Ins Schwarze getroffen – Briefmarke zur Biathlon-WM 2020 in Antholz

Die italienische Post hat es diesmal sehr spannend gemacht. Erst am 12. Februar zur offiziellen Eröffnungsveranstaltung der 51. Biathlon WM in Antholz wurde auch die WM-Briefmarke präsentiert. Dass es diese Marke überhaupt gibt, ist der Südtiroler Philatelisten Jugend zu verdanken, die den Antrag auf Herausgabe einer WM-Sonderbriefmarke gestellt hatte.

briefmarke_antholzAls ich im vergangenen Oktober zum „Forum Nordicum“, einem Treffen europäischer Skisportjournalisten in Antholz weilte, waren sich die WM-Organisatoren noch nicht sicher, ob das zuständige Wirtschaftsministerium überhaupt zustimmen würde. Die letzte und bislang einzige italienische WM-Biathlonbriefmarke hatte es 1983, also vor 37 Jahren, anlässlich der Titelkämpfe in Antholz gegeben. s-l1600-5

„Vielleicht konnte das momentan gute Abschneiden der italienischen Biathlon-Mannschaft und die in Antholz bevorstehenden Olympischen Biathlonwettkämpfe 2026 im Rahmen der Winterspiele in Cortina d´ Ampezzo die zuständige Kommission überzeugen“, meinte Ruffin Schullian, der Obmann der Südtiroler Philatelisten.

Parallel zur Eröffnungsveranstaltung am 12. Februar öffnete die italienische Post in Antholz ein Sonderpostamt, in dem es derzeit nicht nur die Marke zu kaufen gibt, sondern auch noch ein Ersttagsstempel abgeschlagen wurde.

Italienische WM-Marke von 1983 mit Ersttagsstempel.

Die aktuelle Marke, die in einer Auflage von einer halben Million Exemplaren zum Inlandstarif B an die Schalter gekommen ist, wirkt ein wenig nostalgisch. Angeblich wurde sie nach einer Skizze des WM-Organisationskomitees angefertigt. Aber so, wie die drei Biathleten auf der Marke gekleidet sind, läuft heutzutage keiner mehr über die Loipe zum Schießstand oder gar an den Zuschauern vorbei!

Antholz 2020 Karte mit Stempel

 

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Von vielen Südtirolern wird bemängelt, dass für die Zweisprachigkeit, sonst üblich im Lande, wohl kein Platz mehr auf der Briefmarke war!

Da hatten wir in der 62jährigen Geschichte der Titelkämpfe schon bessere Entwürfe.

16 Biathlon-WM-Briefmarken seit 1958

Seit 1958 gibt es in jedem Jahr, in dem keine Olympischen Winterspiele stattfinden, Biathlon-Weltmeisterschaften. Seit 1989 werden die Titelkämpfe gemeinsam für Männer und Frauen ausgetragen, nachdem die Frauen zuvor von 1984-88 eigene Meisterschaften hatten. Vorläufer des modernen Biathlonsports war übrigens ab 1910 der „Militärischer Patrouillenlauf“, bei dem die jeweiligen Mannschaften aus einem Offizier, einem Unteroffizier und zwei Soldaten bestehen mussten. Die Streckenlänge betrug zwischen 25 und 30 Kilometern, wobei nach der Hälfte der Distanz ein Liegend-Schießen zu absolvieren war. Für jeden Treffer bekam die Mannschaft, die geschlossen das Ziel erreichen musste, eine Zeitgutschrift von dreißig Sekunden.

Zu den Olympischen Winterspielen 1924, 1928 und 1936 wurde diese Disziplin als Demonstrationssportart zugelassen. 1930 fanden die ersten Weltmeisterschaften im Militärpatrouillenlauf statt, mit Einzel- und Staffelrennen. Unter dieser Bezeichnung wurde das Ganze bis 1948 geführt, ab 1949 setzte sich dann der Name Biathlon (griechisch: Zweikampf) durch. Biathlon Militärpatroullie 5.8.45 5erSerie Sport

So verwundert es auch nicht, das die erste „Biathlon-Briefmarke“, die am 5.August 1945, also unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Rumänien im Rahmen einer 5er Serie zum Thema Sport erschienen ist, den Patrouillenlauf zum Motiv hat.

Insgesamt fanden bisher in 18 unterschiedlichen Ländern Biathlon-Weltmeisterschaften statt. Die Schweiz und Frankreich waren nur Gastgeber von Frauenweltmeisterschaften. Häufigster Austragungsort ist das italienische Antholz, das nunmehr fünf reguläre Weltmeisterschaften (1975, 1983, 1995, 2007 und 2020) sowie 1976 den nichtolympischen Sprintwettbewerb veranstaltete.

Zur 1. Biathlon-Weltmeisterschaft 1958 in Saalfelden brachte die österreichische Post eine WM-Karte und einen WM-Sonderstempel heraus. Schade, dass es zu diesem Zeitpunkt im Rahmen der Freimarken aus der Serie Landschaften keine Marke mit einer Abbildung von Saalfelden gab.

Auf der abgestempelten Briefmarke ist ein Ausschnitt von Lermoos in Tirol zu sehen.

Zur 5. Biathlon-WM in Seefeld/Tirol, die am 3. Februar 1963 im Anschluss an die vorolympischen Wettkämpfe für 1964 in Innsbruck stattfand, „glänzte“ die österreichische Post mit einem Umschlag, auf dem eine WM-Vignette abgebildet war. Dazu gab es einen Ersttagsstempel. Beides war leider fehlerhaft. Es waren die 5. und nicht die 6. Weltmeisterschaften! Wie konnte das nur passieren.

Biathlon WM 1963 Seefeld FDC

Die ersten „echten“ WM-Briefmarken gab es erst 1967 bei der Biathlon-Weltmeisterschaft im sächsischen Altenberg. Die DDR-Post brachte drei Motive inklusive Ersttagsstempel in den Umlauf.

Biathlon WM 1967 Altenberg

Zur 16.WM 1978 im österreichischen Hochfilzen wurden die Biathlon-Sammler wieder fündig. Diese WM ging in die Geschichte ein. Denn erstmals wurden die Wettbewerbe mit dem Kleinkalibergewehr ausgetragen.

Biathlon WM 1978 Hochfilzen FDC Kopie

Am besten kamen damit die DDR-Athleten zurecht. Über 10 km landeten sie einen dreifachen Erfolg durch Frank Ullrich, Eberhard Rösch und Klaus Siebert. Ullrich und Rösch wurden zudem über 20 km Zweiter bzw. Dritter. Das Gold in der Staffel gewann ebenfalls die DDR.

Weitere WM-Ausgaben gab es 1981 im finnischen Lahti, 1983 in Antholz, 1986 im norwegischen Oslo, 1993 im bulgarischen Borowetz, 1997 im slowakischen Osrblie, 2012 in Ruhpolding, 2013 im tschechischen Nove Mesto und 2016 wiederum in Oslo.

 

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Biathlon WM 1993 Borowetz

Anlässlich der Weltmeisterschaften im bulgarischen Borowetz 1993 wurde zum ersten Mal eine Biathletin (linke Marke) auf einer Briefmarke verewigt.

Bei der WM 2011 im russischen Khanty Mansisk gab es zwar keine extra Briefmarke, dafür aber interessante „Sieger-Karten“, eine Ganzsache und einen Sonderstempel (links).

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Ruhpolding gehört zu den beliebtesten WM-Orten. Schon viermal wurden dort die Titelkämpfe ausgetragen – 1979, 1985, 1996 und 2012. Eine WM-Briefmarke „zur Belohnung“ gab es aber erst beim vierten Mal 2012.

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Die tschechische Post veröffentlichte zur Biathlon-WM 2013 in Nove Mesto eine Postkarte mit dem Wertzeichen-Eindruck „Z“. Dieser entsprach einer Gebühr für einen Priority-Standardbrief bis 20 g in außereuropäische Länder.

 

(Autor: KJA)

Von Biber „Amik“ bis Panda „Dwen Dwen“ – Olympia-Maskottchen auf Briefmarken

Ein Panda und ein chinesisches Laternenkind sind die Maskottchen für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022 in Peking. Nachdem das Organisationskomitee die beiden Symbolfiguren am 17. September vergangenen Jahres in der chinesischen Hauptstadt erstmals öffentlich vorgestellt hatte, sind am 16. Januar 2020 beide Figuren jetzt auch auf zwei chinesischen Briefmarken und Kleinbogen offiziell verewigt worden.

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„Bing“ bedeutet Eis und symbolisiert auch Reinheit und Stärke. „Dwen Dwen“ ist ein in China gebräuchlicher Spitzname für Kinder, der für Gesundheit, Charme und Selbstbewusstsein steht. Der Panda gilt als chinesischer Nationalschatz und wird von Menschen aus aller Welt sehr geliebt.

Das paralympische Maskottchen, ein Kind in Form einer roten chinesischen Laterne, heißt Shuey Rhon Rhon. Shuey hat die gleiche Aussprache wie das chinesische Schriftzeichen für Schnee. Das erste „Rhon“ im chinesischen Namen des Maskottchens bedeutet „zusammenschließen, tolerieren“, während das zweite „Rhon“ für „verschmelzen“ und „sich erwärmen“ steht. Der Name drückt die Hoffnung aus auf mehr Integration von Menschen mit Behinderung sowie auf Dialog und Verständnis zwischen den Kulturen der Welt.

Olympische Maskottchen gehören mittlerweile zu den attraktivsten Briefmarkenmotiven im Vorfeld der jeweiligen Spiele. Auch die japanische Post hatte 2019, exakt 500 Tage vor Beginn der diesjährigen Sommerspiele in Tokio, zwei Sondermarken mit Abbildungen der Maskottchen aufgelegt.

Die beiden futuristischen Wesen mit den großen Kulleraugen heißen „Miraitowa“ und „Someity“. Das Design des im Karomuster ähnlich dem Olympia-Logo gekleideten Duos – eines in Dunkelblau und Weiß sowie eines in Rosa und und Weiß für die Paralympics – war von japanischen Schulkindern aus mehreren Kandidatenentwürfen ausgewählt worden. Die Olympischen Spiele in der Hauptstadt Tokio finden vom 24. Juli bis 9. August 2020 statt.

Die Geschichte der Olympia-Maskottchen begann vor 52 Jahren

Das erste Olympiamaskottchen gab es 1968 bei den Olympischen Winterspielen in Grenoble. 1968 Grenoble-Schuss_(mascot) Das Maskottchen hieß „Schuss“ und symbolisierte einen armlosen Skiläufer mit Glubschaugen. Spötter bezeichneten es dagegen als ein „Skiing Sperm“ – ein skifahrendes Spermium

1972 folgte bei den Sommerspielen in München Dackel „Waldi“. Die Idee dazu hatte NOK-Präsident Willi Daume, der selbst Besitzer eines Dackels war.

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Dackel verkörpern Zähigkeit, Beweglichkeit und Widerstandsfähigkeit. Außerdem galt der Dackel damals als ein typisches Haustier der Münchener Bürger. Zu den Künstlern um Otl Aicher, die für die Gesamtgestaltung der Spiele verantwortlich zeichneten, gehörte auch Graphikerin Elena Winschermann, die den Gestaltungsbereich rund um die Souvenirs übernommen hatte. Das Maskottchen sollte eine klare Form und Gestalt haben und eigentlich nicht zu einem wildwuchernden Souvenir-Kitsch verkommen. Als Vorbild diente eine 84 Tage alte Hündin namens „Cherie von Birkenhof“.

Waldi wurde letztendlich nach allen werbestrategischen Regeln umfangreich vermarktet, warb für einige bekannte Produkte und konnte auf Papiertüten, als Sticker, Poster, Anstecker, in Holz, Stoff, Frottee und Plüsch, als Knautschtier, Kissen und Puzzle erstanden werden. Auch als Figur mit wackelndem Schwanz zum Hinterherziehen war das Maskottchen in Spielwarenhäusern, -abteilungen und offiziellen Olympiaverkaufsständen zu haben. Weitere Varianten des Sympathieträgers konnten, lt. Wikipedia, auch als Lutscher, Sparschwein und Luftballon erworben werden. Nur auf Briefmarken gab es das Münchner Olympiamaskottchen damals noch nicht!

Die Österreicher kreierten 1976 für ihre Winterspiele in Innsbruck einen Schneemann zum Maskottchen. Er sollte die „Spiele der Einfachheit“ symbolisieren. Der österreichischen Post war er aber wohl zu einfach – sie ignorierte den kleinen Kerl.

Das Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 1976 im kanadischen Montreal hieß „Amik“. In der Sprache der First Nations ist dies das Wort für den Biber.

Er wurde ausgewählt wegen seines Arbeitseifers und seiner Geduld. Das Maskottchen trägt einen roten Gürtel mit dem Logo der Spiele, stellvertretend für das Band, an dem die Goldmedaille hängt. Die Kanadier fanden den schwarzen Puschel nicht so hübsch – der Stoffbiber wurde zum Ladenhüter. Dabei ist der Biber das nationale Symbol des Landes und findet sich auf zahlreichen Briefmarken und Münzen wieder. Auf eine aktuelle Olympiabriefmarke der kanadischen Post hatte er es als Maskottchen aber 1976 nicht geschafft.

Dafür sorgte die kubanische Post, die den Biber „Amik“ kurzerhand auf eine ihrer Ausgaben abdruckte, vermutlich ungeachtet irgendwelcher Lizenzen. Diese Blockausgabe von 1976 ist damit die erste weltweit bekannte mit einem offiziellen Olympiamaskottchen.

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1980 – Philatelistische Heimpremiere für Bär Mischa

Das erste olympische Maskottchen, das es auf eine Briefmarke eines Gastgeberlandes der Olympischen Spiele schaffte, war Bär Mischa, der für die Sommerspiele 1980 in Moskau vom bekannten Kinderbuchillustrator Victor Chizikov entworfen worden war. Der verschmitzte „Pummelbär“ wurde zu einem populären Begleiter der Wettkampftage in der sowjetischen Hauptstadt.

Zum ersten Mal erschien „Mischa“ auf einer Neujahrsmarke am 28.11.1979 in einer Auflage von sieben Millionen Stück. Am 21.11.1980 war er noch einmal auf einer Blockausgabe zu den Erfolgen sowjetischer Sportler bei den Sommerspielen in Moskau zu sehen.

Zu den Olympischen Spielen 1984 in Sarajewo und Los Angeles schafften es die Maskottchen „Vucko“, ein fröhlicher Wolf, und der Weißkopfadler „Sam the Eagle“ nicht auf die Briefmarken der jeweils heimischen Post. Olympiamaskottchen 1948 LA Sam the eagle Lediglich die Postverwaltung von Benin gab dem amerikanischen Adler ein Markengesicht.

Hodori Maskottchen 1988 Seoul1988 grinste das Tigermaskottchen Hodori anlässlich der Sommerspiele in Seoul von einer südkoreanische Briefmarke und verdrängte damit seinen ursprünglichen weiblichen Gegenpart, die Tigerdame Hosuni, endgültig von der Bildfläche.

 

Hidy und Howdy, die beiden unzertrennlichen Polareisbären, waren zuvor in Calgary bei den Olympischen Winterspielen 1988 das erste Doppel-Maskottchen der Olympiageschichte.quatchipinhidy Schade, das es keine Briefmarke von ihnen gibt.

22 Jahre später in Vancouver 2010 wurde den Maskottchen der Winterspiele und der Paralympics von der kanadischen Post sogar ein ganzer Block gewidmet. Sumi, Miga und Quatchi lassen grüßen. Im Verständnis der kanadischen Ureinwohner ist Sumi  ein Schutzengel der Tiere, Miga ein mystischer Seebär und Quatchi symbolisiert den legendären „Großfuß“, der davon träumt, ein berühmter Eishockeytorwart zu sein.

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Eine erste Abkehr vom klassischen Tier-Maskottchen erfolgte 1992 bei den Winterspielen im französischen Albertville mit „Magique“, einem grinsenden, futuristischen Schneestern in blau-weiß-rot. Obwohl auf keiner Briefmarke abgebildet, gab es ihn als kleine Zeichnung auf einem Heftchen mit Ergänzungsmarken.

Bei den Sommerspielen 1992 in Barcelona war „Cobi“, ein katalanischer Schäferhund, das Maskottchen, das es auch auf die offiziellen Olympiabriefmarken schaffte.

Die Maskottchen der Winterspiele 1994 in Lillehammer (die zwei norwegischen Königskinder Hakon und Kristin) gingen philatelistisch ebenso leer aus, wie 1996 in Atlanta das erste computergenerierte Maskottchen „Izzy“.

Erst 1998 im japanischen Nagano gab es wieder Abbildungen von Maskottchen auf Briefmarken. Am 7.2.97 veröffentlichte die japanische Post eine Briefmarke mit den vier Eulen – den Snowlets „Sukki“, „Nokki“, „Lekki“ und „Tsukki“, die jeweils stellvertretend für ein Jahr zwischen den Olympischen Spielen stehen sollten.

Sydney 2000 und Salt Lake City 2002 konnten sich zwar vor tierischen Plüsch-Maskottchen kaum retten, die jeweiligen Postverwaltungen zeigten den Maskottchen aber die kalte Schulter. Vielleicht lag es an der Qual der Wahl, dass man eine philatelistische Abbildung einfach vergaß.

Maskottchen-Marken-Rekord in Athen

Die Griechen waren bei den Sommerspielen 2004 in Athen aus philatelistischer Sicht viel aufmerksamer. „Athena“ und Phevos“, die zwei als Maskottchen gekürten Geschwister, waren antiken Puppen nachempfunden worden. Die Post sorgte für einen neuen Rekord: so viele Olympiamarken mit Abbildungen der Maskottchen hatte es bisher noch nie gegeben.

Bereits am 11.2.2003 brachte sie eine Blockausgabe der Zwei an die Schalter. Am 9.5.2003 folgten 28 Einzelmarken, auf denen die beiden Maskottchen die Sportarten der Spiele vorstellten. Am 9.9.2003 wurde mit einem weiteren Block nachgelegt. Und auch auf dem Block zur Olymphilex am 13.8.2004 waren die Olympiamaskottchen zu sehen.

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Die Symbolkraft von Maskottchen ist  gewaltig. Wenn die Olympiaveranstalter schon kein Tier küren, dann sind es meist Phantasiefiguren wie „Neve“ und „Gliz“ 2006 in Turin –  ein weiblicher Schneeball und ein männlicher Eisblock. Gefiel auch nicht allen!CTA-s

 

Auch an die Pekinger Maskottchen 2008 musste man sich erst gewöhnen. Ihre fünf Namen bildeten den chinesischen Satz „Beijing huan ying ni“ (北京欢迎你), was soviel wie „Willkommen in Peking“ bedeutete.

 

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Jede Figur stand für einen olympischen Ring und für ein Feng-Shui-Element. Insgesamt 18 Marken wurden mit den Maskottchen in Umlauf gebracht.

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Tierisch ging es wieder 2014 in Sotschi bei den Winterspielen zu. Eisbär, Leopard und Hase wurden in einer landesweiten SMS-Abstimmung aus einer Reihe von Vorschlägen ausgewählt. Wie schon 1980 der Bär Mischa waren auch diese Drei äußerst beliebt und klassische Motive für die russische Post.

Sotschi 2014 Maskottchen

Philatelistische Fehlanzeige dagegen 2012 bei den Sommerspielen in London. Wenigstens tauchte „Wenlock“, das Maskottchen auf einem FDC als Abbildung auf. Die Kunstfigur aus Stahl hatte nur ein Auge und auf seinem Kopf eine orangefarbene Leuchte, die an die Schilder auf den englischen Taxis erinnern sollte.

London 2012 FDC Maskottchen

In Rio 2016 hieß das Maskottchen „Vinicius“ und war ein Fantasiewesen, das nach dem Liedtexter Vinicius Moraes nach landesweiter Befragung benannt worden war.

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2018 bei den Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang sprang mit „Soohorang“ ein weißer Tiger auf´s Markenbild – sozusagen das Pendent zu Tiger „Hodori“, der 1988 bei den Sommerspielen in Seoul das Maskottchen war.

csm_fertig_Korea_4897fda5f0Die südkoreanische Post hatte 20 verschiedene Briefmarken (insgesamt 1,4 Millionen Exemplare) herausgeben, um die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang 2018 zu würdigen. Die Kleinbogen zeigen das Olympische Hauptstadion PyeongChang und das Maskottchen Weißer Tiger Soohorang, das an 15 Wettbewerben einschließlich Viererbob, Curling, Skispringen, Snowboarden und Eisschnelllauf teilnimmt.

Übrigens, die ersten offiziellen Maskottchen bei den Paralympics waren 1980 im niederländischen Arnheim zwei Eichhörnchen. 19 weitere Maskottchen folgten bis einschließlich 2022 – wie dem Anfang dieses Beitrages zu entnehmen ist ….aber das ist schon wieder eine andere „Geschichte“!

(Autor: KJA)

 

2020 – ein Jahr der Sportbriefmarken?

Wir Sammler können uns freuen: 2020 wird uns, im Gegensatz zu 2019, wieder ein paar Briefmarken mehr mit sportlichen Motiven bringen. Das liegt natürlich an den Ereignissen. 2020 ist ein Olympiajahr, zudem finden Fußball-Europameisterschaften statt.  Weitere Höhepunkte sind u.a.: 

Handball-EM der Männer im Januar in Österreich, Schweden und Norwegen;

Biathlon-WM im Februar im italienischen Antholz;

Bob&Skeleton-WM in Altenberg vom 17.2.-1.3.;

Schwimm-EM im Mai in Budapest;

„Die Finals“ in der Rhein-Ruhr-Region am 6.und 7.Juni;

Ruder-WM im August in Bled;

Leichtathletik-EM im August in Paris;

Radsport-Straßen-WM im September in der Schweiz;

Handball-WM der Frauen im Dezember in Dänemark und Norwegen;

Erster Höhepunkt eines neuen Jahres ist natürlich immer wieder die Internationale Vierschanzentournee, die bereits zum 68. Mal ausgetragen wird. Briefmarken Vierschanzenturnee

Dazu gibt es jetzt exklusiv für 17,50 Euro bei SPORTphilatelie (www.sportbriefmarken.de) ein limitiertes Markenheftchen. Es stellt auf den vier enthaltenen Marken der Serie „Briefmarken Individuell“ die vier Austragungsorte Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen mit ihren Sprungschanzen vor.

Olympische Winter-Jugendspiele in Lausanne

Die erste offizielle Sportbriefmarke des neuen Jahres ist bereits am 14. November 2019 in der Schweiz erschienen und wirbt für die 3. Olympischen Jugend-Winterspielen, die vom 9. bis 22. Januar in Lausanne stattfinden.

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Nach 72 Jahren kehren die Olympischen Spiele damit in die Schweiz zurück. Nach 1928 und 1948 jeweils in St. Moritz, ist nun Lausanne Gastgeber der dritten olympischen Wettkämpfe in der Schweiz. Das Besondere daran: In Lausanne hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) seinen Hauptsitz. product-548923-mainpicture-Default-WorkingFormat-1200Wx1200H 2Außerdem warten die Jugend-Winterspiele 2020 mit erfrischenden Neuheiten auf. So werden erstmals Skitourenrennen ausgetragen und es gibt neu sowohl einen Rennrodel-Doppelsitzer-Event als auch eine Nordische Kombination der Frauen. Aus dem Vollen geschöpft wird beim Eishockey. Neben dem traditionellen olympischen Eishockeyturnier findet erstmals ein 3-gegen-3-Eishockey-Turnier mit gemischten Nationalitäten statt.

Wie die Olympischen Spiele für die „Großen“ finden auch die Olympischen Jugendspiele alle vier Jahre statt. Teilnehmen dürfen nur Sportlerinnen und Sportler zwischen 14 und 18 Jahren. Premiere feierten sie 2010 mit Sommerspielen in Singapur. Die ersten Olympischen Jugend-Winterspiele fanden 2012 in Innsbruck statt, die zweiten wurden 2016 in Lillehammer veranstaltet.

Ende Juli 2015 hatte Lausanne den Zuschlag für die Austragung bekommen. Aber nicht alle Wettkämpfe finden in Lausanne statt, auch St. Moritz und Les Tuffes im benachbarten Frankreich werden einige der insgesamt 81 Wettbewerbe in den acht Sportarten durchführen. 1880 Athletinnen und Athleten aus 70 Ländern werden erwartet.

Olympische Sommerspiele in Tokio

Absoluter sportlicher Höhepunkt des Jahres, natürlich auch sportphilatelistisch, werden aber die Olympischen Spiele im Sommer in Tokio sein.Tokyo-2020-Olympics-e1527459974762 Die ersten Briefmarken-Ausgaben zu diesem Ereignis, das vom 24. Juli bis zum 9. August in der japanischen Hauptstadt ausgetragen wird, sind bereits auf dem Markt.

In Deutschland werden die ersten Olympia-Briefmarken zu den Spielen in Tokio am 7. Mai erscheinen. Die Deutsche Post wird im Rahmen der jährlichen Sportzuschlagmarken drei Werte an die Schalter bringen, die sich den neuen olympischen Sportarten widmen: Sportklettern (80 + 40 Cent), Skateboard (95 + 45 Cent) und Karate (155 + 55 Cent). Die auf den Marken abgebildeten Sportarten gehören zu insgesamt fünf neuen Disziplinen, die das IOC am 3. August 2016 für Tokio bestätigt hatte. Hinzu kommen noch Surfen sowie Baseball (nur für Männer) und Softball (nur für Frauen). Die beiden Ballsportarten waren aber bereits schon zwischen 1992 und 2008 Teil des olympischen Programms.

Fußball Europameisterschaften Flagge Fußball EM 2020 London

 Am 4. Juni wird es von der Deutschen Post einen 80-Cent-Wert zur Fußball-Europameisterschaft geben, die in diesem Jahr erstmals in elf europäischen Städten ausgetragen wird. Wie schon 2016 nehmen wieder 24 Nationalmannschaften an dieser Endrunde teil. Halbfinale und Finale werden im Londoner Wembley-Stadion gespielt. Die drei Gruppenspiele in Deutschland finden in der Münchner Allianz Arena statt. Dort wird das deutsche Team u.a. gegen Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal (s. Block zur Titel-Ehrung)  antreten. Der dritte Vorrunden-Gegner wird noch ermittelt. Schwere Lose für die Löw-Elf!

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Übrigens, die Briefmarkenausgabe des Gastgeberlandes Frankreich zur vergangenen Fußball-Europameisterschaft 2016 wird wohl kaum zu toppen sein. Briefmarke Fußball EM 2016 Frankreich

Die Briefmarke wies gleich vier Besonderheiten auf. Die runde Briefmarke war mit 24 Sternchen versehen (eines für jede teilnehmende Mannschaft), der Pokal war mit Silberfarbe gedruckt, der Fußball trat durch den Prägedruck hervor und die Briefmarke roch nach frisch geschnittenem Rasen. Sammlerherz was willst du mehr! Sportphilatelistisch wird die diesjährige EM sicher auch eine Herausforderung. Mal sehen, wie viele Sondermarken und Sonderstempel es europaweit geben wird.

Runder Geburtstag von Fußball-Legende Fritz Walter

Auch die fünfte deutsche Sportbriefmarken-Ausgabe des Jahres am 1. Oktober hat diesmal etwas mit Fußball zu tun. Die Post würdigt den 100. Geburtstag von Idol Fritz Walter mit einem Wert zu 95 Cent. Mit ihm als Kapitän gewann die deutsche Nationalmannschaft 1954 den WM-Titel. Auf Vereinsebene hielt der „Fritz“ seinem 1.FC Kaiserslautern über 30 Jahre lang die Treue.

Für den deutschen Ehrenspielführer ist es nicht die erste philatelistische Würdigung. Anlässlich seiner Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports und der Benennung als Legende des deutschen Sports wurden  “Briefmarken Individuell“ herausgebracht. Darüber hinaus gab es für ihn noch viele philatelistische Würdigungen in anderen Ländern.

Serbiens erfolgreiche Volleyballerinnen und Volleyballer auf Briefmarken

Überhaupt tun sich die Postverwaltungen anderer Länder wesentlich leichter bei der philatelistischen Würdigung von sportlichen Spitzenleistungen. Bestes Beispiel sind die Ausgaben der serbischen Post Ende vergangenen Jahres. Das Land war Volleyball-Europameister sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern geworden, was zuvor bisher nur der UdSSR und der Tschechoslowakei gelungen war.

 

(Autor: KJA)

 

 

 

 

 

Nach Briefmarke folgt Münze – Hohe Ehrung für Roger Federer

Nach Wilhelm Tell ist er mittlerweile wohl der weltweit bekannteste und berühmteste Schweizer. Der Sport-Star ist für viele Experten nicht nur der beste Tennisspieler in der Geschichte seiner Sportart, sondern auch eine Persönlichkeit, die mit ihrem sozialen und wirtschaftlichen Engagement heraussticht. Mit insgesamt 310 Wochen, davon 237 in Rekordserie, führte Roger Federer bislang am längsten die Tennis-Weltrangliste an. Von 2004 bis 2007 und 2009 war der heute 38jährige Baseler jeweils Weltranglistenerster. 61x+9PAERbL._AC_SL1024_

Mit acht Siegen ist Federer der „König von Wimbledon“. Darüber hinaus hält er den Rekord mit 20 Grand-Slam-Titeln und hat bisher 103 Einzelsiege errungen. 2008 wurde er mit Stanislaw Wawrinka Doppel-Olympiasieger in Peking, vier Jahre darauf gewann er Einzel-Silber in London. Fünfmal wurde er als Weltsportler des Jahres geehrt, so häufig wie kein anderer. Mit über 110 Millionen Dollar an Preisgeldern gehört der Schweizer neben Golfer Tiger Woods und Tennis-Kollegen Novak Dokovic zu den Spitzenverdienern.

Am 28. November 2019 stellte er mit dem Deutschen Alexander Zverev (hier links erstmals auf einer Briefmarke, ganz aktuell von Djibouti) Alexander Zwerev Briefmarke Dschibuti 2  einen neuen Zuschauer-Weltrekord auf. In der Stierkampf-Arena in Mexiko-City spielten die beiden Superstars vor 42.517 Zuschauer – einmalig! Das Match vor der Rekordkulisse gewann Federer am Ende in anderthalb Stunden mit 3:6, 6:4, 6:2. Lange wird der Weltrekord aber vermutlich nicht Bestand haben. Für Februar plant Federer mit seinem Dauerrivalen Rafael Nadal ein Match in Südafrika. Das Stadion in Kapstadt hat Platz für 55.000 Zuschauer.

Wenige Tage zuvor war Federer als Investor bei der Züricher Laufschuh-Firma On eingestiegen. Seine Beteiligung („Der Batzen war groß genug, dass ich mir das gut überlegen musste!“) dürfte der Marke enorm helfen, ihre weltweite Bekanntheit zu steigern. 2006 wurde Federer als erster Schweizer zum internationalen UNICEF-Botschafter ernannt. 2017 bekam er von der Uni Basel die Ehrendoktorwürde verliehen.

Bei dieser Vita ist es kein Wunder, dass ihn seine Schweizer Landsleute förmlich vergöttern. Am 10. April 2007 erlebten sie eine philatelistische Sensation. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes wurde mit dem Konterfei von Roger Federer auf einer Briefmarke eine noch lebende Persönlichkeit gewürdigt. Die Post anerkannte damit die herausragenden Leistungen des Sportlers und seine nationale Bodenständigkeit.

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Gemeinsam mit Post-Chef Ulrich Gygi enthüllt Roger Federer die ihm gewidmete Briefmarke.  bild: keystone

Und nun kommt der Schweizer Tennisstar auch noch in den Genuss, als erste lebende Person von Swissmint geehrt zu werden. Die Eidgenössische Münzstätte startete am 2. Dezember 2019 den Vorverkauf einer 20-Franken-Silbermünze, die Federer als bedeutendstem Schweizer Einzelsportler und perfektem Botschafter des Landes gewidmet ist.

Die Münze kann bis spätestens zum 19. Dezember 2019, sofern sie nicht vorher ausverkauft ist, über den Online-Shop von Swissmint für 30 Franken gekauft und ausschließlich mit Kredit- oder Debitkarte bezahlt werden. Ab Mai 2020 soll auch noch eine Roger-Federer-Goldmünze für 50 Franken erhältlich sein. Das Interesse an der aktuellen Münze ist riesig. Die Webseite von Swissmint war zwischenzeitlich komplett lahmgelegt. Roger Federer selbst bedankte sich in den sozialen Medien für die Ehre, die ihm zuteil wird.

Federer Dank über soziale Medien

 

Im vergangenen Jahr war Federer schon einmal auf einer amtlichen Silbermünze erschienen.

„Roger Federer – Legends of Sports“, herausgegeben von den Salomon Islands, Feinsilber 999/1000, farbveredelt, 1 Unze/31,1 Gramm schwer, 38,61 mm Durchmesser, Limitierte Auflage: nur 10000 Ex. Weltweit.

 

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Aber auch auf Briefmarken dürfte der Tennisprofi inzwischen zu den Marken-Rekordhaltern gehören. Neben der Schweizer Ausgabe von 2007 ist er inzwischen in weiteren zehn Ländern philatelistisch verewigt worden:

2009 Mali, 2010 Österreich, Mosambik, Rwanda, 2011 Togo, 2014  Niger, Guinea Bissau, Republik  Zentralafrika, S. Tomé e Principe und 2015 Republik Guinea

Zusätzlich zur normalen Briefmarke zu 65 Cent verausgabte die Österreichische Post damals auch eine Briefmarke in verkleinertem Format aus 999/000 Feinsilber. Diese besondere Marke, von der es nur 2.000 Exemplare gibt, befindet sich in einem kleinen exklusiv gestalteten Folder zusammen mit der Originalbriefmarke und ausführlichen Informationen.

(Autor: KJA)

Ringen gegen den Faschismus –  Werner Seelenbinder zwischen Mythos und Wirklichkeit

Vor 75 Jahren, am 24. Oktober 1944 wurde der Weltklasse-Ringer und Widerstandskämpfer Werner Seelenbinder von den Nazis im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Der Olympia-und Sportphilatelisten-Club Berlin und das Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf erinnern mit einem öffentlichen Kolloquium an einen kommunistischen Arbeitersportler, der in der DDR teilweise verklärt, in der Bundesrepublik ignoriert und im vereinten Deutschland durch Aufnahme in die „Hall of Fame des deutschen Sports“ wiederentdeckt wurde.

Für eine Diskussionsgrundlage sorgen:

Dr. Gerlinde Rohr       – Leiterin des Sportmuseums Leipzig i.R.

Volker Kluge                – Herausgeber des „Journal of Olympic History“

Roland Gehrke            – Schwergewichts-Weltmeister im Freistilringen von 1981

Klaus-Jürgen Alde     – Langjähriger Hörfunk-Sportjournalist

Termin: Samstag, 30.11.2019, 10:30 Uhr im Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf, Eisenacher Str.121

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Bild-Impressionen von der Veranstaltung am 30.11.2019. (Quelle: Bezirkssportbund Marzahn/Hellersdorf)

Ein ausführlicher Bericht ist unter der Rubrik „Unsere Berliner OSPC-Treffen“ zu finden.

 

Auch 75 Jahre nach seinem Tod ist der Arbeitersportler Werner Seelenbinder in Deutschland präsent. In der Kartei seines Namens finden wir 83 Seelenbinder-Erwähnungen, die meisten natürlich in den neuen Bundesländern. Nach Seelenbinder sind Straßen, Schulen, Sportvereine, Sporthallen und Gedenkorte benannt.

Seelenbinder: Kupfer:Nickel Medaille 1974

Auch der OSPC Berlin hat sich in den zurückliegenden Jahren nicht nur in seinen Journalen (02/2004 und 1/2008) ausführlich mit dem Sportler und Antifaschisten Werner Seelenbinder befasst. Der Ringer ist der einzige deutsche Sportler, der sowohl von der Deutschen Post der DDR  als auch von der Deutschen Post der BRD philatelistisch gewürdigt wurde.

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Die DDR-Briefmarke wurde am 27.5.1963 in einer Auflage von drei Millionen Stück als Zusammendruck mit einem rechts anliegenden Zierfeld herausgegeben. Die Seelenbinder-Marke war eine von fünf Sondermarken mit deutschen Sportlern, die wegen ihres antifaschistischen Widerstandkampfes von den Nazis ermordet wurden.

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Die philatelistische Ehrung durch die Deutsche Post der BRD mit einer „Briefmarke Individuell“ erfolgte erst 2008, als Werner Seelenbinder in die „Hall of Fame des deutschen Sports“ aufgenommen wurde. Auf einem Bogen mit 20 Persönlichkeiten des deutschen Sports ist Seelenbinder in der oberen Reihe ganz rechts abgebildet.

Aber es gibt auch noch andere interessante philatelistische Belege zu Seelenbinder. Anlässlich des 30. Jahrestages der Gründung der Betriebsarbeitsgemeinschaft Philatelie im VEB Elektro-Apparate-Werke Berlin-Treptow wurde am 1.12.1984 ein Sonderstempel durch die Deutsche Post der DDR abgeschlagen, der im Bild das Signet der EAW und das Abzeichen der BAG Philatelie zeigt.

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Der Stempel ziert eine Briefmarke mit dem Antlitz von Friedrich Ebert. Der Sohn des  gleichnamigen Reichspräsidenten war von 1948 bis 1967 Oberbürgermeister von Ost-Berlin und Namenspate der Elektro-Apparate-Werke in Berlin-Treptow. Auf der privaten Schmuck-Zudruckkarte ist ein Relief des Kopfes von Werner Seelenbinder zu sehen. Die Gedenktafel hing bis 1990 im Klubhaus des VEB EAW in der Berliner Hoffmannstrasse. Werner Seelenbinder war in diesem Betrieb bis zu seiner Verhaftung als Transportarbeiter beschäftigt. Lange Zeit galt die Tafel als verschollen, bis sie vor einigen Jahren  dem Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf übergeben wurde und jetzt dort in der Ausstellung zu sehen ist.

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Zum 100. Geburtstag und 60. Todestag von Werner Seelenbinder am 24.10.2004 hatte auch der OSPC Berlin einen Zudruckbeleg mit Sonderstempel herausgegeben. Der Stempel war von 30 Sponsoren finanziert worden, unter ihnen neben vielen Einzelpersonen auch das NOK für Deutschland, der Deutsche Ringerverband, der Landessportbund Berlin.

Zu den intensiven Bemühungen des OSPC Berlin um eine würdige Ehrung Seelenbinders in den zurückliegenden Jahren gehört auch der Hinweis auf eine Karte, die im Rahmen einer Serie zu Berliner Sportstätten vom OSPC aufgelegt worden war.

Die Karte Nr.3 (links) zeigt die Werner-Seelenbinder-Halle im Prenzlauer Berg, die 1950 erbaut und 1993 abgerissen wurde. An ihrer Stelle befinden sich heute das Velodrom und die Schwimmhalle des Europa-Sportparks in der Landsberger Allee. Zu den sportlichen Höhepunkten in der Seelenbinderhalle gehörten einst die Radrennen auf der Winterbahn, die zu diesem Zweck jedes Frühjahr in die Halle eingebaut wurde. Rechts oben ist eine Postkarte mit dem Foto vom Eingangsportal der W.-Seelenbinder-Halle und darunter ein Post-Sonderstempel zur Winterbahn-Radsaison 1970 zu sehen.

Jetzt, anlässlich des 75. Todestages von Werner Seelenbinder, veranstaltet der Olympia-und Sportphilatelisten-Club Berlin nun gemeinsam mit dem Sportmuseum Marzahn/Hellersdorf ein Kolloquium, das sich neben einem kurzen Ausflug in die Philatelie, vor allem mit dem Leben und Wirken Werner Seelenbinders befassen wird. Wer glaubt, schon alles darüber zu wissen, wird über einige aktuelle historische Erkenntnisse unserer Gäste überrascht sein.

(Autor: KJA)

1869 – 2019: Die Postkarte feiert 150. Geburtstag

Was gab es nicht alles für Widerstände gegen die Einführung dieser neumodischen Erfindung! Sie läute das Totenglöckchen für den Brief. Sie sei etwas für Faulenzer, die keine Lust auf lange Texte hätten und vor allem, für jedermann mitlesbar!

Die Rede ist von – der guten alten Postkarte, die am 1. Oktober dieses Jahres 150 Jahre alt geworden ist. 1869 wurde die erste in Österreich verschickt, Deutschland folgte erst ein Jahr später, obwohl Heinrich von Stephan ein früher Verfechter des Formats war.DPAG-1997-HeinrichVonStephan

Der Generalpostdirektor des Deutschen Reichs schlug bereits bei einer Postkonferenz im Jahre 1865 die Einführung eines offenen Postblatts vor; sein Vorschlag  wurde damals allerdings als „unanständige Form der Mitteilung“ verworfen.  Die österreichisch-ungarische Postverwaltung griff jedoch die Idee wieder auf, führte vier Jahre später die „Correspondenz-Karte“ ein und markierte damit den Beginn eines neuen Kommunikationsmediums.

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Die erste offizielle Postkarte der Welt: In Österreich-Ungarn am 1. Oktober 1869 von Perg nach Kirchdorf verschickt. (Quelle: Museum für Kommunikation).

 

Inoffiziell gab es zumindest eine Postkarte schon viel früher. 1840 wurde sie als handgemalte Karte an einen gewissen Theodore Hook verschickt. Das Motiv: Schreiber eines Postamts, die um ein riesiges Tintenfass sitzen.

50110838_401Es wird vermutet, dass Hook, der als Scherzbold bekannte britische Autor und Stückeschreiber, sich die Karte selbst geschickt hatte – ganze 29 Jahre bevor die Postkarte 1869 offiziell von der Post eingeführt wurde. Hooks Karte wurde 2002, kurz nachdem sie zwischen den Seiten eines Briefmarkenalbums wiederentdeckt wurde, für 35.000 Euro versteigert.

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Die erste Postkarte mit sportlichem Bezug gab es übrigens erst 1887 anlässlich des Bundesschießens zum 25jährigen Jubiläum des Deutschen Schützenbundes, das auf dem Schießplatz in Frankfurt/Main durchgeführt wurde, wie auch der Tagesstempel auf dieser Postkarte dokumentiert.

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Die älteste Sportganzsache der Welt ist eine Postkarte der 1.Privat-Stadtbrief- und Paket-Beförderung F.K. Wellendorf in Erfurt, die im Dezember 1890 auf Rechnung des Zentralausschusses des XIII. Mitteldeutschen Bundesschießens 1891 hergestellt wurde.

In Deutschland wurde die Postkarte, wie zuvor in Österreich, zum Bestseller. Bereits im Jahr 1900 wurden eine Milliarde Exemplare versendet, die Hälfte davon Ansichtskarten. Darunter auch einige mit interessanten sportlichen Motiven.

Postkarte 1900

Im Ersten Weltkrieg ergoss sich eine Flut von zehn Milliarden Feldpostkarten in deutsche Briefkästen. In den 50er- bis 80er-Jahren beförderte die Deutsche Bundespost jährlich stabil um die 900 Millionen Stück. Auch in der DDR erfreuten sich Ansichtskarten großer Beliebtheit. In den letzten Jahren ist die Postkarte allerdings – vor allem aufgrund elektronischer Konkurrenz durch WhatsApp, SMS, Facebook & Co. – im Sinkflug begriffen. Heute sind es noch rund 200 Millionen Karten, die von der Post jährlich befördert werden.

Die aktuellste Postkarte mit sportlichem Motiv ist eine „Pluskarte Individuell“ der Deutschen Post, die extra für das 40. Forum Nordicum vom 14.-17. Oktober 2019 in Antholz in Südtirol gestaltet und produziert wurde.

Forum Nordicum 2019 Pluskarte Individuell

Das Forum Nordicum ist eine Interessengemeinschaft der Nordischen Skisportjournalisten, die sich einmal jährlich kurz vor Beginn der neuen Saison u.a. mit Funktionären der jeweiligen internationalen und nationalen Sportverbände, ausgewählten Spitzensportlern, Veranstaltern von wintersportlichen Großereignissen und Vertretern der Industriebranche trifft. Im Mittelpunkt stehen Dialog sowie Informations- und Erfahrungsaustausch.

Entstanden war die Idee zu dieser Veranstaltung 1980 am Rande der Holmenkollen-Ski-Spiele in Oslo, als sich die drei Berichterstatter  Willy Ahstl aus Österreich sowie die beiden Deutschen Werner Kirchhofer und Bruno Morawetz, intensiv Gedanken um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Journalisten im Nordischen Skisport machten. Noch im selben Jahr traf man sich in Ramsau/Österreich zum 1. Forum Nordicum. In diesem Herbst feiert die Interessengemeinschaft, der rund 80 Mitglieder aus 12 Ländern angehören, ihr 40jähriges Jubiläum. Antholz, das italienische Biathlon-Mekka, war bereits 1994 und 2006 Gastgeber des Forums. Logo_WM_Antholz-Anterselva_2020_02

Auch in diesem Jahr wird man die Journalisten in Südtirol aus erster Hand informieren. Denn vom 12.- 23. Februar 2020 werden in Antholz die Biathlon-Weltmeisterschaften ausgetragen.

Auf der Erinnerungs-Postkarte zum diesjährigen Forum Nordicum ist ein Foto des malerischen Biathlonstadions in 1600 m Höhe zu sehen. Auf der Briefmarke sind die inzwischen leider schon verstorbenen Gründerväter des Forums abgebildet.

 

Für den ehemaligen ZDF-Fernsehjournalisten Bruno Morawetz (auf der Briefmarke rechts) ist es in diesem Jahr bereits die zweite sportphilatelistische Ehrung. Im Mai war ihm mit seinem berühmten Reporter-Ausruf beim 15 km Langlaufwettbewerb bei den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid – „Wo ist Behle“ – schon ein „Briefmarken-Denkmal“ gesetzt worden. Aber dies ist eine andere Geschichte! (siehe OSPC-Journal 01/2019)

In Berlin widmet übrigens das Museum für Kommunikation derzeit den Postkarten bis zum 5. Januar 2020 eine Ausstellung unter dem Motto:

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Mehr als 500 Postkarten spannen den Bogen von den Vorläufern und der Hochzeit der Postkarte im Kaiserreich über Feldpostkarten, Kunstpostkarten, Propagandakarten, Postkarten in Ost und West bis zur digitalen Postkarte und Postcrossing. Welche Bedeutung die Postkarte in Zeiten von WhatsApp und Co. noch hat, zeigen Interviews mit Berliner Passant*innen.

Im Fokus stehen außerdem die Praktik des Sammelns sowie ganz besondere Stücke aus der Sammlung der Museumsstiftung Post- und Telekommunikation. Diese besitzt mit über 200.000 Exemplaren eine der größten Postkartensammlungen Deutschlands.

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Den Sonderstempel zur Ausstellung (Stempelnummer 16/188) gibt es seit dem 20. August 2019 bei Deutsche Post AG, Niederlassung Brief Berlin 1, Sonderstempelstelle, 11508 Berlin.

 

 

 

(Autor: KJA)

 

 

 

„Big Five“ im Sport – Südkorea gehört nun auch dazu

Wenn von den „Big Five“, den „Großen Fünf“, die Rede ist, dann sind in der Regel fünf bestimmte Tiere in Afrika gemeint, die von Großwildjägern irgendwann erlegt oder von Safari-Touristen wenigstens einmal in ihrem Leben per Foto „abgeschossen“ werden sollten: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard.

The-Big-5Diese konkrete Auswahl bezog sich dabei aber nicht in erster Linie auf die Körpergröße der Tiere, sondern vorwiegend auf die Schwierigkeiten und Gefahren bei der Jagd auf sie. 

Spricht man dagegen im internationalen Sport von den „Big Five“, dann sind fünf internationale Großveranstaltungen gemeint, deren Ausrichtungen die jeweiligen Länder in eine Art Elite-Liga aufsteigen lassen. Zu diesen Großereignissen gehören Olympischen Spiele im Sommer und im Winter, Fußball-Weltmeisterschaften sowie die Welttitelkämpfe in der Leichtathletik und im Schwimmen. Diese „Big Five“ sind auch interessant für uns Sportphilatelisten. Lassen sich doch jene Ereignisse in der Regel sehr gut mit ansprechenden Belegen dokumentieren.

Sport-Land Südkorea

Nach Deutschland, Italien, Japan und Russland ist in diesem Jahr auch Südkorea in diese Spitzenliga der Sportveranstalter-Länder aufgestiegen – dank der 18. Schwimm- Weltmeisterschaften, die vom 12.- 28. Juli in Gwangju zum ersten Mal in ihrer Geschichte in Südkorea stattfanden. Damit hat das asiatische Land erneut seine wirtschaftliche und organisatorische Stärke bei der Organisation sportlicher Großveranstaltungen unter Beweis gestellt.

Gwangju war übrigens schon 2015 Gastgeber der 28. Sommer-Universiade. Diese Weltsportspiele der Studenten gelten als zweitgrößte Multisportveranstaltung der Welt nach Olympischen Sommerspielen.

Universiade Gwangju 2015

Begonnen hatte der südkoreanische „Kampf“ um die „Big Five“ bereits 1988 mit der Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele in Seoul. 2002 folgte die gemeinsame Veranstaltung der Fußball-Weltmeisterschaften mit Japan. 2011 wurden die Daegu die Leichtathletik-Weltmeisterschaften ausgetragen. 2018 folgten die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Über alle diese Ereignisse haben wir in unseren OSPC- und IMOS-Journalen ausführlich berichtet.

Diving into Peace

Bei der diesjährigen 18. Schwimm-WM gab es sogar eine Rekordbeteiligung. 15-tausend Athleten, Offizielle und Medienvertreter aus 195 Ländern waren vor Ort in Gwangju, das 330 km von der Hauptstadt Seoul entfernt im Südwesten des Landes liegt.

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In sechs Disziplinen – Schwimmen, Freiwasserschwimmen, Wasserspringen, Klippenspringen, Synchronschwimmen und Wasserball wurden insgesamt 76 Medaillen vergeben. Der Slogan der WM war „Diving into Peace“ und damit von der Hoffnung geprägt, mit dem „Eintauchen in Frieden“ etwas für eine friedlichere Welt tun zu können. In Gwangju waren 1980 Demonstrationen gegen die damalige neue Militärregierung brutal niedergeschlagen worden. Offizielle Stellen sprechen von 140 getöteten Zivilisten, andere Quellen gehen von 2000 Toten aus. Dieser Vorfall ist als „Gwangju-Massaker“ in die Geschichte eingegangen und hat der Stadt den Ruf eingebracht, „Schrein der koreanischen Demokratie“ zu sein.

Schwimm WM 2019 Gwangju KleinbogenDie im Vordergrund der Marke zu sehenden Maskottchen Suri und Dari sind zwei personifizierte Otter, deren Lebensräume sich in der Umgebung von Gwangju befinden. Das Logo, eine Welle, soll den Berg Mudeungsan und den Fluss Yeongsangang symbolisieren. Am Rand des Kleinbogens sind die Piktogramme der sechs WM-Disziplinen abgebildet. KPC3391_FDC_Cancellation_981px Dazu gab es einen Sonderstempel, auf dem ebenfalls die Maskottchen zu sehen sind. Die Marke, die am 12.7.2019 in einer Auflage von 656-tausend Stück an die Postschalter kam, war sehr schnell vergriffen.

Ein langer Weg zu den „Big Five“

Es übrigens ist gar nicht so einfach, in die „Big Five“ der Sportveranstalterländer aufzusteigen. Deutschland schaffte es mit der Ausrichtung von drei Olympischen Spielen (1936 Berlin und Garmisch-Partenkirchen sowie 1972 München), der Fußball-WM 2006, den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1993 in Stuttgart und 2009 in Berlin sowie den Schwimm-Weltmeisterschaften 1978 in Berlin(West). Auch Italien und Japan waren mehrfach Gastgeber für die „Big Five“. Russland ist als viertes Land erst 2018 nach der Austragung der Fußball-Weltmeisterschaften in den illustren Kreis aufgenommen worden. Als sechstes Land nach Südkorea wird vermutlich  Kanada 2026 in die „Big Five“ folgen, das in jenem Jahr gemeinsam die Fußball-WM mit Mexiko und den USA austrägt. Die anderen Kriterien – Olympische Spiele in Montreal , Calgary und Vancouver sowie Weltmeisterschaften 2001 in Edmonton (Leichtathletik) und 2005 in Montreal (Schwimmen) wurden bereits erfüllt.

Was wundert, dass die USA bisher noch nicht dazugehören. Aber den Amerikanern fehlt wie Frankreich noch die Ausrichtung einer kompletten Schwimm-WM auf der langen 50-m-Bahn und natürlich mit allen anderen fünf Sparten der Sportart. Dies ist umso erstaunlicher, als dass die USA mit insgesamt 526 WM-Medaillen, darunter 230 Titeln, die stärkste Schwimm-Nation der Welt sind. Eine WM-Bewerbung von Greensboro in North Carolina für die Weltmeisterschaften 2025 oder 2027 blieb in diesem Jahr leider ohne Erfolg. Der Weltschwimmverband FINA entschied sich in Gwangju für das russische Kasan und das ungarische Budapest!

Die letzte erfolgreiche USA-Bewerbung für ein internationales Schwimm-Großereignis waren die Weltmeisterschaften auf der kurzen Bahn (25 Meter) 2004 in Indianapolis. Jedoch das zählt nicht für die „Big Five“!

(Autor: KJA)