Klopp besiegt Tuchel – deutsch-deutsches Trainer-Duell im Jubiläums-FA-Cup-Finale in London

Am 14. Mai 2022 blickte die Fußball-Welt nach London. Im Wembley Stadion bestritten der FC Liverpool und der FC Chelsea das diesjährige FA-Cup-Finale. Es war die 141. Auflage des weltweit ältesten Fußballpokal-Turniers, das nur in den Jahren der beiden Weltkriege nicht ausgetragen worden ist.  Die aktuelle Saison dafür begann bereits am 7. August 2021 mit diesmal 729 Vereinen in einer Extra-Vorrunde. Für deutsche Fußballfans hatte das diesjährige Finale noch einen besonderen Moment parat. Es kam zum ersten Mal zu einem rein deutschen Trainer-Duell zwischen Jürgen Klopp (Liverpool) und Thomas Tuchel (Chelsea). Am Ende triumphierten die „Reds“ gegen Chelsea mit 6:5 im Elfmeterschießen, übrigens erst dem dritten in der langen Geschichte des FA Cups. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung hatte es 0 zu 0 gestanden. Für Liverpool war es nach der Finalniederlage 2012 gegen Chelsea der achte Sieg im FA Cup Finale und der erste seit 2006.

Es war ein historischer Sieg für Liverpool. Denn der Football Association Challenge Cup, der seit der Saison 2015/16 nach dem Hauptsponsor, einer arabischen Fluglinie, offiziell The Emirates FA Cup heißt, feiert in diesem Jahr sein 150jähriges Jubiläum.

Grenada veröffentlichte 2006/2007 auf sogenannten Victory Cards diese individuellen Briefmarken von den beiden aktuellen Finalgegnern, die sich in ihrer Fußballgeschichte insgesamt 182-mal gegenüberstanden. 77-mal gewann Liverpool, 60-mal Chelsea und 45-mal trennte man sich Unentschieden.

FA-Cup Premiere vor 150 Jahren

Nur 12 Mannschaften nahmen damals zum Auftakt des mittlerweile wichtigsten englischen Fußballpokals in der Saison 1871/72 teil. Im Endspiel am 16. März 1872 gewann der Wanderers FC vor 2000 Zuschauern im Londoner Kennington Kricket-Oval mit 1 zu 0 gegen die Royal Engineers (s.o. 4 Pfund Jersey-Kleinbogen). Die Wanderers kamen aus dem Londoner Stadtteil Battersea und gehörten zu den Gründungsmitgliedern der FA. Zwischen 1872 und 1878 holten sie sich insgesamt fünfmal den Cup. 1887 wurde der Verein aber aufgelöst und erst nach 120 Jahren 2009 mit einer symbolischen Wiederholung des FA-Cup-Finales von 1872 gegen die Engineers wiedergegründet. Tradition geht eben über alles.

Zur Feier des Tages hat die Jersey Post ganz aktuell am 10. Mai 2022 einen Satz mit acht Gedenkbriefmarken herausgebracht, die an großartige FA-Cup-Momente erinnern. David Sque, der sich schon seit längerem einen Namen als Fußball-Comic-Zeichner gemacht hat, durfte seine Ideen diesmal auch philatelistisch umsetzen.

Über seine Marken sagte er: „Ich habe die meiste Zeit meiner Karriere mit der Illustration von Fußball zu tun gehabt und bin wahrscheinlich am besten dafür bekannt, Englands berühmten nationalen Fußball-Comic-Helden zu zeichnen, den „Roy of the Rovers“. Ich war sowohl geehrt als auch demütig, als mich die Jersey Post freundlicherweise beauftragte, eine Reihe von Briefmarken zusammen mit verschiedenen weiteren Illustrationen zu zeichnen. Dieses Projekt ist sicherlich eines der Highlights meiner bisherigen Laufbahn.“ Neben den beiden abgebildeten Markenmotiven gibt es noch einen Block mit drei Werten und einer Szene der lokalen Helden des „Jersey Bulls Football Club“ aus Saint Helier, der Hauptstadt der Kanalinsel Jersey.  Die erst im August 2018 gegründeten Jersey Bulls waren der südlichste Verein der britischen Inseln, der je am FA-Cup teilgenommen hat. In der Saison 2021/22 erreichten sie immerhin die dritte Qualifikationsrunde.

Aber nicht nur die Post von Jersey hat in Sachen FA-Cup-Finale richtig „rangeklotzt“. Zuvor hatte auch schon die Royal Mail dem 150jährigen FA-Cup-Jubiläum einen sportphilatelistischen Superrahmen gegeben. Bereits am 8. März erschienen in enger Zusammenarbeit mit der FA zehn Briefmarken zu diesem prestigeträchtigen Ereignis! Auf sechs Marken, einer Mischung aus Farb-und Schwarzweißfotos, lässt die britische Post berühmte Momente des FA Cups wiederaufleben. Auf den anderen vier Briefmarken werden Memorabilia und Artefakte des Wettbewerbs aus dem National Football Museum dargestellt. Dazu gab es einen Sonderstempel.

Natasha Ayivor von der Royal Mail sagte anlässlich der Markenpräsentation: „Der Emirates FA Cup hat der Welt einige der größten Ereignisse des Fußballs beschert, und diese Briefmarken feiern die Magie dieser Momente. Wir sind der Meinung, dass es keine passendere Hommage an das 150-jähriges Bestehen gibt als diese Sammlung von Sondermarken.“ Der Director of Pro Game Relations der FA, Andy Ambler ergänzte: „Der Emirates FA Cup beflügelt auch in seiner 150-jährigen Jubiläumssaison die Fantasie von Fußballfans und der breiten Öffentlichkeit. Seine historischen Momente von der Liga bis zur Elite schaffen bleibende Erinnerungen, und wir freuen uns, dass diese Sondermarken eine Auswahl an ikonischen Momenten feiern.“

Weißes Pferd rettet Wembley-Eröffnung:

Einer dieser magischen Momente war das Cup-Finale 1923, das zum ersten Mal im Londoner Wembleystadion ausgetragen wurde. Die Bolton Wanderers, auch als „The Trotters“ bekannt, gewannen am 28. April 1923 im dritten Anlauf mit 2 zu 0 gegen West Ham United. Torschützen waren David Jack und Jack Smith. David Jack schrieb als erster Torschütze im Wembleystadion englische Fußballgeschichte. Der frischgebackene Nationalspieler gewann drei Jahre später mit Bolton erneut den FA Cup.

1928 wurde er vom Trainer des FC Arsenal, Herbert Chapman, als erster Fußballer weltweit für die damalige Rekordablösesumme von 10.890 Pfund verpflichtet. Historischen Aufzeichnungen zufolge wurde der Transfer von Chapman in einer legendären Verhandlung mit der Vereinsführung von Bolton in einer Hotelbar besiegelt. Chapman hatte seine Kontrahenten mit Gin Tonic betrunken gemacht, blieb aber selbst nüchtern. Sein neuer Schützling David Jack holte mit Arsenal drei englische Meisterschaften und einen weiteren FA Cup.

David Jack auf einer 2 Pfund-Briefmarke der kleinen Insel Easdale, die an der Westküste Schottlands liegt. Diese „Local Issue“-Briefmarken für große Sportereignisse wurden 1996 von sechs Postbehörden des Vereinigten Königreichs (UK) herausgegeben. Sie wurden damals veröffentlicht, um ebenfalls die Geschichte des FA-Cup-Finales aufzuzeichnen und großartige Momente der Endspiele im Laufe der Jahre darzustellen. Die F.A. Cup Collection wurde offiziell vom Fußballverband und den vorgestellten Vereinen autorisiert.

Jede der sechs Postbehörden gab sechs Briefmarkenentwürfe (bei Gairsay waren es acht) und 2 Sonderkleinbögen heraus – insgesamt 38 verschiedene Briefmarken und 12 Kleinbögen. Alle diese Motive sind als ganze Bogen mit 20 Briefmarken oder einzeln bei Beddau Stamps (beddaustamps@yahoo.co.uk) erhältlich. Die Briefmarken gelten nicht für den Versand auf dem britischen Festland, es sei denn, es werden auch die Royal Mail-Briefmarken verwendet. Sie wurden Offshore ausgestellt und waren nur für die Zustellung an das Postamt auf dem Festland gültig, wo die Royal Mail die Verantwortung für die weitere Zustellung übernahm.

Das erste „Wembley-Finale“ war auch noch in anderer Hinsicht historisch. Es ging als „White Horse Final“ in die Annalen ein. Das Londoner Wembleystadion, innerhalb nur eines Jahres für 750.000 Pfund zwischen 1922 und 23 erbaut, bot damals Platz für 127tausend Zuschauer. Für das FA Cup Finale, bei dem König Georg V den Siegerpokal überreichen sollte, waren aber nur 36-tausend Tickets im Vorverkauf abgesetzt worden. Ein halb leeres Stadion wollte man aber dem König nicht zumuten und so wurde bis kurz vor der Partie die Werbetrommel gerührt. Viel Platz und exzellente Sicht wurden versprochen. Mit Erfolg.

Als am 28. April 11.30 Uhr die Stadiontore geöffnet wurden, strömten die Massen. Schon um 13 Uhr waren alle 137-tausend Plätze besetzt und der Ansturm auf die Arena riss nicht ab. Trotz geschlossener Tore kamen immer mehr Fans, kletterten einfach über die Absperrungen. Der Spielbeginn, geplant um 15 Uhr, war unmöglich. Zu diesem Zeitpunkt sollen sich 250-tausend bis 300-tausend Leute im Stadion befunden haben. Sie hatten sich aus Platzmangel überall verteilt, selbst auf dem Spielfeld wimmelte es wie in einem Ameisenhaufen – abgebildet auf einer der anlässlich des 150jährigen FA-Cup-Jubiläums in diesem Jahr herausgegebenen Briefmarke.  

Während rund 1,5 Kilometer vor dem Stadion Boltons Mannschaftsbus im Stau stecken blieb und sich die Spieler zu Fuß ihren Weg ins Stadion bahnen mussten, versuchten im Innern die Ordner das Spielfeld freizubekommen. Kurzfristig aufgeboten wurde dafür auch George Scorey, der mit seinem Pferd Billy (teilweise auch Billie) auf den Notruf reagierte und die Polizei verstärkte. „Als ich das sah, dachte ich, das ist unmöglich“, erinnerte sich Scorey später. Doch der Nothelfer versuchte es: „Mein Pferd war wunderbar. Es hat die Leute sanft mit der Nase und seinem Schwanz über die Torlinie gedrängt.“

Dem Gespann gelang es tatsächlich, die Zuschauer zurückzudrängen. Auf Film- und Fotoaufnahmen von 1923 sieht man zwar noch weitere berittene Polizisten, aber Billy fällt durch sein helles Grau (auf den Fotos wirkt es weiß) am meisten auf. Das Endspiel, das mit 40 Minuten Verspätung dann doch noch angepfiffen werden konnte, ist daher als „White Horse Final“ in die Geschichte eingegangen.

Ein großer Tag:

Die Fans von West Bromwich Albion feiern am 18. Mai 1968 den 1 zu 0-Finalsieg ihres Teams nach Verlängerung gegen den FC Everton.

Pokal-Jubel:

Die Arsenal-Spieler Charlie George und Frank McLintock präsentieren 1971 vor 100-tausend Zuschauern nach einem 2 zu 1 n.V. gegen den FC Liverpool freudestrahlend den FA Pokal. Arsenal gewann den Pokal insgesamt 14-mal und ist damit alleiniger Spitzenreiter vor Manchester United mit 12 Siegen.

Klassisches Finale:

Keith Houchen glich für Coventry City gegen Tottenham Hotspur im Finale 1987 mit einem spektakulären Flugkopfball in der 63. Minute zum 2 zu 2 aus. In der Verlängerung gewann Coventry City 3 zu 2 – dank eines Eigentores von Gary Mabbutt in der 96. Minute!

Überraschungen:

Lincoln City besiegte Burnley 2017 mit 1:0 und erreichte damit als erste Nicht-Liga-Mannschaft seit 103 Jahren das Viertelfinale. Dort verlor die Elf aber 0 zu 5 gegen den späteren FA Cup Gewinner FC Arsenal.

Königliche Schirmherrschaft:

König George VI. und Königin Elizabeth, Mutter der jetzigen Königin Elizabeth II., überreichten die Trophäe am 1. Mai 1937 dem Sunderland-Kapitän Raich Carter. Sein FC hatte 3 zu 1 im Finale gegen Preston North End gewonnen.

Geschichten über Geschichten:

Die Geschichte des FA Cups ist so spannend, dass man bei der Auswahl der Motive für die Jubiläums-Briefmarken-Kollektionen die Qual der Wahl hatte. Ein paar Beispiele gefällig:

Nach dem Sieg Aston Villas 1895 wurde der Pokal in einem Birminghamer Schaufenster ausgestellt und gestohlen, wie Jahre später übrigens auch der WM-Pokal „Jules Rimet“. Seither wird nur um eine Nachbildung gespielt. Der Original-FA Pokal ist bis heute nicht gefunden worden.

1903 schlug der FC Bury das Team von Derby County mit 6 zu 0 und erreichte so zusammen mit Manchester City gegen den FC Watford im Jahr 2019 das bis heute höchste Endspielergebnis.

1927 besiegte der walisische Verein Cardiff City den FC Arsenal im Finale mit 1 zu 0 und sicherte sich als erster und bis heute einziger nicht-englischer Club den Titel.

Das FA-Cup-Finale 1953 zwischen Blackpool und Bolton Wanderers ging als sogenanntes Matthews-Finale in die Geschichte ein. Blackpool gewann 4 zu 3.

Im Alter von 38 Jahren war es Stanley Matthews dritter Versuch, den FA Cup mit Blackpool zu gewinnen. Bolton lag 22 Minuten vor Schluss mit 3:1 vorn.

Dann erzielte Blackpool durch Stan Mortensen nach einem Querpass von Matthews den Anschluss. Weniger als fünf Minuten vor Schluss gelang Blackpool durch einen Freistoß von Mortensen der Ausgleich. Kurz nach Wiederanpfiff, als jeder mit der Verlängerung rechnete, erzielte Bill Perry nach einem Pass von Matthews das 4:3. Matthews, der später von der englischen Königin Elizabeth II. geadelt wurde, ist der einzige Fußballer, nach dem ein FA-Cup-Finale benannt worden ist und der noch heute als einer der besten englischen Spieler aller Zeiten gilt.

1956 trafen im Finale Manchester City und Birmingham aufeinander. In der 75. Minute brach sich der deutsche Torhüter von Manchester City Bert Trautmann beim Zusammenprall mit einem Gegenspieler einen Halswirbel und hielt trotz dieser Verletzung bis zum Spielende durch. Manchester City gewann auch dank seiner großartigen Paraden mit 3:1 den FA Cup. Trautmann (hier rechts als Skulptur im Stadtmuseum von Manchester) gilt seither als einer der Helden des englischen Fußballs.

Die Deutsche Post wird ihm zu Ehren anlässlich seines 100. Geburtstages im kommenden Jahr eine Sonderbriefmarke herausbringen. Jedoch die Jersey Post war schneller. Im Rahmen der aktuellen FA-Cup-Ausgabe ist City-Torhüter Bert Trautmann schon jetzt ein comic-philatelistisches Denkmal gesetzt worden.

In der Saison 2002/03 wurde das FA-Cup-Finale zum ersten Mal unter einem Dach ausgetragen. Dieses Spiel fand wegen des Neubaus des Londoner Wembley-Stadions im Millennium Stadium von Cardiff statt. Das Dach wurde geschlossen, um den Rasen vor Regen zu schützen. Arsenal gewann gegen den FC Southampton mit 1:0.

2005 wurde erstmals ein Finale im Elfmeterschießen entschieden. Arsenal gewann nach torlosen 120 Minuten gegen Manchester United mit 5:4.

Ein Jahr (2006) später kam es zwischen dem FC Liverpool und West Ham United nach einem 3 zu 3 nach regulärer Spielzeit erneut zum Elfmeterschießen, das Liverpool 3 zu 1 für sich entscheiden konnte. Dieses zweite Duell vom Punkt in der FA-Geschichte wurde auf einer der Jersey Post-Briefmarken jetzt verewigt.

Louis Saha vom FC Everton erzielte 2009 nach 25 Sekunden das schnellste Tor in der Geschichte des FA-Cup-Finales.

Und in diesem Jahr wurde zum ersten Mal ein deutscher Trainer mit seiner Mannschaft FA-Cup Gewinner: Jürgen Klopp und der FC Liverpool. Dieses Ereignis wird, und da bin ich mir fast sicher, auch einmal ein Briefmarken-Motiv werden, vielleicht schon in einer der nächsten Ausgaben der Royal Mail oder der Jersey Post zum FA-Cup!

(Autor: KJA)

Zu Land, zu Wasser und in der Luft – „Nicht-Olympisches“ auf aktueller Briefmarkenserie „Für den Sport“

Nun hat auch das Faustball-Spiel seine „eigene“ Briefmarke! Bundesfinanzministerium, Post und Sporthilfe ist es zu verdanken, dass eine der wohl urtypischsten deutschen Sportarten endlich ein philatelistisches Denkmal bekommen hat. Denn noch nie, auch international nicht, hat es der „Fistball“ als Motiv auf eine Briefmarke geschafft. Die ca. 40-tausend aktiven deutschen Faustballerinnen und Faustballer, aber auch die Sportbriefmarken-Sammler wird es freuen. Im Rahmen der alljährlichen Serie „Für den Sport“ sind ab 5.Mai 2022 neben dem Faustball mit dem Fallschirmspringen und Wakeboarden noch zwei weitere nicht olympische Sportarten als Motive im postalischen Angebot, die bisher ebenfalls ein sportphilatelistisches Nischendasein in Deutschland fristeten.

Gestaltet wurden die diesjährigen Marken „Für den Sport“ von Professor Armin Lindauer aus Mannheim, der schon 2019 die „Legendären Olympiamomente“ kreiert hatte.

Diesmal bezog Lindauer seine Ideen aus drei Fotos, die er als grafische Vorlagen benutzte. Als Quellen hat er offiziell gekennzeichnet:

Motiv „Fallschirmspringen“ nach einer Vorlage © Bundesheer/Schabhüttl,
Motiv „Wakeboarden“ nach einer Vorlage © Andre Magarao, Cumbuco, Brazil und Motiv „Faustball“ nach einer Vorlage © Thomas Langer, Nottuln.

Meine zusätzlichen Recherchen zu den Fotos ergaben weitere interessante Geschichten und Hintergründe zu den drei Briefmarken und den dargestellten Sportarten.

Faustball – eine deutsche Erfolgssportart

Wer hat schon mal was Nottuln gehört? Also Nottuln ist eine kleine Gemeinde im Kreis Coesfeld etwa 20 Kilometer westlich von Münster in Nordrhein-Westfalen. Die dortige Männermannschaft der SG Coesfeld/Nottuln spielt seit 2015 in der 2. Faustball Männer Bundesliga Nord. Spielertrainer der Mannschaft ist Thomas Langer, der zufällig auch für die fotografische Vorlage der Briefmarke gesorgt hat. Denn viele der Faustballfotos auf der Webseite von Grün Weiß Nottuln 1919 e.V. stammen von ihm. Für die Vorlage könnte Grafiker Armin Lindauer durchaus dieses Foto genommen haben, das einen der Nottulner Sportler in Aktion zeigt.

Thomas Langer (als Ältester unten auf dem 2020er Foto der Mannschaft leicht zu erkennen) liebt und lebt den Faustball seit seinem 13. Lebensjahr. In Kiel hat er als Student zunächst in der Zweiten und später sogar für Ludwigshafen-Oggersheim einige Jahre in der 1. Faustball Bundesliga gespielt und es sogar zu zwei Länderspielen für Deutschland gebracht.  Der heute 56-jährige studierte Mathematiker, der an der Universität Mannheim in Betriebswirtschaftslehre promoviert wurde, ist seit 2004 Professor an der WWU Münster und leitet dort den Lehrstuhl für Finanzierung.

Als Spielertrainer der Zweitliga-Mannschaft von Coesfeld/Nottuln ist er dem Faustball bis heute treu geblieben. Bereits zu vierten Mal hat der Verein bis jetzt den Klassenerhalt geschafft. Anteil daran hat auch sein Sohn Hendrik (25), mit dem er zusammen den Angriff in der Mannschaft bildet. „Natürlich ist die Erwartung eines Vaters an seinen Sohn schon recht groß. Aber mittlerweile muss ich mir schon mal Kritik von meinem Sohn an dem Spieler Thomas Langer anhören. Etwa, wenn ich mit meinem Alter nicht mehr schnell genug am Ball bin und mein Sohn, um das auszubügeln, dahinfliegen muss, wo es weh tut. Dann kommt schon mal ein Spruch…“, so Thomas Langer unlängst in einem „WN“-Zeitungsinterview. Für ihn ist … „Faustball ein unglaublich athletisches und dynamisches Spiel, für das man Ballgefühl, Kraft, Ausdauer und Laufstärke benötigt.“

Faustball ist am ehesten mit Volleyball zu vergleichen: Der Ball wird mittels Angabe ins gegnerische Feld befördert, dort angenommen, zugespielt und schließlich wieder zurückgeschlagen. Hierbei gibt es einen entscheidenden Unterschied zum Volleyball: Der Ball darf nur mit einer Faust bzw. einem Arm berührt werden, d.h. ein beidarmiges „Baggern“ ist nicht erlaubt. Dies hat allerdings den Vorteil, dass man einen Arm wesentlich schneller und weiter strecken kann als zwei Arme.

Der zweite wichtige Unterschied besteht darin, dass der Ball vor jeder Berührung einmal auf den Boden schlagen darf, was bei dem ungleich größeren Spielfeld eine völlig andere Ausrichtung der Schläge in die Weite zur Folge hat.
Ein weiterer Unterschied ist , dass die Positionen fest sind. Es gibt also Spezialisten für Angriff, Zuspiel und Verteidigung.
Faustball gehört zu den ältesten Sportarten der Welt. Schon im dritten Jahrhundert v.Chr. soll das Spiel in Italien betrieben worden sein. In Deutschland wurde die Sportart erst im Jahre 1870 eingeführt. Hauptsächlich von Turnern als Ballsport zum Ausgleich betrieben, galt Faustball bald als Turnersportart. 1885 wurde es in Dresden erstmals bei einem Deutschen Turnfest  vorgeführt. Da damals kaum Sporthallen existierten, fand das Spiel hauptsächlich im Freien statt. In dieser Zeit verbreitete sich Faustball in die umliegenden, vor allem deutschsprachigen Nachbarländer, und deutsche Auswanderer trugen den Sport in alle Kontinente , speziell aber nach Südamerika und Südwestafrika.

Anlässlich des Deutschen Turnfestes 1913 in Leipzig wurde die erste deutsche Meisterschaft der Männer ausgetragen, die von  LLB Frankfurt  mit 114:101 gegen den MTV München 1879 gewonnen wurde. 1960 wurde der Internationale Faustballverband (IFV) gegründet. Für den ersten internationalen deutschen Erfolg sorgte eine DDR-Mannschaft. 1963 wurde in Linz/Österreich zum ersten Mal um den Europapokal der Landesmeister gespielt. Da die Mannschaften aus Hirschfelde (DDR), TV Passau (BRD) und ATSV Linz (Österreich) nach der Hauptrunde punktgleich auf dem ersten Platz lagen, musste eine Entscheidungsrunde ausgetragen werden, die die ISG Hirschfelde mit zwei Siegen gegen Passau und Linz am 25. August 1963 für sich entscheiden konnte.

Für die DDR-Faustballer war dies ein Riesenerfolg. Die BSG Chemie Zeitz gewann danach den Titel von 1966 bis 1969 sogar dreimal in Folge. Die DDR-Männer-Nationalmannschaft holte 1965 und 1970 jeweils EM-Bronze und -Silber. Bei der 1. Weltmeisterschaft der Männer 1968 in Linz belegte sie den dritten Platz. Die ostdeutsche Erfolgsstory endete Anfang der 1970er Jahre abrupt. Grund war der sogenannte Leistungssportbeschluss des DTSB von 1969, der nur noch medaillenintensive olympische Sportarten entsprechend förderte. Für die DDR-Faustballer kam erschwerend hinzu, dass man das einzige sozialistische Land war, in dem Faustball gespielt wurde. Ansätze, Tschechien oder Polen für den Sport zu begeistern, scheitern früh. Faustball konnte somit ab 1971 in der DDR nur noch auf Betriebssport-Basis und ohne nennenswerte Förderung und Wettkampfreisen ins Ausland betrieben werden.

Für die internationalen deutschen Erfolge sorgten von da an bis zur Wiedervereinigung 1990 allein die Faustballerinen und Faustballer der BRD. Danach ging es gemeinsam erfolgreich weiter. Die Männer wurden seit 1968 bis jetzt 12-mal Weltmeister, die Frauen sicherten sich seit 1994 siebenmal den Titel.

Mit der aktuellen Faustball-Briefmarke rückt auch die 16. WM der Männer in den Mittelpunkt, die vom 23.-29. Juli 2023 in Mannheim ausgetragen wird. Nach 1972, 1982 und 2007 ist Deutschland damit zum vierten Mal Gastgeber einer WM. Die Vorrunde wird im Rhein-Neckar-Campus mit 5000 Zuschauerplätzen gespielt. Die Hauptrunde soll in der 12.000 Zuschauer fassenden SAP-Arena stattfinden, in der erstmals für eine WM Naturrasen verlegt werden soll. 16 Mannschaften und 30.000 Fans werden erwartet. Für Mannheim ist die WM neben der Bundesgartenschau der Höhepunkt für das kommende Jahr.

Wakeboarden – Snowboarden des Sommers

Das englische Wort „wake“ bedeutet in diesem Fall „Kielwelle“. Die Wurzeln des Wakeboardens gehen weit zurück. Schon Surfer, die auf Wellen warteten, ließen sich von Motorbooten ziehen. Das eigentliche Wakeboarden entstand aber in den 1950er Jahren aus dem Wasserski. Der Unterschied zwischen Monowasserski und Wakeboard liegt heute in Größe und Form der Bretter und der Fußstellung. Im Gegensatz zum Surfbrett besitzt das Wakeboard eine Bindung zum Festschnallen der Füße.

Der Waker steht seitlich zur Fahrtrichtung auf dem Brett und wird von einem Motorboot, einem Wasserskilift oder auch von einem Segel-Drachen gezogen. Dabei vollführen die Sportler Figuren und Tricks.

1995 kam es in Berlin zur Gründung des ersten deutschen Wakeboard-Vereins. 2001 wurden in Duisburg die ersten Weltmeisterschaften ausgetragen. Seit Jahren ist diese Trend- und Funsportart schon für viele richtiger Leistungssport. 2005 wurde die Disziplin ins Programm der World Games aufgenommen. Selbst das IOC hatte Cable-Wakeboarden 2011 als eine von sieben Sportarten auf die sogenannte Short List von zusätzlichen Disziplinen für die Olympischen Spiele 2020/21 in Tokio gesetzt. Am Ende „verlor“ Wakeboarden aber gegen Baseball/Softball, Karate, Skateboarden, Sportklettern und Surfen.

70 Wasserski- und Wakeboard-Anlagen gibt es in Deutschland. Sie funktionieren ähnlich wie ein Skilift. Allerdings geht es nicht darum, einen Sportler vom Tal auf den Berg zu bringen – sondern waagerecht übers Wasser zu ziehen. Über mehrere Masten ist ein starkes Seil gespannt, das von einem Motor in Bewegung gesetzt wird. Von diesem Hauptseil hängen einzelne Seile herab. Die Wasserskifahrer greifen danach, halten sich fest – und los geht’s. Dabei sausen die neoprengekleideten Sportler mit 30 Stundenkilometern über einen 760 Meter langen Parcours und passieren unterwegs eine Reihe von Hindernissen. Eine Runde dauert etwa 90 Sekunden.

Die deutschen Athletinnen und Athleten gehören seit Jahren zur Weltspitze und holten schon etliche WM- bzw. EM-Titel. Jetzt haben sie endlich auch ein eigenes landesweites offizielles Briefmarken-Motiv.

Bislang war in Deutschland Wasserskifahren nur von der „Nordkurier Logistik Brief + Paket“ 2011 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Wasserskiclubs Luzin in Feldberg/Mecklenburg-Vorpommern auf einer Briefmarke und einem FDC herausgebracht worden.

Die grafische Foto-Vorlage für die aktuelle Wakeboard-Briefmarke stammt von Andre Magarao (Foto unten), einem international bekannten und vielfach ausgezeichneten brasilianischen Sportfotografen, der schon über 600 Aufnahmen in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht hat.

Fallschirmspringen heißt heute „Swooping“ oder „Canopy Piloting“

Nichts scheint mehr so, wie es einmal war. Auch die gute alte Sportart Fallschirmspringen hat sich im Laufe der Jahre ganz schön gewandelt. Als die ersten und einzigen deutschen Briefmarken mit Fallschirmsprung-Motiven 1966 von der DDR-Post anlässlich der VIII. Weltmeisterschaften in Leipzig-Mockau veröffentlicht wurden, waren die Disziplinen noch übersichtlich.

Es gab den Einzel- und Gruppenzielsprung. Später kam noch das Figurenspringen hinzu. Heute untergliedert sich der Sport lt. Wikipedia in neun Wettkampfdisziplinen. Hinzu kommen noch sechs „klassische“ sowie sieben andere sportliche und militärische Sprungverfahren.

Auf der aktuellen Briefmarke „Für den Sport“ ist die vergleichsweise junge Disziplin Canopy Piloting abgebildet, die auch bei den diesjährigen World Games in Birmingham/USA vertreten sein wird. Beim Swooping (vom englischen to swoop – herabschießen) werden teilweise sehr kleine und agile Hochleistungsfallschirme durch eine Drehung beschleunigt. Diese Drehung beginnt in 200 bis 350 Metern Höhe. Der Fallschirmspringer erreicht dabei eine Vertikalgeschwindigkeit von 120 km/h und mehr. Die so aufgenommene Geschwindigkeit nimmt er dann in einen langen horizontalen Gleitflug, den „Swoop“, mit. Je nach Windstärke beträgt die Geschwindigkeit bis zu 150 km/h direkt über dem Boden.

Swooping wird oft über künstlichen Wasseroberflächen, sogenannten Ponds, ausgeführt. Dabei kann man das Wasser mit den Beinen und Füßen, aber auch den Händen berühren. In Deutschland gibt es nur noch einen so genannten Swooppond. Dieser befindet sich in Roitzschjora  bei Leipzig.

Für die aktuelle Briefmarke hat Grafiker Armin Lindauer ein Foto verwendet, das von Dietmar Schabhüttl stammt. Der Stabswachtmeister des österreichischen Bundesheeres hat es anlässlich der 44. Militärweltmeisterschaft im Fallschirmspringen 2020 auf dem Flugfeld Punitz/Österreich „geschossen“.

(Autor: KJA)

„Wo laufen sie denn..?“ – Stempel- und Briefmarken-Galopp zum 200-jährigen Jubiläum

So etwas hören und sehen Sportphilatelisten gern. Der Deutsche Galopp-Verband frankiert seit Weihnachten seine Post mit ganz speziellen „Briefmarken Individuell“. Mit „Torquator Tasso“, „Acatenango“ und „Danedream“ zieren u.a. drei legendäre Vollblüter exklusiven Marken, die eine Sonderanfertigung anlässlich eines außergewöhnlichen Jubiläums sind. Der deutsche Galopprennsport wird in diesem Jahr 200 Jahre alt. Und passend zu den „Briefmarken Individuell“, gibt es ab 10. April noch einen ganz speziellen offiziellen Stempel mit Post-Eigenwerbung und zusätzliche Sonderpostkarten dazu.

Gestempelt wird nicht nur in der Sonderstempelstelle Weiden, sondern es gab diesen Sonderstempel auch am 10. April 2022 direkt auf der Galopprennbahn Düsseldorf, wo der offizielle Auftakt für die 200-Jahr-Feierlichkeiten stattfand. „Die Besucher hatten die Möglichkeit, eine Postkarte am Stand der Deutschen Post zu schreiben und diese dort mit dem Sonderstempel „200 Jahre Deutscher Galaopp“ abstempeln zu lassen“, sagte Daniel Krüger, Geschäftsführer von Deutscher Galopp. „Hierfür haben wir in Zusammenarbeit mit der Post sieben unterschiedliche Postkarten produziert, die allen Interessierten zur Verfügung gestellt werden. Des weiteren gibt es ein Set von vier Briefmarken, welches für 10 Euro erworben werden kann“, so Krüger weiter. Die gesamten Einnahmen aus dem Verkauf dieser Briefmarken werden von der Post verdoppelt und anschließend wird der Erlös dem Hilfsprojekt „We help each other“, einer Initiative der Deutschen Post und der DHL Group, gemeinsam an die Ukraine gespendet.

Der „Briefmarken-Star“ ist dabei auf alle Fälle „Torquator Tasso“, der in Düsseldorf erneut zum „Galopper des Jahres“ gewählt wurde. Im vergangenen Oktober hatte der Hengst die 100. Auflage des berühmtesten Galopprennens der Welt gewonnen, den Prix de l´ Arc de Triomphe in Paris. Ein Sieg in der französischen Hauptstadt ist so etwas wie die „inoffizielle Weltmeisterschaft der Vollblüter“

Deshalb war auch Torquator Tasso mit Jockey René Piechulek das erste Markenmotiv des Deutschen Galopp-Verbandes zum 200-jährigen Jubiläum. Der 34jährige Piechulek, der aus Dessau stammt, reitet seit 2007 Rennen in Deutschland und hat schon über 450 Siege auf seinem Konto. „Wir feiern ein einzigartiges Jubiläum. Über das gesamte Jahr wird es für Interessierte, Aktive, Freunde und Fans des Galoppsports Feiern und Partys auf den deutschen Galopprennbahnen geben. Den Höhepunkt werden die Feierlichkeiten Mitte August rund um die Rennbahn Berlin-Hoppegarten erreichen“, so Dr. Michael Vesper, Präsident Deutscher Galopp e.V.  unlängst auf der Jahrespressekonferenz des Vereins in Düsseldorf.

Nach zwei, von der Corona-Pandemie stark geprägten Jahren mit vielen Verboten und Einschränkungen, kommt der Galopprennsport in Deutschland rechtzeitig zu seinem 200-jährigen Jubiläum wieder in Schwung. Für das laufende Jahr sind aktuell 136 Renntage geplant. Das sind 24 mehr als im vergangenen Jahr. Mit insgesamt 12,4 Millionen Euro werden 2022 deutlich mehr Rennpreise als im Jahr 2021 (10,2 Millionen Euro) ausgeschüttet. Allein das 153. Deutsche Derby, das am 3. Juli ausgetragen wird, ist mit 650.000 Euro dotiert.

Für „Torquator Tasso“, benannt nach Goethes Schauspiel über den italienischen Dichter des 16. Jahrhunderts Torquato Tasso – wegen eines Übermittlungsfehlers bei der Namenseintragung hatte sich im Pferdenamen ein „r“ zu viel eingeschlichen – wird das Jahr 2022 seine Abschiedstour.  In Deutschland wird er am 29. Mai in Iffezheim und am 2. Juli in Hamburg zu sehen sein.

Dieser Maschinenstempel dokumentiert die Rennwoche vor 100 Jahren im August 1922 auf dem Rennplatz Iffezheim bei Baden-Baden, auf dem seit 1858 Rennen ausgetragen werden.

Internationaler Höhepunkt wird sicher zum Abschluss am 3. Oktober noch einmal der Prix de l´Arc in Paris sein. Danach geht das bald fünfjährige Ausnahmepferd in die Zucht. Schade, dass der Hengst im Jubiläumsjahr nicht in Bad Doberan starten kann, wo auf der Ostsee-Rennbahn zwischen Heiligendamm und Doberan vor 200 Jahren alles begonnen hatte. Zwar gibt es die Rennbahn noch, seit August 2019 wird dort aber leider aus defizitären Gründen nicht mehr galoppiert. Die erste europäische Bahn nun extra wegen des Jubiläums herzurichten, wäre zu teuer geworden.

Am 10. August 1822 fanden auf der Bad Doberaner Rennbahn die ersten Galopprennen mit Vollblütern in Deutschland statt. 26 Jahre, bevor mit dem ersten Turntag der Deutsche Turnerbund gegründet wurde. Damit ist der Galopprennsport die älteste organisierte Sportart in Deutschland. Das erste Sieger-Pferd hieß Pamina. Ziel der Rennen war damals die Zuchtverbesserung der Rasse „Englisches Vollblut“. Daran hat sich bis heute nichts geändert, denn auch 200 Jahre später hat der Dachverband Deutscher Galopp als oberstes Ziel festgeschrieben: Zuchtauswahl und Zuchtverbesserung durch Leistungsprüfungen – so wie es der staatliche Auftrag des Tierzuchtgesetzes vorsieht und wie es die Rennen in Doberan vormachten. 

Gedenkpostkarte des Briefmarkensammlervereins Bad Doberan. 1991 gründete sich der „Doberaner Rennverein e.V. von 1822“ neu und veranstaltete am 7. August 1993 anlässlich der 200-Jahr-Feier Heiligendamms erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder ein Galopprennen mit Vollblutpferden.

In Sachen Rennsport waren die Deutschen damals „Nachzügler“. Bereits zweihundert Jahre vor der Doberaner Premiere wurde am 18. März 1622 im englischen Newmarket das erste offizielle Pferderennen der Welt ausgetragen. Ein Lord Salisbury trat im Duell gegen einen Marquis von Buckingham an. Die Zuschauer ritten damals noch hinterher. In Bad Doberan erhielt Züchter Wilhelm von Biel 1822 für den Sieg seiner Pamina einen Silberbecher. Als Torquator Tasso im Vorjahr in Paris als erst viertes deutsches Pferd für seinen spektakulären Sieg sorgte, wurden danach 2,857 Millionen Euro Preisgeld an die deutschen Besitzer in Ostwestfalen überwiesen!

In Deutschland gab es in den zurückliegenden Jahrzehnten schon etliche Briefmarken mit pferdesportlichen Motiven, jedoch so viele der „vierbeinigen Sportstars“ wie jetzt zum 200-jährigen Galopp-Jubiläum wurden noch nie philatelistisch gewürdigt.

(Autor: KJA)

Sepp Herberger zum 125. Geburtstag – Wie aus Binsenweisheiten geflügelte Worte wurden

Vielleicht liegt es doch an den vielen Sprüchen, mit denen der begnadete Fußballpsychologe Sepp Herberger im Laufe seiner Dienstjahre als deutscher Reichs-und Bundestrainer auch in die Geschichte eingegangen ist. „Der Ball ist rund“, hat er gesagt, oder „Der nächste Gegner ist immer der schwerste“ und „Ein Spiel dauert 90 Minuten“. Der Spruch „Elf Freunde müsst ihr sein“ wurde ebenso von Herberger geprägt wie „Das Runde muss ins Eckige“ und „Abseits ist dann, wenn der Schiedsrichter pfeift“.

Weisheiten, für die man heutzutage als Reporter ganz schön was ins Phrasenschwein einwerfen muss, wenn sie einem zufällig doch mal über die Lippen kommen. Es sei denn, man nennt den Erfinder. Und da sind wir, auch rein philatelistisch gesehen, wieder beim „Chef“, wie ihn seine Spieler einst respektvoll nannten. Der „Trainer-Held von Bern“ hat es in Deutschland, dank der Post, nun schon zum zweiten Mal auf eine Sonderbriefmarke geschafft. Ganz nach dem Motto „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ wurde nach der Würdigung zum 100. Geburtstag im Jahr 1997 nun auch zum 125. Jahrestag eine Extra-Briefmarke aufgelegt. Und wenn der Sepp nicht wieder aufersteht, gibt es garantiert zum 150. Geburtstag im Jahr 2047 wieder etwas zum Aufkleben – vorausgesetzt es werden dann noch Briefe mit der Post versendet.

Die Herberger-Briefmarke zum 125. Geburtstag, die vom Bonner Grafiker Thomas Steinacker (Motiv: © TandemBranding/shutterstock.com) gestaltet wurde, kommt als erstes Sportmotiv des Jahres 2022 am 1. März an die Postschalter. Dazu gibt es die entsprechenden Sonderstempel, FDC, einen Numisbrief und ein Markenheftchen.                                                                                                      

Als Arme-Leute-Kind einer achtköpfigen Familie, das mit 12 Jahren den Vater verlor, war Sepp Herberger am 28. März 1897 in Mannheim geboren worden. Aufgewachsen im Arbeiterviertel Waldhof, verdiente er sein erstes Geld in einer Mechaniker-Werkstatt und später bei einer Bank. Doch sein Lebensziel, den Fußball, verlor er nie aus den Augen. Obwohl die Eltern nicht gerade hellauf begeistert waren, allein wegen der vielen teuren Schuhe, die beim Bolzen draufgingen, drehte sich bei ihm alles um das runde Leder. Schon mit 17 spielte er in der ersten Mannschaft des SV Waldhof Mannheim, wo er als Halb- oder Mittelstürmer, als sensibler Techniker, knochenharter Kämpfer und konditionsstarker Renner auffiel und sich wegen seiner unglaublichen Vielseitigkeit für die Nationalmannschaft empfahl.

Mit dieser debütierte Sepp Herberger im September 1921 beim 3:3 gegen Finnland gleich mit zwei Toren. Doch aus der ganz großen Karriere wurde nichts. Kurz nach seinem ersten Länderspiel wurde Herberger wegen eines Verstoßes gegen die strengen Amateurregeln lebenslang gesperrt. Er hatte bei einem Vereinswechsel zu Phönix Mannheim ein Handgeld in Höhe von Zehntausend Mark angenommen, es aber bereits nach einer Woche wieder zurückgezahlt, weil der Verein seine Zusage nach einer Trainerausbildung nicht eingehalten hatte. Stattdessen ging er zum VfR Mannheim. Phönix war darüber verärgert und zeigte ihn und sich selbst beim Verband an.  Gegen die Strafe legte Herberger Berufung ein, woraufhin die Sperre im März 1922 auf ein Jahr reduziert wurde, so dass er bereits im Herbst 1922 wieder in der Aufstellung des VfR Mannheim stand.

Dort übernahm Herberger bald die Spielregie und wurde zur dominierenden Persönlichkeit der Mannschaft. Der Höhepunkt seiner vier Jahre beim VfR war 1925 der Gewinn der süddeutschen Meisterschaft.  Herberger erzielte in den acht Endrundenspielen acht Tore, darunter den entscheidenden Treffer zum 1:0-Sieg gegen den amtierenden deutschen Meister 1. FC Nürnberg.   In der Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1925 scheiterte der VfR jedoch frühzeitig, während der FCN seinen Vorjahrstitel verteidigen konnte.

Im Sommer 1926 verließ Herberger den VfR Mannheim in Richtung Berlin zu Tennis Borussia, kurz nachdem er das letzte seiner 40 Auswahlspiele für Süddeutschland absolviert hatte. Während der Saison 1924/25 war Herberger auch zu zwei weiteren Einsätzen für die Nationalmannschaft nominiert worden. Bei der Begegnung gegen Italien im November 1924, die 0:1 verloren ging, brach er sich den Arm, vier Monate später erfolgte die dritte Berufung im Spiel gegen die Niederlande.

Im Sommer 1930 beendete Sepp Herberger schließlich seine Laufbahn als Spieler. Der 33-jährige hatte sein Studium als „Diplom Turn- und Sportlehrer“ abgeschlossen und wollte nun als Trainer arbeiten. Nach seinem letzten Pflichtspiel, der 1:4-Niederlage in der Endrunde der deutschen Meisterschaft gegen die SpVgg Fürth, hatte die „Fußballwoche“ kommentiert:

Und noch eine Säule der Tennis-Mannschaft schwankte gehörig. Eine, die allerdings auch schon etwas altersschwach geworden ist, soweit es sich um das Bestreiten großer Fußballkämpfe handelt: Herberger.

Die Mannheimer „Berufsspieler-Affäre“, die ihn bis zum Schluss seiner Spieler-Karriere begleitete, wurde in der öffentlichen Darstellung Herbergers, wie es in einer DFB-Biografie heißt, lange Zeit genauso „diskret umdribbelt“ wie sein Verhältnis und seine Einstellung gegenüber den nationalsozialistischen Machthabern. Denn schon am 1. Mai 1933, gut drei Jahre vor seiner „Berufung“ zum Reichstrainer, wurde der ehrgeizige Herberger als Mitglied Nummer 2208548 in die NSDAP eingeschrieben – damals weder gedrängt noch genötigt. Sicher war er alles andere als ein glühender Anhänger des Nazi-Regimes, jedoch ein oppositioneller Verweigerer war er wohl auch nicht gewesen. 1946 wurde er im Entnazifizierungsverfahren von der Spruchkammer Weinheim als „Mitläufer“ bezeichnet und zu einer Geldstrafe verurteilt.

Der DFB allerdings sah keinen Anlass, seinen Cheftrainer deshalb in Frage zu stellen. Herberger war und blieb an der Spitze des Lehrstabs und baute Zug um Zug eine Nationalmannschaft auf, die sich im November 1950 beim 1:0 gegen die Schweiz im überfüllten Stuttgarter Neckarstadion zum ersten Mal wieder präsentierte und vier Jahre danach in Bern das Fußball-Wunder vollbrachte. Mit Herberger, dem Denker und mit Fritz Walter, dem Lenker. Das gute Verhältnis der beiden bewährte sich auch in den nachfolgenden, weniger glanzvollen Jahren nach dem WM-Titel-Gewinn.

1958 führte Herberger die DFB-Elite bei der Weltmeisterschaft in Schweden lediglich auf den vierten Platz, 1962 wurde das Viertelfinale von Chile bereits zur Endstation Sehnsucht. Zwei Jahre danach verabschiedete sich Sepp Herberger am 7. Juni 1964 in Helsinki beim 4:1 gegen Finnland von einem Amt, das er seinem Musterschüler Fritz Walter wohl weit lieber übereignet hätte als dem Dresdener Helmut Schön, seinem Nachfolger.

Der Kreis hatte sich geschlossen: In Finnland hatte der Mannheimer Waldhof-Spieler Sepp Herberger am 18. September 1921 sein erstes Länderspiel bestritten und seine beiden ersten Länderspieltore geschossen, 43 Jahre später trat er dort mit 67 Jahren als Bundestrainer ab. Seine Trainer-Bilanz von 1936 bis 1964: 92 Siege, 26 Unentschieden und 44 Niederlagen.

Sepp Herberger ist am 28. April 1977 im Alter von 80 Jahren an den Folgen eines Herzanfalls gestorben. Nur wenige Stunden nach dem letzten Fußballspiel, das er gesehen hatte. Es war das 5:0 zwischen Deutschland und Nordirland in Köln.

Zum Angedenken und in seinem Sinne gründete der Deutsche Fußball-Bund die Sepp-Herberger-Stiftung, zu deren Zielen gehört, sich um die Resozialisierung von Strafgefangenen und in Not geratene Fußballer zu kümmern sowie den Nachwuchs in Schulen und Vereinen zu fördern. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe verewigte ihn anlässlich seiner Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports auf einer „Briefmarke Individuell“.

(Autor: KJA)

Quellen: DFB; Wikipedia, Deutsche Post)

Novak Đoković – Serbiens Tennisstar und Nationalheld (Vorschau mit Nachtrag!)

Das erste große und auch international stark beachtete Sportereignis des neuen Jahres findet in Down Under statt – die 110. Australian Open in Melbourne. Noch ist nicht hundertprozentig klar, ob der Weltranglistenerste Novak Đoković dabei sein wird. Die Organisatoren haben den Serben, der schon neunmal in Melbourne erfolgreich war, inzwischen aber als Teilnehmer des Turniers bestätigt. Und dies, obwohl Đoković bis jetzt seinen Corona-Impfstatus offengelassen hat. In australischen Medien wird daher spekuliert, dass Đoković eine Ausnahmegenehmigung für die Einreise nach Australien beantragen könnte, um beim ersten Grand Slam des neuen Jahres vom 17. bis 30.Januar doch noch seinen Titel verteidigen zu können. Um dabei zu sein, muss jeder Spieler und jede Spielerin vollständig gegen COVID-19 geimpft sein.

Ohne Đoković hätte zwar die Konkurrenz um Federer, Nadal oder Zverev größere Siegchancen, dem Turnier würde aber der Glanz fehlen. Denn Novak Đoković ist derzeit der größte und beste Tennisspieler aller Zeiten.

Das erkennt auch der deutsche Olympiasieger und ATP-Weltmeister von 2021 Alexander Zverev (siehe Beitrag „Spiel, Satz, Sieg und Gratulation…) neidlos an. Der frischgekürte deutsche Sportler des Jahres 2021 , der sowohl in Tokio als auch in Turin den Serben zweimal vorzeitig aus dem Turnier werfen konnte, sagte in einem Beitrag der Tennis World vom 17.Dezember: „Ich weiß, dass viele Tennisfans mehr für Roger (Federer) oder Rafa (Nadal) sind, aber gegen die Statistik kann man nicht argumentieren. Novak hat mit Roger und Rafa die meisten Grand Slams gewonnen. Er war die meisten Wochen die Nummer eins der Welt und hat die meisten Jahre als Nummer Eins beendet, Novak hat die meisten Masters-Titel gewonnen und noch viel mehr,“ so Zverev.  „Man kann nicht immer gegen die Zahlen gehen und sagen, dass Roger oder Rafa besser sind, weil wir alle von klein auf Fans von ihnen waren. Manchmal muss man die Dinge realistisch betrachten und Novaks Rekorde sind einfach eine Tatsache“!

In Serbien ist Novak Đoković inzwischen nicht nur der beste Sportler aller Zeiten, sondern auch so etwas wie ein National-Held. Das weiß auch die Post zu würdigen, die am 16.Dezember 2021 der Tennis-Legende und aktuellen Nummer Eins der Weltrangliste ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk machte.

„Die Post als nationale Institution würdigt und dankt Novak Đoković damit für seine sportlichen Leistungen und alles, „was er mit seiner öffentlichen und humanitären Arbeit zum Wohle der Bürger unseres Landes und seines Rufs in der Welt tut“, so Zoran Đorđević, amtierender Direktor der Post Serbien bei der Marken-Vorstellung.

Đoković reagierte prompt auf Twitter und auf seiner Webseite: „Es ist mir eine Ehre, meine eigene serbische Briefmarke zu erhalten. Vielen Dank an mein großzügiges Land für dieses seltene Geschenk. Ich bin überwältigt!“. Seine Stifung, die „Novak Djokovic Foundation“, wird künftig mit der serbischen Post zusammenarbeiten, um jedem Kind die Möglichkeit zu geben, die Vorschule zu besuchen. Ein weiteres Herzensprojekt für seine Heimat. Bislang hat der 34-jährige mit seiner Stiftung dafür gesorgt, dass in Serbien 48 Kindergärten wieder aufgebaut und zusätzlich 2200 Lehrerstellen finanziert werden konnten.

Auf den zwei Briefmarken des Zusammendrucks, die von Boban Savic grafisch gestaltet worden sind, ist Đoković in Aktion auf dem Tennisplatz zu sehen. Auf den Randstreifen sind seine langjährigen Erfolge dokumentiert. Und diese Fakten sind schon überwältigend:

350 Wochen an der Spitze der ATP-Weltrangliste, davon siebenmal als Nummer 1 am Ende des Kalenderjahres. Bisher hat er insgesamt 20 Grand-Slam-Titel und 37 Masters-Turniere gewonnen sowie 86 ATP-Einzelsiege geholt. Er ist der Einzige, der es geschafft hat, jeden Grand Slam mindestens zweimal zu gewinnen – die Australian Open (9), Roland Garros (2), Wimbledon (6) und die US Open (3).

Nach Don Budge (1938) und Rod Laver (1962) ist Đoković der dritte Spieler der Geschichte, der bei allen vier Grand-Slam-Turnieren in Folge siegreich war. Er gewann die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Peking, den Davis Cup, den ATP Cup und wurde viermal als bester Athlet der Welt ausgezeichnet. Als erster Tennis-Spieler überhaupt erreichte Đoković zudem die magischen Marken von 100 bzw. 150 Millionen US-Dollar an gewonnenen Turnierpreisgeldern.

Und auf serbischen Briefmarken war er auch schon abgebildet worden (2008 und 2011), wenngleich noch nicht so herausgehoben, wie mit der aktuellen Marken-Ausgabe im Dezember 2021.

Und fast hätte es Đoković in seiner Karriere auch schon auf eine Banknote Serbiens geschafft. Offizielle Überlegungen und Entwürfe seiner Fans zu einem 2000- Dinar-Geldschein gab es bereits.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden…!

NACHTRAG:

Als ich am 23.Dezember vergangenen Jahres diesen Beitrag auf die Web-Seite stellte, waren die dramatischen Entwicklungen im Fall Đoković , die inzwischen allen Lesern hinlänglich bekannt sein dürften, noch nicht abzusehen. Nach tagelangem politischen und juristischen Einreise-Hickhack war der gegen Covid-19 ungeimpfte Tennis-Weltranglisten-Erste am 16. Januar 2022 offiziell aus Australien ausgewiesen worden. Die Australian Open in Melbourne finden diesmal ohne ihn statt!

(Autor: KJA)

Spiel, Satz, Sieg und Gratulation an Alexander Zwerev und Nadja Comaneci

Über einige sportphilatelistische Besonderheiten des zu Ende gehenden Jahres 2021 und der damit verbundenen „Briefmarken-Geschichten“ habe ich hier an dieser Stelle schon geschrieben. Eine der letzten Sportbriefmarken des Jahres gab die italienische Post am 29. Oktober heraus. Die Briefmarke aus der thematischen Serie „Lo Sport“ feierte den ganz großen Tennissport in Turin, wo vom 14.- 21.November 2021 zum ersten Mal in Italien die Nitto ATP Finals, von vielen Experten auch als inoffizielle Tennis-Weltmeisterschaft bezeichnet, ausgetragen wurden. Die Marke zeigt u.a. die Skyline der piemontesischen Landeshauptstadt mit ihren wichtigsten Denkmälern im Scherenschnitt.

„Die ATP , betonte Turins Bürgermeister Stefano Lo Russo bei der Markenpräsentation, sind ein wichtiges Erbe, das wir von der vorherigen Regierung dankbar erhalten haben und das wir weiterhin an die Berufung der Stadt für internationale Veranstaltungen geglaubt haben. Turin wird zeigen, dass es in der Lage ist, internationale Großveranstaltungen zu organisieren und eine Stadt sein kann, die das große olympische Erbe wiederherstellt“. 2006 waren Turin und das Piemont Ausrichter der XX. Olympischen Winterspiele gewesen.

„Es ist ein außergewöhnliches Ereignis, ein historisches Turnier von globaler Bedeutung, dass traditionell die Wettbewerbssaison mit dem Aufeinandertreffen der besten acht Einzel- und acht Doppelspieler abschließt“, schrieb Chiara Appendino, Vizepräsidentin des italienischen Tennisverbandes. Die Ausgabe einer Ad-hoc-Briefmarke repräsentiert… „die Stärke und Glaubwürdigkeit der Organisation sowie der Tennis- und allgemeinen Sportbewegung Italiens“. Denn die Olympischen Winterspiele 2026 und die Winter-Paralympics werden im italienischen Mailand und Cortina d´ Ampezzo stattfinden. Auch Turin war zunächst ein weiteres Mal als Austragungsort im Gespräch, zog sich aber von der offiziellen CONI-Bewerbung zurück, weil die Stadt nicht mit den beiden anderen Städten kooperieren wollte.

Tennis-Spektakel mit deutschem Sieg

Das ATP-Finale in Turin war am Ende auch eine Sternstunde des Deutschen Alexander Zwerev, der sich nach seinem Finalsieg gegen den Russen Daniil Medwedew nach 2018 zum zweiten Mal in seiner noch jungen Karriere die Trophäe bei den Tennis-Männern sichern konnte. Damit ging für den fast Zwei-Meter-Mann ein überaus erfolgreiches Jahr zu Ende. In Tokio war er bereits zuvor Olympiasieger geworden.

„Die olympische Goldmedaille wird immer über allem stehen“, ordnete der 24-jährige Hamburger in einem Interview ein: „Aber natürlich ist das bei der ATP-Tour der größte Titel, den man gewinnen kann. Das ist die Weltmeisterschaft. Ich kann mich selbst Weltmeister nennen. Das ist schon ein Wahnsinnsgefühl!“ Mit insgesamt 19 Turniersiegen steht Zwerev in der deutschen „Rangliste“ schon jetzt auf Platz Zwei hinter Tennis-Legende Boris Becker, der es immerhin auf 49 Siege gebracht hatte. Aber wer weiß… Seine bisherigen Erfolge sorgten zumindest auch schon für sportphilatelistische Aufmerksamkeit.  Alexander Zwerev hat es bereits auf zwei internationale Briefmarkenausgaben geschafft.

Glückwünsche für Nadja Comaneci

Während Alexander Zwerev vermutlich aber noch sehr lange warten muss, ehe er vielleicht einmal auf eine offizielle deutsche Briefmarke kommt, gelingt dies einer ehemaligen rumänischen Turnerin immer wieder. Im Gegensatz zu den deutschen Gepflogenheiten, muss dort ein Sportidol noch nicht das Zeitliche gesegnet haben, um postalisch gewürdigt zu werden. „Happy Birthday, Nadia!”.  Romfilatelia gratulierte am 12. November mit dieser Ausgabe der mehrfachen Turn-Olympiasiegerin und Weltmeisterin Nadia Comaneci zum 60. Geburtstag.

Die Ausgabe besteht aus einer Briefmarke mit dem Nennwert von Lei 9, einem ungezähmten Block mit dem Nennwert von Lei 31,50 und einem Ersttagsbrief. Auf der Briefmarke des Blocks ist eine Sequenz aus einer Balkenübung von Nadia Comaneci abgebildet und auf dem Ersttagsbrief sind illustrierte Briefmarken und Blocks zu sehen, die der berühmten Sportlerin im Laufe der Zeit in Rumänien gewidmet worden sind.

Dieses philatelistische Projekt ist, wie es in der offiziellen Pressemitteilung der rumänischen Post heißt, „eine Gelegenheit für alle, die Nadia Comaneci lieben, die Aufregung der Olympischen Sommerspiele 1976 in Montreal noch einmal zu erleben, als ein Mädchen aus Moldawien zum internationalen Star wurde…“Die „Göttin von Montreal“ gilt als eine der besten Sportlerinnen des 20. Jahrhunderts. 1993 wurde sie in die International Gymnastics Hall of Fame aufgenommen. Bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal und 1980 in Moskau gewann sie insgesamt fünf Gold-, drei Silber- und eine Bronzemedaille. Zweimal wurde sie Weltmeisterin, neunmal Europameisterin. In Montreal erhielt sie am 18. Juli 1976 im Alter von 14 Jahren als erste Turnerin überhaupt eine 10,0 am Stufenbarren. Dies war auch das erste Mal, dass eine perfekte 10 im Turnen erreicht wurde. Die Note wurde auf der Anzeigetafel aber nur als 1,00 angezeigt, weil die Tafeln damals eine zweistellige Note nicht darstellen konnten: Die Höchstnote 10,0 galt bis dahin als unerreichbar. 

Für Rumänien und die Rumänen überall auf der Welt gehört Nadia, die seit 1996 mit dem US-amerikanischen Barren-Olympiasieger von 1984 Bart Conner verheiratet ist und in den USA lebt, nach wie vor zum nationalen Erbe. Weitere Briefmarken-Motive dürften folgen!

(Autor: KJA)

100 Jahre Deutscher Tanzsportverband – langer „Tanz“ um die olympischen Ringe 

Dass Tanzen etwas mit Sport zu tun hat, das wissen vor allem wir Männer zur Genüge – egal ob wir Muffel oder Eintänzer sind. Jeder von uns hat da wohl seine eigenen und schweißtriefenden Erfahrungen. Trotzdem hat es bis 1965 gedauert, ehe der DTV als ordentliches Mitglied in den Deutschen Sportbund aufgenommen wurde. Ende 2019 erfolgte dann die Anerkennung als olympischer Spitzenverband im DOSB. Vor allem dank der Disziplin „Breaking“ – auch Breakdance genannt -, die vom IOC neben Skateboarden, Sportklettern und Surfen mit Blick auf jüngere Zielgruppen in das Wettkampfprogramm der Olympischen Spiele 2024 in Paris aufgenommen worden ist. Das dies so lange dauerte, könnte vielleicht auch mit dem Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, Pierre de Coubertin, zu tun haben. Bereits 1914 erschien in der „Revue Olympique“ ein Zitat von ihm, mit dem er nicht nur seine Ablehnung der Olympischen Winterspiele begründete: „Vergeblich war Coubertins Philippika, in der er die Anhänger des Wintersports als Lobby der alpinen Hoteliers verdächtigte. Letztere denunzierte er „als die Strohmänner habgieriger Aktionäre“ und ihre Kundschaft als „laute und überall störende Vergnügungsreisende“, mit denen der T a n g o und die gefärbten Haare in die Berge kämen. „Drei Toiletten pro Tag als Minimum, das ist die Pflicht“, zeterte er.

So gesehen schlägt das letzte deutsche Sonderpostwertzeichen dieses Jahres mit sportlichem Motiv, das am 2. November 2021 zum 100 -jährigen Jubiläum des Deutschen Tanzsportverbandes erscheinen wird, schon grafisch einen Bogen von den standard- und lateinamerikanischen Tänzen bis hin zum Breakdance. Offiziell tragen die Briefmarken- und Stempelmotive, die von der Kölner Grafikerin Katrin Stangl entworfen worden sind, den etwas sperrigen Titel „Dynamische Tanzszene mit einer Vielfalt von Tänzerinnen und Tänzern“. Diese Briefmarke ist erst die dritte in Deutschland, die sich offiziell mit dem Thema Tanzsport befasst.

1983 war im Rahmen der Serie „Für den Sport“ von der Deutschen Bundespost Berlin eine 80+40 Pfennige Sondermarke anlässlich der Europameisterschaft in den lateinamerikanischen Tänzen an die Schalter gebracht worden. Die DDR-Post hatte zuvor 1977 auf der 35-Pfennig-Marke zum VI. Turn-und Sportfest und der VI. Kinder-und Jugendspartakiade in Leipzig für ihr einziges sportliches Tanzmotiv gesorgt.

Eine weitere Tanz-Sonderbriefmarke hat der private MZZ-Briefdienst veröffentlicht. 2018 würdigte man die 47. Deutschen Meisterschaften im karnevalistischen Tanzsport in Halle, eine Disziplin, die sich ebenfalls unter dem Dach des Deutschen Tanzsportverbandes befindet.

Eigentlich schon ein Jahr älter

Informell wurde der Verband bereits 1920 gegründet, aber erst am 4. November 1921 als Reichsverband für Tanzsport e. V. in das Berliner Vereinsregister eingetragen. Dieses Datum gilt seither als Geburtsstunde des Deutschen Tanzsportverbands, der seinen heutigen Namen 1961 erhielt.  Bereits um 1910 hatten sich in Deutschland Tanzclubs gebildet, die oftmals aber komplizierte Aufnahmeprüfungen abhielten. Man experimentierte mit Turnierformen, Wertungssystemen und Tänzen. In den Goldenen Zwanziger Jahren kristallisierte sich heraus, was seitdem als „Standard“ gilt: Eine festgeschriebene und lehrbare Art des Tanzens, die eine Musik mit bestimmten Taktzahlen voraussetzt. 1923 wurden erstmals „Allgemeine Turnierregeln“ veröffentlicht, 1925 trat die erste reichseinheitliche Turnierordnung in Kraft. 

In der DDR kam es noch vor der Wiedervereinigung zur Bildung eines Amateurtanzsportverbands, später wurden auch hier, wie in der Bundesrepublik schon seit 1955, Landestanzsportverbände gegründet. Der DTV zählt heute ca. 225-tausend Mitglieder, die in rund 2100 Vereinen den Tanzsport sowohl als Leistungs- als auch als Breiten-und Freizeitsport betreiben.  Der DTV bietet – wie andere olympische Sportverbände auch – neben der nun olympischen Sportart “Breaking” weitere Disziplinen an, die nicht im olympischen Programm enthalten sind. Seit Jahren ist der DTV auf den World Games vertreten, die seit 1981 im Vier-Jahres-Rhythmus stattfinden und den nichtolympischen Sportarten eine Plattform bieten. 

Breakdance – von der Jugendkultur zum Hochleistungssport

Deutschland und die Welt erlebten in den 1980-er Jahren die erste Breakdance-Welle, nachdem die beiden US-amerikanischen Filme „Flashdance“ und „Beat Street“ erfolgreich in den Kinos liefen. Die Gründerzeit von Breakdance fällt zusammen mit der Geburt der Hip-Hop-Kultur in den späten 1960-er und frühen 1970-er Jahren in New York. Um der Gewalt und den Straßengangs in den Armenvierteln zu entfliehen, trafen sich viele Jugendlichen in leerstehenden Häusern und machten einfach Party.

Die DJs spielten Funk- und Soulplatten und verlängerten dabei die Instrumental-Stellen oft durch das Scratching, das rhythmische hin-und her bewegen der Schallplatte. Auf diese „Breaks“ wurde gerappt oder getanzt. Die Tanzenden wurden von den DJs B-Girls oder B-Boys genannt, von Breakdance sprach da noch kaum jemand. Als Tanz-Unterlage dienten alte, ausgebreitete Kartons. Und mit der Zeit entwickelten sich einzelne Stile und Elemente.

Der United States Postal Service würdigte am 1.Juli 2020 „40 Jahre Hip-Hop“ mit vier Briefmarken, die die vier Säulen der Bewegung zeigen – Rapp, Breakdance, Graffiti Art und DJ-ing. Bei den Marken, die Fotografien von Cade Martin in der grafischen Gestaltung von Antonio Alcalá zeigen, handelt es sich um sogenannte „1“-Class Mail Forever Stamps. Man kauft sie zum Preis, der aktuell für „1“-Class Postsendungen gilt. Erhöht sich der Preis für diese, können die erworbenen Forever Stamps trotzdem dafür eingesetzt werden. Die US-Post hatte sich schon einmal, im Jahr 2000 anlässlich der 20-jährigen Geschichte, mit dem Thema Hip-Hop befasst und eine Briefmarke herausgebracht.

Die französische Post, die bereits am 11.10.2014 im Rahmen einer Tanz-Serie einen Breakdance-Block veröffentlicht hatte, schaut in ihrer diesjährigen „Sport -Couleur – Passion“-Ausgabe u.a. auch noch einmal auf die neue olympische Tanz-Disziplin.

Das Breakdance-Motiv wird bis zu den Spielen 2024 in Paris sicher noch von einigen anderen Postverwaltungen aufgelegt werden. 

Bemerkenswert: Zum Breakdance wurde auch eine eigene Schriftart kreiert. Die Buchstaben werden dabei durch entsprechende Tanzelemente ersetzt. 

Olympischer Aufwind und Zweifel

Bei den „Youth Olympic Games“ 2018 in Buenos Aires durfte „Breaking“ schon mal einen Testlauf machen. Das Bewertungssystem kam gut an, da es in enger Abstimmung mit der Breakdance-Szene entwickelt wurde. Im Eins-gegen-Eins-Battle entschied eine Jury, wer die nächste Runde erreicht.

Sportarten, die aus einer Jugendszene entstanden sind und plötzlich zum olympischen Programm gehören, müssen sich immer wieder mit ihrer Identität auseinandersetzen. Ähnlich wie beim Skaten oder Surfen müssen professionelle Strukturen geschaffen werden und zum Beispiel Trainingspläne erstellt werden. Keine Subkultur lässt sich von heute auf morgen in Strukturen pressen, wie sie zum Beispiel in anderen Sportarten schon seit Jahrzehnten existieren. 

Dieser Aufgabe hat sich in Deutschland der nunmehr 100-jährige Tanzsportverband verschrieben. Im vergangenen Jahr wurde das Kadersystem definiert und unter DTV-Bundestrainer Marco Baaden fanden entsprechende Sichtungen und Lehrgänge statt. Inzwischen haben die deutschen B-girls und B-boys etliche nationale und internationale Wettkämpfe bestritten. Trotz beachtlicher Leistungssteigerungen der jungen Breakdancer, die ganz großen Erfolge blieben bisher aus. Jedoch bis Paris 2024 bleibt noch genügend Zeit zum Trainieren der entsprechenden turnerischen und akrobatischen Tanz-Elemente.  

Blick in den Bolshoi Sports Palace im Olympiapark von Sotschi, wo im Juni 2021 die Europameisterschaften ausgetragen wurden. (Foto: MS)

(Autor: KJA)

(Quellen: Wikipedia; Friedrich Rößler RBB 20.12.20: „Breakdance wird 2024 olympisch“; DTV; DBZ 14/2020)

100 Jahre AVUS – Deutsche Jubiläumsbriefmarke mit tragischem Hintergrund

Noch immer ist es eine gute Quizfrage: „Wofür steht die Abkürzung AVUS?“. Berliner Autofahrer und Motorsportfreunde wissen es sicher ganz genau: Für „Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße“! 

Diese liegt im Südwesten der deutschen Hauptstadt und ist das nördlichste Teilstück der Autobahn A 115. Bei ihrer Eröffnung am 24. September 1921 war die AVUS die erste ausschließliche Autostraße der Welt. Die 8,3 Kilometer lange und gebührenpflichtige Strecke diente bis 1940 als Renn- und Teststrecke sowie dem nichtöffentlichen Verkehr. 

Die AVUS führte vom Berliner Funkturm, an dem sie einen Anschluss zum Berliner Stadtring  (A 100) hat, rund neun Kilometer geradeaus durch den Grunewald  bis nach Nikolassee. Auf der AVUS fanden jahrzehntelang bis zum April 1998 spektakuläre Rennsportveranstaltungen statt, zeitweise war sie die schnellste Rennstrecke überhaupt und ihre berüchtigte Nordkurve eines der Berliner Wahrzeichen.

Die Wettbewerbe waren stets Zuschauermagnete, etwa 1926 der erste Große Preis von Deutschland. Ebenso die Rekordfahrt Fritz von Opels in seinem Raketenwagen Opel RAK2, den er 1928 auf über 230 km/h beschleunigte, und die Autorennen der 1930er-Jahre, in denen die legendären Silberpfeile furiose Siege einfuhren.

Der Mythos AVUS hat auch immer wieder die Deutsche Post zu philatelistischen Erinnerungen und Leistungen angeregt. 1971 gab die Deutsche Bundespost Berlin am 27. August anlässlich des 50jährigen Bestehens der Rennstrecke einen Vierer-Block nebst FDC und Sonderstempel heraus.

Weitere 50 Jahre später ist der mittlerweile 100. Jahrestag der AVUS der Post erneut eine Emission wert, diesmal mit einer Sonderbriefmarke, die bereits am 1. Juli 2021 an die Postschalter kam. Die 155 Cent-Marke, vom Bonner Grafiker Thomas Steinacker gestaltet, zeigt eine Rennszene aus dem Jahr 1958. 

Vorbild für die Abbildung war ein Foto von GPL-Reporter Fred Taylor, das aus dem Angebot von „Alamy Stock Foto“ stammt. Mehr ist aus den offiziellen Angaben der Post nicht zu entnehmen. Im Begleittext werden auch nur die „Wikipedia“-üblichen Fakten zur AVUS beschrieben. Schade, denn das Foto und damit die aktuelle Briefmarke symbolisieren sehr anschaulich die Licht- und Schattenseiten dieser einstigen deutschen Motorsportrennstrecke. Im Mittelpunkt steht dabei der Fahrer des auf der Marke abgebildeten Rennwagens mit der Nummer 34 – Jean Behra – wie ich recherchieren konnte.

Der Franzose startete zwischen 1952 und 1959 in 52 Rennen um die Fahrer- bzw. Formel-1-Weltmeisterschaft. Neunmal kam er auf das Podest, konnte aber keines seiner WM-Rennen gewinnen. Bei Wettbewerben, die nicht zur WM zählten, wurde er dagegen mehrfach Sieger. 

So auch in Berlin, wo er am 21. September 1958 im Porsche RS mit der Nummer 34 den Großen Preis von Berlin vor dem Schweden Joakim Bonnier im Borgward mit der Nummer 31 für sich entscheiden konnte.

Das historische Foto zeigt das Nordkurven-Duell zwischen Behra und Bonnier am 21.9.1958 beim Großen Preis von Berlin. Auf der Rückseite wurde vom Besitzer handschriftlich ein Jahr später das Todesdatum von Behra nachgetragen

1959 verpflichtete ihn dann Ferrari. Nach einer Reihe von technischen Defekten beschimpfte und schlug Behra in einem Wutanfall Ferrari-Rennleiter Romolo Tavoni und wurde prompt entlassen.

Daraufhin versuchte er als Privatfahrer mit seinem Behra-Porsche weiterzumachen. Mit diesem Wagen wollte er unbedingt 1959 beim Großen Preis von Deutschland starten, der in jenem Jahr nicht wie gewohnt auf dem Nürburgring,  sondern erstmals  auf der AVUS ausgetragen werden sollte. 

Todesfahrt überschattet Großen Preis von Deutschland in Berlin 1959

Die Veranstalter vom Automobilklub von Deutschland (AvD) erhofften sich nicht nur mehr Zuschauer, sondern sie wollten auch aus politischen Gründen, Solidarität mit der immer stärker isolierten, aber noch nicht durch die Mauer getrennten ehemaligen deutschen Hauptstadt zeigen.  Der Westberliner Senat lockte zudem im Gegensatz zum Nürburgring mit einer 50tausend Mark Ausfallbürgschaft. Darüber hinaus bot er den Veranstaltern an, die von motorsportbegeisterten Ostberliner Zuschauern in DDR-Mark gezahlten Eintrittsgelder bis zu einer Höhe von 60-tausend Mark im Wechselkurs von 1 zu 1 umzutauschen. Zudem sparte der AvD auf dem nur 8,3 km langen AVUS-Hochgeschwindigkeitskurs erheblich an Startgeldern. Auf dem 22,8 km langen, kurvenreichen Nürburgring hätte das nach Berlin verpflichtete Teilnehmerfeld von 15 Rennwagen fast verdoppelt werden müssen, damit das Rennpublikum auf seine Kosten gekommen wäre. 

Bei so viel Entgegenkommen waren die Sicherheitsbedenken viele Fahrer gegenüber dem musealen Berliner Renn-Kurs schnell vom Tisch gewischt. Für den britischen Meisterfahrer Stirling Moss war die AVUS die schlechteste Rennstrecke der Welt. Der Franzose Maurice Trintignant verglich die nasse Nordkurve, die einen Winkel von 44,6 Grad hatte, sogar mit einer „Rutschbahn in den Himmel!“ Etliche Fahrer waren im Scheitelpunkt der Kurve schon herausgetragen und teilweise schwer verletzt worden. 

Am 1. August 1959, dem Samstag vor dem Grand Prix, erwischte es Jean Behra. Der französische Vorjahresgewinner des Großen Preises von Berlin kam in der regennassen Nordkurve bei einem Rahmenrennen mit seinem Porsche 718 ins Schleudern und kollidierte am oberen Rand der Kurve mit einem noch immer vorhandenen Betonfundament einer Flakstellung aus dem Zweiten Weltkrieg. 

Der 38jährige Behra wurde mit dem Kopf gegen einen Flaggenmast geschleudert und war auf der Stelle tot.Trotzdem wurde einen Tag später der Große Preis von Deutschland auf der AVUS in 80 Runden ausgefahren. Sieger wurde Tony Brooks im Ferrari. Wegen der tragischen Ereignisse am Vortag hatte wenigsten Porsche die Teilnahme von Wolfgang von Trips in diesem Formel-1-Grand-Prix zurückgezogen.

Kalter Krieg in Berlin – Suche nach Schuldigen

Das Presse-Echo war für die Veranstalter und die Westberliner Verantwortlichen nach dem Tod von Behra verheerend. Die „Bild“-Zeitung titelte: „Rennleitung versagt! Warum wurde das Rennen gestartet, so lange die Nordkurve schlüpfrig war, als läge Seife auf ihr?“ Die „Morgenpost“ wetterte: „Unverantwortlich!“ Der „Tagesspiegel“ befand, „dass die Rennleitung auch das Leben anderer Fahrer auf´s Spiel gesetzt habe“. Das Ostberliner „Neue Deutschland“ schrieb: „Die Hauptschuldigen…sind der Westberliner Senat, sind Brandt und Lemmer…Der französische Meisterfahrer Behra wurde ein Opfer ihrer Frontstadtpolitik!“ Das kommunistische Pariser Schwesterblatt „L Humanité“ verstieg sich sogar in die absonderliche These, dass der in einem braunen Eichensarg nach Frankreich überführte Rennfahrer der erste Franzose sei, der für Berlin sterben musste.

Für die AVUS war der tragische Tod von Jean Behra ein Desaster. Drei Jahre fanden keine Auto-Rennen mehr statt. 1967 wurde die überhöhte Nordkurve der AVUS abgetragen und durch eine flachere ersetzt. Nach dem Mauerfall 1989 und dem damit immer stärker werdenden Verkehr auf den Berliner Straßen nahte das endgültige Ende des Rennbetriebes auf der AVUS. 

Neben Jean Behra starben zwischen 1926 und 1995 insgesamt 11 Menschen auf der Berliner Rennstrecke – sieben weitere Rennfahrer und vier Streckenposten!

Die deutsche Sonderbriefmarke zum 100jährigen Bestehen der AVUS ist damit auch eine Hommage an einen Rennfahrer, der in Berlin sein Leben ließ – auch wenn der Deutschen Post dieser Fakt in ihrem Begleittext zur Markenveröffentlichung nicht einmal eine Erwähnung wert war!

AVUS-Neuanfang 2021 ohne Motorsport

Das letzte motorsportliche Rennen auf der AVUS fand 1989 statt. Danach verfiel zumindest die AVUS-Tribüne. 2017 kaufte der Berliner Unternehmer Hamid Djadda das marode Baudenkmal. Und was kaum Einer nach den unrühmlichen Berliner Erfahrungen mit dem Flughafen BER und dem Humboldt-Forum für möglich gehalten hätte: Zum 100jährigen AVUS-Jubiläum am 24. September 2021 wird die Tribüne in neuem Glanz erstrahlen – allerdings in ganz anderer Funktion. Der gebürtige Iraner Djadda hat die Räumlichkeiten denkmalgerecht saniert und komplett an den Fernsehsender Hauptstadt.TV vermietet. Zur Autobahn hin ist eine verglaste Kanzel mit 400 Quadratmetern entstanden. Die Fenster sind mit einer besonderen Glasschicht versehen, die sich den Lichtverhältnissen anpasst. Damit wird verhindert, dass Autofahrer von außen hereinschauen können und eventuell abgelenkt werden.

Die Deutsche Post engagiert sich nach Sonderbriefmarke und Ersttagsstempeln am 24. September vor Ort noch zusätzlich mit einem Post-Eigenwerbung-Stempel.

Und wer alle postalischen AVUS-Erinnerungen der vergangenen 100 Jahre auf einem Kuvert besitzen möchte, der sollte sich bei der Fa.Sieger um einen der 300 Luxusbriefe bemühen, die neben der aktuellen Jubiläumsmarke auch noch den Post-Berlin-Block von 1971 zum 50jährigen der Rennstrecke nebst passenden Stempeln tragen.

Ansonsten wird das AVUS-Jubiläum in Berlin kaum offiziell gefeiert. Das macht dafür eine Sonderausstellung im niedersächsischen Einbeck.

Unter dem Motto „Ein rasantes Jahrhundert“ lässt das dortige Erlebnismuseum „PS.Speicher“ die Geschichte der legendären Rennstrecke aus Berlin noch einmal aufleben. 

(Autor: KJA)

„Briefmarken-Schwemme“ dank japanischer Medaillenbilanz

Damit wird auch die japanische Post nicht gerechnet haben. 58 Medaillen holte der Gastgeber der Olympischen Spiele 2020(21) in Tokio. Platz Drei im Medaillenspiegel mit 27 Gold-, 14 Silber- und 17 Bronzemedaillen hinter den USA und China. So erfolgreich waren die Japaner noch nie bei Olympia! Das vorher festgelegte Ziel von lediglich 30 Medaillen war vom Nationalen Olympischen Komitee des Landes wegen der Corona-Pandemie kurz vor den Wettbewerben zurückgezogen worden. Umso erfreulicher die aktuellen Resultate. Die Post stand dennoch zu ihrer Aussage, für jeden japanischen Medaillengewinner unmittelbar nach den Spielen einen Extrabogen mit je fünf Briefmarken herauszugeben. 

Am 13. August 2021 kam nun ein Set mit 58 Bögen auf den Markt. Gesamtpreis 87.000 Yen – umgerechnet stolze 676.-Euro. Der einzelne Bogen kostet am Postschalter 1500 Yen (rund 12.-Euro). Viele Olympiaphilatelisten werden da wohl „abwinken“. Obwohl, die Anschaffung von einigen wenigen Bögen könnte schon reichen, um nicht nur den grandiosen Erfolg der Japaner bei den erstmals in der olympischen Geschichte um ein Jahr verschobenen Spielen zu dokumentieren, sondern auch, um besonders interessante Geschichten zu erzählen.

Geschwister-Gold 

Da wären z.B. die Judo-Geschwister Uta und Hifumi Abe, die Japan olympisches Doppel-Gold beschert haben (s.Titelfoto). Nicht ohne Grund ist deshalb die 21jährige Uta auf dem Titelumschlag des Sets abgebildet worden. Denn zum ersten Mal holten zwei Geschwister am selben Tag in einer Einzelsportart eine olympische Goldmedaille. Uta Abe bezwang im Halbleichtgewicht bis 52 Kilogramm die Französin Amandine Buchard in der Verlängerung durch Ippon (voller Punkt). 

Nur 31 Minuten später triumphierte ihr zwei Jahre älterer Bruder Hifumi im Halbleichtgewicht der Männer bis 66 Kilogramm gegen den Georgier Wascha Margwelaschwili durch Waza-ari (halber Punkt).

Die Abe-Geschwister gehörten damit zu den Stars in Japans Mannschaft. Schon bei den Weltmeisterschaften 2018 in Baku hatten beide am selben Tag den Titel gewonnen. „Ich hätte es nicht ohne meinen älteren Bruder bis hierherschaffen können. Ich weiß ja nicht mal, ob ich ohne ihn überhaupt Judo erlernt hätte“, so Uta Abe in einem Interview vor den Sommerspielen. Nun zieren beide Abes je einen Briefmarkenbogen. 

Sie sind aber nicht die einzigen Judoka. Insgesamt 12 Frauen und Männer holten für das Mutterland des Judosports neunmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze. Auch das war ein neuer olympischer Rekord. 

Skateboarden – ein Gewinn für Olympia

Auf das Set-Titelbild schaffte es neben Uta Abe auch Yuto Horigome, der ebenfalls olympische Geschichte geschrieben hat. Er wurde erster Olympiasieger im Skatboard Street der Männer, einer ganz neuen olympischen Sportart, mit der vor allem die jüngere Generation für Olympia begeistert werden soll. Horigome, der nur wenige Kilometer vom Austragungsort der Wettkämpfe entfernt geboren worden war, überzeugte vor allem mit spektakulären Einzeltricks über die Treppengeländer. 

Für seinen Backside 270 Railslide, den er zuvor nie in einem Finale probiert hatte, erhielt er 9,5 von 10 möglichen Punkten. Das reichte dem 22jährigen amtierenden Weltmeister zum Sieg.

Stolz auf Erfolge

Zu den Ausnahmeathleten zählt auch Yui Ohashi, die als erste japanische Schwimmerin zweifache Olympiasiegerin im selben Jahr wurde. 

Sie gewann in Tokio sowohl die 200 als auch die 400 Meter Lagen und wurde damit zum neuen Schwimmstar des Landes. Nach ihren Erfolgen fühlte sie sich „inspiriert und glücklich, etwas zur japanischen Medaillenflut beigetragen zu haben“, wie sie der Zeitung „Japan Times“ in einem Interview verriet.

Beißfreudiger Bürgermeister sorgt für Eklat

Dass die Freude über eine Goldmedaille auch schnell dahin sein kann, bekam die 20jährige Miu Goto aus dem siegreichen japanischen Softball-Team zu spüren. 

Dass Olympiasieger manchmal auf das eigene Edelmetall beißen, ist bekanntermaßen Tradition. Auch der Bürgermeister von Nagoya, Takashi Kawamura, wollte bei diesem Ritual mitmachen – und sorgte damit für einen handfesten Eklat.

Das sorgte in ganz Japan für einen Sturm der Entrüstung. Ironischerweise stand der Bürgermeister vor einem Hinweisschild, das auf die Corona-Regeln im Rathaus hinweist. Bei der Stadtverwaltung gingen mehr als 7000 Beschwerden ein – auch, weil der 72-Jährige sexistische Bemerkungen zu Miu Goto gemacht haben soll. Inzwischen hat sich der Bürgermeister öffentlich entschuldigt.

„Ich gebe zu, dass ich die Goldmedaille der Athletin beschmutzt habe, an der sie seit Jahren gearbeitet hat. Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen, dass sie und andere sich wegen mir unwohl gefühlt haben und dass ich für Ärger gesorgt habe“.  

Tage später bot Takashi Kawamura an, eine neue Medaille aus eigener Tasche zu bezahlen. Das Organisationskomitee der Olympischen Spiele in Tokio verkündete aber, die „angebissene“ Medaille von Miu Goto ersetzen zu lassen. 

(Autor: KJA)

Torwart-Parade in gelber Silhouette – Poste Italiane feiert Fußball-EM-Helden

Das italienisch-englische Post-Duell, dass ich hier auf diesem Blog anlässlich der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft schon ausführlich beschrieben habe, geht in die entscheidende Phase.

Wie von mir prophezeit, hat die Poste Italiane nur kurze Zeit benötigt, um die Europameister-Helden mit der entsprechenden Sieger-Briefmarke zu ehren.  Im Mittelpunkt steht dabei ein Torhüter.

„Ich wollte die WM und die EM im Trikot von Italien gewinnen. Davon träumt jedes Kind.“ Ein Teil dieses kindlichen Traums ist für Gian Luigi Donnarumma nun in Erfüllung gegangen. Der 22-jährige Torwart wurde im EM-Finale gegen England zum Helden von Wembley. Mit seinen 1,96 Metern Körpergröße und seiner Abgeklärtheit war er der Fels in der Brandung und damit der Garant, dass sich die Squadra Azzurra nach dem WM-Sieg von 2006 wieder einen Titel sichern konnte.

Die italienische Mannschaft hatte England im EM-Finale am 11. Juli 2021 nach Verlängerung und Elfmeterschießen mit 4:3 besiegt. Donnarumma hielt zwar den entscheidenden Elfer des Engländers Bukayo Saka, ahnte aber zu diesem Zeitpunkt nichts von der großen Bedeutung seiner Tat. Das räumte er im Anschluss an die EM im Gespräch mit der italienischen Zeitung Gazzetta ein. „Ich habe nicht gleich gejubelt, weil ich es nicht verstanden habe“, zitiert ihn die Zeitung. Er sei in Gedanken schon überzeugt gewesen, die Italiener hätten das Spiel in letzter Sekunde verloren gegeben, erklärte Donnarumma. „Ich schaute den Schiedsrichter an, um zu sehen, ob alles in Ordnung war, und als ich die Teamkollegen kommen sah, verstand ich nichts mehr.“ 

Und der Traum ging weiter. Als erster Torhüter der EM-Geschichte ist er als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet worden. Nur vier Gegentore hatte er kassiert. Beim Halbfinalerfolg gegen Spanien konnte er schon den entscheidenden Elfmeter im Duell vom Punkt parieren.

Kein Wunder, dass ihm die italienische Post, einer der Hauptsponsoren der Fußballnationalmannschaft, nun ein „Briefmarken-Denkmal“ gesetzt hat. Am 6. August 2021 erschien in einer Auflage von einer halben Million die Europameister-Sondermarke. Sie zeigt die Silhouette eines Torhüters mit imposanter Parade. Da auch in Italien, wie in vielen anderen Ländern, keine noch lebenden Persönlichkeiten (außer dem Papst) auf Briefmarken dargestellt werden dürfen, wurde die Silhouette neutral in Gelb gehalten – der Trikotfarbe von Donnarumma im Finale gegen England. Nicht nur jedes Kind in Italien weiß, dass sich dahinter Donnarumma beim gehaltenen Elfmeter von Saka verbirgt! 

Donnarumma ist nicht nur mit dieser Parade weltberühmt geworden. Maßgeblich war er daran beteiligt, dass Italien den Uraltrekord von Torhüter-Legende Dino Zoff, der zwischen 1972 und 1974 insgesamt 1.142 Minuten ohne Gegentreffer geblieben war, auf 1.169 Minuten ausbauen konnte.  Beim EM-Triumph absolvierte Donnarumma, den sie nur „Gigio“ nennen, erst sein 33. Länderspiel für die Azzurri und hatte dabei mit 719 Einsatzminuten die meisten aller Akteure bei dieser EM.  Das einstige Torwart-Wunderkind unterschrieb schon mit 14 Jahren seinen ersten Profivertrag beim AC Mailand. Da sein Vertrag jetzt zum Saisonende ausgelaufen war, wechselte er ablösefrei zu Paris St. Germain. Dort hat er nun einen Vertrag bis 2026. Sein Marktwert beträgt derzeit, auch dank seiner exzellenten Elfmeter-Parade im EM-Finale in London, 65 Millionen Euro!

Briefmarken mit Fußball-Motiven haben in Italien eine lange Tradition. Laut stampworld.com sind seit 1934 von der Posteitaliane 103 Fußballmarken herausgebracht worden. Die vorerst letzte zeigt die Silhouette von Gigio Donnarumma.  1982 hat der berühmte italienische Maler und Grafiker Renato Guttuso zumindest die Hände von Torwart-Legende Dino Zoff abgebildet, wie er den WM-Pokal in die Höhe streckt. 

Und 2006 sieht man die Silhouette von Kapitän Fabio Cannavoro, wie er den gewonnenen Fußball-WM-Pokal in den Nachthimmel von Berlin hebt.

(Autor: KJA)