in ihrer sportlichen Karriere, nachdem sie 2010 bei den Freiluft-Europameisterschaften in Barcelona Dritte über 100 Meter Hürden geworden war.

Die siebenfache Deutsche Meisterin war Teilnehmerin an den Olympischen Spielen 2008 in Peking und 2012 in London, schied beide Male aber im Halbfinale aus. Eigentlich wollte sie mit den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro ihre sportliche Laufbahn beenden, jedoch aufgrund von Achillesfersenproblemen schaffte sie die Olympiaqualifikation nicht. Am 9. Juni 2016 gab Nytra deshalb auf ihrer Webseite den Abschied vom Leistungssport bekannt.

Dass Carolin Nytra nun, fünf Jahre später, mit ihrem 2011er Zielfoto-Sieg von Paris auf einer Schweizer Briefmarke für die Olympischen Spiele in Tokio „wirbt“, war der ehemaligen Mannheimerin und heutigen „Neu-Leipzigerin“ unbekannt – bis sie mein MDR-Sport-Kollege und Sammlerfreund Thorsten vom Wege – inspiriert von meiner Recherche – anlässlich eines Interviewtermins darauf aufmerksam machte. 

„Davon wusste ich wirklich nichts, tatsächlich hat mich niemand vorher kontaktiert oder gefragt“, so die überraschte 36jährige, deren spannende Lebensgeschichte mittlerweile auch in einem ARD-Hörfunkbeitrag verewigt worden ist. „Ich habe ja schon einiges karrieretechnisch hinter mir, aber dass ich tatsächlich noch einmal als „Pin-up-Girl“ für eine Briefmarke der Schweiz dienen würde, davon habe ich nicht zu träumen gewagt!“ Das Zielfoto ist der einstigen Hürdensprinterin, die seit ihrer Heirat 2014 mit Fußball-Athletiktrainer Nicklas D. nun Carolin Dietrich heißt, noch immer präsent. „Ich hatte es mir damals nach meinem Erfolg in Paris gleich ausdrucken lassen und eingerahmt. Das Foto hing sehr lange an der Wand in meiner Wohnung“.

Nach ihrem sportlichen Rücktritt nahm Carolin Dietrich keine Auszeit, sondern nur 14 Tage später im Sommer 2016 einen Fulltime-Job in der im Aufbau befindlichen Marketing-Abteilung von RB Leipzig an, das gerade in die Fußball Bundesliga aufgestiegen war. „Mir ist eine unglaubliche Stelle angeboten worden…“, erzählte sie damals ihren Freunden. Ganz schnell hatte sie bei RB auch die nächste Hürde genommen und war zur „Leiterin Internationalisierung“ beim Bundesligisten aufgestiegen. „Unsere RB-Erfolgsgeschichte ist das, was im Ausland interessiert“, verriet Carolin Dietrich in einem Interview mit dem Weser-Kurier. Markenbildung und Märkte waren nun ihre Hauptaufgabe.

Für die ehemalige Leistungssportlerin ist das Leben ein Sprint geblieben, auch wenn sie sich, wie sie im ARD-Hörfunk-Beitrag verriet, nicht mehr von der Leichtathletik verfolgt sehe. „Das war einmal mein Lebensinhalt. Jetzt steht die berufliche Karriere im Vordergrund“. Carolin Dietrich hat inzwischen RB Leipzig verlassen und trotz der schwierigen Corona-Zeit den Sprung in die berufliche Selbständigkeit gewagt – mit „Leadership coaching“. Ihr beratendes Angebot richtet sich an Führungskräfte, die durch ihre Unterstützung lernen sollen, eigene Kompetenzen wahrzunehmen und Fähigkeiten zu entwickeln, um diese nachhaltig auf die eigene Ziele auszurichten.

An Hand der aktuellen Schweizer Olympiabriefmarke für Tokio 2021 könnte Carolin Dietrich am eigenen Beispiel erläutern, dass auch knappe Entscheidungen im Leben durchaus sehr erfolgreich sein können!

(Autor: KJA)

Wenn der Sport zur Nebensache wird – Eishockey-WM in Lettland im Kreuzfeuer der Politik

Kaum ein Sportereignis der letzten Zeit ist so von der aktuellen Politik beeinflusst worden, wie die 84. Eishockey-Weltmeisterschaft, die derzeit in der lettischen Hauptstadt Riga noch bis zum 6. Juni ausgetragen wird. Die Sonderbriefmarke der lettischen Post mit WM-Maskottchen Spiky, einem freundlichen Igel im Mittelpunkt, kann nicht darüber hinwegtäuschen, wie groß die Spannungen um das Ereignis waren und sind. Diese WM wird auf alle Fälle in die Sportgeschichte eingehen.

eishockey-wm-2021-lettlnd-briefmarke-2021Als „Spiky“ am 24. Februar 2020 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, war die Welt zwischen Belarus und Lettland noch in Ordnung. Beide Länder hatten sich 2017 gemeinsam für die Ausrichtung der Weltmeisterschaft beworben und knapp vor Finnland den Zuschlag durch die Delegierten des Weltverbandes IIHF erhalten. Erstmals wurde damit eine WM an ein Land innerhalb (Lettland) und eines außerhalb (Belarus) der Europäischen Union vergeben.

000028_1582607748_48546_big

Mehr als 100 Vorschläge aus beiden Ländern, vom einfachen Eishockey-Fan bis hin zum professionellen Künstler, waren zur Gestaltung des WM-Maskottchens eingegangen. Die gemeinsame Jury entschied sich am Ende für den Igel Spiky, der zunächst noch vor dem gemeinsamen Logo mit den Austragungsorten Minsk und Riga posieren durfte.
Nach einem Frühling ohne Eishockey, die 83. WM 2020 in der Schweiz musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden, rückte im Sommer die WM 2021 langsam, aber sicher in den Fokus. Und damit auch die politischen Unruhen im Co-Gastgeberland Belarus. Am 17. August 2020 kündigte Lettland an, Gespräche mit dem Weltverband IIHF führen zu wollen, um die Situation zu erörtern. In Belarus war es wegen der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Wahl von Staatspräsident Alexander Lukaschenko zu großen Protesten gekommen, bei denen die Polizei brutal vorging. IIHF-Präsident René Fasel ließ zu diesem Zeitpunkt noch verlauten, dass es keine Pläne gebe, Belarus die Austragung zu entziehen.
Das änderte sich aber zu Beginn des Jahres 2021. Die monatelange Kritik am gewaltsamen Umgang mit Demonstranten sowie die lockere Handhabung der Corona-Pandemie schürten immer mehr Zweifel. Am 6. Januar 2021 bestätigte Fasel, der kurz zuvor noch bei einem Treffen in Minsk Lukaschenko innig umarmt hatte, „dass man sich nun doch auf der Suche nach einem anderen Land als Co-Gastgeber neben Lettland befinde“.
Kein Zurück mehr gab es dann, als einige der Hauptsponsoren – wie der tschechische Autohersteller Skoda und Nivea – öffentlich drohten, sich von der WM im Mai zurückzuziehen, sollte in Minsk gespielt werden. Und so kam am 18. Januar, was kommen musste: Die IIHF entzog Belarus die WM. Rund zwei Wochen später am 2. Februar war klar, dass Riga als alleiniger Austragungsort zum Zuge kommt. Begründet wurde diese Entscheidung mit Paragraph 9 der IIHF-Statuten, der es der Weltföderation ermöglicht, die Ausrichtung eines Turniers zu entziehen, wenn die Gesundheit oder die Freiheit der teilnehmenden Sportler, Funktionäre, Zuschauer und Medienvertreter nicht gewährleistet ist.
Damit waren endgültig auch die Hoffnungen der Sportphilatelisten dahin, dass es vielleicht eine interessante gemeinsame Briefmarken-Ausgabe zu dieser Eishockey-WM zwischen den Postverwaltungen aus Belarus und Lettland geben könnte.
Beide Länder waren schon je einmal allein Gastgeber der Titelkämpfe: Riga 2006 und Minsk 2014 – was natürlich damals philatelistisch auch dokumentiert worden ist.

s-l1600-1

s-l1600-2

s-l1600

Aber nicht nur im Vorfeld der diesjährigen WM überschlugen sich die politischen Ereignisse zwischen Belarus und Lettland. Auch während der WM-Tage gab es bisher keine Ruhe. Fast hatte man den Eindruck, die Eishockeyspiele seien nur noch Nebensache.
Ein Flaggentausch am Rande der WM sorgte weiter für weltweites Aufsehen. Die Stadtverwaltung von Riga hatte an mehreren öffentlichen Plätzen die Nationalfahne von Belarus, das als WM-Endrunden-Aufsteiger in der Vorrundengruppe A immerhin Teilnehmer dieser WM ist, einfach durch die weiß-rot-weiße Variante der belarussischen Opposition ersetzt.

3xSu_b53rjm_lo

Hintergrund für diese Maßnahme, die von Lettlands Staatspräsidenten Egils Levits als angemessene Reaktion auf die völkerrechtswidrigen Maßnahmen von Belarus verteidigt wurde, war die gewaltsame Zwangslandung eines Passagierflugzeuges in Minsk und die Festnahme eines regierungskritischen belarussischen Bloggers, der sich auf diesem Ryanair-Direktflug von Athen nach Villnius befunden hatte.

Trotz weltweiter Proteste und Forderungen nach Sanktionen gegen Belarus nach diesem Akt der Luftpiraterie verschärfte Lukaschenko die Lage. Mit Blick auf den „Flaggentausch“ in Riga wurden alle lettischen Diplomaten aus Minsk ausgewiesen. Lettland reagierte umgehend daraufhin und wies ebenso alle belarussischen Botschaftsangehörigen aus. Die Maßnahme gelte solange, bis sich die Beziehungen wieder normalisiert hätten.
Beide Länder machen derzeit das, was WM-Maskottchen Spiky am besten kann: Einigeln!

Eishockey WM 2021 in Riga Kleinbogen

Übrigens: Inzwischen ist auch die für Ende Juni in Minsk geplante Bahnrad-EM aufgrund der angespannten politischen Lage abgesagt worden. „Wir arbeiten nun daran, eine Alternative zu finden“, sagte der Präsident des Europäischen Radsportverbandes Enrico Della Casa.

(Autor: KJA)

Schwimmen in Budapest – Meisterschaften mit Tradition

Vielleicht ist es doch die Sehnsucht nach dem Meer, das die knapp 10 Millionen Ungarn seit Jahrzehnten im Schwimmen und Wasserball zu internationalen Spitzenleistungen antreibt. Denn das Land liegt, umsäumt von sieben anderen Ländern, soweit vom „großen“ Wasser entfernt, wie kaum ein anderes auf dem europäischen Kontinent. Plattensee und Donau sind da kein Ersatz.

Von Alfréd Hajós, dem ersten Schwimm-Doppel-Olympiasieger der Neuzeit 1896 in Athen bis hin zu Katinka Hosszú, die 2016 in Rio de Janeiro dreimal Olympia-Gold gewinnen konnte, spannt sich der Erfolgsbogen. Mit insgesamt 28 mal Gold, 26 mal Silber und 20 mal Bronze bei Olympischen Spielen liegen Ungarns Schwimmerinnen und Schwimmer hinter den USA, Australien und Deutschland (BRD und DDR) auf einem bemerkenswerten vierten Rang in der Nationen-Wertung.

Dass die Ungarn zudem ein Herz für die Sportphilatelie besitzen, beweisen auch die regelmäßigen Ausgaben von Magyar Posta zu den jeweiligen Schwimm-Höhepunkten in Budapest.

Schwimmen EM 2021 Budapest FDC+BriefmarkeDiese Ausgaben zur 35. Schwimm-Europameisterschaft in Budapest waren schon für 2020 vorgesehen, wurden wegen der Verlegung von der Post aber erst am 29. März 2021 an die Schalter gebracht, als sicher war, dass die Titelkämpfe im Mai stattfinden werden.

Denn auch als Ausrichter großer Schwimm-Ereignisse haben sich die Ungarn einen Namen gemacht. Schwimm-Europa und die Schwimm-Welt kommen gern nach Budapest. Auch in diesem Jahr, wo vom 10. bis zum 23. Mai die wegen der Corona-Pandemie   verschobenen 35. Europameisterschaften stattgefunden haben.
Zuvor waren schon in der sogenannten corona-geschützten Budapester „Schwimm- Bubbel“ die Wettkämpfe der neugeschaffenen Profi-Schwimm-Vereinigung „ISL“ über die Bühne gegangen. Austragungsort war die moderne Duna-Aréna, die zu den Schwimm-Weltmeisterschaften 2017 eröffnet worden ist. Die neue Halle war nötig geworden, da das seit 1930 bestehende und immer wieder umgebaute altehrwürdige Alfréd-Hajós-Schwimmstadion auf der Margareteninsel dem Ansturm der ganz großen Ereignisse nicht mehr gewachsen war.

220px-Duna_aréna_ltv_3

In Budapest hatte alles begonnen. Schon 1926, ein Jahr vor der offiziellen Gründung des europäischen Schwimmverbandes LEN, wurden in der ungarischen Hauptstadt die 1. Europameisterschaften ausgetragen.

Schwimmen EM 1926 Budapest SS

Die 1. Europameisterschaft fand vom 18. – 23.August 1926 in Budapest statt. Der von der Stadt dafür geplante Schwimmbad-Neubau war leider dem Geldmangel der allgemeinen herrschenden Wirtschaftskrise zum Opfer gefallen. Der Werbestempel mit dem Schriftzug „Europa Uszóbaunokságai“ – übersetzt: „Europa Schwimmbecken“ und den Abbildungen eines Startsprungs sowie eines Kraulschwimmers dokumentiert das Ereignis auf einem Brief, der am 22.08.1926 in Budapest abgestempelt worden ist. Er ist damit der erste philatelistische Nachweis für ein internationales Schwimmereignis.

Schwimm EM 1958 Budapest 3           Schwimm EM 1958 Budapest 2       Schwimm EM 1958 Budapest 1

Schwimm EM 2010 Budapest

1958, 2006 und 2010 wurden weitere kontinentale Titelkämpfe im Schwimmen, Wasserspringen und Synchronschwimmen in Budapest veranstaltet.

In keiner anderen Stadt waren Europas beste „Wassersportler“ so oft mit ihren Meisterschaften zu Gast. Hinzu kamen noch drei „extra“ Europameisterschaften im Wasserball 2001, 2014 und 2020.

Wasserball EM 2020 Budapest FDC

Die Wasserball-EM der Männer und Frauen fand im Januar 2020 noch wie geplant statt. Auch die ungarische Post war, wie man es in Sachen Sportphilatelie kennt, gut darauf vorbereitet.

Neben diesen insgesamt acht Europameisterschaften war Budapest 2017 erstmals auch Ausrichter einer FINA-Schwimm-Weltmeisterschaft. Für die ungarischen Organisatoren war dies so etwas wie die „Krönung“ ihrer langjährigen Bemühungen. 2019 folgten an gleicher Stelle die 7. Jugend-Schwimm-Weltmeisterschaften.

Schwimmen WM 2017 Budapest 09_2017_vizes_fej_2

Die zweite FINA-WM-Auflage wird es im Jahr 2027 geben. Budapest konnte sich mit seiner starken Bewerbung erneut erfolgreich durchsetzen. Zuvor ist die ungarische Hauptstadt  bereits 2024 erstmals Gastgeber einer FINA-Kurzbahn-WM.

1984 wurden zudem im Alfréd-Hajós-Schwimmstadion auf der Margareteninsel die Wettbewerbe im Wasserspringen anlässlich der sogenannten Wettkämpfe der Freundschaft ausgetragen, die für die Los Angeles-Boykottländer aus dem damaligen sozialistischen Lager so etwas wie „Olympischen Ersatzspiele“ waren.

DSC08585

Das Budapester Schwimmstadion ist nicht nur nach dem ersten Schwimm-Olympiasieger der Neuzeit sondern auch nach dem Architekten der wunderschönen Anlage benannt worden. Für seine Baupläne  erhielt Alfréd Hajós im Rahmen der Olympischen Kunstwettbewerbe 1924 in Paris eine Silbermedaille!

Der Alfréd-Hajós-Schwimmkomplex auf der Margareteninsel

(Autor: KJA)

Briefmarken-Serie „Für den Sport“ 2021 – Neue Olympische Sportarten vorgestellt

Mit der Briefmarkenserie „Für den Sport“ unterstützt das Bundesministerium der Finanzen seit 53 Jahren die Stiftung Deutsche Sporthilfe. Seit 1968 sind durch die Marken mit dem „Plus“ rund 140 Millionen Euro an Fördermitteln für die sozialen Belange und Aufgaben im Bereich des Nachwuchs- und Spitzensports zur Verfügung gestellt worden.

Für den Sport 2021
In diesem Jahr wird die Serie „Neue Olympische Sportarten“ aus dem Jahr 2020 mit drei weiteren Sportarten, die bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 erstmalig oder erneut in das Programm aufgenommen werden, fortgeführt. Es handelt sich dabei um Baseball, Softball und Wellenreiten.
Am 6.Mai 2021 kommen diese drei Briefmarken, die vom Hattinger Grafiker Thomas Serres gestaltet worden sind, an die Postschalter. Serres war bereits im vergangene Jahr für die Darstellung der Briefmarken zu den neuen olympischen Sportarten Sportklettern, Skateboard und Karate verantwortlich.

d10ba4fc-47fd-11ea-ad04-08855cb10ac7

Thomas Serres, der bisher schon über 40 Briefmarken für die Post entworfen hat, ist auch der Schöpfer der 20-Euro-Münze zur Fußball-Europameisterschaft, die nach der Verlegung des Ereignisses vom Vorjahr in diesen Sommer nun hoffentlich auch erscheinen wird.

csm_Muenze_EM_2020_Teaser_d7a8168298
Die diesjährigen Marken „Für den Sport“ befassen sich mit drei Sportarten, die bisher als Motive noch nicht auf deutschen Briefmarken aufgetaucht sind. Im Begleittext der Stiftung Deutsche Sporthilfe heißt es dazu:
Baseball kehrt in Tokio erstmals seit 2008 zurück ins olympische Programm, nachdem es seit 1992 olympisch war. Bei Olympischen Spielen wird es nur von Männern gespielt. Die Sportart ist eine Kombination aus Mannschafts- und Individualsport sowie ein Schlagballspiel, bei dem die Verteidiger einen Ball ins Spiel bringen, den die Angreifer mit einem Schläger treffen müssen. Im Mittelpunkt steht dabei das Duell zwischen dem Pitcher (Werfer) und dem Batter (Schlagmann) – gewinnen kann man aber nur als Team.
Softball, eine mit Baseball eng verwandte Sportart, wird bei den Olympischen Spielen nur von Frauen gespielt. Das Spielfeld ist kleiner, der Ball ist größer und es ist eine andere Wurftechnik verbreitet. Ansonsten gleichen sich die Spielprinzipien von Base- und Softball. Softball war in den Jahren von 1996 bis 2008 viermal als olympische Sportart für Frauen vertreten, musste dann aber bei den Sommerspielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro eine Pause einlegen.

Wellenreiten oder auch Surfen wird erstmalig im Rahmen der olympischen Disziplin „Shortboarden“ in das Wettkampfprogramm aufgenommen. Die Wettbewerbe sollen vom 26. bis zum 29. Juli 2021 am Tsurigasaki Surfing Beach der Stadt Ichinomiya ausgetragen werden.
Dabei müssen die Athleten im Meer bei ständig wechselnden Bedingungen die Jury mit ihren spektakulären Manövern auf dem Brett überzeugen. Für die Bewertung ihrer Leistung auf der Welle spielen vor allem „Speed, Power und Flow“ eine besondere Rolle. Die besten beiden Wellen werden zum Endergebnis addiert. Die „Heats“ mit mehreren Startern dauern zwischen 20 und 30 Minuten.

(Autor: KJA)

„Beckenbauer des Osten“ auf eigener Briefmarke – Dresdner Privatpost würdigt Dynamo-Legende „Dixie“ Dörner

Bereits am 25.Januar 2021 hatte er seinen 70. Geburtstag gefeiert. Aber erst ein Vierteljahr später bekam er nun auch seine eigene 70-Cent-Sonderbriefmarke – passend zum Alter. Der Dresdner Post-und Kurierdienstleister „PostModern“, der schon seit Jahren eine enge Verbindung zum Fußball-Traditionsclub Dynamo pflegt, ließ in der Erstauflage 300-tausend Marken drucken, die den einstigen Dynamo-Rekordspieler zeigen.

Dresden; 12. April 2021; Foto: Dennis Hetzschold

„Aufgrund seines Engagements im und um den Verein und vor allem wegen seiner fußballerischen Erfolge haben wir uns entschieden, ihn mit einer Sonderbriefmarke zu ehren“, so Alexander Hesse, der Marketingleiter bei „PostModern“. Seit dem 19.April gibt es diese Marke bei den Servicepunkten des Kurierdienstes.

Der regionale Briefdienstleister PostModern hatte bereits 2013 zum 60jährigen Jubiläum des Vereins einen Block mit 12 Marken herausgebracht, der den ruhmreichen Dynamo-Spielern der Vergangenheit Claus Boden, Hans-Jürgen Dörner, Andreas Trautmann, Siegmar Wätzlich, Matthias und Klaus Sammer, Ulf Kirsten, Hans-Jürgen Kreische, Gert Heidler, Dieter Riedel und Reinhard Häfner sowie Trainer Walter Fritzsch gewidmet war.

 

„Dixie“ Dörner freute es damals, dass sein Antlitz aus Jugendjahren zukünftige Briefsendungen zieren wird. „Ich und meine Mitstreiter sind sehr glücklich darüber, dass unsere Leistung aus vergangenen Tagen auf diese Weise geehrt wird“, sagte der ehemalige Libero. Nun wurde er erstmals allein mit einer Briefmarkenausgabe gewürdigt.
Zu den bisherigen „Fußball-Ausgaben“ von PostModern gehörten unter dem Motto „Der Ball ist rund“ 2004 auch vier Briefmarken  zum Aufstieg in die 2.Bundesliga. 2009 gab es einen  Viererblock über das heimische Rudolf-Harbig-Stadion. 2015 wurde mit zwei Marken zum 100.Geburtstag von Dresdens Fußball-Legende Helmut Schön gratuliert. Zum Abschied von Christian Fiel, der von 2010-2015 als Spieler und danach noch vier Jahre als Trainer für den Verein aktiv war, wurde ebenfalls eine Extramarke spendiert.

Aber nicht nur auf der aktuellen Sonderbriefmarke glänzt derzeit die Dresdner Fußball-Legende Hans-Jürgen Dörner. Anlässlich des 68jährigen Vereinsjubiläums der SG Dynamo am 12. April 2021 organisierten der Klub und die aktive Fanszene wieder gemeinsam eine Aktionswoche, diesmal unter dem Thema „70 Jahre Dixie Dörner“. Für die Dresdner Dynamos ist Dörner nicht nur der bedeutendste Fußballer in der Geschichte des Vereins, sondern auch eine Persönlichkeit, die sich durch unermüdlichen Einsatz für den Verein bisher auszeichnete. Also gab es zur Briefmarke noch einen von Dynamo-TV produzierten Dokumentarfilm und eine Sondermünze in Gold und Bronze. Die 70 „Goldenen“ war innerhalb von sieben Minuten ausverkauft.Diese Münze ist Teil einer „dynamischen Kollektion“ zu Ehren von „Dixie“ Dörner und exklusiv im Dynamo Fan- und Onlineshop erhältlich. Aber noch nicht genug der „Dörner-Festspiele“ in Dresden. Am 24.April wurde kurz vor dem Drittliga-Heimspiel gegen Halle die „Dixie-Dörner-Tribüne“ im Rudolf-Harbig-Stadion eingeweiht.
Für den Präsidenten des Vereins, Holger Scholze, war es eine „außerordentlich große Ehre“, weil damit der Verein, die Stadion-Dresden-Projektgesellschaft sowie die Landeshauptstadt Dresden gemeinsam ihre enorme Anerkennung und Wertschätzung für die großartigen Verdienste zum Ausdruck bringen konnten, die „Dixie“ in mehr als fünfzig  Jahren auf und neben dem Platz für den Verein erbracht hat.

Ab sofort trägt der Bereich der Blöcke T1 bis C5 auf der Südtribüne den Namen von Dynamos Ehrenspielführer. Bis zu 5.900 Menschen werden zukünftig, d.h. nach Corona, an Heimspieltagen auf der Dixie-Dörner-Tribüne ihren Platz finden.
18 Jahre lang, zwischen 1968 und 1986 und prägte „Dixie“ Dörner in wettbewerbsübergreifend 558 Spielen im schwarz-gelben Trikot die erfolgreichste Ära der Vereinsgeschichte und wurde dabei zum Fußball-Idol mehrerer Generationen. Er schoss insgesamt 72 Tore. Es war eine Augenweide, ihn Fußball spielen zu sehen. Mit Dynamo feierte er jeweils fünf DDR-Meisterschaften und Pokalsiege. Der gebürtige Görlitzer wurde dreimal zum „DDR-Fußballer des Jahres“ gewählt. 2019 adelte ihn der Deutsche Fußball-Bund mit der Aufnahme in seine Ruhmeshalle.

Mit 18 Jahren debütierte der torgefährliche Abwehrspieler erstmals in der DDR-Nationalmannschaft, verpasste aber 1974 aufgrund einer Gelbsuchterkrankung die Weltmeisterschaft in der BRD. Libero Dörner bestritt insgesamt 100 Länderspiele. Damit liegt er in der DDR-.Rangliste hinter Joachim Streich (102 Länderspiele) auf dem zweiten Platz. 60 Mal führte er dabei die DDR-Auswahl als Kapitän auf den Rasen. Seinen größten Erfolg feierte er mit der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal.

1986 beendete er seine aktive Laufbahn. Danach begann seine Zeit als Trainer. Nach der Wende war er zunächst DFB-Nachwuchstrainer. Deutschlandweite Schlagzeilen machte er 1996 als erster Ostdeutscher, der mit Werder Bremen einen West-Bundesligisten trainieren durfte. Weitere Trainerstationen waren u.a. der FSV Zwickau und der VfB Leipzig. 2004 eröffnete er in Dresden „Dixie Dörner´s Fußballschule“. Seinem Verein Dynamo Dresden blieb er immer treu, sei es als Spieler, Trainer oder seit 2013 auch als ehrenamtliches Mitglied im Aufsichtsrat.Übrigens, mit dem Vergleich „Beckenbauer des Ostens“ kann Dixie Dörner selbst nicht viel anfangen. „Das hat die Presse ins Spiel gebracht. Als junger Mann hat mir das geschmeichelt“, gibt „Dixie“ zu. „Aber ich hatte mit der Zeit meinen eigenen Spielstil entwickelt. Vielleicht hat der dem von Franz Beckenbauer ein bisschen geähnelt. Mir war das aber nicht mehr so recht, diesen Vergleich immer wieder zu lesen“, sagt Dörner, der wie kein anderer die Libero-Position im Ost-Fußball verkörpert hat.
Warum ihn alle „Dixie“ nennen, kann auch keiner so genau sagen. Er selbst weiß es auch nicht, wie er einmal zugab: „Den Spitznamen hatte ich seit meiner Kindheit. Ich weiß nicht, von wem und warum. Ältere Jungs auf dem Bolzplatz sollen mir zugerufen haben „na komm, du kleener Dixie, kannst ruhig bei uns mitspielen“.
Auf alle Fälle hat Dörners Spitzname nichts mit den alten Autos oder mit dem Dresdner Dixieland-Festival zu tun!

Sein wohl schönstes Geburtstagsgeschenk wird „Dixie“ Dörner aber hoffentlich bald noch erhalten: Der Wiederaufstieg von Dynamo Dresden in die 2. Fußball-Bundesliga! Als aktueller Tabellenführer der 3.Liga  stehen die Chancen kurz vor Saisonende recht gut!

(Autor: KJA)