„Big Five“ im Sport – Südkorea gehört nun auch dazu

Wenn von den „Big Five“, den „Großen Fünf“, die Rede ist, dann sind in der Regel fünf bestimmte Tiere in Afrika gemeint, die von Großwildjägern irgendwann erlegt oder von Safari-Touristen wenigstens einmal in ihrem Leben per Foto „abgeschossen“ werden sollten: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard.

The-Big-5Diese konkrete Auswahl bezog sich dabei aber nicht in erster Linie auf die Körpergröße der Tiere, sondern vorwiegend auf die Schwierigkeiten und Gefahren bei der Jagd auf sie. 

Spricht man dagegen im internationalen Sport von den „Big Five“, dann sind fünf internationale Großveranstaltungen gemeint, deren Ausrichtungen die jeweiligen Länder in eine Art Elite-Liga aufsteigen lassen. Zu diesen Großereignissen gehören Olympischen Spiele im Sommer und im Winter, Fußball-Weltmeisterschaften sowie die Welttitelkämpfe in der Leichtathletik und im Schwimmen. Diese „Big Five“ sind auch interessant für uns Sportphilatelisten. Lassen sich doch jene Ereignisse in der Regel sehr gut mit ansprechenden Belegen dokumentieren.

Sport-Land Südkorea

Nach Deutschland, Italien, Japan und Russland ist in diesem Jahr auch Südkorea in diese Spitzenliga der Sportveranstalter-Länder aufgestiegen – dank der 18. Schwimm- Weltmeisterschaften, die vom 12.- 28. Juli in Gwangju zum ersten Mal in ihrer Geschichte in Südkorea stattfanden. Damit hat das asiatische Land erneut seine wirtschaftliche und organisatorische Stärke bei der Organisation sportlicher Großveranstaltungen unter Beweis gestellt.

Gwangju war übrigens schon 2015 Gastgeber der 28. Sommer-Universiade. Diese Weltsportspiele der Studenten gelten als zweitgrößte Multisportveranstaltung der Welt nach Olympischen Sommerspielen.

Universiade Gwangju 2015

Begonnen hatte der südkoreanische „Kampf“ um die „Big Five“ bereits 1988 mit der Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele in Seoul. 2002 folgte die gemeinsame Veranstaltung der Fußball-Weltmeisterschaften mit Japan. 2011 wurden die Daegu die Leichtathletik-Weltmeisterschaften ausgetragen. 2018 folgten die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Über alle diese Ereignisse haben wir in unseren OSPC- und IMOS-Journalen ausführlich berichtet.

Diving into Peace

Bei der diesjährigen 18. Schwimm-WM gab es sogar eine Rekordbeteiligung. 15-tausend Athleten, Offizielle und Medienvertreter aus 195 Ländern waren vor Ort in Gwangju, das 330 km von der Hauptstadt Seoul entfernt im Südwesten des Landes liegt.

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In sechs Disziplinen – Schwimmen, Freiwasserschwimmen, Wasserspringen, Klippenspringen, Synchronschwimmen und Wasserball wurden insgesamt 76 Medaillen vergeben. Der Slogan der WM war „Diving into Peace“ und damit von der Hoffnung geprägt, mit dem „Eintauchen in Frieden“ etwas für eine friedlichere Welt tun zu können. In Gwangju waren 1980 Demonstrationen gegen die damalige neue Militärregierung brutal niedergeschlagen worden. Offizielle Stellen sprechen von 140 getöteten Zivilisten, andere Quellen gehen von 2000 Toten aus. Dieser Vorfall ist als „Gwangju-Massaker“ in die Geschichte eingegangen und hat der Stadt den Ruf eingebracht, „Schrein der koreanischen Demokratie“ zu sein.

Schwimm WM 2019 Gwangju KleinbogenDie im Vordergrund der Marke zu sehenden Maskottchen Suri und Dari sind zwei personifizierte Otter, deren Lebensräume sich in der Umgebung von Gwangju befinden. Das Logo, eine Welle, soll den Berg Mudeungsan und den Fluss Yeongsangang symbolisieren. Am Rand des Kleinbogens sind die Piktogramme der sechs WM-Disziplinen abgebildet. KPC3391_FDC_Cancellation_981px Dazu gab es einen Sonderstempel, auf dem ebenfalls die Maskottchen zu sehen sind. Die Marke, die am 12.7.2019 in einer Auflage von 656-tausend Stück an die Postschalter kam, war sehr schnell vergriffen.

Ein langer Weg zu den „Big Five“

Es übrigens ist gar nicht so einfach, in die „Big Five“ der Sportveranstalterländer aufzusteigen. Deutschland schaffte es mit der Ausrichtung von drei Olympischen Spielen (1936 Berlin und Garmisch-Partenkirchen sowie 1972 München), der Fußball-WM 2006, den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1993 in Stuttgart und 2009 in Berlin sowie den Schwimm-Weltmeisterschaften 1978 in Berlin(West). Auch Italien und Japan waren mehrfach Gastgeber für die „Big Five“. Russland ist als viertes Land erst 2018 nach der Austragung der Fußball-Weltmeisterschaften in den illustren Kreis aufgenommen worden. Als sechstes Land nach Südkorea wird vermutlich  Kanada 2026 in die „Big Five“ folgen, das in jenem Jahr gemeinsam die Fußball-WM mit Mexiko und den USA austrägt. Die anderen Kriterien – Olympische Spiele in Montreal , Calgary und Vancouver sowie Weltmeisterschaften 2001 in Edmonton (Leichtathletik) und 2005 in Montreal (Schwimmen) wurden bereits erfüllt.

Was wundert, dass die USA bisher noch nicht dazugehören. Aber den Amerikanern fehlt wie Frankreich noch die Ausrichtung einer kompletten Schwimm-WM auf der langen 50-m-Bahn und natürlich mit allen anderen fünf Sparten der Sportart. Dies ist umso erstaunlicher, als dass die USA mit insgesamt 526 WM-Medaillen, darunter 230 Titeln, die stärkste Schwimm-Nation der Welt sind. Eine WM-Bewerbung von Greensboro in North Carolina für die Weltmeisterschaften 2025 oder 2027 blieb in diesem Jahr leider ohne Erfolg. Der Weltschwimmverband FINA entschied sich in Gwangju für das russische Kasan und das ungarische Budapest!

Die letzte erfolgreiche USA-Bewerbung für ein internationales Schwimm-Großereignis waren die Weltmeisterschaften auf der kurzen Bahn (25 Meter) 2004 in Indianapolis. Jedoch das zählt nicht für die „Big Five“!

(Autor: KJA)

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100 Jahre Gelbes Trikot bei Tour de France

Seit 6. Juli läuft die 106. Tour de France. Start war diesmal in Brüssel. Bis zum 28. Juli müssen die Fahrer 21 Etappen und 3480 Kilometer bewältigen. Das begehrteste Trikot ist nach wie vor das Gelbe – das Maillot Jaune. grand-depart-tour-de-france-2019-thumb

Vor 100 Jahren wurde es bei der Tour de France als begehrteste Trophäe des Radsports eingeführt. Aus diesem Anlass weist der Dress des Spitzenreiters in diesem Jahr jeden Tag ein unterschiedliches Design auf – zum Teil mit Abbildungen von berühmten Fahrern oder historischen Bergpässen.

Und auch philatelistisch ist dieses Trikot-Jubiläum entsprechend gewürdigt worden. Die Royal Mail Post der Niederlande hat aktuell eine von der Royal Dutch Mint geprägte Silbermarke (999/1000) in einer streng limitierten Auflage von 2000 Stück in einer luxuriösen Sammlerverpackung auf den Markt gebracht. Die Marke hat offiziellen Status und kann (aus den Niederlanden) für Einschreibsendungen verwendet werden, was jedoch nicht unbedingt empfohlen wird!

In Frankreich und Belgien gab es in diesem Jahr keine offiziellen Briefmarken zur Tour oder zum Trikot-Jubiläum. Aber die Belgier haben wenigstens an die Münz- und Abzeichen-Sammler gedacht.

Die Königliche Münze Belgiens verausgabte zum Tour-Start eine 2-1/2 Euro-Gedenkmünze  und würdigte damit auch das 100jährige Jubiläum des Gelben Trikots. Die Münze in Blister besteht aus 10,5g Messing, hat einen Durchmesser von 25,6 mm und erschien in Stempelglanz in einer Auflage von 120.000 Exemplaren.

Interessant ist auch die belgische Abzeichenserie, die sich auf fünf verschiedenen Motiven mit den jeweiligen Trikotfarben der Tour de France befasst.  Auf den Abbildungen (oben) sind u.a. mit dem ersten Träger des Gelben Trikots vor 100 Jahren, Eugéne Christophe, und Seriensieger Eddy Merckx zwei Tour-Legenden dargestellt worden.

Indirekt mit der diesjährigen Tour de France und dem Gelben Trikot hat aber auch eine aktuelle Briefmarkenausgabe aus Monaco zu tun. Am 15. September 2019 wäre Fausto Coppi 100 Jahre alt geworden. Die monegassische Post hat ihm zu Ehren am 29. Mai eine Sondermarke in einer 40 000-er Auflage herausgegeben. Die Marke hat den Wert von 0,86 € und erschien in 10er-Kleinbogen sowie auf einem FDC. Das Motiv basiert auf einer Zeichnung des Künstlers Thierry Mordant und zeigt den berühmten italienischen Radfahrer.Sonderbriefmarke-aus-Monaco-vom-Mai-2019-abgebildet-ist-die-italienische-Radsportlegende-Fausto-Coppi-1 Er gewann zweimal die Tour de France, fünfmal den Giro d´Italia und war dreimal Weltmeister. Vor 70 Jahren gelang ihm ein historischer Erfolg. Als erster Fahrer in der Geschichte gewann Coppi den Giro und die Tour im selben Jahr. 1952 konnte er dieses Kunststück wiederholen. Mit Fausto Coppi begann eigentlich der moderne Radsport. Sein systematisches Training, seine bewusste Ernährung, sein optimales Material und sein taktisches Vermögen waren Vorbild für die nachfolgenden Generationen. Coppi experimentierte aber auch schon mit leistungssteigernden Substanzen, was damals jedoch noch nicht verboten war.

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Der „Campionissimo“ starb am 2. Januar 1960 im Alter von nur 40 Jahren an einer Malaria-Infektion. Auch dieser frühe Tod hat dazu beigetragen, dass Fausto Coppi zu jenem mythischen Helden geworden ist, der bis heute gefeiert wird.

Auch in Frankreich, wo der Tour-Tross in diesem Jahr am Col d’Izoard sein Denkmal passieren wird.

Cycling: 90e Giro d'Italia / Stage 12

 

Übrigens, das historische Doppel von Giro und Tour de France ist nach Coppi nur noch sechs Rennfahrern gelungen: Jaques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault, Stephen Roche, Miguel Indurain und Marco Pantani.

 

1919 steckte Henri Desgrange, der Erfinder der Frankreich-Rundfahrt, den Ersten der Gesamtwertung in das Maillot Jaune, damit die Fans sehen konnten, wer vorn liegt. Der Franzose Eugène Christophe war der erste Träger.

Wer  vom Gelben Trikot spricht, kommt an einem Mann aber nicht vorbei: Vor exakt 50 Jahren startete Eddy Merckx in Roubaix zu seiner ersten Tour de France. Es dauerte nur drei Tage, bis der damals 24-jährige Belgier sein erstes Gelbes Trikot holte, und danach ging es so richtig los: Bis zum Ende seiner Karriere 1978 gewann Merckx fünfmal die Tour und nahm 111-mal auf den Siegerpodien das begehrte Trikot entgegen. Dass dies am Ende „nur“ 97 Tage in Gelb bedeutete, lag daran, dass damals immer mal wieder Halbetappen (zwei an einem Tag) gefahren wurden. Im Gegensatz zu Fausto Coppi, zu dessen Zeit noch keine Dopinglisten existierten , wurde Merckx mehrfach positiv auf verbotene Substanzen getestet, was aber seiner Popularität in Radsportkreisen und bei Veröffentlichungen auf Briefmarken kaum etwas ausmachte.

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Das Maillot Jaune gehörte in Merckx’ aktiver Zeit so gut wie ihm. Durch seine Erfolge geadelt wurde er 1996 zu Baron Édouard Louis Joseph Merckx. Mit 34 Etappensiegen steht der Belgier  noch heute an der Spitze der Rekordliste. Bei seinem Tour-Debüt 1969 holte sich Merckx übrigens nicht nur Gelb. Er gewann dazu die Sprint- und die Bergwertung sowie auch noch sieben Etappen. Danach nannte man ihn den Kannibalen, auch weil er von Taktik nicht viel hielt. Merckx schwang sich in den Sattel und gab „Vollgas“. Nur eines gelang ihm nie: das Gelbe Trikot von der ersten bis zur letzten Etappe einer Tour zu tragen. Das schaffte nur 1924 der Italiener Ottavio Botecchia.2246683-46832455-2560-1440

50 Jahre nach seinem ersten Tourstart wurde  die 106. Tour de France zu Ehren von Eddy Merckx diesmal in Brüssel gestartet. Natürlich vollzog der „Altmeister“ unter dem Jubel tausender Zuschauer den Ehrenstart!

 

(Autor: KJA)

„Der Skisport war sein Leben“ – auf den Spuren von Birger Ruud in Bad Freienwalde

Die gemeinsame philatelistische Aktion des OSPC Berlin und des WSV Bad Freienwalde in Sachen 1. Deutscher Skiflugpost vom 25. Mai (siehe vorherigen Artikel) fand am 6. Juni noch eine Fortsetzung. Der OSPC war zu Gast zu einem gemeinsamen Foyer-Gespräch in der Konzerthalle St. Georg in Bad Freienwalde.

OSPC-Mitglied und Olympia-Experte Volker Kluge erinnerte in seinem sehr interessanten, mit vielen historischen Belegen gespickten Power-Point-Vortrag nicht nur an Birger Ruud, sondern auch an dessen sportliche Brüder Sigmund und Asbjörn, die ebenfalls zu Weltmeisterehren kamen.

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Der Norweger hatte im Vorfeld der Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen während seines Berliner Studienaufenthaltes auf der Schanze in Bad Freienwalde trainiert und mit 40,5 Metern einen Schanzenrekord aufgestellt.

Ruud war einer der weltbesten Skispringer der Vorkriegszeit. Der dreimalige Weltmeister holte sich bei den Olympischen Spielen 1932 und 1936 jeweils die Goldmedaille im Springen von der Normalschanze. Nach dem 2. Weltkrieg startete er im Alter von 36 Jahren noch einmal bei Olympischen Spielen und gewann 1948 in St. Moritz Silber.

Birger Ruud BriefmarkeDie Sonderbriefmarke entstammt einem Vierer-Block mit Abbildungen von ehemaligen norwegischen olympischen Medaillengewinnern und wurde anlässlich der Winterspiele 1994 in Lillehammer herausgegeben.

Im Rahmen des abendlichen Foyer-Gesprächs, zu dem 30 Gäste gekommen waren, unter ihnen Bürgermeister Ralf Lehmann und der dreifache Olympiasieger in der Nordischen Kombination Ulrich Wehling, gab es noch ein Präsent für die Gastgeber vom WSV Bad Freienwalde. Der „Birger-Ruud-Pokal“, der zunächst als Geschenk des Skimuseums im norwegischen Kongsberg nach Oberhof in die damalige Wintersport-Ausstellung und nach deren Auflösung ins Berliner Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf gekommen war, hat nun, auch dank der Initiative des OSPC, seine feste Heimstatt beim Wintersportverein bekommen – vielleicht als Ehrenpreis für den besten Nachwuchsspringer?  Dass der kleine Pokal irgendwann einmal einen würdigen Platz finden sollte, war auch Wunsch von Jan Knapp.

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Ihm war der Pokal 1994 vom Direktor des Bergwerks-und Skimuseums im norwegischen Kongsberg als Geschenk für seine Oberhofer Wintersport-Ausstellung übergeben worden. Er zeigt den legendären Skispringer im typischen Kongsberg-Stil mit Hüftknick und ausgebreiteten Armen. Die Statue ist eine stark verkleinerte Nachbildung des großen Bronze-Denkmals in Kongsberg. Das dortige Skimuseum war einst von Birger Ruud und Petter Hugsted gegründet worden. 5000 Exponate zeugen von den Erfolgen des norwegischen Skisports zwischen 1924 und 1952.

Jan Knapp, der in Falkenberg in der Nähe von Bad Freienwalde groß geworden ist und für die „Pokalübergabe“ extra aus seinem jetzigen Wohnort Wolgast zum Foyer-Gespräch angereist war, erinnerte in seiner kleinen Rede noch daran, dass Birger Ruud 1931 mit 19 Jahren seinen ersten WM-Titel bei den FIS-Rennen in Oberhof gewonnen hatte.

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Ruud-Pokalübergabe an WSV-Vorstand Günter Lüdecke (M.) durch Jan Knapp (L.) und OSPC-Vorsitzenden Thomas Lippert.

Im Anschluss an Vortrag und Pokal-Überreichung gab es in der Bad Freienwalder Konzerthalle St. Georg noch eine lebhafte Diskussion mit Olympiasieger-und Weltmeister Ulrich Wehling über Sprungstile, Wettbewerbe für Frauen in der Nordischen Kombination und über gute Ratschläge für die beiden jungen Skispringer Moritz Terei und Max Unglaube, die ab dem kommenden Schuljahr von Bad Freienwalde nach Oberhof auf die Sportschule wechseln.

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Starke Ausbeute: Moritz Terei (links) und Max Unglaube (rechts) vom WSV Bad Freienwalde präsentieren ihre Medaillen und Pokale vom Schülercup. Stefan Wiedmann (Mitte) trainiert die beiden Skispringer inzwischen schon seit einigen Jahren.© Foto: Conradin Walenciak

Die beiden sind derzeit Deutschlands Beste in den Altersklassen 12 und 13. Auf die Frage, wie sie sich als „Flachländer“ gegen die zu erwartenden Hänseleien der „Gebirgler“ am besten durchsetzen können, gab ihnen Ulrich Wehling mit auf den Weg, „dass dagegen nur starke Leistungen überzeugen können!“ Oder vielleicht auch mal ein dezenter Hinweis, dass man ja schon jetzt auf einer Briefmarke abgebildet ist.

Nachdem der Verein anlässlich des Internationalen Skispringens am 25. Mai rund 150 Flugpostkarten mit drei verschiedenen Briefmarken Individuell absetzen konnte, hat man nach diesem Erfolg noch zwei Briefmarkenmotive nachbestellt. Und darauf sind die beiden Nachwuchs-Hoffnungen Unglaube und Terei verewigt worden.

Da haben sie sogar dem berühmten Olympiasieger Wehling etwas voraus, der aber immerhin sein Autogramm auf der Flugpostkarte des WSV Bad Freienwalde hinterließ.

Ulrich Wehling ist nach wie vor der erfolgreichste Nordische Kombinierer aller Zeiten bei Olympia. 1972 in Sapporo, 1976 in Innsbruck und 1980 in Lake Placid wurde der gebürtige Hallenser (auch Flachländer!) dreimal nacheinander Olympiasieger. 1974 kam ein Weltmeistertitel hinzu. Und zur norwegischen Berühmtheit wurde er, und das hätte auch Birger Ruud gefreut, als er dreimal die Nordische Kombination beim berühmten Holmenkollen Skifestival in Oslo gewinnen konnte. Ulrich-Wehling-1952-GDR

Nach seiner aktiven Laufbahn arbeitete er zunächst als stellvertretender Generalsekretär im Deutschen Skiläuferverband der DDR und nach der Wende für fast zwei Jahrzehnte als FIS-Direktor für Nordische Kombination beim Ski-Weltverband. Und auf einer Briefmarke wurde er auch verewigt, wenn auch „nur“ auf einer von Ajman 1972 zu Ehren seines ersten Olympiasieges.

 

Von der Veranstaltung gibt es ein Video auf YouTube, das unter folgendem Link abgerufen werden kann: https://youtu.be/HfuDJOPCXFA

(Autor: KJA)

„Deutsche Skiflug-Post“- Premiere in Bad Freienwalde

Als ich in diesem Blog und im Journal 02/2018 des Olympia- und Sport-Philatelisten-Clubs-Berlin in der Titelgeschichte über die 1.Welt-Skiflugpost anlässlich der Skiflugwoche 1959 am Kulm in Österreich berichtete, hätte ich nicht geglaubt, dass es 60 Jahre später eine Neuauflage geben würde – nämlich die 1. Deutsche Skiflugpost!

 

Initiator dafür war diesmal der Wintersportverein 1923 Bad Freienwalde, der die Idee von damals aufgriff und sie nach intensiven philatelistischen „Fach“-Gesprächen mit uns vom OSPC Berlin am 25. Mai 2019 in die Tat umsetzte.

An diesem Tag wurde im nördlichste Skisprungzentrum Deutschlands das Internationale Sommerspringen um den Pokal des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg ausgetragen. Zu Gast waren 150  Nachwuchs-Skispringer aus Deutschland und Polen.

Beste Gelegenheit auch für die Flugpost-Premiere in Deutschland. Der Verein hatte 500 Sonderpostkarten und drei Sonder-Briefmarken Individuell herstellen lassen. Auf der Vorderseite der Karte mit Bild von der Schanzenanlage waren Startnummer und Name des Springers eingetragen. Nach dem „Flug ins Tal“ kamen die Karten zur „Schanzenpost“, wo sie mit dem WSV-Stempel sowie einem roten Zusatzstempel „1. Deutsche Skiflug-Post, 25. Mai 2019, Internationales Skispringen Bad Freienwalde“ versehen wurden.

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Zum Frankieren standen drei verschiedene Motive auf Briefmarken Individuell zur Verfügung. Auf Zweien waren Fotos von der wunderschönen Anlage im Papengrund zu sehen. Auf dem dritten Motiv war ein Skispringer abgebildet. Bei ihm handelt es sich um Max Unglaube, den derzeit besten Springer des WSV Bad Freienwalde. IMG_20190525_0001_NEW 4Der 12jährige ist amtierender Deutscher Meister seiner Altersklasse und hat in diesem Jahr die internationale Qualifikation für den FIS-Cup geschafft. Zur kommenden Saison wechselt Max gemeinsam mit seinem Teamkameraden Moritz Terei auf das Sportgymnasium in Oberhof. Über ihren weiteren Entwicklungsweg sind wir sehr gespannt.

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Max Unglaube (rechts) und Moritz Teer (links) gehören derzeit noch der 16-köpfigen Trainingsgruppe von Stephan Weidmann in Bad Freienwalde an.

Die frankierten Postkarten, die für zwei Euro vom Verein verkauft wurden (ein Teil des Erlöses wird für die Modernisierung des Skistadions genutzt) , fanden großen Absatz. Und die meisten Karten wurden gleich vor Ort beschrieben und in den Sonderbriefkasten geworfen, dessen Inhalt nach der Veranstaltung bei der Post in Bad Freienwalde „geleert“ und dort auch offiziell abgestempelt wurde.

„Schanzen-Postbeamter“ war WSV-Vorstand Burghard Irrgang (hier rechts im Bild mit WSV-Schatzmeister und Hauptinitiator der Postaktion, Günther Lüdecke – in der Mitte). 

Die gemeinsame philatelistische Aktion des OSPC  und des WSV  findet am Donnerstag, den 6. Juni  ihre Fortsetzung. Die OSPC-Mitglieder sind dann zu Gast in Bad Freienwalde zu einem Foyer-Gespräch. OSPC-Mitglied und Olympia-Experte Volker Kluge wird in einem Vortrag an Birger Ruud erinnern. Der norwegische Doppel-Olympiasieger von 1936 hatte im Vorfeld der Winterspiele in GarmisIMG_3855ch-Partenkirchen während seines Berliner Studienaufenthaltes auf der Schanze in Bad Freienwalde trainiert.

Mit 24 Metern hielt er damals sogar den Schanzenrekord. Im Rahmen des Foyer-Gesprächs wird es auch noch eine „Pokal-Übergabe“ geben. Der „Birger-Ruud-Pokal“, der als Geschenk des Skimuseums im norwegischen Kongsberg zunächst nach Oberhof und dann nach Berlin ins Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf gekommen war, soll nun seine feste Heimstatt in Bad Freienwalde beim WSV bekommen – vielleicht als Wanderpokal für den besten Nachwuchsspringer.

Treffpunkt der OSPC-Mitglieder und interessierter Sammlerfreunde für die Veranstaltung ist am 6.6.2019, 18 Uhr an der Konzerthalle St.Georg in Bad Freienwalde, Georgenkirchstr. 1.  Vor Beginn der Veranstaltung (19 Uhr) besteht die Möglichkeit zur Besichtigung der Schanzenanlage im Papengrund.

 

(Text und Fotos: KJA)

 

 

„Olympiamomente“ auf deutschen Sportbriefmarken 2019

Ab 2. Mai 2019 gibt es an den Postschaltern wieder drei Zuschlagsmarken zugunsten der Stiftung Deutsche Sporthilfe – diesmal mit legendären Olympiamomenten. Für uns Sportphilatelisten kein besonderer Grund zum Jubeln. Denn die Aufmachung erinnert stark an die Sporthilfemarken des vergangenen Jahres. Ein bisschen mehr Kreativität hatten wir eigentlich erwartet! Erneut zieren ausgesuchte Zitate von Sportreportern die Markenbilder, die diesmal stark „verpixelt“ daherkommen.

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Die erste Briefmarke im Wert von 70 + 30 Cent behandelt eine Episode von den Olympischen Spielen 1956 in Stockholm, wo parallel zu den Sommerspielen in Melbourne die Reitsportwettweberbe ausgetragen wurden. Damals gewann der deutsche Springreiter Hans Günter Winkler seine erste olympische Goldmedaille – unter erschwerten Bedingungen.

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Im ersten Umlauf hatten Winkler und Halla gewohnt souverän begonnen, doch an Sprung 13 durchfuhr den Reiter plötzlich ein stechender Schmerz. Ein Muskel in der Leiste war gerissen, Winkler brachte den Umlauf zwar irgendwie zu Ende, aber der Traum vom Sieg war eigentlich dahin.

Winkler wurde mit Spritzen und mit Zäpfchen behandelt. „Alles, was schmerzstillend war, haben sie in mich hineingepumpt“, erzählte Winkler später in der „Welt am Sonntag“. Mit dem Ergebnis, dass er so sediert war, dass man ihn mit starkem Kaffee wieder einigermaßen wach machen musste. So ging es noch einmal in den Parcours.

Der Reiter konnte sich kaum im Sattel halten, das Pferd zu führen, war fast unmöglich, Winkler hing mehr auf dem Pferd, als dass er saß. Bei jedem Hindernis schrie er vor Schmerz. „Es war ein reines Martyrium“, sagte er. Halla und Winkler blieben als einziges Paar fehlerfrei.  Der junge und später legendäre Fernsehreporter Hans-Heinrich Isenbart jubelte: „Und Halla lacht, als wüsste sie genau, um was es geht.“ Gold für Winkler im Einzel, Gold für Deutschland mit Fritz Thiedemann und Alfons Lütke-Westhues in der Mannschaft.  Fortan galt die Stute als Wunderpferd.

Die zweite Zuschlagsmarke, im Wert von 85 + 40 Cent, erinnert an eine Begebenheit bei den Olympischen Winterspiele in Lake Placid 1980.

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„Wo ist Behle?“ Am 17. Februar 1980 stellt ZDF-Reporter Bruno Moravetz in Lake Placid diese Frage.

An jenem Tag war der 19-jährige Nachwuchslangläufer aus Willingen einer von vier bundesdeutschen Teilnehmern beim olympischen 15-Kilometer-Lauf. Mit einer frühen Startnummer ausgestattet stürmte der junge Mann bei der 5-Kilometer-Marke an die Spitze des Feldes. Das aber kann Moravetz nur auf der Liste der Zwischenzeiten erkennen. Weil die Fernsehkameras in den verschneiten Wäldern des Mount van Hoevenberg den jungen Behle nicht einfingen, rief der ZDF-Mann mit seiner tiefen Stimme immer wieder verzweifelt nach ihm.  Am Ende kam Behle als bester Mitteleuropäer sensationell auf den zwölften Platz. In einem Rennen, das auch aus einem anderen Grund in die Sportgeschichte eingegangen ist. Denn den Sieger Thomas Wassberg aus Schweden trennte damals vom Zweiten Juha Mieto (Finnland) nur eine Hundertstelsekunde – der Internationale Skiverband schaffte daraufhin die Messung in Hundertsteln beim Langlauf ab.

Die dritte Sondermarke erzählt von den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles 1984. Der Ausspruch „Flieg, Albatros, flieg!“ auf dem Wert zu 145 + 55 Cent bezieht sich auf den deutschen Schwimmer Michael Groß. Der machte seinem Namen mit einer Größe von über zwei Metern alle Ehre. Den Spitznamen „Albatros“, hatte er 1983 aufgrund der enormen Spannweite seiner Arme beim Schmetterlingsschwimmen von einem Reporter der französischen Sportzeitung L’Equipe bekommen.

RB_Neuheiten_Briefmarke_Legendaere_Olympiamomente_3Der Anfeuerungsruf auf der Briefmarke stammt von Jörg Wontorra. Über 200 Meter Schmetterling ging Groß, der zuvor überraschend Olympiasieger über 100 m geworden war, als Favorit ins Rennen und führte nach der letzten Wende das Feld an. Doch die Konkurrenz holte auf. „Flieg, Albatros, flieg…!“, feuerte ARD-Reporter Wontorra den Offenbacher an. Es reichte „nur“ zu Silber. Außenseiter John Siben aus Australien schnappte Groß Gold und den Weltrekord weg.

(Autor: KJA)

 

Sind Olympische Spiele noch zeitgemäß? – Rekordbesuch bei OSPC-Veranstaltung am 6. April

Der Olympia-und Sport-Philatelisten-Club Berlin hatte wieder einmal gemeinsam mit dem Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf zu einer öffentlichen Klub-Veranstaltung eingeladen. Vortrag und Diskussion standen diesmal ganz im Zeichen der Gründung des Internationalen Olympischen Komitees vor 125 Jahren.  Das Publikumsinteresse war so groß, dass kaum die Stühle reichten. Rund 100 Gäste, unter ihnen viele ehemalige erfolgreiche Leistungssportler und Olympia-Teilnehmer, aber auch etliche OSPC-und IMOS Mitglieder waren an diesem frühlingshaften Samstagvormittag ins Sportmuseum gekommen. Am Ende der knapp zweistündigen sehr interessanten Veranstaltung stand die Erkenntnis, dass der friedliche olympische Wettstreit durchaus eine Zukunft hat.

OSPC-Mitglied Volker Kluge, einer der weltweit anerkanntesten Olympia-Experten und Autor unzähliger Olympia-Bücher, gab mit seinem  40-minütigen Vortrag die Einstimmung auf das Thema, das durchaus auch philatelistische  Bezüge hatte.

Die Ausgaben der französischen Post  von 1956  und 1994 würdigten Pierre de Coubertin und den 100. Gründungstag des IOC.

1894 war in Paris auf einem internationalen Sportkongress die Wiederaufnahme der Olympischen Spiele der Neuzeit beschlossen worden. Zwei Jahre später wurden die ersten Wettbewerbe in Athen ausgetragen. Zur Umsetzung und Verbreitung dieser Idee wurde am letzten Kongresstag das Comité International Olympique ins Leben gerufen. Deshalb wird der 23. Juni 1894 offiziell als Gründungsdatum des IOC angesehen. Eng verbunden ist dies alles mit dem französischen Baron Pierre de Coubertin, dessen olympische Visionen und Handlungen im Vortrag von Volker Kluge eindrucksvoll dargestellt wurden.

Abbildungen aus einem Artikel über das IOC-Jubiläum im „Journal of Olympic History“ (1/2019), dessen Chefredakteur Volker Kluge ist.

51 Olympische Spiele im Sommer und Winter sind in den vergangenen 125 Jahren unter Schirmherrschaft des IOC veranstaltet worden. Und weitere werden folgen. Noch lebt die olympische Idee, auch wenn sich kritische Stimmen häufen, die eine Begrenzung oder gar ein Ende des Gigantismus fordern.

Für die  anschließende Diskussion zum Thema „Sind Olympische Spiele noch zeitgemäß?“ sorgte eine bestens besetzte Vierer-Runde, die es gemeinsam auf bisher 60 Olympiateilnahmen gebracht hat. Allen voran OSPC-Mitglied Dr. Günter Heinze, der von 1981 bis 1992 IOC-Mitglied war und seitdem Ehrenmitglied des olympischen Führungszirkels ist. Briefmarke Günther Heinze - 1992

Der heute 95jährige war seit 1952 in Helsinki bei insgesamt 24 Olympischen Spielen mit dabei. Der OSPC Berlin hatte 2013 Dr. Günter Heinze zum 90. Geburtstag mit einer Marke Individuell geehrt.

Auf fünf Olympia-Teilnahmen brachte es Ehrengast Dr. Roland Matthes. Der vierfache Olympiasieger ist bis heute der erfolgreichste Rückenschwimmer aller Zeiten, war zwischen April 1967 und August 1974 sieben Jahre ungeschlagen.

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Der heutige Orthopäde war 1968 und 72 in Mexiko und München Doppel-Olympiasieger über 100 und 200 Meter Rücken geworden. Jeweils zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen  runden seine olympische Bilanz ab. Er schwamm 21 Welt- und 29 Europarekorde, war dreimal Weltmeister. Der Numisbrief würdigt ihn als Legende des deutschen Sports. Roland Matthes wurde 2006 als erster DDR-Sportler in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

Die Diskussionsrunde komplettierten die OSPC-Mitglieder Volker Kluge, der 18 Mal von den Spielen als Journalist berichtet hat sowie Klaus-Jürgen Alde, der 13 Mal für den DDR- und ARD-Hörfunk bei Olympischen Spielen als Reporter tätig war und die Diskussionsrunde im Sportmuseum moderierte.

IMG_4097(v.l.n.r.) Volker Kluge, Dr. Günter Heinze, Dr. Roland Matthes, OSPC-Vorsitzender Thomas Lippert, OSPC-Mitglied Dr. Christian Kunz und Klaus-Jürgen Alde nach der Veranstaltung bei der Überreichung eines philatelistischen Geschenks an Roland Matthes.

In einer lebhaften Diskussion ging es u.a. um aktuelle Tendenzen der olympischen Idee, den Stellenwert von Teilnahme und Erfolg im Leben eines Olympiasiegers, um die Wertschätzung des Sports durch die Gesellschaft, um die diplomatische Verhandlungskunst eines IOC-Mitgliedes, um Fernseh-Einschaltquoten beim Sport, um Defizite bei der Ausbildung von Nachwuchssportlern, um die Geldverteilung beim IOC, um die Lockerung des Werbeverbots für Olympiateilnehmer und natürlich auch um die Chancen einer erneuten deutsche Olympiabewerbung.

Matthes-Briefmarkenbogen

Der OSPC Berlin überraschte Roland Matthes mit einem Extra-Bogen mit 20 Briefmarken Individuell, die Stationen seiner sportlichen Laufbahn dokumentieren. 

Unsere Gäste im Sportmuseum erhielten eine Erinnerungskarte mit einem Foto von Roland Matthes und den entsprechenden Veranstaltungsdaten auf der Rückseite. Karten mit Original-Autogramm der Schwimm-Legende sowie „Matthes-Briefmarke“ mit Tagesstempel gingen inzwischen per Post an alle unsere OSPC-Mitglieder. 

 

(Autor: KJA – Fotos: HJO)

„Hinfallen ist keine Schande – nur liegenbleiben!“ Zum sportlichen Abschied von Ski-Rennläufer Felix Neureuther

Während Fußball-Stars wie Thomas Müller, Matts Hummels und Jerome Boateng von ihrem Bundestrainer überraschend und unwiderruflich aus der Nationalmannschaft wegen angeblicher Leistungsschwäche einfach mal so „zurückgetreten“ werden, hatte Deutschlands bekanntester alpiner Skirennläufer schon seit längerer Zeit selbst mit dem Gedanken des Abschieds vom Leistungssport gespielt. Im Rahmen des Saisonfinals in Soldeu (Andorra) am 17.März gab Felix Neureuther nun seinen endgültigen Rücktritt bekannt.

Philatelistisch wurde sein Karriereende eher zufällig von der Post Andorras gewürdigt, die anlässlich des Ski-Weltcup-Finals in Soldeu eine Sonderbriefmarke herausgegeben hatte. In Deutschland schaffte es Neureuther immerhin auf eine Briefmarke Individuell der Deutschen Post.

Mit insgesamt fünf WM-Medaillen, 13 Weltcup-Siegen in Slalom und Riesenslalom sowie 41 Weltcup- Podestplätzen geht der 34jährige als erfolgreichster deutscher Skirennfahrer in die Geschichte ein.

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Der Deutsche Skiverband würdigte Felix Neureuther nach seinem Karriereende ausführlich und emotional in einer Pressemitteilung, die zunächst an seine sportlichen Anfänge erinnerte:

Die Weltelite des alpinen Skirennsports kämpft 2003 im Schweizer Nobelskiort St. Moritz um WM-Medaillen. Gegen Ende der Veranstaltung betritt Felix Neureuther, 18 Jahre alt, Sohn der Skilegenden Rosi Mittermaier und Christian Neureuther das Teamhotel.  Ein erster Auftritt, der die Taktung für die folgenden 16 Profijahre vorgibt: „Gefällt mir gut hier. Am Eingang habe ich gleich zwei super Hasen gesehen.“  Ein lockerer Spruch, der das Eis zwischen Sportler und Öffentlichkeit bricht. Zwei Tage später legt der Youngster sportlich nach, mit ihm wird zu rechnen sein: Laufbestzeit im zweiten Durchgang des WM-Slaloms, das erste große Rennen auf Platz 15 beendet – Respekt!

Von dem Moment an, da Felix Neureuther die internationale Bühne des Skirennsports betreten hat, ist klar, der junge Mann hat Talent, Charme und Witz. Er kann gut Skifahren und ist schlagfertig. Die Erwartungshaltung, nach Wasmeier, Bittner und Wörndl in Deutschland einen neuen Ski-Star bejubeln zu können, steigt vom ersten Tag an. Felix aber fällt in den ersten Jahren eher als rasanter Teilzeitengewinner auf, der nach Einfädlern oft nicht ins Ziel kommt.

Der junge Neureuther muss einem inneren und äußeren Erwartungsdruck gerecht werden, sich dabei auch von den Ski-Erfolgen seiner Eltern freifahren. Das ein oder andere Mal scheint das nicht zu gelingen. Seine Art und sein unglaubliches Bewegungstalent reichen erst einmal nicht aus, um sich in der absoluten Weltspitze zu etablieren. „Der Sohn von …“ wird kritisiert und muss schnell lernen, wie es sich anfühlt, öffentlich auch am Pranger zu stehen.

Es gibt Tage, da möchte Felix die Ski in die Ecke stellen. Doch nach und nach stellen sich die ersehnten Erfolge ein. Sie nehmen den Druck und motivieren weiter, das zu tun, was Felix am meisten Spaß macht: Skirennen fahren.

2005 gewinnt er in Bormio die erste von fünf WM-Medaillen, Gold bei der Premiere des Teamwettbewerbs. 2010 folgen Weltcup-Siege. Felix holt sich seine erste Gams in Kitzbühel und jubelt nicht weniger emotional mit seinen Heimfans über den Slalomsieg am Gudiberg. Fortan ist der smarte, lässige Ski-Held aus Garmisch-Partenkirchen das personifizierte Versprechen für die für Ski-Deutschland so wichtige Heim-WM nur ein Jahr später an selber Stelle.

 

Gruppenbild3Philatelistischer Auftritt: 

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, Hartmut Koschyk, stellte 2011 die WM-Briefmarke und die Münze in Garmisch-Partenkirchen der Öffentlichkeit vor.

Ein Album mit Erstdrucken des Sonderpostwertzeichens und die Gedenkmünze überreichte er dabei u.a. auch an Christian Neureuter (ganz links, daneben Sohn Felix) sowie an Rosi Mittermaier (ganz rechts).

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Aber das erhoffte Freudenfest ist für Felix ein Tiefschlag: Nullnummer bei der Heim-WM, einer der bittersten Momente in seiner Karriere. „Ich wollte mich abschirmen, nur auf die Rennen konzentrieren und verkrampfte dabei total.“ Felix fehlt das, was ihn bisher stark gemacht hatte: mit Leichtigkeit, Cleverness, Urvertrauen in das eigene Tun und aus einer Freude heraus zu agieren. Daraus lernt er. Alles in seinem bisherigen Rennfahrerleben wird auf den Prüfstand gestellt. Am Ende steht der Entschluss, Felix fährt weiter. Professioneller und fokussierter. Aus Felix wird der erfolgreichste deutsche Skirennfahrer – dessen Eltern auch berühmte Skifahrer waren.

Mutter Rosi Mittermeier auf einer Briefmarke Individuell anlässlich ihrer Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports. Paraguay würdigte auf einer Marke ihre Erfolge von 1976.

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Exklusiver Gedenk-Briefmarken-Block „Olympische Winterspiele Innsbruck 1976″ – verausgabt von der Postverwaltung Zentralafrikas mit Original-Autogramm von Rosi Mittermaier! Ihre sportlichen Erfolge, ihre bayrische Herzlichkeit und ihr unkompliziertes Auftreten machten Rosi Mittermaier zu einer der populärsten Skirennläuferinnen aller Zeiten. 
Seit den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck, bei denen sie u.a. Gold in der Abfahrt und im Slalom gewann, ist sie für alle Welt die „Gold-Rosi“! Ehemann und Slalom-Spezialist Christian Neureuther ist sportphilatelistisch noch „unbeleckt“, wurde 2017 aber von der Stiftung Deutsche Sporthilfe mit der Goldenen Sportpyramide für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

 2013 gewinnt Felix Neureuther mit Silber im Slalom seine erste WM-Einzelmedaille in Schladming und feiert darüber hinaus drei Weltcup-Siege im Slalom. Im Winter 2013/14 bescherte er dem DSV außerdem den historischen Riesenslalomsieg in Adelboden. Felix´ Bilanz: 13 Weltcup-Siege, 47 Weltcup-Podestplatzierungen, fünf WM-Medaillen, davon drei bei drei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften, nach Silber in Schladming folgen Bronze in Vail und St. Moritz.

 Zur Kehrseite der Erfolge gehört Felix´ Krankenakte, allzu oft verletzte er sich zu denkbar ungünstigen Zeitpunkten: in Top-Form unmittelbar vor Großereignissen. Neureuther war auch der Rücken, Nacken oder das Knie der Nation, machte auch mit HWS-Trauma und lädiertem Bandscheiben Schlagzeilen: „Hinfallen ist keine Schande, nur liegenbleiben. Jammern gibt’s nicht.“ Felix suchte bei sportlichen Misserfolgen nicht nach Ausreden und akzeptierte Erfolge der Konkurrenz neidlos. An Jahrhundertskifahrer Marcel Hirscher musste auch er sich die Zähne ausbeißen: „Ich bin Marcel dankbar, dass er mit seinen Leistungen die Latte so hoch gelegt hat, durch ihn hatte ich die Möglichkeit, mich weiter zu entwickeln, noch besser zu werden.“

 Vielleicht firmiert Felix deshalb in Österreich, Südtirol und der Schweiz als „Lieblingsdeutscher“. Egal wo und mit welcher Zeit er durchs Ziel fährt – die Fans lassen ihn hochleben. Beim Night Race in Schladming feierten ihn 50.000 Fans als Achter wie einen Sieger. Österreichische Fans, bei einem Rennen in Österreich! Felix hat sich mit seinen Erfolgen und seiner Art bei der Konkurrenz Respekt erarbeitet und neben Freundschaften auch eine Fangemeinde über den Wintersport hinaus erschlossen. Er zählt zu den bekanntesten Sportlern in Deutschland und gilt als jemand, der für seine Überzeugungen einsteht.

 Er hat sich in die Herzen der Menschen gefahren. Auch oder gerade weil er neben der Piste für Gesprächsstoff sorgt, mit gehaltvollen und klaren Aussagen. Felix bezieht Standpunkte, wenn es um die Entwicklung der Olympischen Spiele oder andere sportpolitische oder gesellschaftlich relevante Themen geht. Ein weiteres Talent: Felix, der Schauspieler. Neureuther nutzt die Sozialen Medien auf eigene Art und Weise. Er pfeift auf regelmäßige Posts, setzt Dinge, treffsicher im Zeitgeist, nur ab, wenn ihm danach ist. Wirklich nutzt er seine Popularität für andere Dinge. Wichtig ist ihm, sich für andere Menschen zu engagieren: mit dem DSV-Felix-Neureuther-Race-Camp oder seiner Stiftung Beweg dich Schlau. Felix möchte Kinder in die Bewegung bringen. Weil Sport bei der Charakterbildung wichtig sein kann. Dafür steht der Sohn von Mittermaier und Neureuther nun mal.“

(Quelle: DSV-Pressemitteilung)

Und er freut sich nun auf mehr Zeit mit seiner Familie. Felix-und-Miriam-NeureutherSeit Sommer 2013 ist Felix Neureuther mit der ehemaligen Skilangläuferin und Biathletin Miriam Gössner  liiert.

Am 14. Oktober 2017 kam ihre gemeinsame Tochter auf die Welt. Seit dem 27. Dezember 2017 sind die beiden miteinander verheiratet.

 

 

 

 

(Autor: KJA)